Der US-Zoll: Die strenge Einreiseprozedur schreckt viele ab
Viele Reisende fühlen sich in den USA nicht willkommen
Eine junge Frau fliegt in die USA. Wegen ihrer Hautprobleme hat sie bestimmte Cremes und einen Brief ihrer Dermatologin bei sich. Aufgrund der neuen Bestimmungen fragt sie beim Einchecken nach dem genauen Prozedere für den Transport der Salben - und wird daraufhin von der Mitarbeiterin der amerikanischen Fluglinie offensichtlich als Sicherheitsrisiko eingestuft: Die vier "S", die man ihr prompt aufs Ticket malt, tragen ihr bei der Ankunft und bei den Anschlussflügen in den USA strengste Kontrollen ein.
Ein junger Österreicher wiederum reist in die USA, um in New York seinen einjährigen Zivildienst zu leisten: Holocaust-Gedenkdienst am Leo-Baeck-Institut. Er hat ein Visum für ein Jahr in seinem Pass und ein Schreiben des Instituts im Gepäck. Der Zollbeamte weigert sich aber, ihm einen Stempel für zwölf Monate zu geben und "bewilligt" nur sechs. Der 19-Jährige fragt nach den Gründen und weist das Bestätigungsschreiben vor. Den Beamten interessiert das nicht. Seine Entscheidung sei zu akzeptieren; sonst werde er den Neuankömmling gleich zurückschicken, droht er.
Keine angenehme Ankunft in Übersee - eine Erfahrung, von der viele USA-Reisende ein Lied singen können. Bei der Immigration gilt es, nur ja keine Fragen zu stellen oder gar Scherze zu machen. Die Beamten behandeln die Einreisenden häufig unhöflich, wie potenzielle Terroristen. Als ob die Frage mitschwingen würde: Was suchst Du hier eigentlich? Dazu noch Fingerabdrücke, Foto.
Dass das Einreiseprozedere in die USA "ein Klima von Angst und Frustration geschaffen hat" und somit Touristen fern hält, belegt nun auch eine Studie der kürzlich gegründeten amerikanischen Organisation Discover America Partnership, in der sich US-Tourismusunternehmen zusammengeschlossen haben. Sie wollen mit der Regierung zusammenarbeiten, um das angeschlagene Image der USA aufzupolieren, und dadurch auch die US-Milliardenverluste der vergangenen Jahre im internationalen Tourismus wettmachen.
Bei der Befragung von mehr als 2.000 Personen in 16 Ländern wurden die Vereinigten Staaten als "schlimmstes Reiseland" eingestuft - vor Staaten im Nahen Osten und in Asien. "Wir sind kein einladendes Land", klagt Geoff Freeman, Geschäftsführer vom Discover America Partnership, "die USA wirken wie eine Festung". Von 2000 bis 2006 sei die Zahl der Besucher um 17 Prozent zurückgegangen, jene von Business-Reisenden um zehn Prozent. Insgesamt besuchten im Jahr 2005 aber immerhin 50 Millionen Ausländer die USA.
Die Untersuchung zeigt, dass die Angst vor den US-Einwanderungsbehörden größer ist als die Furcht vor Terror und Gewalt. 70 Prozent machen sich vor der Einreise Sorgen über mögliche Probleme mit den Zollbeamten. Ein Drittel hat Angst, wegen Fehlern in den Reisedokumenten oder eines falschen Wortes zu einem Grenzbeamten zumindest vorübergehend festgehalten zu werden. Mehr als die Hälfte der Reisenden bezeichnete diese als rüpelhaft. 61 Prozent finden, im Vergleich zu anderen Ländern bemühten sich die USA nicht besonders, um Reisende in ihr Land zu locken.
Das soll sich nun ändern. Pro Jahr will die Organisation zehn Millionen mehr Menschen als bisher Reisen in die USA schmackhaft machen. "Mit jedem neuen Besucher haben wir eine Gelegenheit mehr, das Beste, was Amerika zu bieten hat, zu teilen: Diversität, Energie, Optimismus."
Konzentrierte touristische Bemühungen sollen die Public Diplomacy-Maßnahmen der amerikanischen Außenpolitik verstärken. Es gehe um eine bessere Balance zwischen Sicherheitserfordernissen und Offenheit.
Bitte hier weiterlesen: US-Zoll filzt Laptops von Reisenden
 |