Michael beschreibt seine 37-tägige Reise mit seiner Freundin Susann Albers durch den Osten der USA (Massachusetts, New York, Pennsylvania, Ohio, Kentucky, Tennessee, Indiana, West Virginia und Vermont). Die Seiten werden durch ein Reiseforum, einen Grusskartenservice, eine Linkhitliste, einen ChatRoom sowie free SMS & free E-Mail-Konto abgerundet.



1. Reisetag:
Montag, 21. Juni 1993

Das gesamte Tagebuch gibt es jetzt zum  Downloaden
Ich war überrascht, dass ich während der kurzen Nacht doch noch einigermaßen schlafen konnte. Das war vor Flügen in der Vergangenheit auch schon ganz anders gewesen.

Um 4:00 Uhr klingelte bereits der Wecker. Meine Freundin Susann und ich trafen unsere letzten Vorbereitungen. Pünktlich um 4:30 Uhr traf unser Freund Frank ein, der uns freundlicherweise zum Flughafen nach Hamburg-Fuhlsbüttel fuhr. Dort trafen wir um 5:15 Uhr ein. Susann und ich betraten die Abflughalle. Schon einen kurzen Augenblick später konnten wir unser Gepäck am Schalter der belgischen Fluggesellschaft Sabena aufgeben.

Danach hatten wir noch etwas Zeit. So tranken wir eine Tasse Kaffee und aßen ein Brötchen. Das kostete »nur« schlappe DM 11,30. Dann war es schließlich soweit. Nach über vier Jahren stand für mich wieder eine Flugreise auf dem Programm. Nach meinen drei Weltreisen in den Jahren 1987, 1988 und 1989 hatte ich oftmals gedacht: Aller guten Dinge sind drei. Dabei sollte man es vielleicht belassen. Nun aber stand ich erneut unmittelbar davor, ein Flugzeug zu betreten. Mit einem Zubringerbus wurden die Passagiere zum Flugzeug gefahren. Mit einer kleinen Fokker der Sabena ging es mit zehnminütiger Verspätung in die belgische Hauptstadt Brüssel, wo wir pünktlich um 8:30 Uhr nach einer Flugzeit von einer Stunde ankamen.

 Bis zum Weiterflug nach Boston/USA hatten wir noch reichlich Zeit. In der Transithalle ließen wir uns für den Weiterflug bereits eine Bordkarte ausstellen. Außerdem gingen wir in eine Cafeteria, wo wir unter anderem in den Zeitungen lasen. Doch auch diese Wartezeit ging vorüber. Unerwartet pünktlich mit kaum erwähnenswerter Verspätung hob die Sabena 533 gegen 12:50 Uhr in Richtung USA ab. Ich war hungrig und so war es schön, dass es schon bald ein leckeres Essen gab. Als Film wurde an Bord Groundhog Day (Und täglich grüßt das Murmeltier) gezeigt. An Schlafen war während des Fluges allerdings gar nicht zu denken. Der Tag wurde durch die Zeitumstellung länger und länger. Später wurde das Sitzen im Flugzeug zunehmend anstrengend.

 Viel eher als erwartet landete die Maschine um 20:00 Uhr in Boston. Der Flug hatte sieben Stunden gedauert. Hier war es jetzt erst 14:00 Uhr! Und jetzt begann erst die eigentliche »Arbeit«. Die Zollabfertigung verlief zügig und ohne jegliche Probleme. Auch das Gepäck traf ein. Susann und ich begaben uns geradewegs zum Schalter der Mietwagengesellschaft Hertz. Hier gab es eine ziemlich lange Wartezeit. Hinsichtlich der Kreditkartenzahlung verbleibt ein ungutes Gefühl. Hertz wäre nämlich in der Lage, im Schadensfalle weitere Beträge abzubuchen. Bedenken hatten wir aber auch wegen des Fahrzeugs: In welchem Zustand war das Auto? Würde es die geplante Strecke ohne Pannen durch halten? Wie war es um unsere Fahrkunst bestellt? Wird es uns gelingen, die Großstadt Boston ohne Unfall zu verlassen?

Mit einem Zubringerbus fuhren wir jetzt zum Hertz-Autopark. Hier wurde uns von einer freundlichen Mitarbeiterin alles wesentliche erklärt. Es war unerträglich heiß und schwül. Der Wagen, ein Ford Escort, war echt schön. Es war ein Automatic. Autos mit Getriebe sind in den USA eher die Ausnahme.

Susann übte sich mit dem Wagen ein. Danach folgte die schwierigste Angelegenheit: Die Fahrt aus der 2,3 Millionen-Einwohner-Stadt Boston. Ein wichtiger Tunnel war gesperrt und so gab es meilenlange Staus. Und das bei der Hitze! Die Uhr rannte weiter. Mittlerweile war es 16:30 Uhr (22:30 Uhr in Deutschland). Nachdem wir die Innenstadt verlassen hatten, ging es etwas zügiger vorwärts. Susann kam mit dem Ford Escort ausgezeichnet klar. Ich las die Straßenkarte. Zunächst befuhren wir den Interstate-Highway 93 bis nach Lowell. Wir suchten jetzt nach einer Übernachtungsmöglichkeit, doch die schien es weit und breit nicht zu geben. Keine Motels - das hatten wir nun gar nicht erwartet. Mit der Zeit wurde es immer enger; die Uhr tickte weiter und natürlich waren wir vom langen Tag ziemlich müde und erschöpft.

Mit viel Glück kamen wir dann im Radisson Hotel in Marlborough unter. Es war jetzt 18:00 Uhr (Mitternacht in Deutschland). Eine noble Absteige - aber toll! Jetzt wurden eine ganze Reihe von Kleinigkeiten erledigt. Wir räumten unser Gepäck um und planten mit Hilfe der Straßenkarte die nächsten Etappen. Draußen ging jetzt schwerer Regen nieder. Ich war dann froh, als ich unter die Dusche gehen konnte. Wir waren beide total verschwitzt. Wir waren schließlich mehr als dreiundzwanzig Stunden wach, als wir gegen 21:15 Uhr (3:15 Uhr deutscher Zeit) im Bett lagen. Total müde fielen wir in die Kissen. Aufgrund der Zeitumstellung schliefen wir trotz Müdigkeit nicht besonders lange. Aber egal: Ich war mit dem Ablauf des heutigen Tages sehr zufriueden gewesen. Alles hat prima geklappt. So darf es gern weiter gehen.

Der US-Bundesstaat Massachusetts besitzt eine Fläche von 27.337 km2. Die Bevölkerungszahl betrug im Jahr 2000: 6.349.097. Bevölkerungsdichte: 232,2 pro km2. Die Hauptstadt von Massachusetts ist Boston (Einwohner: 558.400).
Geografie: Die Berkshire Hills durchziehen den Staat im Westen. Im Osten fällt das Land sanft zum Meer hin ab. Hier liegen die Staatshauptstadt Boston und die Strände der Cape Cod National Seashore. Die beiden Gebiete werden durch das Connecticut River Valley voneinander getrennt.
Ortszeit: MEZ - 6 Stunden (UTC - 5 Stunden).

Reportage: Der US-Zoll schreckt viele Reisende ab


2. Reisetag:
Dienstag, 22. Juni 1993

Bedingt durch die Zeitumstellung waren Susann und ich schon gegen 5:00 Uhr morgens wach. So nutzten wir die Zeit zu einem frühen Start. Gegen 6:30 Uhr verließen wir das Radisson Hotel und packten unsere Klamotten in den Ford Escort-Mietwagen. Auf einem nahen Parkplatz machte ich mich mit dem Fahrzeug und vor allen Dingen mit dem Automatic-Getriebe vertraut.

Für einen kurzen Moment fuhren wir dann auf den Interstate 495; danach ging die gesamte Reststrecke auf dem Interstate 90 weiter. Eigentlich wollten wir heute zu den Niagara-Fällen kommen, doch es stellte sich schon bald heraus, dass diese Strecke für einen einzigen Tag viel zu weit war. Man kam bei einem Tempolimit von 55 Meilen pro Stunde aber auch nicht recht voran. Obwohl wenig Verkehr auf den Straßen herrschte, hielten wir uns an das Tempolimit, denn die Kontrollen sollen in den USA ja recht scharf sein.

Kurz vor Springfield kehrten wir gegen 8:00 Uhr in ein Roy Rogers-Lokal ein, wo wir frühstückten. Was man halt so Frühstück nennt! Es war nicht der Rede wert. Um 9:45 Uhr verließen wir dann den US-Bundesstaat Massachusetts und fuhren in den Staat New York. In Johnstown aßen wir mittags ordinären Fast Food. In Syracuse beendeten wir dann die heutige Etappe.

Wir fanden eine Unterkunft in einem Motel 6. Die Übernachtung kostete für uns zusammen $ 39. Es war erst 14:00 Uhr. Ich war nicht sonderlich zufrieden, denn von hier aus konnten wir eigentlich nichts unternehmen. Hier gab es nur Hauptstraßen. Von einem Innenstadtkern war nichts zu sehen. Wir hatten beide Respekt vor der angeblich so hohen Kriminalität in den USA und so waren wir zunächst vorsichtig. Aggressives Geschimpfe nahmen wir schon bald vor dem Motel wahr. Keine Ahnung, worum es ging.

Susann und ich hielten uns in unserem Zimmer bis 17:00 Uhr auf. Dann fuhren wir in ein Lebensmittelgeschäft sowie zu McDonald's. Anschließend klapperten wir die umliegenden Motels und Inns nach Unterkunftsverzeichnissen ab. Trotz des schönen Wetters hielten sich die Möglichkeiten, abends noch etwas umher zu fahren, in Grenzen. Mir mussten erst einmal so richtig in Erfahrung bringen, wo man Informationen aller Art bekommen konnte.

Ich war noch unter der Dusche. Susann und ich stellten das Fernsehgerät an, welches wir in unserem Zimmer hatten. Das Programm war arg werbeüberlastet und das Niveau war wenig berauschend. Außer Seifenopern und Game-Shows schien es nichts anderes zu geben. Während der Nacht konnten wir prima schlafen.

Der US-Bundesstaat New York besitzt eine Fläche von 141.080 km2. Die Bevölkerungszahl des Staates betrug im Jahre 2000: 18.976.457. Bevölkerungsdichte: 131 pro km2. Die Hauptstadt ist Albany mit einer Einwohnerzahl von 101.082.
Geografie: Der Staat New York erstreckt sich von der Atlantikküste bis nach Kanada und zu den Großen Seen. Die Hauptstadt Albany bietet neben palastartigen Bauwerken und dem imposanten Rockefeller Empire State Plaza auch zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten in die malerischen Dörfer, unterirdischen Wasserfälle und Nationalparks der umliegenden Berge. Long Island ist aus einer Gletschermoräne entstanden und ragt weit in den Atlantik hinaus. Das nord-südlich verlaufende Hudson-Tal schneidet tief ins Land ein. Die Finger Lakes liegen weiter westlich in Richtung der Niagara-Fälle. Die bewaldeten Hänge der Catskill Mountains im Nordosten und der nördlichen Adirondack Mountains laden mit ihren zahlreichen Flüssen und Seen zu Wanderungen ein. Auch die Thousand Islands, eine Inselgruppe dicht an der kanadischen Grenze, die mitten durch den Lake Ontario verläuft, sind leicht zu erreichen.
Ortszeit: MEZ - 6 Stunden (UTC - 5 Stunden); April bis Oktober: MEZ - 5 Stunden (UTC - 4 Stunden).

Reportage: Amerika ist anderswo - Spaziergang mit Michael Cunningham durch Provincetown


3. Reisetag:
Mittwoch, 23. Juni 1993

Auch heute Morgen standen Susann und ich schon sehr früh auf, da wir aufgrund der Zeitumstellung entsprechend früh munter waren. Nachdem wir unsere Sachen zusammen gepackt hatten, verließen wir das Motel 6 in Syracuse um 6:20 Uhr.

Bei herrlichem Wetter fuhren wir auf dem Interstate Highway 90 weiter in Richtung Westen. Unterwegs tankten wir den Wagen erstmals auf. Ein Fast-Food-Frühstück gab es bei Roy Rogers. In Pembroke verließen wir den langweiligen, autobahnähnlichen Interstate und fuhren auf der Straße 77 und später auf der 31 zu den Niagara-Fällen an der kanadischen Grenze.

Auf der kanadischen Seite hatte ich mir die spektakulären Fälle vor sechs Jahren schon angesehen. Auch heute war es wieder ein Erlebnis der besonderen Art. Schon von weitem hörte man das Donnern und Tosen der herabstürzenden Wassermassen. Zwischen 10:50 Uhr und 13:00 Uhr hielten wir uns in der Stadt Niagara Falls auf.

Auf dem Interstate ging es nun um Buffalo herum bis Springville. Auf der Straße 219 fuhren wir noch bis Ellicottville. Hier wollten wir ein paar Einkäufe erledigen. Da es hier aber so bezaubernd war, entschieden wir uns kurzfristig, hier zu bleiben. Wir fanden das schöne Holliday Valley Motel und checkten uns hier ein. Eine gute Wahl!

Es war jetzt 15:00 Uhr. Natürlich war jetzt wieder eine Menge zu erledigen. Die Routine-Erledigungen kosten leider immer sehr viel Zeit. Ich setzte mich später nach draußen vor das Motel, während Susann noch einmal in den Ort zum Einkaufen fuhr. Abends gingen wir noch einmal gemeinsam in den Ort. Bei Burger King aßen wir noch eine Kleinigkeit. Später saß ich noch auf dem schönen Balkon des Motels. Von hier aus hatten wir eine wunderschöne Aussicht.

Es kühlte sich dann etwas ab. Ich war dann noch unter der Dusche. Susann und ich guckten uns dann die ein oder andere Sendung im amerikanischen Fernsehen an.

Info: USA - Allgemeine Informationen


4. Reisetag:
Donnerstag, 24. Juni 1993

Susann und ich standen auch heute schon gegen 6:00 Uhr auf. In kurzer Zeit packten wir unsere Sachen zusammen und verließen wenig später das Holliday Valley Motel. Draußen war es noch neblig und kühl. Doch schon nach kurzer Zeit entwickelte sich ein weiterer sonniger und sehr warmer Tag. Ein Spitzenwetter!

Zunächst fuhren wir in den Ort Ellicottville, wo wir in einem Coffee Shop frühstückten. Eine Bedienung wollte rein zufällig auch in den Allegany State Park fahren, wo Susann und ich heute auch hin wollten. Sie fuhr um 8:00 Uhr mit ihrem Lieferwagen vor und wir fuhren hinterher. Zunächst fuhren wir die zehn Meilen lange Strecke bis nach Salamanca und von dort waren es noch sechs weitere Meilen bis in den State Park.

Hier war es atemberaubend schön. Riesige Wälder, Flüsse und Seen - Natur pur! Im Administration Building meldeten wir uns an. Wir wollten eine Hütte für zwei Nächte haben. Diese kostete uns $ 38,50 pro Person mit zwei Übernachtungen. Wir fuhren ein paar Meilen und fanden schließlich unsere Hütte. Es war urig hier. Die Hütte war in eine wunderschöne Landschaft eingebettet und befand sich auf einer kleinen Anhöhe. In der Hütte gab es einfache Betten; es gab elektrischen Strom und einen Gasherd. In einfacheren Hütten gab es weder Strom noch Herd. Da hätte man ein Feuer entfachen müssen. Doch auch unsere Hütte war abenteuerlich genug. Vor der Hütte hatten wir eine Veranda und eine Sitznische. Die erstaunlichsten Tiere (meist Insekten, wie ich sie nie zuvor gesehen habe) waren zu bestaunen. Besonders zauberhaft waren die großen Schmetterlinge, die hier umher flatterten. Ob es hier aber gefährliche Tiere wie Spinnen, Bären oder Schlangen gab, war zunächst gar nicht so klar.



Die Hütten standen in etwa fünfzig Meter Abstand zueinander. Auf "unserem" Grundstück gab es eine weitere Hütte, die jedoch nicht belegt war. Jetzt galt es, in Salamanca für die Mahlzeiten einzukaufen. Susann und ich erstellten einen umfangreichen Einkaufszettel und fanden auch schnell einen riesigen Supermarkt, wo wir wirklich alles bekommen haben. Der Einkauf kostete uns $ 86. Eine Wahnsinnssumme, aber wir mussten eben auch eine Pfanne, einen Topf und Besteck besorgen. Diese Dinge gehörten nämlich nicht zur Hüttenausstattung.

Wir fuhren mit unserem Mietwagen zu unserer Hütte zurück. Die Lebensmittel verstauten wir im Kühlschrank. In den nächsten Stunden hielten wir uns vor der Hütte auf, wo wir noch den einen oder anderen Kaffee tranken. Wir erledigten dabei einige Routine-Tätigkeiten. So musste ich beispielsweise dringend mein Tagebuch schreiben. Die Ruhe hier war ein einziger Genuss. Außerdem war es schön, nicht den ganzen Tag im Auto sitzen zu müssen. Mit der Entscheidung, in diesen State Park zu fahren, hatten wir offensichtlich das richtige Näschen gehabt.

Viel mehr machten Susann und ich heute nicht. Später fuhren wir noch einmal kurz in das Administration Building, um weitere Informationen einzuholen. Während ich duschte, bereitete Susann in der Hütte das Abendessen zu. Heute gab es mal etwas anderes als diese ewigen Hamburger mit Chips. Es gab ein leckeres Steak, grüne Bohnen und Kartoffeln. Das schmeckte total lecker.

Ich habe dann am Wasserloch das Geschirr abgewaschen. Danach tranken Susann und ich einen weiteren Kaffee. So langsam sank die Sonne tiefer und der Abend brach herein. Die einen lästigen Insekten gingen "zu Bett"; anderen wurden dafür munter. Die Geräusche der Nacht nahmen zu. Es war überhaupt nicht kühl. Als es dunkel war, tanzten überall die Glühwürmchen herum. Wir hatten an der vorgesehenen Feuerstelle ein Lagerfeuer entfacht. Leider war Kleinholz im Wald kaum vorhanden, da es wahrscheinlich schon von anderen aufgesucht worden war.

Später besuchte uns noch ein Waschbär, der offensichtlich etwas zu fressen haben wollte. Es gab hier im Park allerdings zahlreiche Warnschilder, die besagen, dass man Waschbären nicht zu nahe treten solle, da sie mit Tollwut infiziert sein könnten.

Ein wunderschöner Tag neigte sich dem Ende zu. Susann und ich verzogen uns dann bald in unsere Hütte. Susann war die amerikanische Wildnis bei totaler Dunkelheit noch nicht ganz geheuer. Die einzige Lichtquelle kam von den Glühwürmchen, denn auch das Lagerfeuer war mittlerweile erloschen.

Reportage einer Bahnreise: In den letzten Zügen


5. Reisetag:
Freitag, 25. Juni 1993

Durchs Fenster der Hütte schien heute Morgen die aufgehende Sonne, die mich gegen 7:00 Uhr weckte. Auch den heutigen Tag blieben wir im Allegany State Park im US-Bundesstaat New York.

Schon zu früher Stunde war es sehr warm. Wir konnten draußen vor der Hütte frühstücken. Susann bereitete das Morgenessen vor. Es gab Müsli mit Milch, gekochte Eier und Marmeladenbrot. Gegen 9:00 Uhr fuhren wir in das Administration Building, wo wir unseren Aufenthalt um eine weitere Nacht verlängerten. Danach fuhren wir rund elf Meilen in südlicher Richtung - bis fast an die Staatsgrenze New York/Pennsylvania. Hier gab es einen von achtzehn ausgeschilderten Wanderwegen. Susann und ich begingen den Trail 3, den sogenannten Black Snake Mountain Trail.

Um 10:00 Uhr starteten wir. Der Weg führte durch dichten Wald. An manchen Stellen war es arg morastig. Insekten setzten uns ziemlich zu. Schlangen huschten vor uns über den Weg. Ein Biber und ein Reh blieben jedoch stehen, bis wir sie fotografiert hatten. Überall sprangen Eich- und Streifenhörnchen in den Bäumen herum. Siebenundsechzig Minuten brauchten Susann und ich für den drei Meilen langen Wanderweg.

Danach fuhren wir ein Stück weiter an den zauberhaften Science Lake. Die Hitze wurde jetzt immer intensiver. Auch wurde es dunstiger. Nach unserer Rückkehr ruhte ich mich in der Hütte einen Moment aus. Ich war total erschöpft und schlief tief und fest.

Gegen 14:00 Uhr fuhren wir dann nach Salamanca, wo wir tankten und erneut im Supermarkt einkauften. Auch holte ich erste Fotos aus dem Drug Store ab. Sie sind echt toll geworden. Dann fuhren Susann und ich an den recht belebten Red House Lake, wo wir umgehend ein Bad nahmen. In der Hütte begannen dann die Vorbereitungen für das Abendessen. Mit Hilfe von Grillkohle entfachte ich ein Feuer. An der Feuerstelle grillten wir leckeres Fleisch. Susann bereitete in der Hütte die Beilagen zu (Kartoffeln, Gemüse, Eier). Wir speisten natürlich wieder draußen vor der Hütte.

Am Abend schrieben wir in unsere Tagebücher. Als es dunkel wurde, schwirrten wieder überall Glühwürmchen umher. Manchmal konnten wir nicht unterscheiden, ob es ein Stern am Firmament oder eben eines dieser glühenden Käfer war. Auch unser Freund, der Waschbär, kam wieder vorbei. Wir haben ihn lange beobachtet und hätten ihn nur zu gern einmal gestreichelt.

Gegen 22:00 Uhr zogen wir uns in unsere Hütte zurück. Es war unerträglich heiß und man konnte kaum einschlafen. Um 4:00 Uhr setzte dann plötzlich ein starker Regen ein.

6. Reisetag:
Sonnabend, 26. Juni 1993

Das Wetter machte uns heute einen Strich durch die Rechnung. An Wanderungen war beispielsweise so gar nicht zu denken. Das wäre zu morastig geworden. Susann und ich standen um 7:45 Uhr auf. Der Regen hörte bald auf; es war aber wolkig und kühl. Wir frühstückten deshalb heute in der Hütte. Danach fuhren wir wieder nach Salamanca, wo wir Kleinigkeiten einkauften. Auf dem Rückweg bestiegen wir noch den Stone Tower. Von oben hatten wir eine imposante Aussicht auf die Umgebung.

Zurück in der Hütte ruhte ich mich einen Moment aus. In der Zeitung USA Today habe ich anschließend gelesen. Irgendwie kam ich heute nicht richtig in die Gänge. Am Nachmittag lockerte die Bewölkung etwas auf. Es war allerdings wieder drückend schwül. Ich schrieb dann noch einige Ansichtskarten. Susann und ich beschäftigten uns dann mit der geplanten Route für den morgigen Tag.

Wir fuhren dann nochmals nach Salamanca, wo wir Geld für einige Telefonate wechselten. In einer Telefonzelle im Park versuchten wir dann, Jugendherbergen zu reservieren. Nach unserer Rückkehr bereiteten wir dann in der Hütte ein Abendessen zu. Da es kühl war, speisten wir drinnen. Ich brutzelte Koteletts auf dem Grill vor der Hütte. Susann kochte Kartoffeln und Gemüse. Nachdem wir lecker gespeist hatten, spülte ich das Geschirr am "Wasserloch". Danach fuhren wir in das Administration Building, um nochmals zu telefonieren. Den restlichen Abend verbrachten Susann und ich vor oder in der Hütte. Wir diskutierten, ob wir unseren Hertz-Mietwagen über den 19. Juli hinaus behalten sollten. Eigentlich wollten wir die letzte Woche in Boston verbringen.

Während der Nacht war es erheblich kühler als gestern, so dass wir gut schlafen konnten.

7. Reisetag:
Sonntag, 27. Juni 1993

Heute Morgen klingelte der Wecker in unserer Hütte gegen 6:30 Uhr. Ich hörte ihn kaum, da ich total im Tiefschlaf war. Susann musste mich deshalb nachdrücklich wecken. In unserer Hütte nahmen wir dann das letzte Frühstück ein. Danach packten wir unser Gepäck in den Ford Escort. Die Klamotten scheinen sich zu vervielfachen. Wir gaben den Hüttenschlüssel bei der Police Station ab; die Rezeption hatte nämlich noch geschlossen.

Um 7:50 Uhr verließen wir dann nach drei Nächten den Allegany State Park. Jetzt begann eine enorm lange Fahrt auf unterschiedlichsten Straßen, die teilweise ganz schön nervenzehrend waren. Für runde sechs Meilen fuhren wir auf dem Highway 17; dann ging es auf den 219 South. Um 8:20 Uhr verließen wir den US-Bundesstaat New York und überfuhren die Grenze nach Pennsylvania. Auf der 770 West ging es weiter bis zur Abzeigung 59 West. Dann folgte eine Umleitung über den Highway 6 bis Youngsville. Hier ging es auf den Highway 27 West. Um 11:00 Uhr fuhren wir durch die größere Stadt Meatville. In Conneaut Lake nahmen wir ein zweites Frühstück zu uns. Jetzt hatten wir mal gerade die Hälfte der für heute geplanten Etappe geschafft.

Um 11:50 Uhr fuhren wir weiter. Nach wenigen Minuten erreichten wir den US-Bundesstaat Ohio. Auf dem 7 South ging unsere Fahrt weiter; danach befuhren wir den 322 West sowie den 44 South. Susann las die Straßenkarte einwandfrei!

Um 13:45 Uhr erreichten wir Mantua Corners, wo ein Flohmarkt stattfand. Hier kaufte ich mir für schlappe $ 4,-- eine prima Jeans, die wie neu aus sah. Es war jetzt sehr heiß und schwül. Auf dem Highway 303 ging die mittlerweile strapaziös gewordene Fahrt weiter. Auf dem Interstate 271 ging es jetzt weiter; danach fuhren wir auf den Highway 71.

Nach rund 345 Meilen(!) erreichten wir gegen 16:30 Uhr die Malabar Farm in der Nähe der Stadt Lucas, die eine Jugendherberge beherbergte. Das prächtige Haus in der Bromfield Road fanden wir schnell. Von der freundlichen Managerin, Mrs. Florence Overholt, wurden wir herzlich begrüßt. Wir konnten uns schon jetzt anmelden (an sich war das erst ab 17:00 Uhr möglich). Die Jugendherberge war wunderschön. Es erinnerte uns eher an ein Private Hostel. Wir bekamen ein schönes Zimmer. Wir setzten uns dann auf die Terrasse und unterhielten uns mit Florence und einer anderen Frau - vermutlich ihre Freundin. Wenig später zog ein Gewitter auf. Wir genossen das Naturschauspiel auf der Veranda. Wir saßen so zusammen und vergaßen etwas die Zeit. Gegen 23:15 Uhr legten wir uns nach einer erfrischenden Dusche ins Bett. Durch das Gewitter hatte es etwas abgekühlt. So war es recht angenehm zu schlafen.

Der US-Bundesstaat Ohio besitzt eine Fläche von 116.103 km2. Die Bevölkeruingszahl lag im Jahre 2000 bei 11.353.140. Bevölkerungsdichte: 97 pro km2. Die Hauptstadt von Ohio ist Columbus mit einer Einwohnerzahl von 657.100.
Geografie: Die Sandstrände des Lake Erie markieren die nördliche Grenze des Staates. Das Land besteht aus weitläufigem fruchtbaren Ackerland. Insgesamt besitzt Ohio 40.869 km befahrbare Wasserwege, darunter den Ohio, den Mohican und den Tuscarawas River.
Ortszeit: MEZ - 6 Stunden (UTC - 5 Stunden).

8. Reisetag:
Montag, 28. Juni 1993

1.193 Meilen haben Susan und ich in dem Mietwagen bisher zurück gelegt, seit wir Boston verlassen hatten.

Heute Morgen klingelte der Wecker gegen 7:30 Uhr. Draußen regnete es in Strömen. Später ließ der Niederschlag allerdings nach . Susann und ich gingen hinunter in die Küche der Jugendherberge Malabar Farm. Dort war Florence schon am wirbeln. Wir haben uns noch nett mit ihr unterhalten. Dabei tranken wir einen Kaffee. Auch hier gab es übrigens unzählige Tiere zu sehen. Vor der Jugendherberge befanden sich Vogelhäuser. Dort sahen wir Spechte, Kolibris und rote Kardinäle. Ansonsten gab es hier Groundhogs (Murmeltiere), Kröten, Eichhörnchen und Glühwürmchen zu bestaunen.

Wir verließen die Jugendherberge gegen 9:00 Uhr und fuhren in die nahegelegene Großstadt Mansfield. Am Flughafen suchten wir den Hertz-Schalter auf, wo wir die Miete unseres Ford Escort um eine Woche verlängerten. Ich hatte natürlich einige Bedenken, ob das alles auch wirklich so funktionierte, denn wir bekamen am Hertz-Schalter keinerlei Quittung oder anderweitige Bestätigung ausgehändigt. Die Extrakosten für den Wagen wurden zu einer nicht eingeplanten Belastung für das Reisebudget. Nachdem wir die Verlängerung des Wagens erledigt hatten, fuhren wir in die Innenstadt von Mansfield. In der West Park Avenue begaben wir uns in die Kingsgate Mall, wo wir erst einmal frühstückten. Ich schrieb dabei noch einige Ansichtskarten. Danach gingen Susann und ich zum Frisör. Waschen und Schneiden kostete nur $ 8,99 plus $ 2 Trinkgeld. Anschließend speisten wir ein Lunchmenü im China-Restaurant.

Jetzt begann es wieder zu regnen. Wir fuhren zurück in die Nähe der Malabar Farm und fuhren auf den Hügel Mount Jeez, von wo wir einen wunderschönen Ausblick auf die Umgebung hatten. Susann und ich ruhten uns im Auto etwas aus. Dann fuhren wir nach Lucas, wo wir einige Lebensmittel einkauften. Gegen 16:45 Uhr waren wir zurück in der Jugendherberge.

Jetzt besserte sich das Wetter etwas und wir konnten eine kleine Wanderung zu einer Höhle unternehmen. In der Jugendherberge ging es dann unter die Dusche. Susann machte uns noch eine Kleinigkeit zu essen (Spaghetti, Soße, Rührei). Wir ließen es uns schmecken; ich spülte anschließend das Geschirr ab. Mittlerweile war eine religiöse Gruppe eingetroffen, deren Mitglieder alle sehr freundlich waren. Susann und ich setzten uns dann auf die Schaukel auf der Veranda. Die Moskitos bissen jedoch wie verrückt, so dass wir es vorzogen, in unsere Zimmer zu gehen. Hier haben wir noch etwas gelesen und bald darauf geschlafen.

9. Reisetag:
Dienstag, 29. Juni 1993

In der Jugendherberge Malabar Farm klingelte heute Morgen um 7:00 Uhr der Wecker. In kurzer Zeit packten wir unser Gepäck zusammen und luden es ins Auto ein. In der Gemeinschaftsküche machten wir uns Frühstück. Später verabschiedeten wir uns von Florence und verließen diese schöne und ungewöhnliche Jugendherberge.

Abfahrt war gegen 8:30 Uhr. Zum Glück bemerkte Susann, dass ich meinen Rucksack noch gar nicht eingeladen hatte. Da wir nur zwei Meilen gefahren sind, konnten wir problemlos zurück fahren. Gar nicht auszudenken, wenn wir schon hundert Meilen oder mehr gefahren wären.

Das Wetter war heute nicht berauschend. Vormittags war es wolkig und es gab einzelne Schauer. Nachmittags kam die Sonne durch und es wurde schwülwarm. Eigentlich wollten wir heute gar nicht so weit fahren; am Ende wurden es aber dann doch wieder zweihundertachtzig Meilen! Bis Mount Vernon fuhren wir jetzt auf der 13 South; anschließend auf dem 661 South.

Um 9:20 Uhr durchfuhren wir Granville. Ab hier ging es auf der 37 East weiter. Bei Thurston ging es auf den 256 East. In Logan machten wir eine Mittagsrast. Auf dem 93 setzten wir unsere heutige Etappe in südlicher Richtung fort. Langsam wurde die Fahrt zur Strapaze. Wir fanden einfach keine Unterkunft! In Ironton verließen wir den US-Bundesstaat Ohio, überquerten den gleichnamigen Fluss und befanden uns jetzt in Kentucky. Auf dem Interstate-Highway 64 fuhren wir schließlich bis Moorehead, wo wir im Day Inn-Motel eine relativ günstige Unterkunft fanden. Es war jetzt 16:00 Uhr.

Susann und ich erledigten jetzt einige Kleinigkeiten. Teile unserer Klamotten musste gewaschen werden. Gegen 17:45 Uhr fuhren wir in die Innenstadt von Moorehead, die allerdings herzlich wenig zu bieten hatte. Es war jetzt total heiß. Wir aßen eine Kleinigkeit in einem chinesischen Imbiss und liefen einmal durch die Stadt. Dann waren wir noch im Supermarkt und tankten unseren Mietwagen auf. Zurück am Motel schaute ich auf den Tachostand des Wagens: 1.478 Meilen sind wir seit unserer Ankunft in Boston gefahren. Im Motel saß ich noch auf dem Balkon und las in der Zeitung USA Today. Im Zimmer war es unerträglich heiß. Susann und ich guckten noch etwas Fernsehen. Dann nahm ich eine erfrischende Dusche. Trotz der Hitze konnten wir aber ziemlich gut schlafen.

Der US-Bundesstaat Kentucky besitzt eine Fläche von 104.665 km2. Die Bevölkerungszahl betrug im Jahre 2000: 4.041.769. Bevölkerungsdichte: 38,6 pro km2. Die Hauptstadt von Kentucky ist Frankfort mit einer Einwohnerzahl von 25.968.
Geografie: Die Landschaft besteht überwiegend aus Weideland und Bluegrasswiesen. Kentucky ist für seine Pferdezucht ebenso bekannt wie für außergewöhnliche Höhlen, Bourbon-Whisky und Bluegrass-Musik.
Ortszeit: Kentucky (East): MEZ - 6 Stunden (UTC - 5 Stunden ); April bis Oktober: MEZ - 5 Stunden (UTC - 4 Stunden). Kentucky (West): MEZ - 7 Stunden (UTC - 6 Stunden); April bis Oktober: MEZ - 6 Stunden (UTC - 5 Stunden).

10. Reisetag:
Mittwoch, 30. Juni 1993

Leider klingelte das Telefon in unserem Zimmer schon um 5:00 Uhr! Vermutlich ein Weckdienst - es war niemand dran. Um 7:00 Uhr standen Susann und ich auf. Draußen war es sehr mild und neblig feucht. Wir packten unser Gepäck zusammen und verließen das Days Inn-Motel gegen 7:50 Uhr. Auf dem Highway 519 fuhren wir zunächst bis West Liberty. In der dortigen Filiale der Commercial Bank wechselten wir einen Reisescheck in Bargeld um. In einem Motel frühstückten wir anschließend.

Die relativ kurze Tagesetappe führte uns durch eine landschaftlich schöne Gegend. Die Hügel wurden deutlich höher. Überall sahen wir Mobilhomes und in Bergwerken und an Straßen hart arbeitende Männer. In Hindman aßen wir einen Mittagsimbiss. Jetzt war es nur noch ein Katzensprung bis zur Jugendherberge Pippa Passes. Trotz der noch frühen Tageszeit konnten wir uns sofort anmelden. Die Umgebung war aufregend schön. Leider bekamen wir nur in einem ungemütlichen, muffigen Zimmer Unterkunft. Das war weniger erfreulich. Die anderen Betten waren von Minenarbeitern belegt.

Mittlerweile war es unerträglich heiß und schwül. Wir fuhren am Nachmittag an einen nahegelegenen See, den Carr Fork Lake. Wir nahmen sofort ein Bad. Die Temperatur des Wassers war ungewöhnlich warm. Eine große Erfrischung war das Bad nicht. Einige interessierte Leute suchten uns auf und unterhielten sich freundlich mit uns.

Susann und ich fuhren jetzt in die Einkaufs-Mall bei Hindman. Eine Mall ist ein riesengroßes, überdachtes Einkaufszentren mit unzähligen Geschäften. Hier kauften wir uns eine Kühlbox. Wir speisten in einem langweiligen Restaurant; natürlich mit einer Klimaanlage in Hochbetrieb. Wir fuhren dann zur Jugendherberge Pippa Passes zurück. Es gab ein leichtes Gewitter, das keinerlei Abkühlung brachte.

Die Nacht in dem muffelig riechenden Zimmer war dann weniger angenehm. Hier unten befand sich eine Klimaanlage, die das Haus kühlte. Sie machte viel Lärm und kühlte natürlich auch unseren Raum. Erst tief in der Nacht stellte sie sich automatisch ab.