Wiedergeburt

Khao Lak: Die vom Tsunami am stärksten getroffene Region Thailands glänzt wieder. Tiefpreise sollen jetzt Gäste bringen

Das Polizeiboot, das einen Enkel des thailändischen Königs bei Wassersportaktivitäten zu Weihnachten 2004 vor der Küste von Khao Lak begleitete, liegt heute, 1,5 Kilometer weit vom Meer entfernt, auf dem Trockenen vor einem Wald. Wären die Bäume nicht gewesen, hätte der Tsunami das gut zehn Meter lange Schiff noch weiter ins Inland gespült. König Bhumipol Adulyadej, der seinen Enkel bei der Naturkatastrophe verlor, wünschte sich, dass dieses Boot zu einem Denkmal wird.

In den Tagen nach der verheerenden Flutwelle zu Weihnachten 2004 stand Khao Lak plötzlich im Mittelpunkt der Berichterstattung. Der Küstenstrich liegt rund 80 Kilometer nördlich von Phuket auf dem Festland. Er wurde von der Flutwelle zu 95 Prozent zerstört und unter den touristischen Zielen am stärksten getroffen.

Bis Mitte der 90er Jahre war die Region allenfalls eingefleischten Thailand-Travellern ein Begriff. "1990 stand Khao Lak auf keiner touristischen Landkarte", bestätigt Thomas Maurer. Der Schweizer, der in Bangkok lebt und für den Reiseveranstalter Thomas Cook arbeitet, entdeckte das Gebiet für den Pauschaltourismus. Doch dann kam der Tsunami - und die Stunde null.

Andrew und Kate Kemp waren in Phuket, als die Welle kam. Ihr Boutique-Hotel The Sarojin sollte zum Jahreswechsel eröffnet werden, aber der Tsunami verwüstete Garten, Pools und die komplette Inneneinrichtung.

"95 Prozent unseres Schadens trug die Versicherung", sagt der englische Hotelier, der die Belegschaft nach dem Tsunami im Renovierungsjahr nicht nach Hause schickte. "53 Angestellte wollten helfen, das Resort wieder aufzubauen". Es sind jene 52, nach denen die Zimmer und Villen heute benannt sind. Umphan ist eine von ihnen. Im Housekeeping beschäftigt, fühlt sich die 25-Jährige stolz und geehrt, dass ihr Name auch der Name einer Suite im The Sarojin ist.

Während Umphan und viele andere schufteten, um Khao Lak wieder auferstehen zu lassen, war das Gebiet mehr als ein Jahr aus den Reiseprospekten verschwunden.

Umphan und alle in Khao Lak waren fleißig. Zwei Jahre nach der Katastrophe ist fast alles wieder in Ordnung - auch wenn in den Köpfen der Leute nichts mehr ist, wie es früher einmal war. Zu sehen sind diese Wunden nicht. Lediglich ein paar Schneisen in den dichten Palmenhainen, die eine oder andere Ruine und das gestrandete Polizeiboot zeugen noch von der Katastrophe.

Rund 20 Resorts, frisch renoviert oder nagelneu erbaut, sind bereit für den Neuanfang. Sie verteilen sich am elf Kilometer langen, goldgelben Sandstrand und man kann nur empfehlen, hier seinen nächsten Urlaub zu buchen - zumindest, wenn man es schätzt, abseits von Sauf- und Sexbars seine Ferien zu verbringen.

Nur eine Stunde vom internationalen Flughafen von Phuket entfernt, erscheint Khao Lak wie eine Oase der Ruhe im Vergleich zu Patong oder Karon, den längst wieder zum 'Business as usual' zurückgekehrten Amüsierstränden von Phuket. Wobei das Angebot an Wassersportaktivitäten, die Auswahl an Restaurants und die Einkaufsmöglichkeiten von der schwarz gebrannten Musik-CD über Handwerkskunst bis zum maßgeschneiderten Herrenanzug auch in Khao Lak keine Wünsche offen lassen.

Den Gästen wird derzeit der rote Teppich ausgerollt. In Khao Lak kann man derzeit einen Luxusurlaub verbringen, der anderswo ein kleines Vermögen kosten würde. The Sarojin etwa bietet Villenzimmer, die in Ausstattung und Design an selbst ernannte Sechs-Sterne-Resorts erinnern.

Auch wenn man gar nicht mehr weg will aus seinem Reich, sollte doch wenigstens ein Ausflug eingeplant werden: In den Khao Sok-Nationalpark, der gleich hinter Khao Lak beginnt. Ob eine Kanufahrt durch den dichten Dschungel mit zahlreichen Wasserechsen und Schlangen, die in den Bäumen schlafen und -plumps!- auch schon mal ins Wasser fallen. Oder ein Elefantenritt in das Gebiet, in dem es auch noch einige der insgesamt 2.000 wild in Thailand lebenden Elefanten gibt.

Weitere schnell erreichbare Ausflugsziele sind die Similan Islands, die zu den besten Tauchrevieren der Welt gehören, und die Phan Nga-Bucht mit den bizarrsten Felsformationen, die man sich vorstellen kann - darunter auch Kho Phingan, vor deren Kulisse sich einst James Bond mit Bösewicht Scaramanga duellierte.

Auf dem Weg dorthin bietet sich zudem ein Stopp bei Wat Bang Reang an, einem höchst imposanten Tempel mit vielen wunderschönen Buddha-Bildnissen, Tempelwächtern und einer mit Buddha-Statuen verzierten, schneeweißen Stupa. Das sieht man nicht einmal im Königspalast von Bangkok.

Phuket - Drei Top-Hotels locken die Schickeria an: "Phuket", sagt Anthony Lark nüchtern, "hat nach dem Tsunami einen Riesensprung gemacht. Die Nordwestküste ist heute gesellschaftlich vergleichbar mit South Beach Miami - nur haben wir die besseren Hotels".

Der das sagt, kennt sich aus mit den besten Häusern der Welt. Der 45-jährige Hotelmanager war der erste Angestellte der legendären Aman-Resorts, die als Messlatte für die Top of the Top gelten.

Über das Hotel Trisara auf Phuket spricht er nur in Superlativen. Es ist das einzige der Welt, das ausschließlich aus großzügigen, mindestens 117 m2 großen Villen mit eigenen Gärten und Pools besteht, die von außen nicht einsehbar sind. Jeder Gast hat ein privates Refugium und kann unbeobachtet tun was er will - so er die kleine Don't Disturb-Steinfigur vor die Tür stellt.

Das traumhaft über der Küste thronende und vollkommen abgeschottete Trisara liegt nur zwei Buchten weiter vom legendären Hotel Anampuri. Mit dem Banyan Tree sonnen sich damit drei der besten Hotels der Welt nebeneinander. Wobei das Trisara das glanzvollste ist.

In dem 2005 eröffneten Haus ist die Liste der prominenten Gäste noch überschaubar. "Aber die Aman-Junkies werden uns bald entdecken. Das Trisara wird der der neue In-Place für Hollywood und Wall Street in Asien", weiß Anthony. "Das Abgeschottetsein vom Alltag ist der Luxus, den sich unsere Gäste wünschen. Wir sind kein Hotel. Wir verkaufen Abgeschiedenheit mit allem Komfort."

Tennis-Star Roger Federer war drei Wochen im Trisara, ohne auch nur einen Blick auf die resorteigenen Courts zu werfen. Kurt Wachtveitl, der König des Oriental in Bangkok, das regelmäßig zum weltbesten Stadthotel gekürt wird, reiste an, um das beste Resort-Pendant zu inspizieren. Bald werden es wohl auch die DiCaprios, Shakiras und Bransons dieser Welt für sich entdecken.

Bitte lest auch die Reportage: Die guten Geister von Khao Lak