Der Teufel schläft nicht
Wenn drei Städter die tasmanische Wildnis in einem Van erkunden, dann ist auch der Teufel nicht weit
"Hier ist der Gasherd und so klappt man das Bett auf. Den Heizstrahler finde ich momentan nicht - ist das ein Problem?" Doch nicht für uns. "No worries" - Kein Problem, frei nach dem Lebensmotto der Australier. Wer sich aus der Zivilisation der Hauptstadt Hobart in die Wildnis der Insel Tasmanien wagt, der kann gut und gerne auf derartigen Komfort verzichten. Her mit dem Schlüssel und los geht das Abenteuer in einem klapprigen Wohnmobil.

Zehn Stunden später liegen wir drei Abenteurer gemeinsam im provisorischen Doppelbett des Wagens. Wo genau sich der Campingplatz befindet, auf dem er steht, ist schwer zu sagen. Sicher ist nur, dass er in der Nähe des St Clair Nationalparks in der Landesmitte liegt. Ortstafeln gibt es hier keine - nur Wildnis.
Ans Schlafen denkt in dieser Nacht keiner. Unmöglich bei den fünf Minusgraden, die langsam in den Camper kriechen. Da können selbst sechs Decken und drei Schlafsäcke den fehlenden Heizstrahler nicht wett machen. Zum lauten Geklapper unserer Zähne gesellen sich obendrein die unheimlichen Laute der wilden Tiere, die um den Wagen schleichen. Für Gänsehaut sorgt zusätzlich der markerschütternde Schrei des Tasmanischen Teufels. Oder war es doch nur eine Eule?
Es bleibt keine Zeit, sich weitere 'Teufeleien' auszumalen, denn die ersten Sonnenstrahlen blinzeln bereits durch die Heckscheibe. Noch schnell eine Katzenwäsche, dann wird der Motor angeworfen. "Halt, wir haben vergessen zu zahlen!". Der Rückwärtsgang kracht und zehn Dollar wandern aus der Urlaubskasse in einen Briefkasten neben den Sanitäranlagen. Unkonventionell, aber was erwartet man sich auch hier, mitten im Nirgendwo.
Über kurvige, schmale und nur notdürftig asphaltierte Straßen, geht es weiter Richtung St. Clair Nationalpark. Danach tragen uns nur noch staubige Landstraßen, die mit Schlaglöchern übersät sind. Die Tachonadel bewegt sich kaum über die 30-Stundenkilometer-Marke hinaus. Die holprigen Wege führen uns schließlich durch die Highlands über denen der Mount Cradle, der höchste Berg Tasmaniens thront, bis nach Launceston, die zweitgrößte Stadt der Insel, die für ihr Einbahn-Labyrinth bekannt ist.
Der letzte Halt, bevor wir wieder an unseren Ausgangspunkt in Hobart zurückkehren, ist der Freycinet Nationalpark an der Ostküste. Genau hier hoffen wir, doch endlich Bekanntschaft mit dem Tasmanischen Teufel zu machen. Und auch wenn das hier ein Abenteuer sein soll, melden wir uns noch bei den Parkrangern ab. Sicherheitshalber.
Zu Fuß den Berg hinauf. Das Keuchen unserer Lungen übertönt jedes Geräusch. Doch was ist das? Es raschelt im Busch. Ist das etwa der lang ersehnte Teufel? "Da! Er hüpft aus dem Gebüsch!" Er hüpft? Ja, er springt, landet direkt vor unserer Nase und entpuppt sich leider doch nur als niedliches Wallaby. Anscheinend schläft der Teufel doch - zumindest tagsüber. Am Gipfel angekommen erstrecken sich vor uns der tiefblaue Ozean und der weiße Strand der Weinglasbucht. Wir sind versöhnt.
Seinen respekteinflößenden Namen verdankt der Tasmanische Teufel seinem haarsträubenden Geschrei, nicht etwa seiner Boshaftigkeit. Im Gegenteil: Das Beuteltier gilt als äußerst scheu. Seit einigen Jahren ist die Existenz der auf Tasmanien beheimateten Art jedoch durch eine besondere Form von Gesichtskrebs gefährdet. Er zählt daher zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten.
Hobart ist Tasmaniens größte und nach Sydney auch die zweitälteste Stadt Australiens. Viele der viktorianischen Bauten sind bis heute erhalten geblieben und erinnern an die Zeit, als die Insel eine Strafkolonie war. Eine besondere Attraktion ist die Cadbury-Schokoladen-Fabrik, die wochentags von 8 bis 16 Uhr Führungen und Verkostungen der süßen Köstlichkeiten anbietet.
Sechs Tage lang und 65 Kilometer weit wandert man auf dem Overland Track vom Mount Cradle, dem höchsten Berg Tasmaniens, bis zum Lake St Clair, dem tiefsten See Australiens. Tagsüber geht es vorbei an Wasserfällen und einer atemberaubenden Berglandschaft. Abends erholt man sich in einer der kleinen Holzhütten entlang der Route. Komfort bieten sie zwar nicht, dafür umso mehr Abenteuer.
Hundert Kilometer südöstlich von Hobart liegt die kleine Ortschaft Port Arthur. Bekannt wurde sie im 19. Jahrhundert als die grausamste Strafkolonie Australiens. Auch heute zeugen die Ruinen der Gefängnisse von den widrigen Bedingungen, denen die Gefangenen ausgesetzt waren. Besonders spannend ist die tägliche Geistertour.
Reportage: K. Olbrich