Vom Skywalk über Sydney zu Walen und faulen Kängurus
Unterwegs auf der grünen Seite des roten Kontinents: Von der Traumstadt Sydney in den Nationalpark Blue Mountains und zur Sunshine Coast bei Noosa, wo einst Österreichs Tennis-Ass Thomas Muster seine Farm hatte.
Schießen uns die mit einer Rakete auf die Sydney Harbour Bridge? Die Vorbereitungen auf den Bridge Climb lassen es beinahe vermuten. Denn bevor Touristen das 134 Meter hohe Monument aus 52.800 Tonnen Stahl erklimmen dürfen, müssen sie erst einmal durch die Grundausbildung.
Dort heißt es umziehen, Rucksack abgeben, Uhr runter und rein in den Bridge Suit Evolution, diesen grau-blauen, atmungsaktiven Strampelanzug für Erwachsene, dessen Entwicklung 18 Monate gedauert haben soll. Danach wird auf einem Brückenmodell Klettern geübt. "Das ist eine Leiter", erklärt Climb Guide Anna für absolute Laien. "Beim Raufsteigen immer einen Fuß vor den anderen setzen. Und nie den Handlauf auslassen." Wer die Finessen des Stiegensteigens durchschaut, qualifiziert sich für den Climb.
Gesichert wie Bersteiger und mit modernsten Kopfhörern, die man nicht in die Ohren steckt, sondern an die Schläfen legt, beginnen wir, die 1932 eröffnete Brücke zu besteigen.
Gleich vorweg: Obwohl der Ausblick auf der Spitze der Stahlkonstruktion den Aufwand mehr als nur rechtfertigt - jede Dachbodentreppe ist eine größere Herausforderung als der Aufstieg auf die Harbour Bridge.
Der Weg zum Gipfel ist weniger anstrengend als das Training. Vor allem, wenn die charmante, blonde Anna die Führung übernimmt. Sie erzählt von der Geschichte dieses Stahlriesen, der Tausende Arbeiterfamilien zwischen 1923 und 1932 Existenzgrundlage war. Und sie zeigt auf die Sehenswürdigkeiten, die mit jedem Schritt nach oben kleiner werden. Auf die berühmte Oper, die in Wirklichkeit nicht eine, sondern gleich vier Bühnen beherbergt, auf The Rocks, wo Touristen mit guter Kondition authentische Pubtouren starten können; auf Circular Quay, wo die Fähren zu Manly Beach und Bondi Beach, den schönsten Stränden Sydneys, ablegen; auf die beeindruckenden Glasfronten der Wolkenkratzer dahinter oder auf den ganzjährig geöffneten Vergnügungspark, den Luna Park auf Milsons Point.
Aber irgendwie macht Anna den anderen Schönheiten Sydneys Konkurrenz. Lediglich der einzigartige Rundblick am höchsten Punkt der Brücke lenkt die männlichen Climber von ihr ab - in jede Richtung reicht die von Meeresbuchten durchzogene Metropole bis an den Horizont.
Wenige Autostunden westlich von Sydney liegt der Blue Mountains-Nationalpark - so man einen der zwar geländegängigen, aber auf dem Highway eher lahmen Busse der Forstverwaltung für die Anreise wählt. Es ginge wahrscheinlich auch schneller, aber Hektik ist den Australiern ohnehin ein Fremdwort. "No worries", lautet das sympathische Credo in Down Under.
Seinen Namen hat das riesige Waldgebiet vom verdampfenden Öl Abertausender Eukalyptusbäume. Der feine Nebel verursacht einen leichten blauen Schimmer. Die Kängurus im stark besuchten Nationalpark zucken nicht einmal mehr mit der Wimper, wenn sie Touristen begegnen, geschweige denn hüpfen sie weg - selbst, wenn man sie noch so gern hüpfen sehen würde (bloß ein Mal!). Wahrzeichen der Blue Mountains ist eine sagenumwobene Felsformation: Die Three Sisters am Echopoint in Katoomba.
Ortswechsel. Rund 1.000 Kilometer nördlich von Sydney liegt Fraser Island. "Ich war noch nie aus Australien draußen", sagt Sunnyboy Sean, der den Katamaran zur Insel steuert - und es klingt fast so, als wolle der braun gebrannte Blondschopf mit dem breiten Grinsen damit angeben.
Unser Mitleid hält sich in Grenzen. Das warme, glitzernde Meerwasser; die Sonnenstrahlen auf blasser europäischer Haut; die Bänke aus feinstem Sand, der nicht nur wie Puderzucker aussieht, sondern sich auch so anfühlt; die Palmen am menschenleeren Strand des immer näher kommenden King Fisher Bay-Resorts. Wer will da schon weg?
Die Aborigines nannten die Insel an der australischen Ostküste K'Gari-Paradies. Zu den Dingen, die man dort unbedingt unternehmen sollte, gehört ein Bad in einem der tiefblauen Süßwasserseen, die aussehen, als ob sie in die Landschaft gemalt seien.
Lake McKenzie ist einer davon. Sein Wasser ist so rein, dass man es trinken kann und so weich, dass man darin nicht einmal schwimmen mag. Einfach nur drin liegen und die Haut sanft vom Wasser liebkosen lassen. Das Aufregendste, was am weißen Sandstrand passieren kann, ist, dass eine armlange Echse oder sonst ein Bewohner des umliegenden Regenwaldes seelenruhig am Picknickkorb vorbei stapft (oder schlängelt).
Sehr zu empfehlen ist auch eine Fahrt an Fraser Island's Ostküste entlang - hohe Sanddünen zur Linken, verrostete Schiffswracks und der Pazifik zur Rechten. An kristallklaren Creeks (Bächen aus dem Landesinneren) sammeln sich die Jeeps der Einheimischen, die hier baden wollen. In den Creeks, wohl gemerkt. Im Meer tummeln sich nämlich die Haie. Zu weitaus beliebteren Meeresbewohnern -den Walen- brechen mehrmals täglich Ausflugsschiffe auf.
Vom Surferparadies Noosa an der Sunshine Coast hat fast jeder schon einmal gehört. Das österreichische Tennis-Ass Thomas Muster hat in der Gegend eine Farm besessen. Ungefähr eine halbe Stunde von Noosa entfernt, tummeln sich jedes Wochenende Hunderte Menschen am Eumundi-Markt. Dort bieten die Händler Kitsch und Kunst, Didgeridoos, Bumerangs, kreativ gegossene Seifen (die hungrige Touristen auf falsche Fährten locken, weil sie auf den ersten Blick wie Tortenecken aussehen), Textilien, Möbel und sogar Massagen feil. Alles sehr authentisch - von der Würstchenbude, die German Bratwurst and Knackwurst anbietet, einmal abgesehen.
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