Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand - Eine Flugstunde südlich von Bangkok

Eine Flugstunde südlich von Bangkok

"Necklace, twenty Baht!" Twenty Baht, hmm! Die energische Stimme des kleinen Jungen kräht den Preis über die Abendgesellschaft.

Mehr als diese drei Worte kann er nicht, in Militärhaltung streckt er eine Handvoll Blumenketten aus, jede liebevoll mit Styroporkugeln statt mit Steinen versehen und mit zart eingeflochtenen Orchideen geschmückt. Keine Frage, die zwanzig Baht, das sind umgerechnet 40 Cent, wird er pro Kette bekommen. Handeln ist bei so einem strammen Max zwecklos. Das britische Liebespaar, das frischen Lobster und gut gekühlten Wein am Strand von Chaweng genießt, die untergehende Sonne im Rücken, die Füße in den weißen Sand vergraben, hat dieselbe Meinung und beide blicken den Buben mit sanft verträumten Augen an und zahlen kräftig.

Chaweng, Strand der Träume. Blütenweißer, staubzuckerfeiner Sand, der nicht klebt, gespickt mit Hotels aller Klassen. In der ersten Reihe die nobelsten Quartiere, hinter dem dicht besiedelten Straßenverlauf in der zweiten Reihe die billigeren. Niederländer und Briten belagern grölend Pubs und Massagesalons. Rucksackurlauber streifen hungrig durch die Shops. Einige Deutsche brennen knallrot unter tropischer Sonne und viele junge Leute tummeln sich abends beim Beachvolleyball, gestylt bei Bier im Sand oder hängen auf den bequemen Liegen der Strandbars. Ko Samui, ein neu auflebendes Refugium sonnenhungriger Bleichgesichter, seit der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 noch um einiges beliebter geworden.

Seit Phuket und Kao Lak nicht mehr die Sahne vom Tourismuskuchen naschen, bekommen die kleinen Inselchen an der Ostseite von Thailand einen kräftigen Nachschlag. Zweifelsohne, moderne Spas und Boutiquen, Hotels und Bars hat es schon vorher gegeben, doch diese starke Frequentierung ist neu. Spricht der Thai darüber? Natürlich. Es ist ein Thema und viele der Einheimischen bedanken sich, die Hände gefaltet zum landesüblichen Gruß, auch verbal beim Touristen: "Thank you that you are coming to Thailand. We do not speak English well, but we are so happy that you are here."

Der Flug mit Bangkok Airlines in das winzige Paradies ist nur eine Stunde lang, das Essen an Bord köstlich, die Stewardessen verschenken perlfrisches Lachen. Der Flughafen in Ko Samui besteht aus mehreren Hütten und ist erstaunlich gut organisiert. Der Fremde kann sich gleich mit einem Stapel Informationsmaterial eindecken, und die Broschüren sind gratis. Es gibt hübsch bebilderte und euphorisch gestaltete Bändchen über die diversen Spas der Insel, über die besten Restaurants mit internationaler, Thai-, Indischer-, Kreolischer- oder Fusion-Küche. Prospekte mit prachtvollen Sonnenuntergängen machen einen kribbelig vor lauter Lebenslust, die Hochglanzfotografien der pompös aufgemachten Speisen ebenso. Man bekommt unbändige Lust, einfach nur essen zu gehen, zu baden, zu träumen, sich verwöhnen zu lassen.

Doch der Luxus hat seinen Preis. Die wirklich edlen Restaurants zupfen einem fröhlich die Scheinchen aus der Tasche. Ein Dinner für zwei, exklusive Wein, kostet in etwa 60 Euro. Im Vergleich: Das ist der Monatslohn eines Einheimischen. Die Beauty-Abteilungen der Hotels verlangen durchwegs westliche Preise, am Strand bekommt man die Massage für ein Zehntel und die Frauen dort massieren wunderbar.

Handeln gehört hier zum Einkaufen. Auf Ko Samui gilt folgende Regel: Der genannte Preis ist generell doppelt so hoch angesetzt und selbst nach hartem Handeln hat der Verkäufer immer noch Gewinn gemacht. Doch ob die Sandalen nun 2 oder 4 Euro kosten, das ist eigentlich nicht ausschlaggebend. In Bangkok würde man sie auch für einen Euro bekommen.

Das Landesinnere ist etwa fünf Kilometer von der Küste landeinwärts immer noch dicht besiedelt, hier reiht sich ein Markt nach dem anderen, hier kostet alles einen Flohhuster. Urlauber sieht man hier selten, auch die organisierten Touren lassen den Großteil der Insel aus. Einen Roller kann man für etwa drei Euro pro Tag mieten, doch wer längere Touren vorhat, sollte sich für ein Mountainbike (wenn genug Kondition vorhanden) oder einen Jeep entscheiden und reichlich Zeit mitbringen. Die Straßen im Landesinneren sind nämlich kaum befahrbar und nur wenige Einheimische können den Weg erklären.

Für den Urlaub im Paradies gibt es jedoch zu beachten: Auf den benachbarten Inseln darf man nicht allzu viel Komfort erwarten, auf Ko Samui muss man den Rummel in Kauf nehmen, vor allem in Chaweng. Die anderen Strände sind etwas ruhiger und ursprünglicher. Will man sich durch all den angebotenen Luxus der Spas und Restaurants kosten und sich von Kopf bis Fuß verwöhnen lassen, so kostet ein Urlaub auch hier eine Stange Geld. Doch der türkisblaue Himmel und das warme Wasser des Ozeans sind ein kostenloses Opiat. Mit Urlaubsrausch- und Suchtgarantie.

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