Französisch-Polynesien: Schönheiten der Südsee
Zwischen Australien und Südamerika bilden fünf Inselgruppen Trauminseln mit paradiesischem Flair und einer faszinierenden Unterwasserwelt
Die Anreise dauert lange und führt um den halben Erdball, doch das Ziel sind einige der schönsten Inseln, Atolle und Lagunen der Welt. Von Tahiti und den 117 weiteren Inseln in Französisch-Polynesien, das zu einer der exklusivsten Urlaubsdestinationen überhaupt zählt, war auch der Maler Paul Gauguin angetan. Er hat sich nicht nur von den vielen Farbnuancen des Meeres und der Inseln, sondern auch von den Südsee-Schönheiten inspirieren lassen. Selbst Männer sind in Französisch-Polynesien mit ihren prächtigen Tätowierungen lebende Kunstwerke. Die Tattoos erzählen ihre Lebensgeschichte - als Ananas-Farmer, Perlentaucher, Fischer. Taucher wie Schnorchler werden von der Unterwasserwelt Tahitis begeistert sein.
Sie befinden sich "auf der anderen Seite der Welt", die kleinen Atolle, Archipele und Lagunen, die wie aus dem Meer zwischen Australien und Südamerika gewachsen die Inselwelt Französisch-Polynesiens bilden: Tahiti, Bora Bora, Moorea, Tikehau oder Raiatea heißen einige dieser 118 'Trauminseln'. Ein Begriff, der oft strapaziert wird, aber wenn auf Inseln diese Bezeichnung zutrifft, dann auf diese hier inmitten des Südpazifiks. Das Wasser leuchtet in den verschiedensten Blau-, Grün- und Türkis-Nuancen, die Inseln werden einmal von rosafarbenem, dann von gelbem, weißem oder schwarzem Vulkansand gesäumt, ein andermal bilden steile, felsige oder dicht bewachsene Klippen ihr Ende. Und freilich gibt es überall Palmen, die auf einer Trauminsel nicht fehlen dürfen.
Alphonse lebt in diesem Paradies, das man von Deutschland aus nach etwa 28 Stunden Anreise erreicht. Der 42-Jährige ist Fremdenführer, abends tritt er bei bunten Tanzshows auf. Bei weiblichen Urlaubern kommt Alphonse ziemlich gut an, was zum einen an seinem muskulösen Oberkörper, zum anderen wohl auch an seinen zahlreichen Tattoos liegt, die seinen Körper in ein lebendes Kunstwerk verwandeln.
Die Tätowierungen sind nicht nur geometrische Muster, Pflanzen- oder Tiermotive, "sie sind Teil unserer Identität", sagt Alphonse und klärt auf: "Das hier", er deutet auf seinen linken Oberarm, "sind die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde". Am rechten Oberschenkel wiederum findet sich das "Familien-Tattoo". "Diese Symbole hatten schon mein Vater und Großvater, mein Sohn hat es ebenfalls. Es erzählt, woher wir stammen, welche Hobbys wir haben und was im Leben Bedeutung für uns hat". Als Ende des 18. Jahrhunderts die ersten christlichen Missionare ankamen, wurden den Einwohnern sowohl die Tattoos als auch die "aufreizenden" Tänze verboten. Die Missionierung ist nur teilweise gelungen, 90 Prozent der Tahitianer sind zwar Christen, das Tätowieren haben sie sich auf Dauer aber nicht verbieten lassen.
Nicht nur Männer, auch Frauen tragen diese Kunstwerke, oft auch als Dauerschmuck, "weil man Juwelen verlieren kann, ein Tattoo aber nicht", sagt Moana, eine Perlen-Verkäuferin auf dem Markt in Papeete. Einmal im Jahr findet in der tahitianischen Hauptstadt das Tattoo-Festival "Tattoonesia" statt. Es gibt auch eine touristische Tattoo-Variante: Der Silberfarn hat an der Rückseite des Blattes eine silberne Farbe, die man sich mit einem flachen Schlag auf das Blatt auf die Haut presst.
Die meisten, die in die Südsee reisen, kommen der Inselidylle wegen. Abenteurer und Naturliebhaber auch aufgrund diverser Trekking-Touren. Denn nicht nur auf der Hauptinsel Tahiti -von hier aus erreicht man per Flug meist auch die anderen Inselgruppen- sondern auch auf der Nachbarinsel Moorea sowie auf den einige Flugstunden entfernten Marquesas Inseln gibt es Trekkingtouren verschiedenster Schwierigkeitsgrade.
Die Routen führen durch Schluchten mit Wasserfällen, versteckten Grotten, riesigen Steinmauern und archäologischen Stätten. Immer wieder begegnet man den großen und kleinen Stein- oder Holzskulpturen, Tiki genannt, die an die Ahnen erinnern sollen. Bergsteiger und Kletterer können auf Tahiti den 2.066 Meter hohen Mount Aorai erklimmen und von dort oben in die Ferne blicken, wo sich einige Atolle erahnen lassen.
Bora Bora ist wohl das bekannteste Atoll Französisch-Polynesiens. Kunstliebhabern werden eventuell noch die Marquesas Inseln ein Begriff sein, denn dort, auf der Insel Hiva Oa, malte der Franzose Paul Gauguin seine Südsee-Motive. Doch Bora Bora ist der Inbegriff für Paradies, für Trauminsel, für Bastrock bekleidete "Südsee-Schönheiten".
Alle Top-Hotel-Ketten sind hier vertreten, haben Luxus-Resorts auf die Inseln und ins Meer gebaut, auf Betonpfeilern lange Holzstege und links und rechts davon luxuriös ausgestattete Over-Water-Bungalows errichtet. Die haben ihren Preis. Im Schnitt kosten sie 500 bis 700 € pro Nacht (Stand: 12/2008). Ohne Frühstück. In manchen Resorts, gibt es auch Garten-Bungalows, die sind etwas billiger. Ein Pärchen muss inklusive Mahlzeiten mit 1.000 € pro Tag rechnen. Will man auch das großzügige Spa-Angebot nutzen, kommt noch ein hübsches Sümmchen dazu. Daher ist Bora Bora für viele auch eine Einmal-im-Leben-Destination. Zwar gibt es die Möglichkeit, auf die sogenannte Petite hotellerie auszuweichen, kleine Familienhotels und Pensionen, doch verglichen mit den Resorts fehlt ihnen doch das gewisse Etwas.
Vor allem Honeymooner aus den USA, Australien und Neuseeland reisen an. Oder Superreiche, die sich, wie im Four Seasons Resort, eine der sieben Villen für 7.000 € die Nacht anmieten, dort drei Wochen ausspannen. Sonne, Strand, Palmen und Meer sorgen für ein atemberaubendes Ambiente.
Morgens, also quasi zum Munterwerden, schwimmt man eine kleine Runde im Wasser, lauscht auf dem Balkon Musik oder liest ein gutes Buch, unternimmt entweder selbst mit einem Kanu eine Bootstour oder lässt sich mit einem Motorboot zu den schönsten Plätzen Bora Boras fahren, etwa zum Manta Point. Die Bootsausflüge sind zwar, wie fast alles in dieser Destination teuer, aber wo sonst noch kann man beim Schnorcheln oder Tauchen mit Manta-Rochen auf Tuchfühlung gehen und sich von ihnen durchs Wasser ziehen lassen? Wo sonst begegnet man ungefährlichen Baby-Haien?
So einmalig Bora Bora ist - es ist auch in Gefahr. Es wird nämlich ernsthaft überlegt, den kleinen Flughafen im Atoll, auf dem lediglich Flugzeuge von der Größe einer Turboprop landen können, zu einem internationalen Airport auszubauen. Damit Urlauber aus Los Angeles, Tokio, Sydney oder Auckland direkt in Bora Bora abgeliefert werden können. Das wäre wohl das Ende des Urlaubsparadieses.
Und das wäre wohl auch vielen Geschäftsleuten in der Hauptstadt Tahiti nicht recht. Denn in Papeete, wo jeder Besucher einen Zwischenstopp einlegen muss, decken sich Touristen mit einem (oder mehreren) Exemplaren des bekanntesten Souvenirs ein, der schwarzen Perle. Die gibt es freilich nicht nur in Schwarz, sondern in den verschiedensten Grün-, Silber-, Gold- oder auch Blau-Tönen. In so vielen Nuancen wie das Südpazifische Meer selbst.
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Mit seinen farbenprächtigen Korallen, seichten Lagunen und Fischreichtum gilt Tahiti als eine der besten Tauchreviere weltweit. Ob bunte Schmetterlingsfische, Manta-Rochen, Riffhaie, Barrakudas oder Wale - sowohl Schnorchler als auch Taucher werden von der Unterwasserwelt der Südsee begeistert sein.
Taucherlebnisse der besonderen Art garantieren die Gewässer vor der felsigen Küste Nuku Hiva auf Rangiroa, dem größten Atoll der Südsee. Bei einer Sichttiefe von 30 Metern lassen sich hier Hammerhaie, Delfine, Marmor-Rochen und Langusten bestens beobachten. Von Juli bis Oktober bietet sich in der Bucht von Moerai die Gelegenheit, mit Buckelwalen zu schwimmen und die riesigen Meeressäuger hautnah zu beobachten. Auf 13 Inseln gibt es etwa 40 Tauchzentren.
Tahiti ist auch Filmfans ein Begriff: Anfang der 60er-Jahre wurde auf Tahiti und Moorea einer der aufwendigsten Filme der damaligen Zeit gedreht: Meuterei auf der Bounty. Die Hauptrolle spielte der US-Schauspieler Marlon Brando (Foto), der sich während der Dreharbeiten in die südpazifische Inselwelt verliebte und die kleine Insel Tetiaroa, etwa 42 Kilometer nördlich von Tahiti, kaufte, damit es als Naturparadies erhalten bleibt.
Bereits nach seinem Tod 2004 haben konkrete Planungen für die Bauarbeiten für ein 30-Bungalow-Luxus-Hotel namens The Brando begonnen. Obwohl das Hotel das empfindliche Öko-System des Atolls schützen soll, gibt es Stimmen, die sich gegen dieses Projekt aussprechen. Jeder Bungalow wird laut Planung 840.000 € kosten.
Klima: März bis November kühler und trockener. Dezember bis Februar schwül und regnerisch. Durchschnittliche Jahrestemperaturen: Luft 27 C; Wasser: 26 C.
Währung: Franc Pacific (FCFP) - ein Euro entspricht etwa 120 FCFP.
Visum: Nicht nötig. Pass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein.
Impfungen: Basisschutz (Diphtherie, Hepatitis A/B, Tetanus, Typhus).
Sprache: Offizielle Amtssprachen sind Französisch und Tahitianisch; Englisch ist ebenfalls sehr verbreitet.
Essen: Die sehr gute polynesische Küche beinhaltet vor allem Meeresfrüchte und Fischgerichte sowie Obst, das Teil des Hauptgerichts ist.
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