Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand - Rettung einer Wunderwelt im Paradies

Rettung einer Wunderwelt im Paradies

Koh Phi Phi, das verlorene Paradies, das durch den Film "The Beach" zu Weltruhm gelangte, erstrahlt nach dem Tsunami schöner denn je

Saftig grüne Palmenhaine, gesäumt von schneeweißem Korallensand, schmiegen sich wie selbstverständlich ins Kristallblau der Andamanen-See. Vor meinen Augen erhebt sich Koh Phi Phi pittoresk aus den sanften Wogen des Meeres, und ich träume von einem unvergesslichen Urlaub im Paradies, ohne noch zu ahnen, dass ich hier mein Herz an eine andere Welt verliere...


Die Inselgruppe von Koh Phi Phi vor der Westküste Thailands ist wohl eines der letzten Paradiese dieser Erde. Ein Naturschauspiel an Farben, Formen und Arten an Land als auch unter Wasser. Die Riffe, die vor den malerischen Stränden Phi Phi's bis zu 25 Meter in die Tiefe reichen, gehören zu den schönsten der Welt und rauben einem mit ihren zauberhaften Korallengärten, welche an die 1.000 Arten beherbergen, einfach den Atem.

Hier hält der majestätische Leopardenhai unter einer blutroten Fächerkoralle sein Nickerchen, Tintenfisch und Schildkröte gehen den Tag gemütlich an, während sich die vielen Riffhaie munter zwischen Millionen bunter Fische tummeln und dabei auch schon mal dem größten Fisch der Welt, einem 20-Meter-Hai, den Weg frei machen müssen. Die farbenfrohen Korallengärten mit all ihren Bewohnern sind nicht nur traumhaft zu erleben, sondern auch die ältesten und produktivsten Ökosysteme unserer Erde, die in unglaublichen 200 Millionen Jahren entstanden sind.

Riffe sind die Regenwälder des Ozeans, doch diese Wunderwelt droht nun unter den Trümmern der Tsunami-Katastrophe für immer verloren zu gehen. Nach der Tragödie von Weihnachten 2004 erstrahlt Koh Phi Phi allerdings beinahe schöner als zuvor, wieder in ihrer fast schon kitschig paradiesischen Idylle, während die Riffe rund um das Kleinod im Indischen Ozean von Dächern, Metallteilen, ja sogar von ganzen Hütten begraben, zu sterben beginnen. Bereits 25 Prozent der Korallenriffe der Welt sind zerstört, und solange wir nichts dagegen tun, so meinen Experten, riskieren wir, in den nächsten 30 - 50 Jahren das größte Ökosystem der Erde zu Fall zu bringen. Die Folgen wären fatal.

Es waren wohl schon immer die Idealisten, die selbst für den aussichtslosesten Traum zu kämpfen bereit sind, die unsere wunderbare Welt Stück für Stück retten, so wie Andrew Hewett. Er gründete Anfang 2006 das Phi Phi Recovery Dive Camp, dessen Ziel es ist, die Riffe rund um Koh Phi Phi wieder vom Deckmantel der Trümmer, den die zweite Tsunami-Welle brachte, zu befreien, um damit das Absterben dieser einzigartigen Unterwasserwelt zu verhindern. Viele freiwillige Taucher und Schnorchler haben mit unermüdlichem Einsatz etwa 280 Tonnen Schutt Stück für Stück mit bloßer Hand aus dem Meer geborgen. Doch nicht nur die bestehenden Riffe werden so gerettet, sondern sogar neue künstliche Riffe von den freiwilligen Taucherteams aufgebaut. Die abgebrochenen Korallen, deren Polypen noch leben, werden liebe- und mühevoll eingesammelt, markiert und in Einzelarbeit in ein Flechtwerk eingesetzt, welches die Basis für das Entstehen eines neuen Riffs bildet.

Doch es ist jeden Tag ein neuer Kampf, ob das Projekt all seine Ziele erreichen kann, denn es mangelt vor allem an freiwilligen, erfahrenen Tauchern. Da das bisschen Geld, das zur Verfügung steht, zur Beschaffung von Materialien, wie so genannte Lifting Bags -sie werden benutzt, um schwere Dinge aus den Tiefen zu holen-, verwendet wird, ist man auf Idealisten angewiesen. Und obgleich viele der Touristen auch helfen, diese werden vorwiegend in den Schnorchler-Teams eingesetzt, können sie doch Profitaucher nicht ersetzen.

Phi Phi ist wohl eine der wunderbarsten Inseln der Welt, deren Charme nicht nur in ihrer paradiesischen Idylle, sondern ihr wahres Abenteuer unter den saphirblauen Wellen liegt. Die Tragödie des 26. Dezember 2004 hat die Menschen stärker gemacht, und die Insel erstrahlt nun wie nach einem Sommerregen, schöner als je zuvor. Und doch gibt es noch viel zu tun. Nicht nur das Dive Camp, Phi Phi und die wunderbaren Riffe schätzen jede Hilfe, nein, die ganze Welt tut es, denn die ungestümen Tiefen des Ozeans sterben zu lassen, sollten wir uns alle nicht leisten.

Bitte lest auch die Reportage: Am Strand der Träume