Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand


61. Reisetag:
Dienstag, 28. Februar 1989

Auch heute ging es wieder Schlag auf Schlag. Die langweiligen Tage von Devonport gehörten der Vergangenheit an. Als wir nach Mitternacht ins Bett gingen, entdeckte ich eine üppige Spinne an der Zimmerdecke. Was für ein Vieh! Aber der Australier Graham kannte sich aus und beruhigte mich: Diese Spinne sei nicht giftig.

Interessant zu beobachten war auch wie der erst 27-jährige Engländer David seine Zahnprothese reinigte.

Der Farmer Mervyn weckte mich gegen 8:00 Uhr. Das Melken der Kühe stand auf dem Programm. Ich zog mir vor dem Haus einen Overall über und Gummistiefel an die Füße. Zusammen mit David und der Australierin Victoria ging ich in den Melkstall. Mervyn trieb die Kühe mit Hilfe der beiden niedlichen Hunde zum Stall.

Heute Morgen war es etwas wolkig und einige, wenige Regentropfen fielen zur Erde. Insgesamt war der Grund aber knochentrocken. Die Felder und Wiesen sahen verdorrt aus. Hier im Nordosten von Tasmanien musste es lange nicht mehr geregnet haben.

Mit der Hand wurde auf dieser Rinderfarm nicht mehr gemolken. Es gab Melkmaschinen. Mervyn trieb jeweils acht Kühe auf die beiden Seiten des Stalles. Wir gingen in die Mitte und schoben den Kühen die Pfropfen durch die Beine an die Euterzitzen. Hin und wieder traten die Kühe auch mal aus. Ob das absichtlich oder unabsichtlich passierte, war mir ziemlich egal - ich war etwas ängstlich. Es bestand auch noch eine andere latente Gefahr: In jeder Sekunde konnten mir die Kühe auf die Hand scheißen. Ich bevorzugte eindeutig die Arbeit mit Schafen. Ich fotografierte natürlich auch hier im Stall ein wenig. Gegen 9:30 Uhr waren wir mit der Arbeit fertig. Ich konnte im Stall insgesamt nicht viel tun. Ich war wohl doch etwas nervös und meine Unruhe hat sich möglicherweise auf die Tiere übertragen. Die große Menge Scheiße, die sich jetzt auf dem Boden des Stalles befand, wurde mit Wasser weggespült.

In der Gemeinschaftsküche der Jugendherberge Winnaleah machte ich mir erstmals Schinken mit Eiern auf Toast. Insgesamt verlief der Morgen etwas hektisch. Ich lud alle Sachen wieder in den Wagen ein. Vor dem Haus unterhielt ich mich noch ein wenig mit dem freundlichen Farmer Mervyn und seinem neuseeländischen Gast. Dieser schlug mir vor, in den Mount William-Nationalpark zu fahren. Die Strände und der Eddystone-Leuchtturm sollen so besonders sehenswert sein. Das Problem war, dass nur eine ungeteerte Straße dorthin führte. Vielleicht mutete ich dem Chrysler damit zu viel zu. Trotzdem entschloss ich mich zu diesem Trip. Ich verließ die nette Merlinkei-Farm erst gegen 11:30 Uhr. Es war mittlerweile sehr warm geworden.

Beim Fahren hatte ich das Seitenfenster ununterbrochen heruntergekurbelt gehabt. Über Pioneer fuhr ich in das kleine Dorf Gladstone. Ich erfrischte mich mit einem Getränk. Auf der unasphaltierten Straße verpasste ich dummerweise die Abzweigung zum eben genannten Nationalpark. Ich bin in die entgegengesetzte Richtung gefahren. Plötzlich war ich ganz in der Nähe von Tomahawk an der Ringerooma Bay. Kurzentschlossen fuhr ich dort hin. Der Nationalpark war damit ad acta gelegt. Ich hatte allerdings auch genug von der unasphaltierten Staubstraße, die allerdings nicht ganz so durchlöchert gewesen ist, wie ich zuvor erwartet hatte. Aber welch ein Staub! Welch eine Trockenheit! Tasmanien ist so eine kleine Insel. Wie kann es da nur so nass im Westen und so trocken im Osten sein?

Der winzige Ort Tomahawk war trostlos. Überall sah ich unbewohnte Ferienhäuser - einen Menschen bekam ich nicht zu Gesicht. In den Sommerferien ist hier bestimmt die Hölle los. Es gab einen kleinen Laden, wo ich abermals etwas trinken musste. Dabei schrieb ich einen Brief an meine Mutter nach Buchholz. Anschließend ging ich an den traumhaft schönen Sandstrand. Auch hier war kaum eine Menschenseele zu sehen. Zum Baden hatte ich allerdings keine Lust, obwohl das Wetter gut genug dafür war. Der Himmel war wolkenlos und dabei sehr heiß. Ich spazierte etwas am Wasser entlang.

Um 14:00 Uhr fuhr ich wieder weiter. Auf einer anderen, ebenfalls ungeteerten Straße, fuhr ich nach Winnaleah zurück. Ich begab mich dann auf den Highway 3. Auf extrem kurvenreichen Straßen ging es jetzt durch wunderschöne Wälder. Leider musste ich meine Augen auf die Straße richten. In Pyengan bog ich zum elf Kilometer entfernten St. Columba-Wasserfall ab. Auch diese Straße war zum größten Teil nicht asphaltiert. Der Chrysler zitterte böse auf der waschbrettähnlichen Fahrbahn. Das war keine angenehme Fahrt! In Kurven schlitterten die Reifen wie bei Glatteis. Der Wasserfall war allerdings die Reise wert! Er war etwa neunzig Meter hoch. Er lag mitten im Regenwald. Dummerweise stand die Sonne direkt über dem Fall und so hatte ich beim Fotografieren einige Mühe.

Die Zeit lief mir schon wieder davon. Unglaublich, wie ich doch heute und gestern unter Zeitdruck geriet. Die Fahrt zur Binalong Bay musste ich ausfallen lassen. In St. Helens tankte ich den Wagen wieder auf. Vom Postamt aus telefonierte ich nach Hause. Zum Glück bellte mein kleiner Hund Wurzel im Hintergrund. Das beruhigte mich ungemein. Neuigkeiten hatte meine Mutter nicht zu berichten. Heute Abend fanden Spiele im Fußball-Europapokal statt. Ich konnte nicht "live" dabei sein. Scheiße!

Ich war noch im hiesigen Supermarkt und fuhr dann weiter nach St. Marys, meiner heutigen Endstation. Es ging in herrlicher Landschaft am Wasser entlang. Ich überfuhr nun den St. Marys-Pass und hier war plötzlich alles viel grüner. Hier hat es mit Sicherheit erst kürzlich geregnet. Wie schnell sich die Szenerie doch ändert.

Die Jugendherberge lag wunderschön auf einem Hügel - acht Kilometer vom Ortskern entfernt- in zauberhafte Landschaft eingebettet. Nach einer Etappe von 211 Kilometern parkte ich das Auto vor dem Haus. Jeff war der Leiter der Jugendherberge, die in seinem Haus untergebracht war. Da es schon wieder 18:00 Uhr war, konnte ich heute Abend nicht mehr viel unternehmen. Ich merkte mir aber eine Wanderung für morgen vor. So schön die Jugendherberge und die umliegende Landschaft war, um so nerviger waren die anderen Traveller - fünf Australier und ein Japaner. Ich hatte keine große Lust auf die ewig selben Themen ("Where are you from?" "Where are you going to?" etc).

Ich machte mir in der Küche die schon üblichen Spaghetti mit Rührei. Im Gemeinschaftsraum brannte das offene Kaminfeuer. Oh, war das gemütlich! Draußen war es nämlich deutlich kühler geworden. Kein Wunder hier oben auf dem Berg in fünfhundert Meter Höhe. Ich saß den Abend über im Sessel und schrieb Tagebuch. Hin und wieder kam es zu einzelnen, kurzen Gesprächen. Auch heute wurde es wieder Mitternacht, ehe ich im Bett lag. Der Australier, der im Bett über mir schlief, pflegte im Schlaf ausgeprägt mit sich selber zu kommunizieren.

Porträt: Australian Cattle Dog


62. Reisetag:
Mittwoch, 1. März 1989

Um 8:00 Uhr stand ich auf. Strahlend schien die Sonne in unser Zimmer in der Jugendherberge von St. Marys. Auch für heute stand wieder einiges auf meinem Programm. Wie bezaubernd doch so ein Morgen in fünfhundert Meter Höhe sein kann. Nahezu unbeschreiblich!

Jeff hatte vier süße Hunde, die der Reihe nach ihr Lager vor der Tür hatten. Sie wollten natürlich gern gestreichelt werden. Abermals machte ich mir in der Gemeinschaftsküche Schinken und Eier zum Frühstück. Es war dann wieder an der Zeit mein Gepäck im Fahrzeug zu verstauen. Ich verließ die Jugendherberge gegen 9:00 Uhr und fuhr zur nahegelegenen, ungeteerten Straße, wo ich den Chrysler abstellte. Es folgte eine vierzigminütige Wanderung auf den Gipfel des Berges, der sich South Sister nannte. Es führte eine nicht asphaltierte Straße zu einem Parkplatz. Dennoch bevorzugte ich es an diesem schönen Morgen, zu wandern. Irgendwie musste man sich ja auch mal bewegen. Außerdem erwartete ich, einige Tiere zu sehen.

Eine Reihe kleiner Kängurus sprang mir über den Weg. Und überall raschelte es im Gebüsch. War dort eine Schlange? Oder gar der berühmte Tasmanische Teufel? - Es war traumhaft, die Landschaft mit dem azurblauen Himmel im Hintergrund zu betrachten. Ich stieg höher und höher. Über St. Marys lag der dichte Frühnebel wie ein Bettuch. Ich war ganz hingerissen von diesem Morgen!

Ich erreichte den Parkplatz und jetzt musste ich über Steine hinauf zum dort postierten Feuerwachturm. Das war ganz schön steil! Und anstrengend! Ich schwitzte erbärmlich. Leider war der Beobachter im Wachturm nicht anwesend. Unverrichteter Dinge stieg ich wieder zum Parkplatz hinab. Ich passte auf, dass nicht eine Giftschlange unter den Steinen ruhte. Als ich den Parkplatz erreichte, traf gerade der Feuerbeobachter ein. Der freundliche Mann hieß John und er bot mir an, mir oben im Feuerwachturm einiges zu zeigen. Also stieg ich mit ihm wieder hinauf!

Auf seinem Wachturm war John mit Telefon und Funk ausgerüstet. Sonst hatte er hier nur einige wenige Akten herumstehen. Er war allein in dieser atemberaubenden Landschaft! Die Tür zu seinem Turm konnte er nur von unten nach oben aufschieben. Denn, so betonte John, bei starkem Westwind würde er eine normale Tür nicht öffnen können. Freundlicherweise machte John ein Foto von mir, wie ich per Fernglas die Landschaft beobachtete. John benutzte das Fernglas, um nach eventuellen Feuern Ausschau zu halten. Er hatte ein Gästebuch vorliegen, wo ich mich eintragen konnte. In seiner Einsamkeit hier oben hätte John mich gewiss noch etwas länger hier oben haben wollen, doch um 10:45 Uhr begann ich den Rückweg anzutreten.

Wieder am Auto stürzte ich mich auf meine Cola. Ich fuhr nun nach St. Marys hinein und schrieb eine Postkarte nach Hause. In einem Cafe“ aß ich ein Eis. Bei großer Hitze, mit der ich in Tasmanien gar nicht gerechnet hatte, fuhr ich dann weiter in Richtung Süden über den sehr kurvenreichen Elephant-Pass nach Bicheno. Am Ortseingang befand sich eine Jugendherberge, die direkt an einem herrlichen Sandstrand lag. Ich nutzte die Pause für einen kleinen Spaziergang am Wasser entlang. Die Temperatur des Wassers war mir etwas zu kühl, deshalb beließ ich es bei einem Walk.

Am Ortsausgang nahm ich zwei trampende Mädchen bis Triabunna mit. Sie waren aus Irland und Australien. Sie kamen von Coles Bay und wollten nach Hobart. Der Highway führte unmittelbar an der traumhaften Küste der Tasmanischen See entlang. Besondere Stellen für einen Halt gab es nicht mehr. So fuhr ich in einem Rutsch bis Triabunna durch. Triabunna war meine heutige Etappenstation.

Die beiden Mädchen setzte ich am Ortsausgang ab. Im Supermarkt kaufte ich dann einige Lebensmittel ein. Anschließend fuhr ich zu der attraktiven Jugendherberge; nicht weit von der Prosser Bay entfernt. Oh, es war so heiß! 179 Kilometer bin ich heute gefahren.

Im Innenraum lernte ich dann die Kanadierin Judith und den netten Engländer Gary kennen, die zeitweise zusammen trampten und morgen auf die Maria-Insel wollten. Mit beiden freundete ich mich an und wir hatten fortan ein paar schöne Stunden zusammen.

Zunächst raffte ich mich dazu auf, einen Teil meiner Wäsche zu waschen. Anschließend schrieb ich einen weiteren Brief an meinen Schweizer Freund Alex nach Genf. Zusammen mit Judith und Gary fuhr ich dann auf einen kleinen Abendtrip ans Cape Bougainville. Wir wollten zu einem hübschen Leuchtturm, doch es stellte sich als schwierig heraus, ihn zu erreichen. So begnügten wir uns mit einem Spaziergang am Sandstrand entlang, was aber auch herrlich war.

Wieder in der Jugendherberge machten wir uns Abendessen. Ich speiste ein Steak mit Pilzen. Noch fünf weitere Gäste befanden sich in dieser Jugendherberge. Judith, Gary und ich saßen den Abend über noch nett beisammen. Ich brachte mein Tagebuch noch auf den aktuellen Stand. Gegen 23:00 Uhr begab ich mich dann ins Bett. Ich war todmüde, denn seit meiner Abfahrt aus Devonport habe ich nicht mehr allzu lange geschlafen. Alle Tage waren so ausgefüllt gewesen.

Aber an Schlaf war dann doch nicht zu denken. Ich hatte mich gerade ins Bett gelegt als auch schon die massiven Mücken-Angriffe starteten. Das schreckliche Gesurre schien kein Ende nehmen zu wollen. Zu allem Übel hatte ich dummerweise versäumt, Getränke einzukaufen und so litt ich während der Nacht auch noch unter Durst.

Reportage: Der niedliche Teufel von Tasmanien


63. Reisetag:
Donnerstag, 2. März 1989

Ich war wieder wie gerädert. Zu schlecht hatte ich geschlafen. Mücken können einem wirklich das Leben zur Hölle machen. Elende Blutsauger!

Um mein Tagespensum zu bewältigen, stand ich schon um 7:20 Uhr auf. Da ich überhaupt noch keinen Appetit hatte, ließ ich das Frühstück kurzerhand ausfallen. Ich wusste eh noch nicht, wie ich mir die Zeit heute am besten einteilen sollte. Meinen Plan, heute bis Cygnet zu kommen, habe ich sowieso bereits zu den Akten gelegt. Der zunächst nicht eingeplante Ort Port Arthur war mein heutiges Etappenziel.

Trotz der frühen Morgenstunde war es schon wieder angenehm warm. Im Laufe des Tages wurde es wieder heiß, wobei es heiter bis wolkig war. Nachdem ich mich von Judith und Gary verabschiedet hatte, setzte ich mich um 8:15 Uhr in den Wagen und startete meine vierte Etappe. In der Nähe von Buckland setzte ich mich auf ein Sandwich in ein Cafe“. Größere Orte habe ich seit meiner Abfahrt aus Devonport bisher in Tasmanien nicht zu sehen bekommen.

Bei großer Hitze erreichte ich dann Sorell. Bei einer Cola las ich in der Zeitung Australian, dass Bayern München im UEFA-Pokal 0:1 bei Hearts of Midlothian aus Schottland verloren haben. Dynamo Dresden spielte 1:1 bei Viktoria Bukarest.

Auf dem Highway 9 fuhr ich nun weiter auf die Forestier-Halbinsel. Der Tank des Chrysler war schon bald wieder leer. Aber an den wenigen Tankstellen, die es hier gab, wurden entweder keine Kreditkarten akzeptiert oder aber der Sprit war zu teuer. Hinter Murdunna gab es gewaltige Naturschönheiten zu besichtigen. Wasser und Wind haben im Laufe der Jahrmillionen hier die Felsen zu kuriosen Objekten ausgewaschen. Es handelte sich um Devil's Kitchen und Tasman Arch. Als ich gerade das spektakuläre Blowhole besichtigte, ergriff mich urplötzlich Panik. Wo war mein Autoschlüssel? Ordnungsgemäß hatte ich die Wagentüren verschlossen. Steckte der Schlüssel etwa noch im Anlasser? Dann würde ich nicht mehr in den Wagen kommen! Oh, das durfte doch nicht wahr sein. Eilig ging ich zum Wagen zurück. Mir wurde gleichzeitig heiß und kalt. Musste das Schloss gar aufgebrochen werden? - Doch dann vielen mir tausende von Steinen vom Herzen, als ich den Schlüssel auf dem Wagendach liegen sah. Leichtsinnig; aber besser auf dem Wagendach als im geschlossenen Fahrzeuginneren!

Ich fuhr nun wieder zum Highway 9 zurück. Ich lag noch gut in der Zeit, aber ich war auch ein wenig müde. In Taranna fand ich endlich eine geeignete Tankstelle, wo ich den Chrysler nun mit Treibstoff auffüllen konnte. Schon mittags traf ich dann nach 153 gefahrenen Kilometern in Port Arthur ein. Am Ortseingang bezahlte ich $AUS 5, die zur Besichtigung der berühmten Ruinen berechtigten. Die Jugendherberge war gleich um die Ecke. Allerdings öffnete sie ihre Tore erst um 17:00 Uhr. Aus einem Mittagsschlaf wurde also nichts.

So besichtigte ich also zunächst die berühmten Ruinen. Die Engländer haben nach ihrer Besiedelung hier die Sträflinge untergebracht. Das Gefängnis konnte siebenhundert Gefangene beherbergen. Im Jahre 1877 wurde es letztmalig benutzt. Auch die Ruinen einer Kirche konnten besichtigt werden. Einige Häuser mit ihrer Original-Einrichtung dieser Jahre zu betreten, war besonders interessant. Insgesamt hielt sich mein Interesse aber in Grenzen. Ich bin eben doch ein kleiner Kulturbanause. Die $AUS 5 empfand ich als viel zu teuer. Ich gönnte mir noch ein Essen im Restaurant und damit hatte ich mein Tagesbudget auch schon wieder überschritten.

Port Arthur war natürlich von Touristen überlaufen. Niemand schien den langen Weg von Sorell zu scheuen, den man auch wieder zurück fahren musste. Nach der Besichtigung der Ruinen fuhr ich zu einer bemerkenswerten Höhle, die ebenfalls vom Wasser ausgewaschen worden ist. Mittlerweile hatte es beträchtlich abgekühlt. Ich war etwas erschöpft und so setzte ich mich zwei Stunden vor die geschlossene Jugendherberge. Ich fröstelte jetzt.

Später erfolgte an der Rezeption die Anmeldung. Bei dieser Jugendherberge handelte es sich um ein normales Gebäude ohne irgendwelche Besonderheiten. Ich wärmte mich zunächst mit einem Kaffee auf und schrieb in mein Tagebuch. Zum Abendessen machte ich mir dann wieder ein Steak. Auch Giorgio aus der italienischen Schweiz erreichte die Jugendherberge heute. Er hatte sich am selben Tag in Devonport ein Auto gemietet wie ich.

Ich duschte noch und schrieb Ansichtskarten an Peter Holland in Melbourne und Frank in Buchholz. Anschließend las ich in dem Roman "Die Verführten" von Harold Robbins. So ließ ich den Tag langsam ausklingen. Nachts siegte die Müdigkeit und ich konnte ausgezeichnet schlafen. Wir waren insgesamt acht Leute in diesem nicht besonders großen Zimmer.

Reportage: Der Teufel schläft nicht


64. Reisetag:
Freitag, 3. März 1989

Gegen 7:30 Uhr stand ich am heutigen Morgen auf und begann umgehend mit dem Zusammenpacken meiner Klamotten. In der Gemeinschaftsküche machte ich mir dann wieder ein Frühstück. Zur Abwechslung gab es mal wieder gekochte Eier mit Toastbrot und Honig. Gegen 8:30 Uhr verließ ich dann die Jugendherberge von Port Arthur.

Zunächst war es stark bewölkt und kühl. Im Laufe des Tages setzte sich die Sonne aber immer mehr durch und es entwickelte sich ein Tag mit blauem Himmel und beträchtlicher Hitze. Zwei Schwedinnen fragten mich, ob ich sie ein Stück mitnehmen könne.

Zunächst drehte ich einen Zirkel und fuhr über Nubeena nach Taranna. Hier besuchte ich für nur $AUS 2,50 den Devil Park. Ein Tierpfleger erläuterte den wenigen Besuchern, was man hier bestaunen kann. Da waren natürlich der Tasmanische Teufel, viele Kängurus und einheimische Vögel. Einen weißen Kakadu hatte ich auf meinem Arm sitzen und die Kängurus konnte man streicheln. Ein Wombat versuchte, kleine Kängurubabys -sogenannte Joey's in seinen Beutel zu stopfen. Das war absolut zauberhaft! Dieser Trip durch den Park war erlebnisreich.

Bis nach Sorell fihr ich jetzt auf derselben Straße wie gestern zurück. Dann bog ich auf den Highway 3 und fuhr nach Hobart. Nun folgte die Bewährungsprobe. Ich musste mich allein in der tasmanischen Hauptstadt zurecht finden. Niemand saß im Fahrzeug neben mir, der mir per Karte Anweisungen geben konnte. Ich musste alles allein erledigen und es klappte unerwartet gut, worauf ich schon etwas stolz war.

In der Nähe der Argyle Street parkte ich den Chrysler rückwärts ein. Mein erster Gang führte mich zur Lo Cost-Autovermietung, wo ich die Wagenmiete um weitere drei Tage verlängerte. Ich fuhr das Auto jetzt auf einen großen Parkplatz, der gebührenpflichtig war. Aber die Fußgängerzone war wenigstens in der Nähe. Zunächst suchte ich wieder die heiß begehrte deutschsprachige Wochenzeitung, die ich zum Glück auch fand. In der Westpac-Bank besorgte ich mir Bargeld für das bevorstehende lange Wochenende (Montag war Feiertag in Tasmanien). Meine geschriebenen Ansichtskarten brachte ich zur Post. In einer Snachbar nahm ich noch einen kleinen Imbiss zu mir. Im Australian entdeckte ich noch zwei weitere Fußball-Europapokal-Ergebnisse: Eintracht Frankfurt spielte 0:0 gegen den belgischen Verein KV Mechelen. Auch Werder Bremen kam über ein 0:0 gegen den AC Mailand nicht hinaus.

Nach zwei Stunden war mein Aufenthalt in Hobart dann beendet. Den Weg nach Süden fand ich ohne Probleme. Das Wetter hatte sich erheblich gebessert und so konnte ich die Landschaft auch wieder genießen. Aber auch der Highway B68 war sehr kurvig. Über Kingston, Snug und Woodbridge fuhr ich nach Cygnet, meiner heutigen Etappenstation. Im Ort las ich noch einen Engländer auf, der nun die 4 ½ Kilometer bis zur Jugendherberge nicht mehr laufen musste.

Die Jugendherberge lag in wunderschöner Lage auf einem Hügel - wieder ein Edelstein unter den Tausenden von Jugendherbergen weltweit. Das Haus hatte nur Doppelzimmer. Es schien hier zum Glück auch nicht so viel los zu sein. Ich hatte ein Kratzen im Hals und fühlte mich schlapp und müde. Alles - nur bitte nicht schon wieder eine Erkältung mit Halsschmerzen! Angesichts der vielen Dinge, die ich noch zu erledigen hatte, konnte ich nicht schlafen.

Der Engländer, der übrigens Chris hieß, und ich fuhren dann in den Pub in Cygnet. Zum Bier gab es kostenlose Pellkartoffeln und Salzbrezel mit Käse dazu. Als wir wieder in die Jugendherberge zurück kehrten, war Giorgio aus der Schweiz ebenfalls eingetroffen. Er musste sich nun etwas beeilen, denn bereits am Montag muss er seinen Mietwagen wieder abgeben. So sieht man also auch hier in Tasmanien spätestens am Abend immer wieder dieselben vertrauten Gesichter. Ich wartete nur noch auf den Tag, wo mir Judy wieder begegnen würde...

Ich machte mir wieder ein Abendessen: Cordon Bleu mit Spielgeleier. Draußen genossen wir dann den milden Abend mit der langsam hereinbrechenden Nacht. Ein Österreicher aus Villach war noch eingetroffen. Er hatte überhaupt kein Geld mehr und nicht mal einen Schlafplatz für die Nacht! Er hatte so törichte Ansichten, dass er uns alle nur zum Kopfschütteln anregte. Er legte sich doch tatsächlich neben die Hauptstraße und bereitete dort sein Nachtlager aus. Giorgio, Chris und ich fuhren dann noch einmal in den Pub, wo Live-Musik gespielt wurde: Die Band Street Legal war echt super!

Heute bin ich insgesamt 201 Kilometer gefahren. Nach unserer Rückkehr in die Jugendherberge saß der Österreicher auf der Veranda. Zusammen tranken wir noch in aller Ruhe eine Tasse Kaffee. Ich dachte noch ein wenig über meine bisher so erfreulich verlaufene Reise nach. Besonders die zurzeit erfolgende Umrundung von Tasmanien begeisterte mich und so bin ich froh, dass ich den Mietwagen erst am Sonnabend nächster Woche zurückgeben muss.

Gegen Mitternacht legten wir uns dann hin. Vorher entfernten wir noch einige übel und zu groß geratene Spinnen aus dem Zimmer. Kontrollblicke unter die Bettdecke und unter das Kopfkissen gehörten schon zur tägliche Routine!

Porträt: Der Tasmanische Teufel


65. Reisetag:
Sonnabend, 4. März 1989

Chris stand schon unerwartet früh um 7:00 Uhr auf. Na, wenn er zukünftig Erdbeeren ernten will, muss er sich langsam an diese Zeit gewöhnen. Der Engländer hatte hier einen Job auf dem Farmgelände bekommen. Auch Giorgio verließ die Jugendherberge zeitig. Er musste ein ganzes Stück in Richtung Norden fahren.

Gegen 9:00 Uhr bereitete ich mir dann mein Frühstück zu. Niemand sonst war mehr hier. Der Morgen war herbstlich frisch. Ich speiste wieder Schinken mit Eier und danach räumte ich meinen Rucksack wieder in den blauen Chrysler. Gegen 9:30 Uhr startete ich zu meiner sechsten Etappe. Aus einem wolkigen Morgen entwickelte sich schon bald wieder ein sonniger und warmer Märztag in Tasmanien.

Ich fuhr zunächst bis Huonville, wo ich den Wagen wieder auftankte und auch Öl nachfüllte. Im Supermarkt kaufte ich anschließend wieder ein. Dann fuhr ich am Huon River entlang über Franklin und Greveston nach Dover, wo ich später die Thermalquellen erreichte. Außer einem beheizten Swimmingpool gab es hier nichts zu sehen, denn ein Wanderweg, der verschiedene Quellen verband, war offensichtlich geschlossen. Ich nahm ein kurzes Bad im Pool und fuhr auf ungeteerter Straße weiter zur Hastings-Höhle. Die Höhle war mit einem Tor versperrt; eine Besichtigung sollte erst in einer Stunde möglich sein. Während der Wartezeit unterhielt ich mich mit einem Engländer, den ich vorher schon flüchtig in Port Arthur gesehen hatte.

Um 13:15 Uhr folgte dann gegen ein Entgelt in Höhe von $AUS 4 die geführte Besichtigung der Höhle. In der Höhle war es dann atemberaubend schön. Riesige Stalagmiten hingen von der Decke hinab. Absolut bizarr sahen die aus! Es war eiskalt hier. Zum Glück hatte ich mich einigermaßen warm angezogen. Andere Besucher standen hier in T-Shirt und Shorts herum! Sie mussten erbärmlich frieren! In der Höhle wurden die Stalagmiten von Lampen geschickt angestrahlt. Es war sehr farbenprächtig! Einmal machte unser Führer das Licht aus und man konnte in der Dunkelheit die Hand vor Augen nicht sehen! Nicht der geringste Tageslichtschimmer erreichte diese Tiefe, in der wir uns jetzt befanden. Die Tour dauerte fünfundvierzig Minuten. Es hatte sich wirklich gelohnt! Allerdings beteiligten sich zu viele Leute an dieser Führung - es war manchmal ziemlich eng!

Ich fuhr dann in die Jugendherberge von Lune River, die auf den ersten Blick einen sehr schönen Eindruck bei mir hinterließ. Sie war idyllisch in die Landschaft eingebettet. Nach der Anmeldung ruhte ich mich einen Augenblick aus und las in der Zeitung. Wenig später machte ich mir eine Kleinigkeit zu essen. Heute gab es bei mir Schnitzel, grüne Bohnen und Spiegelei. So kleckerte die Zeit am Nachmittag dahin. Plötzlich erfolgte eine regelrechte Invasion weiterer Traveller. Sie hatten anscheinend eine gemeinsame Tour unternommen und waren plötzlich alle da. Ich war ein wenig geschockt. Für diese kleine Jugendherberge waren es zu viele Leute.

Lune River war übrigens die südlichste Jugendherberge von Australien. Am Abend raffte ich mich noch zu einem kleinen Ausflug auf. Es gab hier nämlich noch eine weitere Höhle, die abseits der Touristenwege lag. Es handelte sich um die Mystery Creek Cave. Der Parkplatz war etwa sechs Kilometer von der Jugendherberge entfernt. Dann führte ein breiter Wanderweg Richtung Höhle; fünfundzwanzig Minuten vom Parkplatz entfernt. Doch plötzlich entwickelte sich der eben noch breite Weg zu einem schmalen Dschungel-Track. Es bereitete mir Mühe, die Höhle überhaupt zu finden. Niemand sonst war hier, den man hätte fragen können. Über Stock und Stein ging es nun steil abwärts und plötzlich -wie aus dem Nichts!- sah ich das dunkle Loch der Höhle! Ein eiskalter Hauch kam mir aus dem Dunkel entgegen. Es war so steil, dass ich plötzlich das Gleichgewicht verlor und stürzte. Ich fiel zur Seite und danach auf den Rücken. Zu allem Übel stieß ich mir auch noch leicht den Kopf. Gut, dass mich niemand sah, wie ich hier wie eine Schildkröte auf dem Rücken lag! Die neue Nikon fiel mir auch noch aus der Hand - fehlte nur noch, dass sie mir kaputt ging. Zum Glück war das nicht der Fall.

Gurgelnd floss ein Fluss aus der finsteren Höhle. Es war sehr glatt und steinig hier. Ich ging kurz in die Höhle hinein. Meine Taschenlampe spendete aber nur ein bescheidenes Licht und so machte ich schnell wieder kehrt. Beleuchtet war diese Höhle nämlich nicht! Allzu lange würde das Tageslicht auch nicht mehr ausreichen. Auf dem Rückweg zum Parkplatz sprangen mir plötzlich zwei Kängurus über den Weg.

Unnötig schnell und ziemlich riskant fuhr ich auf der unasphaltierten Straße nach Lune River zurück. An einer Abzweigung wäre ich doch glatt mit einem anderen Auto kollidiert. Jetzt aber langsam! Warum fuhr ich so schnell? Durch den Sturz war meine Jeansjacke beschmutzt worden. Dummerweise war auch noch meine grüne OP-Hose am Knie eingerissen. In der Jugendherberge stopfte ich sie notdürftig - auf diese Hose hätte ich nur ungern verzichtet. Am Knie entdeckte ich eine Schramme.

103 Kilometer habe ich am heutigen Tag mit dem Chrysler zurück gelegt. Der folgende Abend in der Jugend
herberge war nicht besonders angenehm. Die Gruppe -alle schienen sich untereinander zu kennen- kam aus Dover vom Pub zurück und war eingedeckt mit Bier! Umgehend begann die Sauferei. Die Lune River-Jugendherberge hatte bei mir einiges an Sympathie eingebüßt. Der Konsum von Alkohol musste wirklich nicht sein.

Ich duschte noch und hielt mich den Abend über still im Hintergrund auf. Zu Gesprächen war ich nicht aufgelegt. Gegen 23:00 Uhr trat dann aber doch unerwartet schnell Ruhe ein und wäre der Nacht konnte ich ganz vorzüglich schlafen.

66. Reisetag:
Sonntag, 5. März 1989

Ein traumhaft schöner Morgen präsentierte sich mir nach dem Aufstehen in der Jugendherberge Lune River. Über das Wetter konnte ich mich wirklich nicht beschweren. In der Gemeinschaftsküche war es zum Glück noch nicht so geschäftig. Ich machte mir erneut Bacon and Eggs auf Toast. Zügig räumte ich dann wieder meinen blauen Rucksack in den Chrysler, der mir ein lieb gewonnenes Auto geworden ist.

Gegen 9:00 Uhr startete ich meine siebente Etappe der "Tour de Tasmania". Zunächst fuhr ich bis nach Huonville auf selbiger Strecke zurück, die ich gestern gekommen bin. Hier gönnte ich mir einen Kaffee. Dabei studierte ich meine Straßenkarten. Wenig später fuhr ich dann über Longley nach Fern Tree. Hier befand sich der 1.270 Meter hohe Mount Wellington, den man auf einer geteerten Straße bis zum Gipfel befahren konnte. Genau dieses hatte ich jetzt vor. Die zwölf Kilometer lange Straße war eng und kurvig. Zum Problem aber wurde der extrem dichte Nebel auf halber Höhe. Ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen! Die Wolken klebten regelrecht am Berg. Ich konnte nur noch schrittweise fahren. Doch wie durch Geisterhand riss von einer zur anderen Sekunde die Nebeldecke auf und es ward Licht. Hier in luftiger Höhe schien die Sonne. Ein paar Wanderer und drei Autos waren hier oben. Ich hatte den Gipfel erreicht!

Auf dem Gipfel stand kein Baum - überall nur Steine und Felsen - eine Mondlandschaft! Aber es war imposant. Unter mir war der dichte Nebel, der einem die Aussicht auf die Landschaft drunten nahm. Der Weg auf den Mount Wellington hatte sich aber gelohnt. Es gab einen Aussichtsturm, eine Schutzhütte und diverse Radioantennen.

Auf dem Rückweg folgte der zweite Teil der blinden Nebelfahrt. Unten angekommen, fuhr ich nun nach Hobart. Mir blieb keine andere Möglichkeit, um in Richtung Norden zu fahren. Die Sonne schien, es herrschte bestes Ausflugswetter. Beim Transit durch Hobart hatte ich keine Schwierigkeiten. Hier standen viele Anhalter am Straßenrand. Ich las zwei Norweger auf, die sehr nett waren. Sie wollten bis Launceston. Wir fuhren jetzt auf dem Highway 1, der geradeaus führte. Mit 100 km/h erreichte ich hier etwa die Höchstgeschwindigkeit des Chrysler.

Während der Fahrt sahen wir überall staubtrockene Wiesen und Felder. Auch dieses Bild erinnerte mich leicht an das Outback. Mein heutiges Ziel war die kleine Stadt Oatlands. Am Ortseingang ließ ich die Norweger aussteigen. Die Jugendherberge fand ich sofort - sie war aber noch bis 17:00 Uhr geschlossen. Jetzt war es erst 13:00 Uhr. So fuhr ich in den hiesigen Pub und gönnte mir eine Mahlzeit. Ich bestellte mir ein Flunder-Filet mit Chips und Salat für $AUS 7. Der Teller war aber recht klein. Nun fuhr ich an den hübschen Dulverton-See gleich um die Ecke. Hier machten einige Familien ihr Barbeque. Farbenprächtige Vögel flogen mit sanftem Flügelschlag über das Gewässer dahin. Oh, wie friedlich es hier war! Ich breitete meine Iso-Matte aus und las hier die deutsche Wochenzeitung bis zum Ende. Später fuhr ich noch einmal in den Pub und schrieb bei einem Bier in mein Tagebuch.

Um 17:00 Uhr meldete ich mich in der Jugendherberge an. Ich war sehr angetan von dem freundlichen Willkommen, das mir die Leiterin Marge entgegen brachte. Marge war eine ältere Dame und sie war außerordentlich reizend. Sie wohnte in einem separaten Bereich mit im Haus. Diese Jugendherberge war wirklich ganz bezaubernd - genau das richtige, was ich brauchte nach der Lune River-Herberge. Marge hielt hier alles sehr sauber. Ich behaupte, dass Oatlands die bisher sauberste Jugendherberge war.

Ich war der bisher einzige Gast heute Nacht und das empfand ich durchaus als angenehm. Zunächst war einmal mehr das Waschen meiner Wäsche angesagt. Marge hatte allerdings keine Waschmaschine hier und so musste eine Handwäsche ausreichen. Ich nutzte das trockene Wetter und hing die nassen Klamotten auf die Wäscheleine.

Ich machte mir dann wieder Spaghetti. Im kleinen Laden hatte ich mir Eier und Tomatensoße gekauft. Ich spülte das Geschirr ab und machte einen Verdauungsspaziergang. In Oatlands gab es viele historische alte Gebäude. Wieder in der Jugendherberge kam Marge vorbei und fortan redete sie wie ein Wasserfall über die unterschiedlichsten Reisenden, die hier im Laufe der Zeit so weilten. Marge war eine kleine Schnattertante und sie wusste dieses wohl auch sehr genau. Ich hatte soweit alles erledigt und nutzte die Ruhe im Haus, um früh ins Bett zu gehen.

Reportage: Eine raue Insel mit zartem Aroma


67. Reisetag:
Montag, 6. März 1989

Gute elf Stunden habe ich geschlafen und so wachte ich in der so freundlichen Jugendherberge von Oatlands um 9:00 Uhr auf. Sonnenscheinlicht durchflutete mein Zimmer. Von Marge war noch nichts zu sehen oder zu hören. In der Küche machte ich mir wieder mein Frühstück. Und was kam auf den Tisch? Natürlich wieder Schinken und Eier auf Toast mit einer Tasse Kaffee dazu. Meine Wäsche war natürlich nicht trocken geworden und so musste ich die Autositze als Wäscheleine missbrauchen.

Gegen 10:00 Uhr war ich zur Abreise bereit und ich holte mir meinen Ausweis bei Marge ab. Sogleich fing sie wieder lebhaft an zu erzählen über ehemalige Reisende in dieser Herberge. Sie war wirklich kaum zu stoppen. Wer weiß - vielleicht erzählt sie fortan von mir!

Schließlich brach ich zu meiner achten Etappe auf, die mich nach Deloraine bringen sollte. Daraus wurde aber nichts. Über die Gründe werde ich gleich noch eingehend berichten. Bei traumhaftem Wetter fuhr ich zunächst in den Ort Ross, der am Highway 1 gelegen war. Es war ein liebenswürdiges kleines Dorf mit historischen Gebäuden. Besonders bezaubernd war eine kleine Kirche. Viele Touristen und Wochenendurlauber hielten sich hier auf. Schließlich war in Tasmanien heute Feiertag (Labour Day).

Meinen Trip setzte ich dann in Richtung Campbelltown fort, wo ich mal wieder tanken musste. In einem Cafe“ machte ich eine Pause und las im Australian die aktuellen Bundesligaergebnisse vom Wochenende. So gewann Bayern München beim VfB Stuttgart mit 2:1, während Verfolger Werder Bremen bei Bayer Leverkusen mit 0:1 unterlag. Der Hamburger SV kam zu einem ungefährdeten 4:1-Sieg gegen Hannover 96 und der FC St. Pauli spielte 1:1 bei Eintracht Frankfurt. - Die Höchsttemperaturen in Deutschland spielen sich zwischen 7 °C und 11 °C ab.

In Campbelltown verließ ich nun den Highway und bewegte mich auf der C 522 vorwärts in Richtung Cressy. Jetzt fiel mir ein rotes Lämpchen im Cockpit auf, das während der bisherigen Tour noch nie aufgeleuchtet hatte. Was hatte das nun zu bedeuten? Ich konnte die unendlichen Wiesen und Felder gar nicht richtig genießen. Immer wieder schaute ich auf das rote mit CHG beschriftete Lämpchen. So stoppte ich schließlich in Cressy an der Tankstelle. Ich erfuhr, dass CHG die Batterie war. Aber genau konnte mir der ältere Tankstellenpächter auch nichts über die Ursache sagen. Er empfahl mir, in den nächstgrößeren Ort nach Longford zu fahren, was ich auch tat. Beim Überholen eines vor mir fahrenden langsamen Fahrzeugs rüttelte der Wagen plötzlich etwas. Aber ich kann nur erwähnen, dass ich sonst überhaupt keine Probleme mit dem lieb gewonnenen Chrysler hatte. Auch der Anlasser funktionierte immer prompt. In Longford fand ich schnell eine größere Shell-Tankstelle mit dazugehöriger Werkstatt. Aber auch hier wurde mir nur empfohlen, nach Launceston zur Zweigstelle der Lo Cost-Autovermietung zu fahren. Aber genau das -eine Fahrt in die Großstadt Launceston- wollte ich doch verhindern.

Im Nu war ich wieder auf dem Highway 1 und schon nach kurzer Zeit hatte ich die Innenstadt von Launceston erreicht. Die Lo Cost-Autovermietung befand sich in der Tanar Street. Doch ich stand vor verschlossenen Türen. Sprach nicht der Vermieter in Devonport von einem 24-Stunden-Service? An der Eingangstür befand sich ein Schild mit einer Telefonnummer, die außerhalb der Geschäftsstunden anzurufen sei. Mir graute schon vor technischen Erklärungen am Telefon - und das auch noch auf Englisch!

Ich ging in den Pub auf der gegenüberliegenden Straßenseite und rief die besagte Nummer an. Ich hörte nur einen Anrufbeantworter! Weitere zwei Nummern in Launceston wählte ich an. Schließlich rief ich die Lo Cost-Filiale in Devonport an. Hier bekam ich zum Glück einen Gesprächspartner an die Strippe. Der Mann am anderen Ende erzählte mir, dass ich über den Operator ein R-Gespräch anmelden solle, damit nicht ich für das Gespräch zahlen musste. Das war ein netter Hinweis. Allerdings hatte das Telefon auch schon einige Münzen geschluckt. Es war sehr unruhig im Pub und so verstand ich zwangsläufig nur die Hälfte. Der Mann am anderen Ende der Leitung versuchte ohne Erfolg einen Mechaniker anzurufen. Nach einer Weile einigten wir uns darauf, dass ich in Launceston in der Jugendherberge übernachten und gleich morgen früh in der hiesigen Lo Cost-Filiale aufkreuzen solle. Zum Schluss bot mir der Mann diesen Miettag ohne Kostenabrechnung an. Das hörte sich alles sehr gut an. Allerdings hatte ich nur wenig Lust in die Jugendherberge von Launceston zu gehen.

Es war fürchterlich warm heute und durch dieses nervige Hin und Her bin ich zusätzlich ins Schwitzen geraten. Durch die zum Glück nicht so belebte Innenstadt fuhr ich nun zur Jugendherberge, die recht einfach zu finden war. Launceston hatte mit einhundert Betten die größte Jugendherberge von Tasmanien vorzuweisen. Es handelte sich um ein riesiges, hässliches und altes Gebäude.

Es war erst 15:00 Uhr und so wartete ich noch zwei Stunden auf die Anmeldung. Ich gönnte mir in der Zwischenzeit ein halbes Hähnchen und setzte mich dann in den Garten unter einen schattigen Baum. Der folgende Nachmittag und Abend entwickelte sich aber noch unerwartet angenehm. Nach der Anmeldung um 17:00 Uhr betrachte ich die Unterkunft genauer: Die Gemeinschafts- und Schlafräume waren abscheulich und richtig ungemütlich. Es war aber nicht ganz so geschäftig wie ich eigentlich erwartet hatte. In meinem Zimmer, dass zwölf Betten hatte, bekam ich Kontakt mit einem 55-jährigen Hamburger . Er schaute sich freundlicherweise das geheimnisvolle CHG-Licht meines Mietwagens an. Danach schaute er sich die Batterie an. Richtig weiterhelfen konnte aber auch er mir nicht.

Der Hamburger und ich beschlossen, in die Innenstadt zu fahren, um einen Happen zu essen. Das Fahren in der City klappte auch in Launceston recht gut. Die Stadt war wie tot! Nichts hatte geöffnet! Nach einiger Sucherei fanden wir schließlich einen Pub, der Mahlzeiten anbot. Wir kehrten ein.

Der Hamburger war zwanzig Jahre Soldat bei den Amerikanern gewesen. Danach ist er in Rente gegangen. Schon während seiner Militärzeit ist er viel in der Welt herum gekommen. Doch jetzt, wo er sein Rentenleben genießen kann, erst recht! Ansonsten lebt er in Hamburg-Altona.

Unser bestelltes Essen wurde vergessen und so mussten wir eine Stunde warten. Die Warterei hatte sich dann aber gelohnt. Das Wiener Schnitzel mit Gemüse war sehr lecker. Auf dem Rückweg habe ich mich etwas verfahren. In der Jugendherberge gab es am Abend noch weitere Kontakte. Viele andere Gäste waren an meiner zurückgelegten Tasmanien-Tour interessiert. Ich trank noch eine Tasse Kaffee und kontrollierte einmal mein meine Finanzen. Gegen 23:00 Uhr ging ich ins Bett. Es war sehr ruhig aber warm in unserem Zimmer. Übrigens: 164 Kilometer bin ich heute gefahren.

68. Reisetag:
Dienstag, 7. März 1989

Auch der heutige Tag war voller Planungen. Schon um 7:15 Uhr stand ich auf. Ich trank dann nur eine Tasse Kaffee. Auf ein Frühstück verzichtete ich vorerst. Um 8:00 Uhr legte ich mich dann fast mit der Leiterin der Jugendherberge an. Sie machte einen Staatsakt, als ich höflich um einen Stempeldruck in meinen Mitgliedsausweis bat. Sie belehrte mich, dass ich zuerst nach einer Duty fragen müsse. Ich sollte die Treppe fegen, was ich aber dann aus Bockigkeit nicht tat.

Ich verließ die Jugendherberge Launceston kurz darauf. Ich startete meinen Chrysler. Den Hamburger nahm ich bis in die Innenstadt mit. Er wollte heute per Bus nach St. Helens fahren. Wettermäßig war es am Morgen zunächst bedeckt; es entwickelte sich dann aber wieder ein herrlicher Sonnentag.

Um 8:30 Uhr erreichte ich dann die Lo Cost-Autovermietung. Zum Glück war die Werkstatt bereits geöffnet. Sogleich konnte ich den Mechanikern den Fehler am Wagen erklären, denn auch heute Morgen hatte das rote CHG-Lämpchen wieder geleuchtet. Nach einer Weile bekamen sie offensichtlich raus, was faul war. Sie bestätigten, dass es gut gewesen sei, gleich hier vorbeizukommen. Es wurde ein Ersatzteil benötigt, dass aber noch nicht abholbereit war. So würde die Reparatur etwas Zeit kosten und so ging ich zunächst in die Innenstadt.

Ich kaufte mir Zigaretten und frühstückte dann eine Kleinigkeit in einem Kaufhausrestaurant. Um 10:30 Uhr war ich zurück in der Werkstatt. Doch erst jetzt konnte das Ersatzteil abgeholt werden. Derweil setzte ich mich in die Anmeldung und klärte ab, wie ich entschädigt werden könnte. An Geld war ich nicht interessiert. Vielmehr wollte ich den Chrysler erst einen Tag später -am Sonntagnachmittag- zurückgeben. Darauf ließ sich der Manager ein. Sonntag um 16:00 Uhr war nun Stichtag. Eine Stunde später hatte ich "meinen" Chrysler wieder. Der Manager schien sehr um guten Service bemüht zu sein. Er ordnete sogar an, dass der Wagen schnell noch gewaschen wurde. Alles schien klar. Hoffentlich blieb dieses technische Problem ein einmaliges Vorkommnis. Ich war nun startbereit zur neunten Etappe.

Ohne Probleme kam ich durch den werktäglichen Cityverkehr auf den Highway 1, der mich im Nu nach Deloraine brachte. Hier wollte ich nun nachholen, was ich gestern versäumt hatte. Zunächst stoppte ich in der Innenstadt, wo ich im Supermarkt allerhand Lebensmitteleinkäufe erledigte. Die Jugendherberge lag auf einem Hügel und war einfach zu finden. Von hier oben hatte man einen traumhaften Blick auf umliegende Hügel und Wälder. Aber es war natürlich sehr viel los hier. Das erkannte ich sofort an den bereits belegten Betten. Ich deponierte meinen Rucksack im Zimmer und stellte die eingekauften Lebensmittel in den Kühlschrank.

Anschließend fuhr ich dann nach Mole Creek und danach weiter zu zwei Höhlen, die ich mir anschauen wollte. Es war doch sehr erstaunlich, wie viele Sehenswürdigkeiten ich mit einem Mietwagen erreichen konnte. Per Bus hätte ich wohl auf etliches verzichten müssen. Die Natur-Highlights lagen oftmals sehr weit außerhalb der Ortschaften. Und da wäre ich mit einem Buspass sicher verraten und verkauft gewesen. Trampen wäre sicherlich die günstigste Alternative gewesen; aber auch die anstrengendste.

Zunächst wollte ich mir die King Solomon-Höhle anschauen. Dummerweise war gerade eine Besichtigung im Gange und so fuhr ich zurück zur Marakoopa-Höhle, wo ich gerade rechtzeitig zur unmittelbar bevorstehenden Besichtigung eintraf. Der Eintritt betrug $AUS 4. Viel Geld, aber es lohnte sich in jedem Falle. Es war einmal mehr unglaublich, all diese Stalagmiten- und Stalagtitenformationen anzuschauen. All dieses ist in Abermillionen von Jahren entstanden. Besonders faszinierend empfang ich aber die unterirdischen Flüsse. Das Wasser war absolut glasklar! Unzählige Glühwürmchen saßen an der Höhlendecke - es sah aus wie der Sternenhimmel. Die Führung dauerte 1 ¼ Stunden. Ich genoss die Wärme, nachdem wir aus der dunklen Höhle heraus kamen.

Ich fuhr dann wieder zur King Solomon-Höhle, wo eine Führung um 15:00 Uhr begann. Diese Höhle war recht klein, aber nicht weniger bezaubernd. Wassertropfen reflektierten im Licht, so dass diese wie Diamanten aussahen. Dieses gab der Höhle den Namen von King Solomon. Forscher vermuten unter dieser Höhle eine weitere. Obwohl die Führung nur eine halbe Stunde dauerte, wurde ebenfalls ein Eintrittsgeld in Höhe von $AUS 4 verlangt.

Nach diesen Besichtigungen fuhr ich nach Deloraine zurück. Insgesamt hatte ich heute 152 km zurückgelegt. In der Jugendherberge machte ich wieder Planungen für die kommenden Tage. Ich schrieb in mein Tagebuch und erstellte eine aktuelle Haushaltsübersicht. Als Abendessen machte ich mir heute gewürzte Hackbällchen mit Bohnen und Spiegelei. Ich setzte mich dann auf die Veranda, wo ich eine besonders schöne Aussicht genießen konnte. Hier kam es noch zu einzelnen netten Gesprächen. Mit einem Schotten unterhielt ich mich ausgeprägt über Fußball. Meine Oma und meine Tante haben in Kürze Geburtstag - beiden schickte ich eine Glückwunschkarte. Gegen 22:00 Uhr legt ich mich ins Bett; etwa eine Stunde später trat in dem vollen 12-Bett-Zimmer Ruhe ein.

69. Reisetag:
Mittwoch, 8. März 1989

In der Jugendherberge von Deloraine war es schon zu früher Stunde sehr geschäftig. Auch ich hatte heute wieder viel vor und so stand ich bereits um 7:15 Uhr auf. Nach langer Zeit spielte das Wetter heute mal wieder nicht mit. Es regnete in Strömen und die umliegenden Hügel waren wolkenverhangen. Besonders die Traveller, die in den Cradle Mountain-Nationalpark zum Wandern wollten, schauten etwas betreten drein.

Ich hatte mir ein leckeres Müsli gekauft, was ich heute morgen zusammen mit frischer Milch verspeiste. In strömendem Regen lud ich dann wieder mein Gepäck in den Kofferraum des Chrysler. Doch plötzlich hatte ich Probleme, die Kofferraumtür zu schließen. Der "Deckel" ging nicht zu. So deponierte ich mein Gepäck auf dem Rücksitz. Schließlich ging die Tür aber doch mit etwas Gefühl zu. Es sollte aber nicht das einzige Hindernis am heutigen Tag gewesen sein.

Ich wartete noch einen Moment auf Wetterbesserung - doch danach sah es nicht aus. So begab ich mich auf die zehnte Etappe meiner Tasmanien-Rundreise. Im Ort steckte ich die Ansichtskarten ein, die ich gestern noch geschrieben hatte. Es war mittlerweile 9:00 Uhr. Mit fast leerem Tank und wenig Bargeld brach ich auf; aber heute war ja kein Feiertag - Banken und Tankstellen hatten geöffnet.

Erstes Ziel sollten heute Morgen die Meander-Wasserfälle sein, die abseits des Highway 5 lagen. Um der langen Strecke auf ungeteerter Straße zu entgehen, wollte ich nach den Liffay-Wasserfällen auf die B 51 ausweichen. Zunächst nahm ich zur Kenntnis, dass es in Meander keine Bank gab. Eine kleine Tankstelle akzeptierte keine Kreditkarten und Bargeld hatte ich bekanntlich nicht genug dabei. Auf ungewöhnlich schlechter, nicht asphaltierter Straße fuhr ich nun hinter Meander zu den gleichnamigen Wasserfällen, die ich aber nicht finden konnte. Es regnete immer noch und ich fluchte arg über die Qualität der Straße. Nirgendwo konnte ich ein Schild entdecken, dass auf einen Weg zu den Fällen hinwies. Nicht nur des Wetters wegen war ich auch nur mit halbem Herzen dabei. Steine schlugen gegen die Autowände und plötzlich setzte der Fahrzeugboden krachend auf einer Kuppe auf. Ich sah mich schon hier in der Wildnis mit Autoschaden liegen. Ich hatte die Schnauze voll! Ich wollte umkehren und wäre beim Rückwärtsfahren beinahe auch noch im Matsch stecken geblieben.

Auf der Rückfahrt über Meander zum Highway 5 zitterte die Tanknadel immer mehr in Richtung "E" wie "Empty" (leer). Auf der Straßenkarte sah der nächste Ort Golden Valley recht groß aus. Er war es aber nicht! Auch hier: Keine Tankstelle - keine Bank! Nun traf ich eine Entscheidung, denn ich war an der Abzweigung zu den Liffay-Wasserfällen angelangt. Eine kleine ungeteerte Straße führte zu den Orten Liffay und Bracknell. Spätestens in Bracknell vermutete ich eine Tankstelle, aber unverständlicherweise blieb ich nun doch auf dem Highway 5, wo viel mehr Straße unasphaltiert war als auf dem Weg nach Bracknell über die später geteerte B 51.

Ich dachte, irgendwann wird es doch wohl an einem Highway eine Tankstelle und eine Bank geben müssen! Nun begann eine etwa dreißig Kilometer lange Strecke ungeteerter Straße. Es war grauenvoll. Die Straße war glitschig vom Regen und extrem steinig. Der arme Chrysler ratterte mühevoll dahin. Ich bekam es mit der Angst zu tun, wenn ich auf die Tankanzeige blickte. Warum habe ich nicht in Deloraine getankt? Verflucht! Nirgendwo eine Tankstelle und das Benzin neigte sich erbarmungslos dem Ende zu. Auch in Breona gab es weder Tankstelle noch Bank! Also fuhr ich weiter auf der Höllenstrecke des Highway. Was sich doch so alles "Highway" schimpft!

Mit großer Freude erreichte ich dann den Ort Miena. Auf diesen Ort wurde auf Schildern bereits in Deloraine hingewiesen. Inzwischen fuhr ich am Großen See entlang. Ich hatte kaum einen Blick für das Gewässer übrig. Das Wetter war aber auch zu schlecht: kühl und regnerisch. Auch der Ort Miena war nicht groß. Ich sah nur eine kleine Tankstelle mit integriertem Shop - daneben befand sich ein Pub. Von einer Bank war ganz zu schweigen. So fragte ich im Laden, ob es möglich sei, die Tankrechnung per Kreditkarte zu bezahlen. Das war leider nicht möglich! Ich solle doch im Pub fragen, ob ich nicht vielleicht dort $AUS 10 bar gegen Kreditkarte bekäme. Die Master Card wurde im Pub akzeptiert! Aber auch im Pub war man wenig hilfsbereit. Ich hätte sogar ein Essen bestellt und Zigaretten gekauft, aber mir wurden keine $AUS 10 Bargeld bewilligt.

Der Regen peitschte nieder, als ich zum Laden zurück ging. Und nun passierte eine schöne Episode. Der Inhaber der Tankstelle bot mir vertrauensvoll $AUS 10 an, die ich per Bankanweisung zurückgeben sollte. Oh, das war aber eine sehr freundliche Geste. Mit der Kreditkarte wäre er abgesichert gewesen; so aber natürlich überhaupt nicht. Jetzt hatte ich wieder Treibstoff im Chrysler und konnte meinen Weg fortsetzen. Auf Bargeld von der Bank konnte ich nun natürlich warten.

Die ungeteerte Straße hörte jetzt auch bald auf. Plötzlich sah alles wieder rosig aus. Auch das Wetter wurde auf dem Weg nach Bothwell besser. Hier gab ich meine letzten "Kröten" für Fish'n'Chips aus. In der Nähe von Hamilton erreichte ich den Highway 10, der mich über Gretna nach New Norfolk brachte. Dieses war -nach 246 gefahrenen Kilometern- meine heutige Etappenstation. Die Jugendherberge fand ich zügig. Das Gebäude war ein Unikum der besondern Art. Es war früher eine Mautstelle für Brückenüberquerungen über den Derwent River gewesen. Als das Geld für den Brückenbau wieder eingenommen war, hatte das Gebäude seine Dienste getan.

Die Jugendherberge war ein fast rundes Gebäude - total witzig und ungewöhnlich. Die Einrichtung war einfach; die Übernachtung kostete aber auch nur $AUS 5. Bezahlt wurde gegenüber in einem Imbiss. Der Regen hatte wieder eingesetzt. Es war jetzt 15:00 Uhr. Umgehend fuhr ich in die recht große Stadt. In der Bank wechselte ich meine letzten US-Dollar-Reiseschecks ein. Ebenfalls beantragte ich eine Geldüberweisung für den so hilfsbereiten Tankstellenpächter in Miena, der mir so aus der Patsche geholfen hatte. Ich besorgte mir noch einen Briefumschlag und -marken.

In der Jugendherberge ruhte ich mich etwas aus. Eine ältere Südaustralierin aus Adelaide war auch noch in dieser Unterkunft. Sie hieß Rosemary. Ich machte mir dann gegen Abend wieder Spaghetti mit Soße und Rühreiern. Der Australier Graham, den ich bereits in Winnaleah kennen gelernt hatte, traf nun auch noch ein. Die weiteren Stunden nutzte ich zum Schreiben meines Tagebuches. Graham und ich fuhren dann noch in einen Pub und tranken zwei Bier. Gegen 22:00 Uhr lag ich in meinem Bett. Ich hatte wieder mit hartnäckigen Überfällen von Mücken zu kämpfen. Das kostete mich in der Nacht wieder einige Stunden Schlaf!

70. Reisetag:
Donnerstag, 9. März 1989

Die Südaustralierin Rosemary stand am Morgen schon zeitig auf. Sie wollte im Bus nach Queenstown fahren. Ich bereitete mir nach dem Aufstehen wieder Müsli mit Milch zu. Nach gutem Wetter sah es nicht aus. Die Wolken hingen tief an den umliegenden Hügeln. Heute war mal wieder so ein Tag, wo ich mir Zeit lassen konnte. Heute war nicht nur mein bereits 70. Reisetag, sondern gleichzeitig auch mein 27. Geburtstag. Zum dritten Mal hintereinander verbrachte ich meinen Geburtstag weit entfernt von zu Hause. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren war ich in Napier/Neuseeland und vor einem Jahr trafen gerade Alex und Daniela ein und meinen Geburtstag verbrachten wir damals zu dritt in Kuranda/Queensland. Bescheiden hatten wir in einem Pub gefeiert, der voller Aborigines gewesen war, die sich dann ja am Ende noch mit Fäusten bekämpft hatten.

Graham wollte heute auch nach Mount Field und so nahm ich ihn kurzerhand mit. Zunächst fuhren wir in die Innenstadt von New Norfolk, wo wir einige Dinge im Supermarkt einkauften. Mein Tank war auch wieder leer. Auf dem Parkplatz des Supermarktes standen wir, als ich den Wagen starten wollte. Doch was zur Hölle war das? Der Chrysler wollte nicht starten. Nicht das geringste Geräusch entsprang dem Motor. Das durfte doch nicht wahr sein! Auch Graham schaute unschlüssig drein. Wir standen mitten in der Stadt! Doch wie hätte ich ausgeschaut, wenn mir das gestern an den Meander-Wasserfällen passiert wäre? Oder irgendwo während der unendlich langen Fahrt über unasphaltierte Straßen? Darüber durfte ich gar nicht nachdenken.

Eine Ampol-Tankstelle war nur fünfzig Meter entfernt. Graham und ich schoben den Chrysler dort hin. Ein Mechaniker kontrollierte die Batterie. Sie schien völlig leer zu sein. Wie konnte das ohne Warnung passieren? Schließlich bin ich doch gerade eben noch mühelos von der Jugendherberge in die Stadt gefahren. Oder hatte das doch vielleicht irgend etwas mit der ständig leuchtenden CHG-Anzeige zu tun, die nach meiner Abfahrt aus Launceston allerdings nicht mehr leuchtete. Der Mechaniker empfahl mir, die Batterie gegen eine neue auszutauschen. So lief ich hinüber zum Pub und rief einmal mehr die Lo Cost-Autovermietung in Launceston an. Hier wurde mir nur kurz und bündig mitgeteilt, dass ich die Filiale in Hobart anrufen möge. Mir lief die Galle über! Mir blieb nichts anderes übrig, als in der Hauptstadt anzurufen. Natürlich hatte ich die ganze Geschichte mehrmals zu erzählen. Schließlich wurde mir aufgetragen, dass ich gegen Quittung die Batterie austauschen lassen solle. Minuten später gab ich dem Mechaniker in der Ampol-Tankstelle das Signal zum Austausch. Die Arbeit wurde umgehend erledigt. Ich bezahlte die $AUS 43,50 bar, da hier keine Kreditkarte akzeptiert wurde. Das Geld fehlte mir natürlich jetzt am Wochenendbudget. Auch die Zeit war mittlerweile ziemlich voran geschritten. Gegen 11:00 Uhr konnten wir endlich starten. An einer anderen Tankstelle, wo ich mit Kreditkarte zahlen konnte, füllte ich den Wagen mit Treibstoff auf.

Graham und ich fuhren zunächst nach Plenty, wo sich Forellenteiche befanden. Aber dafür wurde Eintrittsgeld verlangt und so verließen wir den Ort wieder. Über Bushy Park erreichten wir dann den Mount Field-Nationalpark, wo sich eine Jugendherberge befand. Diese Herberge war nur fünfzig Kilometer von New Norfolk entfernt. Ich wollte aber noch eine Tagestour nach Strahtgordon unternehmen. Das Wetter war unbeständig und kühl. Es gab auch noch einen Gewitterschauer.

Die Jugendherberge von Mount Field war sehr schön. Hier gab es nur einen Pub. Die nächsten Geschäfte befanden sich im sieben Kilometer entfernten Westerway. Aus meinen Plänen, nach Strahtgordon zu kommen, wurde leider nichts. Die unangenehmen Ereignisse überschlugen sich nun. Zunächst kontrollierte ich meine Finanzen. Mein Bargeld-Etat würde wohl nicht bis Sonntag reichen. Erst am Sonntagnachmittag würde ich die Auslagen für die Batterie wieder bekommen. Aber wo befand sich jetzt die nächste Bank? Auch hier war ich wieder ziemlich weit entfernt von Tankstellen und Geldinstituten. Im Pub schlug man mir vor, in das kleine Postbüro nach Westerway zu fahren. In den Räumlichkeiten der Post solle sich auch eine Filiale der Commonwealth-Bank befinden.

Ich beschloss also nach Westerway zu fahren und dort mein Glück zu versuchen. Doch jetzt -es war kaum zu glauben!- passierte folgendes: Erneut hatte ich vor der Jugendherberge enorme Probleme den Chrysler zu starten. Nur mit Mühe bekam ich ihn in Gang. Auch in Westerway gab es schlechte Nachrichten: Die nächste Bank gab es nur in New Norfolk und dann erst wieder in Queenstown! In der Post konnte man mir kein Geld wechseln. Mist! Ich ging zurück zu meinem Auto.

Doch jetzt war die Scheiße so richtig am dampfen: Der Chrysler gab keinen Mucks mehr von sich! Genau dasselbe Problem wie noch vor ein paar Stunden in New Norfolk! Der Motor war absolut tot! Gegenüber befand sich ein Laden mit Tankmöglichkeit. Aber von einer Werkstatt war weit und breit nichts zu sehen. Ich ging hinüber in den Laden. Freundlicherweise wollte mir die Inhaberin einen Mechaniker rufen. Es war aber nur eine Privatperson. Im Nu war die Hilfe da. Ich war mittlerweile total sauer! Wieder Erklärungen! Ich betonte, dass die Batterie brandneu und erst vor wenigen Stunden in New Norfolk ausgetauscht worden war. Trotzdem überbrückte der Helfer per Kabel von seiner Autobatterie zu meiner. Der Fehler musste woanders liegen! Schließlich fand der Helfer heraus, dass etwas mit dem Zündschloss nicht stimmte. Der Schlüssel ließ sich nicht ausreichend drehen. Der freundliche Mann sprühte jetzt Kontaktspray in das Schlüsselloch. Jetzt funktionierte der Wagen wieder! Aber für wie lange? Das war die entscheidende Frage, die wohl niemand beantworten konnte.

Ich gab dem Helfer $AUS 5 und ließ mir eine Quittung ausstellen, die ich ebenfalls bei Lo Cost einreichen wollte. Nun fuhr ich zurück zur Jugendherberge nach Mount Field. Ich war regelrecht ängstlich, den Wagen neu zu starten. Deshalb verzichtete ich kurzerhand auf den Trip nach Strahtgordon.

Ich rief ein weiteres Mal bei der Lo Cost-Autovermietung an. Es gab wieder viel Rederei. Ich machte meinen Unmut jetzt sehr deutlich. Inmitten meiner Erklärungen wurde das Telefonat unterbrochen. Ich bekam heraus, dass es sich um ein STD-Telefongespräch handelte, dass zeitbeschränkt war. Weitere $AUS 0,30 verschwanden im Schlitz des Telefons. Wieder Rederei! Erneut wurde das Gespräch nach einer bestimmten Zeit unterbrochen. Graham musste mir jetzt mit Münzen aushelfen. Als die Verbindung wiederhergestellt war, brausten riesige Trucks an der Telefonzelle vorbei. Meinen Nerven lagen mittlerweile auf Grundeis. Der Autovermieter und ich einigten uns schließlich darauf, dass ich morgen nach Hobart kommen solle. Die Hauptstadt lag jetzt überhaupt nicht mehr auf meiner Wegstrecke. Aber es war sicherlich die beste Lösung. Hoffentlich würde ich den Wagen morgen starten können.

Ich war nun sichtlich erschöpft von all der Rederei und den vielen technischen Erklärungen. Mit Graham und der Jugendherbergsleiterin aus Wales war ich noch kurz im Pub. Dann ruhte ich mich in meinem Zimmer aus. Zum Abendessen machte ich mir später Toast Hawaii. Ich nahm dann das Risiko in Kauf, noch zu den spektakulären Russell-Wasserfällen zu fahren. Die Fälle waren etwa zwei Kilometer von der Jugendherberge entfernt. Zum Glück sprang der Chrysler sofort an. Die Uhr im Wagen hatte in der Zwischenzeit auch ihren Geist aufgegeben.

Ich spazierte durch den zauberhaften Regenwald zu den Russell-Wasserfällen. Vor mir sprangen zwei Kängurus über den Weg. Auch die nicht weit entfernten Horseshoe-Fälle besichtigte ich. Beim Starten auf dem Parkplatz ließ sich der Zündschlüssel nur mit Mühe drehen.

Den restlichen Abend über hielt ich mich in der Jugendherberge auf. Inzwischen hatte jemand ein kleines Kaminfeuer entfacht. Witzig: Eine Australierin war noch eingetroffen, die ebenfalls heute Geburtstag hatte. So beschlossen wir, etwas im Pub zu feiern. Aber es war recht langweilig, weil alle das eingeschaltete Fernsehprogramm verfolgten.

In der Jugendherberge duschte ich noch, aber es kam nur kaltes Wasser aus der Brause. Heute klappte wirklich nur die Tür! Ich war von all den nervigen Aufregungen müde geworden und so legte ich mich bereits um 22:00 Uhr ins Bett. Spätheimkommende begannen dann aber um Mitternacht herum, mit Plastiktüten zu rascheln - auch das Licht wurde wieder angeknipst.

Info: Australien mit dem Zug