51. Reisetag: Sonnabend, 18. Februar 1989
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Ich wachte schon vor Peter auf und nutzte so die Gelegenheit, meine gestern erhaltenen Briefe noch einmal ausführlich zu lesen. Die Sonne stand schon wieder am Himmel und es würde sich ein heißer Tag entwickeln. In der Küche gab es dann ein kleines Frühstück. Es gab Müsli, welches ich hier bereits im letzten Jahr gern gegessen habe.
 Ich musste dann in der Stadt allerhand erledigen. Peter wollte mir die einzelnen Geschäfte zeigen, was mir die Sucherei deutlich erleichtern würde. Unser erster Weg führte uns zu einem Fotogeschäft. Meine vier Disc-Filme würden etwa eine Woche zur Entwicklung brauchen. Peter wird sie dann in einer Woche in diesen Fotoshop bringen, so dass ich sie nach meiner Rückkehr aus Tasmanien per Kreditkarte bezahlen kann. Meine ersten Filme, die ich mit der neuen Nikon-Kamera gemacht hatte, gaben wir jetzt aber gleich zur Entwicklung ab. Diese würde nur wenige Stunden dauern. Ich war schon sehr neugierig auf die Qualität der Bilder.
Peter parkte sein Auto in der Nähe des Yarra River und wir gingen dann zu Fuß in die belebte Innenstadt. Ausführliche Informationen über mein nächstes Reiseziel -Tasmanien- bekam ich dann im tasmanischen Reisebüro. Leider war die Fähre weitestgehend ausgebucht und so nutzte ich ein billiges Flugangebot. Mit Ansett kann ich für nur $AUS 139 hin und zurück fliegen. Allerdings würde ich die Bestätigung, ob ich Donnerstag oder Freitag fliegen kann, erst kurzfristig am Mittwoch erhalten. Bei diesem kostengünstigen Angebot wird erwartet, dass man flexibel ist. Dieselbe Prozedur wird auch beim Rückflug auf mich zukommen. Ich buchte einen knapp dreiwöchigen Aufenthalt. Falls ich einen Buspass für Tasmanien erwerben sollte, um so die Insel zu umrunden, würde dieses nicht ganz so preiswert sein. Da ich gern wieder ein Auto mieten würde, hinterließ ich eine Nachricht am Anschlagbrett in der neu eröffneten Jugendherberge in der City.
Das waren die Erledigungen, die ich am heutigen Sonnabend erledigen konnte. Weiteres würde bis Montag warten müssen. Peter und ich spazierten durch den botanischen Garten von Melbourne und nahmen in einem CafeŽ einen kleinen Imbiss zu uns. Es war jetzt sehr heiß, aber auch ziemlich windig. Es mochten 36° C sein. Gegen 14:00 Uhr holten wir die entwickelten Fotos ab. Alle fünfundzwanzig Bilder waren einwandfrei geworden. Ich war ziemlich begeistert über Farbe und Qualität. Erst jetzt konnte ich mich über den Kauf der Nikon richtig freuen.
Den weiteren Nachmittag verbrachten wir dann bei Peter im Haus. Seine Mutter Audrey arbeitete für ein paar Stunden in einem Second Hand-Shop. Annette, Peter's Zwillingsschwester, hatte Polizeidienst und Judy war für eine Woche zu ihrer Tante gefahren. Ich hatte furchtbar dringend mein Tagebuch auf den aktuellen Stand zu bringen und natürlich wollte ich auch einige Briefe beantworten. Zu beidem hatte ich bei der Hitze keine große Lust. Ich musste regelrecht dazu aufraffen.
Später schauten Peter und ich dann etwas Fernsehen. Auf SBS gab es Fußball in Ausschnitten zu sehen. Im DFB-Pokal gewann Bayer Uerdingen bei Alemannia Aachen mit 4:1. Diese Sendung hat mir sehr gefallen! Heute begann übrigens in Deutschland wieder die Fußball-Bundesliga-Rückrunde, die ja im Winter pausiert hatte.
Peter und ich schauten uns dann noch die Nachrichten an. Es hatte draußen empfindlich abgekühlt, ohne das es Regen oder ein Gewitter gegeben hat. Annette war inzwischen von der Arbeit gekommen und zusammen mit Peter gingen wir in ein italienisches Restaurant zum Essen. Beide wollten mich einladen, doch das ließ ich nicht zu. Ich wollte das Mahl heute bezahlen und morgen hatte ich nichts dagegen, von ihnen eingeladen zu werden.
Es war unheimlich voll in diesem Restaurant. Wir waren begeistert über das leckere Essen! Ich aß Lasagne mit Salat und Knoblauchbrot. Anschließend zahlte ich die Rechnung mit meiner Eurocard. Bei Peter schauten wir uns noch verschiedene Fotos an. Mittlerweile hatte ich einen Antwortbrief an meine Mutter fast beendet. Gegen 23:15 Uhr lagen wir dann in unseren Betten. Ich war wieder sehr erschöpft und müde. Regen hatte eingesetzt, der deutlich auf das Dach prasselte.
52. Reisetag: Sonntag, 19. Februar 1989
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Ich musste von den vergangenen, ereignisreichen Tagen so übermüdet gewesen sein, dass ich fast ohne Unterbrechung bis 10:00 Uhr schlief. Ich hatte nicht mal Peter gehört, der etwa eine halbe Stunde vor mir aufgestanden war. Der Tag begann wieder mit einem Müsli-Frühstück, das Audrey, Peter's Mutter uns auf den Tisch stellte. Draußen hatte es deutlich abgekühlt. Heute mochten es nur etwa 22 ° C sein. Das Wetter war aber wieder freundlich - heiter bis wolkig.
Peter hatte verschiedene Kleinigkeiten in seiner Werkstatt zu reparieren. Und ich nutzte die Zeit, mein Tagebuch auf den aktuellen Stand zu bringen. Auch einen Brief schaffte ich zu schreiben. Mittags gab es dann auf dem SBS-Fernsehkanal Berichte aus der italienischen Fußball-Liga.
Danach war Lunch-Zeit. Zum Lunch wird in Australien eher nur eine Kleinigkeit gereicht; am Abend fällt das Dinner deutlich umfangreicher aus. Supper statt Dinner sagt man übrigens eher in den vornehmeren Häusern. Audrey zauberte eine kalte Platte mit Hähnchenfleisch und Salat her. Dazu gab es Brot und als Nachtisch einen leckeren Fruchtsalat. Zum Mittagessen hatten wir Besuch von Peter's Tante bekommen. Sie hatte ich bereits im letzten Jahr kennen gelernt. Für ihr Alter von fast achtzig Jahren sah sie unglaublich gut aus. Sie war sehr reiselustig und ist schon mehrmals um die Welt gereist. Dabei hatte sie Peter's Angaben zufolge aber nicht viel gesehen, denn sie bewegte sich nur in Hotels und Geschäften vorwärts. An historischen Gebäuden zeigte sie überhaupt kein Interesse. Sie meckerte an allem herum und schien dieses oder jenes nicht zu mögen.
Besonders unternehmungsreich war der heutige Tag nicht, aber über einen Ruhetag war ich keineswegs unglücklich. Am Nachmittag fuhren wir aber dennoch in den Stadtteil Brighton, wo wir ein wenig an der Küste entlang spazierten. Es ging aber ein starker Wind und mir war doch ziemlich kühl zumute.
Nach unserer Rückkehr hatte Annette Besuch von ihrem Bekannten Edward bekommen. Edward war auch schon im vergangenen Jahr hier gewesen. Er war aus den USA und arbeitete hier in Australien als Lehrer. Einige Monate hatte er aber offensichtlich nichts von sich hören lassen.
Am Abend folgte dann die Gegeneinladung. Annette und Peter schlugen vor, in das deutsche Restaurant Liszt einzukehren. Audrey und Edward kamen ebenfalls mit. Es wurde ein sehr angenehmer Abend. Erstmals speiste ich im Ausland in einem deutschen Restaurant und es war unerwartet appetitlich. Die Dekoration zeigte den Verlauf des Rhein anhand einer gemalten Karte. An den Wänden hingen ausgestopfte Hirschköpfe und im Hintergrund erklang ausnahmslos deutschsprachige Musik. Ich brauchte sehr lange, bis ich meine Wahl in der Speisekarte getroffen hatte. Schließlich entschied ich mich für eine Erbsensuppe als Vorspeise und ein Bauernfrühstück als Hauptgericht. Aber auch die Roulade, die Annette aß und das Kalbfleisch, das Peter und seine Mutter zu sich nahmen, sah total lecker aus. Nach dem köstlichen Essen tranken wir noch eine Tasse Kaffee. Da Peter und Annette morgen wieder zur Arbeit mussten, brachen wir zeitig gegen 22:00 Uhr auf. Zurück in der Ripley Grove war ich dann unter der Dusche. Schon bald trat Ruhe ein und da ich ebenfalls ziemlich müde war, schlief ich schnell ein.
53. Reisetag: Montag, 20. Februar 1989
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Als Peter dann am Morgen aufstand und zu seiner Arbeit fuhr, habe ich kaum etwas von ihm gehört. Ich stand erst um 9:15 Uhr auf und ging schnurstracks unter die Dusche. Audrey machte mir dann ein kleines Müsli-Frühstück in der Küche.
Das Wetter war heute heiter bis wolkig und mit 22 °C recht kühl. In der Melbourner Innenstadt hatte ich heute viel zu erledigen. Zunächst fuhr mich Audrey aber nach South Caulfield, wo ich zum Friseur ging. Für meinen Geschmack schnitt mir die Friseurin am Hinterkopf etwas zu viele Haare ab. Aber das sei jetzt Mode, wie sie betonte. Stolze $AUS 15 hatte ich für den Schnitt zu investieren.
Mit der Straßenbahn fuhr ich dann in die City. Im Büro des Jugendherbergsverbandes des Bundesstaates Victoria war ich zuerst, um Informationen einzuholen. Danach schrieb ich einen Brief und zwei Ansichtskarten und brachte diese zur Post. In der Bank war ich ebenfalls. In der Zwischenzeit hatte ich mit Peter's Mutter telefoniert. Ich war einfach zu neugierig, ob Post für mich eingetroffen ist. Und tatsächlich: Es lag ein Schreiben von Alex aus Genf vor! Na bitte: Heute Abend würde ich wissen, woran ich bin.
Ich kaufte mir noch eine unbespielte Musikkassette, weil ich bei Peter noch einiges von seiner Musik aufnehmen wollte. Dann versuchte ich, Michael Harrison telefonisch zu erreichen, den ich im vergangenen Jahr in Australien kennen gelernt hatte. Aber Michael musste bis 18:30 Uhr arbeiten. In der Zeitung fand ich erfreulicherweise die kompletten Ergebnisse des 18. Fußball-Bundesliga-Spieltages vom Wochenende. Hier gewann der Hamburger SV mit 2:0 gegen Werder Bremen. Bayern München spielte bei Eintracht Frankfurt unentschieden. FC St Pauli verlor beim 1. FC Nürnberg mit 3:5.
Dummerweise hatte ich mich am Morgen von der Sonne täuschen lassen und so hatte ich das Haus ohne Jacke verlassen. Zur Strafe fror ich im Schatten ziemlich. Es war dann an der Zeit, wieder nach Caulfield zurück zu fahren. Die Neugierde über das, was in Alex' Brief stehen könnte, trieb mich zurück. Die Straßenfahrt dauerte über dreißig Minuten. Gegen 17:40 Uhr öffnete mir Audrey die Tür. Der Brief von Alex war kurz und bündig gehalten. Aber nur wenige Sätze sind ausreichend, um gute Nachrichten zu verbreiten. Alex würde am selben Tag in Bangkok eintreffen wie ich - also am 18. März! Das war eine wirklich gute Mitteilung, über die ich mich sehr freute!
Peter kam eine Stunde später von der Arbeit. Er hatte noch mit Edward einen Dauerlauf im Botanischen Garten gemacht. Ich hatte mir derweil die Nachrichten mit Annette angeschaut. Danach gab es auf SBS wieder die Serie Three Ladies and their Hot Dog Stand; zu deutsch: Drei Damen vom Grill. Peter's Mutter machte dann wieder ein ausgezeichnetes Abendessen. Es gab Gulasch mit Gemüse und ein Stück Kuchen zum Nachtisch. Wir saßen noch einen Moment um den Tisch herum. Draußen rauchte ich eine letzte Zigarette. Auf SBS lief dann der bekannte deutsche Mehrteiler Heimat. Peter und ich bevorzugten jedoch Berichte vom englischen Fußball. Gegen 23:00 Uhr legten wir uns dann in die Betten.
54. Reisetag: Dienstag, 21. Februar 1989
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Da Peter's Mutter heute Morgen zur Gymnastik wollte, stand ich schon um 8:00 Uhr auf. Ich ging unter die Dusche, obwohl ich das Duschen morgens eigentlich nicht so besonders mag. Aber gestern Abend habe ich zu müde und faul gewesen. Schon bald nach dem Frühstück fuhr ich mit der Straßenbahn wieder in die Stadt, wo ich auch heute wieder einiges zu erledigen hatte. Es war reichlich kühl am Morgen - die Sonne versteckte sich noch hinter den Wolken.
Mit der Straßenbahn fuhr ich zunächst nur in die St. Kilda Road, wo ich zunächst das Melbourner Goethe-Institut besuchte, um einige Stunden in deutschen Zeitungen zu lesen. Dieses genoss ich wieder sehr. Es war sehr ruhig hier; also ideal zum Lesen. Bis gegen 12:00 Uhr hielt ich mich hier auf und dann fuhr ich weiter in die Innenstadt.
Erneut schaute ich in der Jugendherberge vorbei, wo ich bekanntlich vor wenigen Tagen eine Nachricht am Schwarzen Brett hinterlassen hatte. Niemand schien interessiert daran zu sein, mit mir einen Wagen in Tasmanien mieten zu wollen. Dann setzte ich mich wieder in ein CafeŽ/Restaurant, wo ich einen Brief an Alex nach Genf schrieb und meine Freude darüber ausdrückte, dass wir uns in Thailand wiedersehen werden. Eine weitere Ansichtskarte schrieb ich an Günter Wiebelitz, den ich ja vor zwei Jahren in Neuseeland besucht hatte.
Inzwischen war es wärmer geworden und so spazierte ich durch die Stadt, wo es an jeder Ecke etwas interessantes zu sehen gab. Am späten Nachmittag fuhr ich dann mit der überfüllten Straßenbahn zurück nach Caulfield. Peter's Mutter war gerade nicht da - sie kam aber zehn Minuten später. Annette kam sehr viel später von ihrer Polizeidienststelle zurück - sie hatte Überstunden zu machen. Doch dann schauten wir zusammen die Nachrichten im Fernsehen.
Dann gab es wieder ein leckeres Abendessen: Pastete mit Salat! Peter kam gegen 19:15 Uhr von seiner Arbeit. In der Stadt hatte ich mir gestern eine Musikkassette gekauft, die wir nun in den nächsten Stunden mit hervorragender Musik bespielten. Peter hatte eine unglaublich große Schallplattensammlung. Ich genoss die teilweise sehr schöne Musik. Dazu tranken wir gemütlich Kaffee. Es war dann wieder recht spät geworden und so kamen wir erst gegen 22:30 Uhr zur Ruhe. Ich war sowieso jeden Abend todmüde - Reisen ist äußerst anstrengend! Um so mehr genoss ich die Ruhe in Peter's Zimmer.
55. Reisetag: Mittwoch, 22. Februar 1989
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Gegen 8:30 Uhr stand ich auf und ging sogleich wieder unter die Dusche. An das geregelte Frühstück könnte ich mich wieder gewöhnen. Hier bei Peter und seiner Familie hatte ich sowieso einen recht geregelten Tagesablauf. Die Gastfreundschaft im Hause Holland war einfach großartig. Damit würde es aber nun bald vorbei sein.
Peter's Mutter hatte im Garten zu arbeiten und so nahm ich das Frühstück allein ein. Nur wenig später verließ ich das Haus und ging zur Haltestelle, die nur drei Minuten entfernt lag. Den ganzen Tag über war es sonnig mit einer Temperatur von nur 21 °C. Melbourne bot mir also die Gelegenheit, mich an das gemäßigte Klima von Tasmanien zu gewöhnen. Mit der Straßenbahn fuhr ich nun die mir schon bekannte Strecke in die Innenstadt.
Zunächst besorgte ich mir eine weiter 90er-Musikkassette, um bei Peter weitere Songs aufnehmen zu können. Für Peter's Mutter kaufte ich ein kleines "Dankeschön"-Geschenk, eine bespielte Kassette mit Liedern von Richard Clayderman, den sie so gern hörte. Danach war ich wieder in der City-Jugendherberge, wo ich abermals schaute, ob jemand mit mir auf Tasmanien ein Auto leihen möchte. Das war leider nicht der Fall.
In einem CafeŽ nahm ich ein leckeres Frühstück (das zweite am heutigen Vormittag!) ein. Bacon and Eggs auf Toast ist und bleibt eine Leidenschaft von mir! Beim Frühstück schrieb ich in mein Tagebuch. Dann fuhr ich zur Ansett-Fluggesellschaft, wo ich heute meine Flugdaten erhielt. Ich würde morgen um 8:50 Uhr nach Devonport/Tasmanien fliegen können. Ein wenig früh, aber okay. Ich ging dann ein paar Häuser weiter, wo ich mich über die Abfahrten des Flughafenzubringerbusses informierte. Anschließend buchte ich im Jugendherbergsbüro in der Melbourner King Street zwei Übernachtungen in der Herberge von Devonport.
Im Kaufhaus Myer kaufte ich mir die aktuelle neue Ausgabe der deutschsprachigen Zeitung Diese Woche in Australien. Mit der Straßenbahn fuhr ich dann wieder zum Goethe-Institut, wo ich die nächsten dreieinhalb Stunden verbrachte und die Süddeutsche Zeitung vom 1. bis 17. Februar las. Ich war überrascht, wie aktuell die Zeitungen waren, die hier auslagen. Natürlich war es mühsam, so viele Informationen in so kurzer Zeit aufzunehmen. So beschränkte ich mich zum Schluss auf die Schlagzeilen, Überschriften und Fußballberichte. Gegen 17:45 Uhr verließ ich das Goethe-Institut
Dann hatte ich ein wenig Pech mit den Straßenbahnen. Die eine vor mir vor der Nase davon. Bei der nächsten hatte ich es versäumt, dem Fahrer zu signalisieren, die Bahn zu stoppen. Das war sehr wichtig, sonst hielt die Straßenbahn nicht und fuhr ohne Halt weiter. Aber schließlich klappte es doch noch. Um 18:45 Uhr erreichte ich das Haus der Familie Holland. Annette ruderte heute auf dem Yarra River. Peter kam etwa eine halbe Stunde nach mir von seiner Arbeit. Mutter Audrey servierte wieder ein tolles Essen. Es gab ein Putenschnitzel mit Gemüse und Kartoffelbrei. Auf Kassette nahmen Peter und ich noch zwei Pink Floyd-Alben auf.
Peter war dann noch zu einem Empfang einer neu eröffneten Diskothek eingeladen, wo er um 21:00 Uhr hinging. Ich unterhielt mich derweil in der Küche noch nett mit der gerade eingetroffenen Annette und ihrer Mutter Audrey. Danach duschte ich und setzte mich in Peter's Zimmer, um zu schreiben. Nach den vielen hervorragenden Tagen, die ich seit meiner Ankunft in Australien genießen konnte, hatte ich nun das etwas ungute Gefühl, dass in Tasmanien eine schwächere Periode folgen könnte. Ich halte es auch für möglich, dass ich jetzt zu sehr dem Treffen mit Alex in Bangkok entgegen schauen könnte.
Peter kam schon um kurz nach Mitternacht nach Hause. Der Empfang in der Diskothek war wohl nicht so berauschend gewesen.
56. Reisetag: Donnerstag, 23. Februar 1989
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Erschreckend früh um 6:20 Uhr stand ich auf, nachdem uns Peter's Mutter geweckt hatte. Ich war noch unheimlich müde und mir war etwas kalt. Das Wetter hatte herbstlichen Charakter. Beim Frühstück hatten wir nicht mehr viel Zeit. Ich überreichte Audrey die Richard Clayderman-Kassette als kleines Dankeschön. Mit einem Küsschen nahmen wir dann Abschied. Ich lud meinen Rucksack in Peter's Auto. Zusammen fuhren wir in die Stadt. Golden beschien die Sonne die Häuser von Melbourne. Der Himmel war azurblau. Am Horizont flogen zwei Ballone. Peter setzte mich am Busdepot ab. Auch wir verabschiedeten uns. Peter musste zur Arbeit; ich nach wollte nach Tasmanien!
Für die kurze Fahrt zum Flughafen musste ich horrende $AUS 7 bezahlen. Um 7:30 Uhr fuhr der Skybus ab und um kurz nach 8:00 Uhr war ich am Airport. Bei Ansett konnte ich dann sofort mein Gepäck aufgeben. Mein erster inländischer Flug würde folgen. Ich hatte nicht mehr lange auf den Abflug zu warten. Bei Melbourne handelte es sich nur um einen kleinen Flughafen. Nicht sehr viele Leute warteten in der Abflughalle und kurz darauf wusste ich auch warum. Als wir an Bord gehen konnten, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Da stand doch tatsächlich eine winzige, nur zweimotorige Propellermaschine. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas noch gab! Innen war es extrem eng. Nur fünfzig Passagiere fanden in der Fokker Platz.
Um 9:00 Uhr flogen wir dann mit geringer Verspätung ab. Sofort servierten die Stewardessen ein Frühstück. Es gab Omelette und Brot mit Kaffee. Eine besonders üppige Portion war es nicht.
Um 10:05 Uhr landeten wir dann bereits in Devonport. Ich war in Tasmanien! Zuvor hatte ich mich ein wenig vor kühlen Temperaturen und schlechtem Wetter, wofür Tasmanien berühmt war, gefürchtet, aber besseres Wetter als heute wird es wohl kaum geben können: Wolkenloser Himmel und Temperaturen um 22 °C. Tasmanien war der letzte australische Bundesstaat, der mir noch fehlte - in allen anderen bin ich schon gewesen! Das Gepäck wurde auch nicht auf Laufbändern transportiert, sondern es wurde einfach -wie in Bussen- per Hand ausgeladen und auf einem Träger in die Halle gebracht. Der Airportbus stand auch schon bereit. Hier kam ich mit der Engländerin Judy ins Gespräch, die mir schon in der Melbourner Abflughalle und im Flieger selbst aufgefallen war. Sie befand sich auf ihrer ersten größeren Reise. Aus England kommend hatte sie bisher nur in Melbourne bei ihrem Cousin gewohnt. Tasmanien war somit ihr erstes Reiseziel.
Sie schien mir ein wenig überfordert zu sein - so allein auf sich gestellt. Sie wusste schon eine ganze Menge über Tasmanien - aber kaum etwas über die Reiserei im allgemeinen. Aber der erste Eindruck bestätigte sich: Sie schien auch daran interessiert zu sein, ein Auto zu mieten. Allerdings wollte sie auch unbedingt eine längere Wanderung durch den Cradle Mountain- und durch den Lake St. Clair-Nationalpark unternehmen. Insgesamt hatte Judy für Tasmanien nur zwei Wochen Zeit.
Für stolze $AUS 4 brachte uns der Airportbus zur Jugendherberge, wo wir unser Gepäck abstellten. Anschließend fuhren wir im Bus in die Innenstadt, die größer war, als ich erwartet hatte. Zusammen mit der 31-jährigen Engländerin holten wir einige Erkundigungen und Informationen ein. Judy interessierte sich wirklich sehr für die tasmanischen Nationalparks. Ich weniger, denn ich hatte noch das absolut schlechte Wetter auf der Südinsel Neuseelands in Erinnerung - das Klima Tasmaniens war vergleichbar. In den Nationalparks sollte es von Blutegeln und anderem Ungeziefer nur so wimmeln. Bei einer Tasse Kaffee überredete ich Judy mehr und mehr zur Automiete. Schließlich hatte ich sie soweit, dass wir bei einigen Vermieterfirmen Informationen über die Preise einholen konnten. Bei Lo Cost erhielten wir das günstigste Angebot. Für ein nicht mehr ganz neues Fahrzeug sollten wir nur $AUS 30 pro Tag bezahlen (plus $AUS 6 Steuer und plus $AUS 45 Vollkaskoversicherung). Für Schäden an den Reifen, am Auspuff und an den Fensterscheiben waren wir selbst verantwortlich. Alles zusammen würde es für uns $AUS 321 für neun Tage kosten. Obwohl wir bisher nur zu zweit waren, schlug ich Judy, die etwas wenig Geld mit nach Tasmanien mitgenommen hatte, den Deal vor, dass sie nur $AUS 100 bezahlen solle, wenn ich -als Gegenleistung- dafür immer fahren dürfe! Das akzeptierte sie gern. Das Fahrzeug würde aber erst am Montagabend zu haben sein. Auf eine mehrtägige Wanderung würde Judy aber wohl verzichten müssen. Für einen Tag wollten wir aber auf jeden Fall in einen Nationalpark fahren wollen. Schließlich stimmten wir dem Angebot des Vermieters zu. Ich hinterlegte einen Pfand in Höhe von $AUS 50.
Anschließend erfrischten wir uns in einem Cafe an einem Milkshake. Wir kauften dann noch ein paar Lebensmittel in einem Supermarkt ein. Der Weg zurück zur Jugendherberge war dann recht lang. Eine halbe Stunde waren wir locker unterwegs. Wir waren zu früh da: Die Jugendherberge würde erst in einer Stunde öffnen. Judy und ich schrieben eine Nachricht für das Schwarze Brett worin wir einen Mitfahrer oder eine Mitfahrein suchten, die sich zusätzlich an den Kosten beteiligen sollten.
Judy kam dann sofort mit allen Anwesenden ins Gespräch. Zu großen Unterhaltungen war ich heute irgendwie weniger aufgelegt. Für Judy war das natürlich alles neu. Möglich, dass sich dieses Unterhaltungsbedürfnis auch bei ihr nach einer gewissen Zeit noch legen würde. Schließlich will sie sich stolze sechs Monate in Australien aufhalten.
Ich machte mir nach der Anmeldung etwas zu essen. Mittlerweile bekam ich etwas Angst, was meinen Reise-Etat betraf. Ich hatte schon fürchterlich viel Geld ausgegeben. Auch bekam ich plötzlich einige Zweifel, ob Judy wirklich die richtige Begleitperson für mich war. Notfalls würde ich das Auto auch allein mieten! Aber das wäre natürlich ein stattlicher Batzen Geld, der da auf mich zukommen würde. Möglicherweise war Judy doch nur mit halbem Herzen dabei. Vielleicht wollte sie doch lieber eine ausgedehnte Wanderung durch einen Nationalpark unternehmen. All diese, möglicherweise völlig unbegründeten Zweifel, beunruhigten mich. Immer wieder rechnete ich mein Budget durch. Trotz des sehr günstigen Reiselandes Thailand, welches diese Reise beschließen würde, war erst Halbzeit, was meine diesjährige Reise anging.
Den Abend über hielt ich mich im Gemeinschaftsraum auf. Unter der Dusche war ich anschließend auch noch. Ich las noch einige Minuten in meiner deutschsprachigen Zeitung und legte mich dann gegen 22:00 Uhr ins Bett.
57. Reisetag: Freitag, 24. Februar 1989
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Einige Mücken nervten in der Nacht. Die Luft im Zimmer der Jugendherberge Devonport war auch nicht besonders gut. Scheinbar waren die Fenster nicht geöffnet. Erst gegen 9:00 Uhr erhob ich mich aus dem Bett. In der Küche traf ich Judy and, die schon wieder am herumwirbeln war. Eigentlich wollten wir in die Stadt gehen und dort einen kleinen Plan machen, wohin wir in den nächsten Tagen im Mietwagen fahren wollen. Aber sie hatte sich kurzerhand etwas anderes vorgenommen: Sie hatte sich mit einem anderen Engländer ein Fahrrad gemietet, um eine Radtour zu machen. Überhaupt schien sie mir etwas aus dem Weg zu gehen. Sie bereute mit Sicherheit die Idee, mit mir ein Auto zu mieten. Sie war voll und ganz von der Idee besessen, eine Wanderung durch den Cradle Mountain-Nationalpark zu unternehmen. Ich konnte den Namen des Parks schon fast nicht mehr hören!
Mir graute jetzt schon etwas vor den folgenden Tagen. Was um alles in der Welt sollte ich im langweiligen Devonport bis Montag bloß anstellen? Die Jugendherberge schloss ihre Tore immer um 10:00 Uhr.
Ich war noch gar nicht richtig munter. So setzte ich mich noch eine halbe Stunde vor das Haus. Später ging ich dann in die Stadt. Ich schaute noch einmal beim Autovermieter vorbei, um abermals zu fragen, ob nicht doch die Möglichkeit bestünde, einen Wagen vor Montag zu bekommen. Aber mir wurden keine Hoffnungen gemacht.
Das Wetter war heute heiter bis wolkig und schwülwarm. Ich versuchte dann, eine gute Straßenkarte von Tasmanien zu bekommen. Ich kaufte mir eine mit der ich bei genauerer Betrachtung aber doch nicht zufrieden war. Ich ging dann noch in ein CafeŽ und las später draußen in der Fußgängerzone meine deutsche Zeitung zu Ende. Es war sehr langweilig! Ich hatte aber auch zu Spaziergängen oder anderen Unternehmungen keine große Lust. Ich kaufte dann noch Kleinigkeiten im Supermarkt ein und ging bald den langen Weg zur Jugendherberge zurück, wo ich mich etwas auf dem Sofa im Tagesraum ausruhte. So vertrödelte ich die nächsten zwei Stunden. Geld ausgeben konnte ich auch nicht, denn damit musste ich mich jetzt wirklich etwas im Zaume halten. In den vergangenen Wochen hatte ich sowieso schon zu viele Moneten verplempert.
Die Jugendherberge öffnete dann um 17:00 Uhr und sofort kochte ich mir in der Gemeinschaftsküche ein paar Spaghetti mit Rühreiern. Jetzt war die Küche noch ziemlich leer; nach 18:00 Uhr würde hier wieder die Hölle los sein. Die Jugendherberge war auch heute wieder gut besucht. Judy war in der Zwischenzeit auch von der Fahrradtour zurück gekehrt. Sie schien mir unverändert aus dem Weg zu gehen. Später setzte sie sich dann zu mir, um unseren gemeinsamen Mietwagentrip zu besprechen. Sie wollte einen Tag im Cradle Mountain-Nationalpark wandern. Das Auto würde dann mehr oder weniger sinnlos herum stehen. Zu allem Übel wollte sie aber auch noch eine Flusstour für $AUS 35 in Strahan machen. Das war für mich überhaupt kein Thema. Das könnte ich mir nicht auch noch leisten. Bei mir nahm die Lust stetig ab, mit Judy einen Wagen zu mieten. Sollte sie mir allerdings absagen, würde ich wohl trotzdem den Wagen mieten wollen - notfalls eben auch allein! Die Kosten müsste ich dann wohl ebenfalls allein und in voller Höhe tragen müssen.
Ich lernte dann den netten Schweizer Paul aus Luzern kennen, der ein gestandener Weltreisender war. Er schien wirklich schon überall gewesen zu sein. Über Thailand, meinem Reiseziel im März, gab er mir ein paar wertvolle Tipps. Er wäre sicherlich der ideale Partner für eine Automiete gewesen - abgeneigt war er auch nicht, aber er hatte für morgen schon die Bustour in den Cradle Mountain-Nationalpark gebucht und bezahlt. Der nette Abend mit Paul und guten Gesprächen rundete den ansonsten mäßigen Tag noch angenehm ab. Gegen 23:00 Uhr legte ich mich in mein Bett.
58. Reisetag: Sonnabend, 25. Februar 1989
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Es kam dann wie es kommen musste. Unmittelbar nach dem Aufstehen überraschte ich Judy beim Packen ihres Rucksacks. Sie deutete bereits an, mit mir sprechen zu wollen. Natürlich war klar, was dieses bedeuten würde. Beim Frühstück teilte sie mir ihre bereits getroffene Entscheidung mit. Mit anderen Mädchen wollte sie noch heute morgen in den Cradle Mountain-Nationalpark aufbrechen. Als Entschädigung drückte sie mir $AUS 25 in die Hand (die Hälfte des hinterlegten Pfandes). Ohne mit der Wimper zu zucken, nahm ich das Geld an. Jetzt war ich erst recht entschlossen, den Autotrip zu machen. Es würde für mich gleichzeitig auch eine interessante Bewährungsprobe sein, erstmals mit einem Auto in fremder Umgebung allein zurecht zu kommen. Für die Kosten allein aufkommen zu müssen, war allerdings weniger witzig. Da kommt eine Stange Geld auf mich zu. Ich ging natürlich ein ziemliches Risiko ein. Was ist im Falle eines Unfalls? Oder im Falle eines Defektes am Wagen? Immerhin könnte auch die Gefahr von Glasbruch bestehen. Dafür müsste ich trotz Versicherung selbst haften (übrigens auch im Falle einer Reifenpanne).
Wie nicht anders erwartet, belastete mich Judy's Entscheidung nicht besonders. Wahrscheinlich hätte es früher oder später Probleme gegeben. Bis zur Automiete am Montag war es aber noch nicht so weit. Heute stand nun ein weiterer langweiliger Tag in Devonport an. Nach dem Frühstück unterhielt ich mich noch mit Paul, dem Schweizer, der heute ebenfalls in den Nationalpark aufbrach.
Ich ging dann wieder in die Stadt. Entlang der Straße standen überall Polizisten. Was hatte das wohl zu bedeuten? Ich erfuhr es bald. Englands Prinzessin Anne würde hier heute entlang gefahren kommen. Sie befand sich auf Besuch in Tasmanien. Ich hielt meine Kamera bereit. Die Fahrzeugkolonne, mit zwei Polizei-Motorrädern voraus, kam zügig auf mich zu. Dummerweise vergaß ich das Fenster meiner Kamera zu öffnen, so dass mir ein Bild versagt blieb. Denn die Kolonne war schnell an mir vorbei gefahren. Das war Pech!
In der Stadt hielt ich mich nur kurz auf. Die Geschäfte waren schon um 12:00 Uhr geschlossen. Es war eben Sonnabend. Dennoch fand in Devonport heute doch noch ein Ereignis statt. Im Rahmen einer Sechser-Serie wurde heute der 4. Lauf eines Triathlon-Wettbewerbs ausgetragen. Dabei wollte ich natürlich zuschauen. Schon frühzeitig fand ich mich vor dem Elimatta-Motel ein. Hier bekamen die Sportler ihre Startnummern auf Arme und Beine gemalt. Das Wetter war heute ebenfalls wieder trocken und dabei heiter bis wolkig. Der letzte Regen lag zum Glück schon wieder eine gewisse Zeit zurück.
Auch Max aus Queensland, der ebenfalls hier in der Jugendherberge übernachtete, beteiligte sich aktiv am Rennen. Er trug die Startnummer 22 in einem Feld von mehr als dreihundert Sportlern. Pünktlich um 14:00 Uhr wurde das Rennen gestartet. Fernsehen und Radio waren ebenfalls dabei. Es begann mit einem 1.5 km-Schwimmen im Mersey River, der hier in Devonport in die Bass Strait mündete. Sofort danach sprangen die Teilnehmer auf ihre Fahrräder und begannen eine vierzig Kilometer lange Tour. Das Feld war schon weit auseinander gerissen. Profis und Amateure liefen hier übrigens zusammen. Die Zuschauer standen an den Straßenrändern und natürlich am Ziel-Einlauf. Zuletzt folgte ein zehn Kilometer langer Lauf. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt, als Sieger Spot Anderson nach einer Stunde und fünfzig Minuten die Ziellinie überquerte. Auch für die nachkommenden Teilnehmer gab es freundlichen Applaus. Jeder Teilnehmer hatte übrigens $AUS 35 Startgebühr zahlen müssen. Nun bekam jeder eine Medaille um den Hals gehängt. Der Sieger kassierte $AUS 1.500! Max aus Queensland erreichte etwa nach zwei Stunden und fünfzehn Minuten das Ziel. Wegen einer Erkältung konnte er heute keine neue persönliche Bestzeit laufen.
Ich begab mich dann langsam auf den Rückweg. Noch sehr viele Läufer kamen mir erschöpft und keuchend entgegen. Unterwegs kaufte ich noch Kleinigkeiten für das abendliche Essen in einer Milchbar ein. In der auch heute wieder gut besuchten Jugendherberge kochte ich mir dann wieder Spaghetti mit Rühreiern und Champions.
Am Abend machte ich dann Pläne für die ab Montag geplante Mietwagentour. Auch eine neue Haushaltsübersicht musste ich wieder erstellen, damit ich nicht den Überblick verlor. Es war dann nichts besonderes mehr los. Schon kurz nach 22:00 Uhr ging ich ins Bett.
59. Reisetag: Sonntag, 26. Februar 1989
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Der heutige Tag entwickelte sich nun aber wirklich zur krönenden Langeweile. Der Sonntag mit all den geschlossenen Geschäften war schon allein der Grund für einen öden Tag. Aber es handelte sich auch schon um den vierten Tag im langweiligen Devonport, wo normalerweise ein Tag vollkommen ausreichen würde. Aber wie schon mehrfach erwähnt musste ich bis morgen hier bleiben, um dann das Mietauto zu bekommen.
Um 8:45 Uhr stand ich in der Jugendherberge Devonport auf. Ich war wieder der letzte in unserem Zimmer, der aus den Federn kam. In der Gemeinschaftsküche machte ich mir wieder ein Frühstück. Heute fand der Boxkampf im Schwergewicht zwischen Mike Tyson (USA) und Frank Bruno (England) in Las Vegas statt. Dieser Kampf würde am Nachmittag live im Fernsehen übertragen werden. Max, der Triathlet aus Queensland, und ich fragten den Warden, ob wir nachher in die Jugendherberge dürfen, um Fernsehen zu schauen. Dieses wurde uns gestattet.
Die nächsten drei Stunden saß ich dann vor der Jugendherberge und las in meinem Roman von Utta Danella. Nach längerer Pause fand ich hier mal wieder die Zeit zum Lesen. Das Wetter war wieder heiter bis wolkig und etwas kühler als gestern. Um 13:00 Uhr gingen Max, zwei andere sportinteressierte Traveller und ich ins Haus. Dummerweise begann der Weltmeisterschaftskampf erst neunzig Minuten später als in den Fernsehzeitungen ausgedruckt war. Bis dahin begnügten wir uns mit Cricket.
Der anschließende Boxkampf war spannend aber kurz! Der Schiedsrichter beendet den Fight kurz vor Ende der fünften Runde zugunsten von Weltmeister Mike Tyson.
Danach aß ich eine Kleinigkeit im Kentucky Fried Chicken. Vor der Jugendherberge saß ich bis 17:00 Uhr. Dann saß ich drinnen weiter, las in meinem Buch und guckte Fernsehen. Ich ging unter die Dusche und setzte mich dann mit einer Tasse Kaffee in die Küche. Die anderen Gäste interessierten mich nicht besonders. Ich suchte auch nicht unbedingt das Gespräch; langweilig war es aber trotzdem wie die Pest!
Gegen 22:00 Uhr lag ich bereits im Bett. Einschlafen konnte ich aber zunächst nicht, denn ich war in bezug auf die bevorstehende Automiete ziemlich aufgeregt und etwas nervös. Einerseits freute ich mich auf den mobilen Untersatz; andererseits war ich mit der Fahrerei und dem Kartenlesen auf mich allein gestellt.
Tasmanischer Tiger: Der ausgestorbene Tasmanische Tiger wird nicht als Klon wiedergeboren. Ein australisches Forscherteam hat sein Projekt nun endgültig aufgegeben, aus dem Genmaterial eines im Jahr 1886 in Alkohol eingelegten Welpen ein Klontier herzustellen. Das Genmaterial (DNA) sei viel zu zerstört, um es zu rekonstruieren, teilte das Australische Museum in Sydney mit. Der Tasmanische Tiger (Thylacinus cynocephalus) ist biologisch gesehen ein Beutelwolf, dessen Fell allerdings gestreift ist. Ende des 18. Jahrhunderts zog er durch die Wälder Tasmaniens, der grossen Insel südlich Australiens. Die Tiere waren von den Siedlern gnadenlos ausgerottet worden, weil sie ab und zu Schafherden angriffen. Der letzte Tasmanische Tiger starb vor fast 70 Jahren in einem Zoo. Im Jahr 2000 hatten australische Forscher um Mike Archer das Klonprojekt gestartet.
60. Reisetag: Montag, 27. Februar 1989
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Heute Morgen war ich nun wieder voller Tatendrang. Was doch so eine Automiete ausmachte! Um 8:00 Uhr stand ich auf und im Nu waren alle meine Sachen zusammen gepackt. Meinen Rucksack stellte ich dann im Tagesraum bereit. Wie schon in den Tagen zuvor war das Wetter auch heute wieder heiter bis wolkig und trocken mit Temperaturen um 22 °C. Bisher hatte mich das Wetter in Tasmanien nicht enttäuscht.
Ich nahm also den langen Marsch in die Innenstadt von Devonport in Angriff. Mein erster Weg führte mich in die Verleiherfirma. Hier erfragte ich, ob es möglich sei, den Wagen eher als 13:00 Uhr zu bekommen. Dieses ging aber nicht. In einem CafeŽ gönnte ich mir mal wieder meine geliebten Bacon and Eggs. Von hier schrieb ich eine Ansichtskarte an Michael Harrison nach Melbourne. In der Zeitung Australian las ich mit großem Interesse die Ergebnisse der Fußball-Bundesliga. Der Hamburger SV spielte bei Borussia Dortmund 2:2 unentschieden. Bayern München gelang die Pokalrevanche gegen den Karlsruher SC mit einem 3:2-Heimsieg. Der FC St. Pauli gewann gegen den Vfl Bochum mit 1:0 und Werder Bremen besiegte den 1. FC Kaiserslautern ebenfalls mit 1:0.
Das Wetter in Deutschland ist unverändert frühlingshaft mild mit Temperaturen zwischen 7 °C und 10 °C.
Ich brachte dann wieder einen Fotofilm zur Entwicklung. Bei der tasmanischen Buslinie erfragte ich die Preise. Nach der Autotour will ich vielleicht noch Trips nach Launceston und Deloraine unternehmen. Bei Ansett erkundigte ich mich noch nach meinem Rückflug nach Melbourne. Dann konnte ich auch schon meine entwickelten Fotos abholen, die wieder eine gute Qualität aufwiesen. Aber die Entwicklung kostete auch mal wieder eine Kleinigkeit.
Nun hatte ich nichts mehr zu tun und so kam kurzzeitig Langeweile auf. Ich mache drei Kreuze, wenn ich Devonport nicht mehr sehen muss. Im Supermarkt kaufte ich dann noch recht günstig ein. Schließlich war es 13:00 Uhr und ich ging zurück zur Lo Cost Autovermieterfirma. Der Wagen schien erst gerade eben zurückgebracht worden. Hoffentlich wird er nun noch gewissenhaft durchgecheckt. Es war ein kleiner Wagen und schon über zehn Jahre alt! Hoffentlich würde alles gut gehen. Es handelte sich um einen dunkelblauen Chrysler. Das war ein etwas anderer Schnack als der topmoderne Ford Laser, den ich mit Stefan und Axel gemietet hatte. Ich ließ mir das Cockpit des Fahrzeugs erklären. Dann folgte die Vertragsunterzeichnung, die mich nur noch unsicherer machte. Hinter jeder Klausel vermutete ich Beschiss. Zum Glück brauchte ich keinen Blanko-Kreditkarten-Beleg hinterlegen, sondern "nur" einen Pfand in Höhe von $AUS 100. Der Vermieter ließ mir das Auto für nur $AUS 25 pro Tag statt der erwarteten $AUS 30. Das Fahrzeug war auch nur zu einem Viertel aufgetankt. Aber auch das schien seine Richtigkeit zu haben, denn ich sollte es am Ende auch nur zu einem Viertel vollgetankt zurück bringen. Ich unterzeichnete den Mietvertrag für neun Tage. Mittwoch in einer Woche um 14:00 Uhr sollte der Wagen zurück sein. Schließlich waren alle Formalitäten erledigt und ich konnte den Chrysler erstmals starten. Das Radio funktionierte leider nicht; von einem Kassettenspieler ganz zu schweigen. Der Sicherheitsgurt war total altmodisch. Schlafen würde ich im Wagen auch nicht können; dazu war es im Innenraum zu eng. In die Verlegenheit zu rasen würde ich auch nicht kommen, denn auf Spitzengeschwindigkeiten von 140 km/h war der Wagen nicht zu bekommen. Aber rasen wollte ich in Tasmanien eigentlich auch nicht.
Schon nach kurzer zeit entdeckte ich Defekte am Wagen, die hoffentlich nicht mir angelastet werden würden: Die Stoßstange war etwas eingedrückt und an der Windschutzscheibe entdeckte ich einen Glasriss. Die Fahrertür war ziemlich verrostet und drohte früher oder später auseinander zu fallen. Durch die Innenstadt von Devonport fuhr ich zunächst zur Jugendherberge, wo ich mein Gepäck verstaute. Den Kofferraum bekam ich nur mit Mühe auf. Anschließend fuhr ich zur BP-Tankstelle, wo ich den Wagen mit Super auftankte. Die Reifen wurden ebenfalls auf genügend Luft überprüft. Der Treibstoff ist in Tasmanien outbackmäßig teuer - über $AUS 0,60 pro Liter. Ich zahlte die Tankrechnung per Kreditkarte.
Jetzt orientierte ich mich an der Straßenkarte. Zum Kartenlesen war ich also auch noch verdammt. Zum Glück hatte ich eine recht gute Karte vom RAC-Automobilclub kostenfrei erhalten. Speziell hier oben im Norden von Tasmanien gab es viele Nebenstrassen und man musste aufpassen, dass man sich nicht verfuhr. Über Port Sovell fuhr ich über den Frankford Main-Highway nach Exeter, wo ich eine Pause einlegte. Die Landschaft war wunderschön hier. Überraschend viele Lastwagen kamen mir entgegen und da ich recht langsam fuhr, wurde ich häufig überholt.
Von Exeter fuhr ich nach Lanena, wo ich zur Paper Beach und nach Deviot abbog. Über eine Brücke fuhr ich weiter nach Lower Turners Marsh sowie nach Karoola. In Lilydale hielt ich an zwei zauberhaften Wasserfällen. Es war schon 17:00 Uhr und langsam wurde es Zeit, zur Jugendherberge nach Winnaleah zu kommen. Gegen 18:00 Uhr kreuzte ich dort auf. Bei dieser Jugendherberge handelte es sich um das sogenannte Merlinkei-Farm-Hostel. Das Haus war in eine eindrucksvolle Landschaft eingebettet.
Leider war es schon zu spät, um hier noch etwas zu unternehmen. Freundlich wurde ich bei der Anmeldung begrüßt. Noch fünf andere Traveller waren hier - zwei Engländer, zwei Australier und ein älterer Typ aus Neuseeland. Leider erfuhr ich zu spät, dass gleich Kuhmelken angesagt war. Ich konnte nicht mitgehen, da ich gerade mein Essen auf dem Herd hatte. Ebenfalls erfuhr ich zu spät, dass man auch ein Essen von der Jugendherbergsleiterin bekommen hätte. Dieses Angebot hätte ich gewiss gern angenommen.
Ich genoss die Ruhe im Haus und erstellte abermals eine Finanzübersicht. Danach schrieb ich in mein Tagebuch und beschriftete meine frisch entwickelten Fotos. Es wurde recht spät. Ich unterhielt mich noch nett mit den vom Essen gekommenen Travellern. Tausende von Fliegen und Motten umschwirrten uns in der Gemeinschaftsküche. Erst gegen Mitternacht lag ich im Bett.
Tja, die erste Etappe war beendet. Mit Stopps hatte ich etwa vier Stunden für die genau zweihundert Kilometer lange Strecke von Devonport nach Winnaleah gebraucht. Ich kam prima mit dem Mietwagen zurecht. Mit dem heutigen Tag konnte ich sehr zufrieden sein. Alles war planmäßig verlaufen. Ein langer und erfolgreicher Tag ging so zu Ende.
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