41. Reisetag: Mittwoch, 8. Februar 1989
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Strahlendblauer Himmel lag über Orange, als wir gegen 9:00 Uhr in der Jugendherberge aufstanden. Das Wetter hatte mal wieder radikal gewechselt. Den ganzen Tag über war es wolkenlos und sehr heiß. Stefan und ich waren schon aufgestanden, während Axel nicht recht in die Gänge kam. Wir hielten uns nicht länger auf. Nachdem wir unsere Klamotten im Kofferraum des Ford verstaut hatten, brachen wir zu unserer zweiten Etappe auf.
 In der Stadt erledigten wir zunächst unsere Bankangelegenheiten. Als ich einen Reisescheck einlöste, stellte ich mit Erschrecken fest, dass der Umrechnungskurs erheblich ungünstiger ausfiel als noch im Vorjahr. Ich bekam nur $AUS 60 für einen DM 100 - Reisescheck. Arg wenig! Bedingt durch die Inflation, waren die Preise ohnehin höher als im letzten Jahr. Ich müsste mich viel mehr einschränken, aber das ist leider leichter gesagt als getan. In einem Cafe´ gab es Brötchen mit Kaffee zum Frühstück. Zum Nachtisch gönnten wir uns ein Bananen Split-Eis.
Unser Trip führte uns dann auf dem Highway 32 zunächst nach Wellington (nicht zu verwechseln mit der neuseeländischen Hauptstadt), wo wir tanken mussten. Aufgrund der Hitze mussten wir auch etwas trinken. In Dubbo hielten wir uns dann nicht weiter auf. Von Orange bis Wellington bin ich gefahren; nun hatte Axel erstmals das "Ruder" übernommen. Für meinen Geschmack fuhr er etwas unsicher. Dubbo war das symbolische Tor zum Outback, dass wir jetzt passierten.
Auf endlosen Geraden fuhren wir durch flaches Land mit spärlicher Vegetation. Der Boden war rötlich gefärbt und knochentrocken. Der Himmel war tiefblau. Und welch eine Hitze! Zum Glück waren wir uns einig, die Fenster während der Fahrt nur wenig zu öffnen. Es war jeweils nur eine Seite geöffnet, um Durchzug zu vermeiden.
Am Nachmittag erreichten wir Narromine, wo wir ein Eis aßen und im Supermarkt für den Abend einkauften. Wir planten, mitten in der Wildnis zu übernachten. Die Strecke bis Nyngan fuhr nun Stefan. Die Ortschaften waren sehr klein. Wir waren abseits der Touristenwege im tiefsten Outback. Auf dem kerzengeraden Highway 71 ging es nun weiter in Richtung Norden. Jetzt fuhr ich wieder den Wagen, was mich sehr freute. Stefan und Axel wollten unbedingt Kängurus sehen, doch dieser Wunsch wurde ihnen vorläufig nicht erfüllt. Jetzt suchten wir am Highwayrand nach einer Campingmöglichkeit mit Feuerstelle. Zunächst fuhren wir etwa neunzig Kilometer bis zu einer Tankstelle, die sich Coolabah nannte. Hier mussten wir wieder etwas trinken. Unser Durst war nicht von schlechten Eltern!
Nach weiteren fünfundzwanzig Kilometern fanden wir auf der linken Straßenseite einen typischen Feuerplatz. Abgesehen von einem halbverwesten Schafskadaver und herumliegenden Knochen, von Müll und Glas, war es ein guter Übernachtungsplatz. Auf dem roten Grund wimmelte es von großen Termiten und kleineren Ameisen. Ich kannte die Probleme, einen guten Zeltplatz zu finden, bereits vom vergangenen Jahr. Als wir uns entschieden hatten half Stefan mir bei der immer noch großen Hitze, das Zelt aufzubauen. Hartnäckige Fliegen, die mit Sicherheit vorher auf dem Schafskadaver gesessen haben, umschwirrten uns. Das Zelt war zügig aufgebaut. Unsere Schlafsäcke legten wir noch nicht hinein. Erst wollten wir abwarten, ob Ameisen durch kleinste Löcher ins Zeltinnere schlüpfen konnten. Nun stellten wir aber fest, dass wir nicht genügend Getränke bei uns hatten. Entgegen Axels Willen, der auf Sparsamkeit bedacht war, wollten wir die fünfundzwanzig Kilometer zurück nach Coolabah fahren und dort in der Tankstelle Cola kaufen.
Stefan passte auf das Zelt auf, während Axel und ich bei einsetzender Dämmerung zur Tankstelle donnerten und eine gute halbe Stunde später schon wieder zurück waren. Ein Kontrollblick ins Zelt löste dann Schrecken aus. Im hinteren Teil des Zeltes gab es an der Zeltnaht ein kleines Loch. Durch diese winzige Öffnung waren tatsächlich Ameisen eingedrungen. Welch ein Pech! Kurzentschlossen trafen wir die Entscheidung, im Auto zu schlafen, denn die Rücksitze des Ford waren umklappbar. Axel wollte auf dem Picknicktisch unter dem kleinen schützenden Dach die Nacht verbringen. Besonders glücklich waren wir aber alle nicht.
Golden ging die Sonne unter. Dämmerung war ja die Tageszeit, wo man eigentlich Kängurus zu sehen bekommt - während der Tageshitze liegen sie eher unter schattigen Bäumen und Büschen - sofern es sie gab. Doch wir sahen kein einziges Känguru. Nun war es an der Zeit, ein Essen am Lagerfeuer herzurichten. Neben dem Wassertank befand sich ein Grill. Etwas lustlos suchten wir bei der Hitze Holzstückchen zusammen. Nachdem Axel das Feuer entfacht hatte, legten wir die beim Metzger in Narromine gekauften Würstchen, auf den Grillrost. Aber auch das war ein kleiner Reinfall, denn die Würste waren im Laufe der Fahrt im heißen Fahrzeug matschig geworden. Auf dem Grill schrumpften sie weiter zusammen. Mir war beim Anblick der verschrumpelten Würste eh schon der Appetit vergangen. Auch Stefan aß die Würste nicht; Axel aber genoss sie dafür um so mehr. Jetzt schlürften wir unsere Getränke und dabei spielten wir wieder das lustige Ratespiel.
Schließlich räumten wir den Picknicktisch ab, damit Axel darauf schlafen konnte. Damit er es auf dem betonharten Tisch wenigstens ein wenig weich hatte, lieh ich ihm meine Iso-Matte. Stefan und ich begaben uns in das völlig überhitze Wageninnere. Mit dem Kopf lagen wir an der Hintertür. Es war erschreckend unbequem, denn der Kopf lag tiefer als der restliche Körper. Außerdem waren wir schon nach einer Minute klatschnass geschwitzt. Das Drehen war ein Ding der Unmöglichkeit. Die Fenster konnten wir auch nicht öffnen, da wir sonst von Stechmücken überfallen worden wären. Durch die Hecktür hindurch sahen wir wenigstens den phantastischen Sternenhimmel.
An Nachtruhe war weiterhin nicht zu denken, denn immer wieder musste das Licht angeschaltet werden, weil eine surrende Mücke getötet werden musste. Tja, aber das war eben das klassische Outback-Abenteuer. Mein Gott, wenn mich jetzt meine Freunde sehen könnten. Aber Jahre später werde ich mich gewiss noch an diese Nacht irgendwo in The Middle of Nowhere erinnern, aber im Augenblick war es wenig komfortabel. Ich weiß nicht, wie lange wir noch wach gelegen haben. Es war im Auto gnadenlos eng, stickig und heiß.
42. Reisetag: Donnerstag, 9. Februar 1989
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Irgendwie und irgendwann sind Stefan und ich im Wageninneren dann doch in den Schlaf gefallen. Jedenfalls graute jetzt der Morgen. Ich war total gerädert, als ich kurz vor 7:00 Uhr das unbequeme "Bett" im Fahrzeug verließ. Axel schlief auf dem Picknicktisch immer noch tief und fest. Während der Nacht war kaum ein anderes Fahrzeug den Highway entlang gefahren. Jetzt stieg der Sonnenball glühend über den Horizont. Schon zu dieser frühen Stunde war es sehr warm und deshalb konnte man sich an zwei Fingern ausrechnen, welche Hitze uns heute noch erwarten würde.
Etwas abseits vom Picknicktisch stand mein ungenutztes Zelt, welches ich nun abbaute. Rundherum arbeiteten fleißig die riesigen Termiten und die winzigen Ameisen. Im Zeltinneren sah ich jetzt nur einige wenige Ameisen. Beim Abbau kamen sofort die Fliegen und umschwirrten mich. Wir hielten uns dann nicht lange auf und so waren wir erstaunlich schnell abfahrbereit. Den Feuerplatz hinterließen wir aufgeräumt. Stefan übernahm das Steuer zunächst bis Bourke, der nächstgrößeren Stadt im Outback mit etwa 3.500 Einwohnern. Gegen 7:45 Uhr waren wir gestartet; eine Stunde später parkten wir den roten Ford Laser vor einem Cafe´, wo wir erst mal frühstückten. Wir leisteten uns Bacon and Eggs. Dazu gab es Kaffee und Kirschsaft. Danach wechselten wir Geld in der Westpac-Bank. Vor der Weiterfahrt tankten wir den Wagen an einer BP-Tankstelle auf. Stefan reinigte die Windschutzscheibe, weil sich darauf unzählige zerplatzte Insektenkörper befanden. Er kontrollierte das Öl und gab Wasser in den Kühler. Dann konnte die Fahrt fortgesetzt werden.
Ich saß jetzt wieder am Steuer. Am Ortsausgang von Bourke überfuhren wir eine enge Brücke. Darunter floss der Bogan River. Wir hielten kurz an und fotografierten die attraktive Landschaft. Durch tiefstes Outback ging es dann bei wolkenlosem Himmel und großer trockener Hitze (etwa 36° C) in Richtung Norden zur Grenze. In Enngonia hielten wir an einem Pub, wo wir uns erfrischten. Stefan und Axel spielten eine Partie Billard, während ich gezwungen war, meine Tagebucheintragungen fortzusetzen.
Jetzt waren wir nur noch achtunddreißig Kilometer vom Grenzort Barringun entfernt. Hier in Queensland mussten wir die Uhr eine Stunde zurückstellen, weil sich dieser Bundesstaat nicht an der Sommerzeit beteiligt. Nach der kurzen, schlecht geschlafenen Nacht, hatten wir nun auch noch einen 25-Stunden-Tag! Im Outback haben wir heute vier Kängurus gesehen und sogar zahlreiche Emus. Viele Tierkadaver lagen am Straßenrand mit ausgehakten Augen. Sie wurden von zahlreichen Greifvögeln bearbeitet, die wohl so etwas wie die "natürliche" Müllabfuhr darstellten. Verwesungsgeruch breitete sich aber trotzdem aus. Axel und Stefan waren jetzt etwas geschmacklos: Sie wollten die toten Tiere unbedingt fotografieren und so hielten wir an. Es war schon recht makaber. Axel bekam gar nicht genug!
Trotz der eintönigen Landschaft gab es dennoch immer wieder etwas Neues zu sehen. Man hatte jetzt mehr den Blick fürs Detail. Faszinierend waren die Bäume in der Ferne, die im Flimmern der heißen Luft aussahen, als ob sie im Wasser standen. Oder war das eine Fata Morgana? Gegen Mittag erreichten wir die weitere 122 Kilometer entfernte Kleinstadt Cunnamulla am Highway 71. In einer Snackbar gönnten wir uns ein großes Eis. Hierbei beschlossen wir kurzfristig, es heute mit der Fahrerei zu belassen. Auch für das Auto war eine Pause bei der Hitze nur gut. Wir hatten die Möglichkeit, uns etwas auszuruhen.
So fuhren wir in das Motorcamp von Cunnamulla und mieteten für eine Nacht einen Wohnwagen für nur $AUS 15. Das war eine äußerst günstige Unterkunft für die Nacht! Der Wohnwagen war mit vier Betten, einer kleinen Küche, Tisch und Sitzbänken ausgestattet. Der Kühlschrank war ein Segen! Sofort deponierten wir unsere Lebensmittel und Getränke darin. Danach gingen Stefan, Axel und ich in das kleine Schwimmbad von Cunnamulla. Nach dieser Erfrischung kauften wir weitere Getränke in der Stadt ein. Im heißen Wohnwagen ruhten wir uns etwas aus.
Abends gaben wir noch einmal kräftig Geld im Pub aus, denn wir gönnten uns ein warmes Essen. Doch was war das? Plötzlich entdeckten wir eine riesige grüne Heuschrecke auf dem Rücken von Axel, dem es natürlich schrecklich grauste. Hier kamen wir noch mit zwei Australiern ins Gespräch.
Mittlerweile waren Wolken aufgezogen. Aufgrund der großen Hitze sah es nach einem Gewitter aus. Es blieb aber trocken und sehr heiß. Im Wohnwagen saßen wir bei einem -kalten!- Bier zusammen. Ich versuchte noch etwas zu schreiben, aber bei der Bruthitze klebte ja alles und ich verlor schnell die Lust. Auch das Duschen war kein Vergnügen, denn das Wasser roch nach verfaulten Eiern. Außerdem lieferte auch der Kaltwasserhahn nur heißes Wasser. Trotz der Wärme legten wir uns dann schon früh in die Koje. Ich hatte die ganze Nacht die Flasche am Hals, weil ich so durstig war. Wir brauchten praktisch den ganzen Tag nicht pinkeln, obwohl wir soviel tranken - offensichtlich kam die Flüssigkeit gleich wieder am Halse herausgeschwitzt. Aber hatte ich nicht die Hitze vor sechs Wochen daheim in Norddeutschland so sehnsüchtig herbei gesehnt?
43. Reisetag: Freitag, 10. Februar 1989
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In der Nacht war starker Wind aufgekommen. Zum Glück war es dann nicht mehr so brütend heiß im Wohnwagen. Axel hat doch tatsächlich den Kühlschrank abgestellt, weil er meinte, der Motor würde zusätzliche Wärme im Wohnwageninneren verbreiten. So waren die Getränke am Morgen natürlich warm.
Ich stand zeitig auf und schrieb sofort Tagebuch. Da hatte ich einiges nachzutragen. Stefan und Axel weckte ich um 9:00 Uhr. Das Frühstück fiel dann erbärmlich aus. Der Toaster funktionierte nicht und die Eier waren auch viel zu weich gekocht. Die Margarine war in der Sonne verdorben. Wir räumten dann den Wohnwagen auf und setzten unseren Trip gegen 10:30 Uhr fort. Im Stadtzentrum von Cunnamulla war ich noch in der Bank. Wir mussten dann auch wieder tanken, nachdem wir ja gestern eine größere Strecke zurückgelegt hatten.
Auf dem Highway 71 ging die Fahrt durch das tiefste Outback weiter. Ich durfte heute den ganzen Tag fahren, weil ich dieses gestern in einem Ratespiel gewonnen hatte. Insgesamt war das heute eine Strecke von etwa 485 Kilometern. Müde wurde ich trotz dieser Mammutetappe nie. Es gab äußerst wenig Verkehr auf den Straßen. Auf der Outback-Strecke nach Charleville wurde die typische Landschaft dieser entlegenen Region einmal mehr deutlich. Es war herrlich. Immer gab es irgendwelche Kleinigkeiten zu sehen und zu bestaunen. Leider sahen wir viele tote Kängurus am Straßenrand. Einmal sahen wir einen getöteten Dingo, der über einen Streckenpfosten gestülpt war - makaber! Axel forderte mich auf anzuhalten, um diese Szene auf einem Foto festzuhalten.
In Charleville machten wir große Mittagspause. Natürlich mussten wir uns mit eiskalten Getränken erfrischen. Auch heute wurde es wieder sehr heiß. Dabei war es heiter bis wolkig. In Charleville schrieb ich noch zwei Ansichtskarten nach Hause. Zum Kartenschreiben war ich zuletzt gar nicht mehr gekommen. Als wir von Charleville dann nach Morven (ostwärts auf dem Highway 54 fuhren), passierte folgendes: Ein Truck fuhr vor mir und ehe ich zum Überholen ansetzte, überfuhr ich ein totes Känguru, das mitten auf dem Highway lag. Da der Truck vor mir fuhr, konnte ich dem toten Tier nicht ausweichen. Es gab einen ziemlichen Knall und die Eingeweide spritzten gegen unser Auto und Bruchteile von Sekunden später gelang unerträglicher Verwesungsgeruch ins Fahrzeuginnere. Das war nur schwer zu ertragen!
Auch in Morven legten wir eine Getränkepause ein. Die letzte Etappe des Tages führte uns dann nach Roma, unserer heutigen Endstation. Hier musste noch vor wenigen Minuten ein gewaltiger Gewitterregen niedergegangen sein. Alles war nass! Plötzlich überquerte eine riesige Herde kleinerer Emus direkt vor uns den Highway. Das war absolut zauberhaft!
Roma erreichten wir dann gegen 18:30 Uhr. Auch die Jugendherberge fanden wir schnell. Es war ein sehr nettes Häuschen, wo wir pro Nase nur $AUS 6 pro Nacht zu zahlen hatten. Nur ein Australier war noch hier. Wir fuhren dann noch einmal in den Ort. Auf einem Hügel sahen wir einen eindrucksvollen Sonnenuntergang. Der Himmel sah aus, als ob jemand in den Wolken ein Feuer entfacht hatte.
Alle Supermärkte hatten mittlerweile geschlossen und so mussten wir die Lebensmittel in der Tankstelle kaufen. Allerdings hatte ich während des Tages soviel Milch getrunken, dass ich nun kaum noch Hunger hatte. Unglücklicherweise hatte ich das Auto vor der Jugendherberge in matschigem Untergrund geparkt und so drehten die Räder durch, als wir abermals wieder starten wollten. Es musste hier wirklich beträchtlich geregnet haben. Wir wollten morgen versuchen, den Wagen dort herauszubekommen.
Ich ging dann unter die Dusche und trank in der Küche noch einen pechschwarzen Kaffee. Es war zum Glück nicht mehr so heiß wie gestern Nacht. Jeder von uns las noch ein Kapitel aus seinem Tagebuch vor, was zur allgemeinen Erheiterung beitrug - jeder hat den jeweiligen Tagesablauf anders gesehen!
44. Reisetag: Sonnabend, 11. Februar 1989
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Fünfte Etappe unserer Mietwagentour durchs Outback- und Küstengebiete. Die Reise mit den beiden Berlinern Axel und Stefan war bisher unerwartet nett verlaufen. Bis auf kleine Unstimmigkeiten war das Verhältnis unauffällig und gut. Was die Landschaften betrifft, sind wir bisher auch voll auf unsere Kosten gekommen.
Der Tag begann mit einem Frühstück, das ich in der Küche der Jugendherberge Roma richtete. Ich hatte für Stefan und Axel Eier gekocht. Der Toaster funktionierte hier allerdings auch nicht. Insgesamt war ich am Vormittag etwas muffig gelaunt, ohne das es einen bestimmten Anlass dafür gab. Das lag vielleicht auch daran, dass Stefan heute zunächst fuhr, was ja auch sein gutes Recht war. Aber ich fahre nun einmal auch so unheimlich gern! Vor allem das Sitzen auf der Rückbank war wenig befriedigend.
Das Wetter war wieder prima! Die Sonne schien vom azurblauen Himmel und es war warm. Den Ford Laser bekam Stefan heute Morgen gut aus dem Morastloch heraus. Gegen 10:00 Uhr starteten wir zu unserer Etappe, die uns bis nach Kingaroy führen sollte. Zunächst fuhren wir auf dem Highway 54 bis nach Miles, das einer Strecke von 146 Kilometern entsprach. Hier legten wir wieder eine Pause ein. Eine viel zu lange, wie ich empfand. Danach durfte ich wieder fahren und meine Laune besserte sich spürbar! Die Straßen hatten hier in Queensland keine besonders gute Qualität.
Die Landschaft hatte sich verändert. Die Bäume waren jetzt grün und die Flüsse waren nicht mehr so ausgetrocknet. Über Durang ging unsere Fahrt weiter. Dunkle Wolken waren aufgezogen und es gab einen kräftigen Regenschauer. Gegen 15:00 Uhr trafen wir dann in Kingaroy ein - recht zeitig also. Für die Nacht entschieden wir uns für ein Motorcamp, wo wir $AUS 18 für einen geräumigen Wohnwagen zahlten. Das war günstig, zumal jeder nur ein Drittel zu berappen hatte.
Kingaroy hatte nicht besonders viel zu bieten. Wir fuhren in die Stadt zurück und aßen eine Kleinigkeit in einem Imbiss. Im Wohnwagen unterhielten wir uns dann mit einigen Ratespielchen. Unternehmen konnten wir nichts, da wieder Regen eingesetzt hatte. Es war aber unverändert warm. Wir spielten jetzt das Spiel Die Pyramide, angelehnt an die gleichnamige Fernsehshow, was sehr amüsant war.
Als es schon dunkel war, spielten Stefan und ich draußen eine Art von "Blinde Kuh"-Spiel - mit verbundenen Augen. Einer führte den anderen, der ein gewisses Vertrauen haben musste. Es war teilweise irritierend zu erleben, wo man war, wenn man wieder sehen konnte.
Ich war dann unter der Dusche. Zum Glück stank das Wasser hier nicht mehr so nach verfaulten Eiern. In aller Ruhe klang der heutige Tag aus. Ich war auch wieder todmüde, was in der langen Autofahrerei begründet lag. Gegen 23:30 Uhr knipsten wir das Licht aus und binnen kurzer Zeit war ich eingeschlafen.
45. Reisetag: Sonntag, 12. Februar 1989
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Das war endlich mal wieder eine gut durchgeschlafene Nacht hier im Wohnwagen von Kingaroy. Stefan hatte Mühe gehabt, auf dem oberen Teil des Etagenbettes zu schlafen - er hätte dort direkt unter dem Dach des Wohnwagens liegen müssen und hätte wahrscheinlich eine dicke Beule bekommen, falls er mal unerwartet hochgeschreckt wäre. So hatte er die Matratze unten auf den Boden gelegt und dort geschlafen.
Ich begann wieder damit, das Frühstück zu richten. Ich kochte die gestern eingekauften Eier. Toast konnten wir auch rösten. Der Wohnwagen war gut ausgerüstet. Was das Richten des Frühstücks bzw. des Abendessens anging, war Axel nie zur Mithilfe zu bewegen. Er begründete seine Arbeitsunlust grundsätzlich damit, dass er ja schließlich im Urlaub sei.
Um 9:45 Uhr hatten wir unsere Vorbereitungen abgeschlossen und konnten den Campingplatz verlassen. Wir kauften noch Zigaretten und fuhren dann über Wondai und Murgon kurz zum Bjelke-Peterson-Stausee. Da ich bei diversen Wettspielen gewonnen hatte, durfte ich heute wieder den ganzen Tag fahren. Das Wetter war heiter bis wolkig und sehr warm. Mit der Witterung hatten wir bislang großes Glück gehabt.
In Nanango legten wir eine Pause ein. Die Landschaft war jetzt ziemlich hügelig. Die kerzengeraden Straßen im Outback gehörten endgültig der Vergangenheit an. Über Yarraman, Woodford und Kilcoy ging es dann zum Haupthighway Nummer 1. Hier wurde der Straßenverkehr deutlich lebendiger. Brisbane, die Hauptstadt von Brisbane, war jetzt nicht mehr fern. Dort hatten wir am morgigen Montag verschiedene Dinge zu erledigen.
Über Caboolture und Redcliffe erreichten wir schließlich gegen 15:00 Uhr die Jugendherberge Woody Point, die fünfundzwanzig Kilometer nördlich von Brisbane gelegen war. Die kleine Jugendherberge lag wunderschön direkt an der Moreton Bay. Hier am Wasser war es recht geschäftig. Viele Wochenendurlauber aus der Hauptstadt hielten sich hier auf. In der Herberge war es eher ruhig und ich konnte nur drei weitere Gäste ausmachen. Es war mit nur $AUS 6 eine preiswerte Unterkunft für die Nacht.
Ich wusch jetzt einen Teil meiner Wäsche. Außerdem lagen wir einen Moment an der Bucht. Gegen Abend fuhren wir über kleine Umwege nach Redcliffe und aßen etwas bei Hungry Jack's, einer in Australien häufig vorkommenden Imbisskette. Den weiteren Abend verbrachten wir in der Jugendherberge mit Tagebuchschreiben. Außerdem erstellte ich eine Haushaltsübersicht, was meinen Reisebudget betraf. Danach spielten Stefan, Axel und ich das Kartenspiel "Schwimmen". Bei Kaffee und Zigaretten war es ein gemütlicher Abend. Erst gegen Mitternacht lagen wir in unseren Betten.
46. Reisetag: Montag, 13. Februar 1989
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Für Ruhe und Besinnung bleibt im Augenblick keine Zeit. Zu viele schöne Dinge sind in den nächsten Tagen bis zur Rückgabe des Mietwagens noch anzuschauen. Auch der heutige Tag entwickelte sich zu einem sehr unternehmungsreichen. Das sah man schon daran, dass Stefan, Axel und ich um 8:00 Uhr aufstanden. Manchmal sind die beiden Berliner eben doch flott zu Wege und so konnten wir die Jugendherberge von Woody Point verlassen.
Da wir gleich wieder mit einer Großstadt konfrontiert wurden, fuhr Stefan zunächst den Ford. Großstadtfahrten gehörten nicht unbedingt zu meinen Vorlieben. Natürlich herrschte auf dem Weg nach Brisbane heftiger Verkehr. Die meisten Menschen gingen dort ihrer beruflichen Tätigkeit nach. Das Thema "Arbeit" ist ja für mich zum Glück vorübergehend ad acta gelegt. In Brisbane parkten wir das Fahrzeug in einem Parkhaus direkt in der City. Das sparte Zeit und Wege. Jeder von uns hatte etwas zu erledigen und deshalb trennten wir uns für die nächsten zwei Stunden.
Für mich begann mal wieder eine lange und ermüdende Suche nach der deutschsprachigen Zeitung Die Woche in Australien. Nach einiger Zeit fand ich ein Exemplar einsam und verlassen an einem Stand. Natürlich hatte ich jetzt nicht die Zeit, darin zu lesen. Allerdings erblickte ich auf der Titelseite doch das Ergebnis der Berliner Abgeordnetenwahlen, wo es eine unerwartete Sensation gegeben hatte, denn die CDU hat 9 % verloren und kann nur noch in einer Großen Koalition regieren. Wieder eine bittere Niederlage für Helmut Kohl! Außerdem las ich, dass der Monat Januar in Bayern der mildeste seit neunundachtzig Jahren war.
Als nächstes holte ich Informationen über Fähren nach Tasmanien ein. Ich informierte mich über Preise und Abfahrtzeiten. In einem Kaufhaus bekam ich ein günstiges und ausgezeichnetes Frühstück. Gegen 11:15 Uhr traf ich mich dann wieder mit Stefan und Axel im Parkhaus. Es dauerte dann recht lange, bis wir die Hauptstadt von Queensland verlassen hatten. Das Wetter zeigte sich heiter bis wolkig und warm. Stefan fuhr den Wagen noch bis Surfer's Paradise, dieser "Miami"-Imitation mit Wolkenkratzern - dieser sehr künstlich wirkende Ort gefiel mir schon im Vorjahr nicht besonders gut.
Axel und Stefan nahmen hier ein schnelles Bad, während ich die Touristen beobachtete, die ideal in diesen Urlaubsort passten. Bestochen durch vier Milkshakes (je zwei an Stefan und Axel) durfte ich dann wieder fahren! Zunächst ging es durch Großstadtverkehr nach Coolangatta, der Grenzstadt zu New South Wales. Hier mussten wir unsere Armbanduhren wieder um eine Stunde vorstellen, die uns heute natürlich verloren ging, denn wir hatten noch ziemlich viel vor.
An einer Gaststätte machten wir jetzt eine kleine Pause. Das Wetter hatte sich geändert, denn neben Sonnenschein gab es jetzt auch häufig Regenschauer. Wir erreichten jetzt den Ort Byron Bay. Da es gerade regnete, konnten wir kein Bad im Meer wagen. Da Axel und Stefan Mühe hatten, die detaillierte Straßenkarte zu lesen, verfuhren wir uns bei der Weiterfahrt und erreichten erst nach einem Umweg die Straße in das kleine Dorf Federal. Die Niederländerin Marian van der Kroon lebte hier, seit sie im vergangenen Jahr nach Australien ausgewandert war. Trotz der Zeitknappheit bestand ich auf einen Besuch bei ihr.
Vor zwei Jahren habe ich Marian erstmals in Queenstown/Neuseeland getroffen. Etwa ein halbes Jahr später hat sie mich dann in Buchholz besucht. Die Baumschule, wo Marian arbeitete, fanden wir schnell. Leider war außer einem großen Hund niemand hier. So fuhren wir in das Wohnhaus unterhalb des Weges. Aber auch hier trafen wir niemanden an, obwohl es im Haus ziemlich geschäftig aussah. Schließlich probierten wir es in einem dritten Haus und nun erhielten wir die Information, dass Marian noch vor wenigen Minuten gesehen worden ist. So hatte ich zumindest die Gewissheit, dass sie auch tatsächlich hier lebte und auch arbeitete. Aber wo sie im Augenblick war, konnte mir auch hier niemand sagen. So versuchten wir es abermals -ohne Erfolg!- im Wohnhaus und in der Baumschule. Es blieb uns nichts anderes übrig, als zunächst in den Dorfkern zu fahren, wo sich das einzige Geschäft befand. Und in diesem Moment bog Marian -aus Lismore kommend- in Federal ein. Sie schien mich sofort zu erkennen und ich glaube, sie hat sich richtig gefreut über das unerwartete Wiedersehen. Sie war wegen einer Ellenbogenverletzung beim Arzt gewesen. Im Kern von Federal blieb leider nur die Zeit für kurze Wortwechsel. In erster Linie kramten wir in Erinnerungen der letzten Jahre. Erfreulicherweise hielten sich Stefan und Axel mit Aufdringlichkeiten und erzwingenden Einladungen (um Geld zu sparen) zurück. Wir machten noch ein Erinnerungsfoto und fuhren gegen 18:30 Uhr nach Lismore. Es dämmerte bereits, aber wir waren noch lange nicht am Ziel.
Natürlich nutzten wir den Stopp in Lismore zu einem Imbiss. Danach musste der Ford wieder aufgetankt werden. Und nun folgte eine etwa einhundertfünfzig Kilometer lange Nachtfahrt! Es dauerte einen Augenblick, bis sich meine Augen an die Dunkelheit und an das Scheinwerferlicht entgegenkommender Autos gewöhnt hatten. Doch dann ging es recht flott über Casino nach Tenterfield. Zeitweise war die Fahrt recht unheimlich, denn wir fuhren durch waldiges Gebiet und oft regnete es jetzt stark. Manchmal lagen Nebelschwaden über der Straße. Kaum ein Fahrzeug kam uns jetzt noch entgegen. Wir waren offensichtlich vollkommen allein auf dem nächtlichen Highway.
Gegen 22:00 Uhr erreichten wir Tenterfield. Auf ungeteerter Straße ging es dann durch den Boonoo Boonoo-Nationalpark. Das waren weitere fünfunddreißig Kilometer! Heutige Endstation war ein Feuerplatz am Fuße des Bald Rock, wo ich letztes Jahr bereits mit Alex und Daniela gewesen bin. Soeben sprang auch noch ein kapitales Känguru über den Weg. Stefan und ich wollten wieder im Auto nächtigen. Jetzt hieß es, für Axel einen Schlafplatz zu finden. Unter freiem Himmel schlafen konnte er sicher nicht, denn dafür war es einfach zu feucht. Und jeden Augenblick konnte neuer Niederschlag einsetzen. Axel spazierte durch den nächtlichen, sehr unheimlichen Wald zu den überdachten Toiletten. Doch er kehrte unverrichteter Dinge zurück - der Ort war wohl nicht sein Ding! So wollte er jetzt mein Zelt aufbauen. Zum Zeltaufbauen hatte ich zu dieser späten Stunde keine große Lust mehr. Ich hielt die Taschenlampe vom trockenen Auto in seine Richtung. Trotz Dunkelheit war es bald geschafft und Axel konnte seinen Schlafsack und meine Iso-Matte im Zelt deponieren. In der Zwischenzeit hatte ich im Auto wieder die Sitze umgeklappt. Stefan und ich wollten dieses Mal mit den Köpfen Richtung Vordersitze liegen. Das erschien uns bequemer, war es aber, wie sich schon nach kurzer Zeit herausstellte, keineswegs. Die Unterlage war kantig und knüppelhart.
Aus der Jugendherberge Woody Point hatte ich Insektenspray "mitgehen" lassen und so hatten wir während der nacht wenigstens keine Qual mit den Mücken. Kühl war es nachts im Auto nicht, aber auch nicht so warm wie die Nacht im Outback. Wir wagten, das Fenster einen winzigen Spalt geöffnet zu lassen. Stefan und ich wechselten im Wagen noch ein paar Worte. Von Axel war schon gar nichts mehr zu hören. Wir hatten einen langen Tag hinter uns. So hatten wir allen Grund sehr müde zu sein. Schon nach kurzer Zeit setzte wieder der Regen ein, der auf das Dach des Ford Laser tröpfelte. Es regnete fast die ganze Nacht hindurch...
47. Reisetag: Dienstag, 14. Februar 1989
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Natürlich wachten wir nachts immer wieder auf, um uns im engen Auto zu drehen, was jedes Mal ein kleines Drama war. Besonders am Morgen fühlte ich mich todmüde. Stefan ging es nicht anders und deshalb blieben wir im unbequemen Auto-Bett auch bis 9:00 Uhr liegen. Man konnte bei der Nässe (wenn es mal nicht regnete, tropfte es von den Bäumen) das Auto kaum verlassen. Es war ungemütlich! Aber es musste dann schließlich doch sein, denn wer wusste schon, ob es hier heute überhaupt noch trocken werden würde. Letztes Jahr hatten Alex, Daniela und ich hier auch mit Regen zu kämpfen gehabt.
Wir bauten das klatschnasse Zelt ab und packten es zunächst in eine große Mülltüte. Wir hatten feste Schuhe angezogen und natürlich auch warme Regensachen. Dann erfolgte die Besteigung des Bald Rock, der hinter dem Wald verborgen lag. Der Anblick des nackten Felsens war wieder imposant, aber ich hatte nach wenigen Minuten die Nase voll, weil der Regen am Berg deutlich ergiebiger wurde. Außerdem musste ich nötig auf die Toilette - und schließlich war ich schon einmal oben gewesen. Also machte ich kehrt und setzte mich ins trockene Auto, wo ich die deutschsprachige Zeitung ausführlich zu lesen begann.
Es dauerte dann eine Weile, bis Axel und Stefan zurück kehrten. Sie hatten einen anderen Rückweg eingeschlagen. Durchnässt trafen sie am Auto ein. Die Wasserfälle ließen wir aufgrund der widrigen Witterung aus. Außerdem waren wir jetzt hungrig. Darüber hinaus erschien uns die sechsundzwanzig Kilometer lange Fahrt zu den Wasserfällen (hin und zurück) auf schlechter, ungeteerter Straße zu weit.
Auch in Tenterfield regnete es. In einem Cafe´ ließen wir uns Schinken und Eier auf Toast schmecken. Ich zeigte mich wieder mal spendabel und deshalb gab ich Stefan sein Frühstück aus. Als Gegenleistung durfte ich heute wieder den ganzen Tag das Auto fahren. Das war schließlich auch etwas! Ich war noch auf der Bank und danach war es wieder an der Zeit, den Wagen aufzutanken. Es trug sich dann leider wieder zu, dass ich durch verschiedene Kommentare der Berliner etwas genervt war. In erster Linie war ich von Axels Besserwisserei allergisch und so verschlechterte sich bald die Stimmung. Ich zog es vor, den Mund zu halten und schwieg.
Zunächst fuhren wir bis Glen Innes und dann weiter durch den Gibraltar Range-Nationalpark. Trotz Regens schauten wir uns dort einen Wasserfall an und auf der Fahrt zu einem Aussichtspunkt geriet ich mit dem Wagen ins Schleudern und fast wären wir auch noch stecken geblieben. Ich war jetzt echt sauer, weil Axel und Stefan angeblich gar nicht zum Aussichtspunkt gewollt hätten. In Grafton stießen wir dann nach kurvenreicher Fahrt auf den Highway 1, wo kräftiger Verkehr herrschte. Es ging jetzt nur noch langsam voran. Axel und Stefan wollten auch in dieser Nacht unbedingt draußen schlafen und dieses trotz der widrigen Witterung. Ich hätte gern in einer Jugendherberge oder in einem Motorcamp übernachtet - auch, weil ich mich dreckig fühlte und gern mal wieder geduscht hätte. So hielten wir auch in Coffs Harbour gar nicht erst an und fuhren auf dem unattraktiven Highway 1 weiter in Richtung Süden. Es hatte etwas aufgeklart und Axel und Stefan hatten sich nun darauf geeinigt, an die Valla Beach zu fahren, die einen Kilometer vom Highway entfernt lag. Ich hatte auf Strand überhaupt keinen Bock und blieb deshalb im Auto sitzen. Nach einer gewissen Zeit kamen Stefan und Axel wieder und berichteten, dass sie einen tollen Übernachtungsplatz am Strand unter einer Halbhöhle gefunden hätten, wo wir also auch vor Nässe geschützt wären. Mir war sofort klar, dass ich nur im Wagen schlafen würde.
Zunächst fuhren wir aber nach Nambueca Heads der nächstgrößeren Stadt, um etwas zu essen. Beim Essen im China-Restaurant kam Stefan dann auf die Missstimmung zu sprechen. In einem klärenden Gespräch bereinigten wir dann zum Glück die Misere und waren nun wieder guter Dinge! Wir verabredeten sogar, noch heute Abend nach Wauchope in die dortige Jugendherberge zu fahren. Vielleicht haben Axel und Stefan aber auch eingesehen, dass das Wetter einfach zu schlecht war, um am Strand zu übernachten.
Es war schon 20:00 Uhr als wir aufbrachen. Auf dem Highway kamen wir nicht schnell voran. Entweder waren langsame Trucks vor uns oder die Strecke war besonders kurvig. Ich musste richtig zügig fahren, denn bis 22:00 Uhr sollten wir schon die Jugendherberge erreicht haben. In der Zwischenzeit war es wieder dunkel geworden und das Licht musste wieder eingeschaltet werden. Wir durchfuhren Macksville und Kempsey. Hinter dem Telegraph Point bogen wir auf die Landstraße nach Wauchope ab, die regennass war. Immer wieder polterte ich durch Schlaglöcher in der Straße, die mit Wasser randvoll gefüllt waren und von daher unsichtbar waren. Die Zeit drängte jetzt wirklich.
Wir hatten Wauchope nun erreicht. Jetzt hielten wir Ausschau nach der etwa zehn Kilometer außerhalb liegenden Jugendherberge. Kurz vor 22:00 Uhr haben wir sie schließlich erreicht. Gutes Timing! Auch hier in Wauchope bin ich im vergangenen Jahr mit den beiden Schweizern gewesen. Hund Bear kam uns entgegen gelaufen, als wir das Grundstück von Mrs. Bradley befuhren. Es war schon sehr ruhig hier. Die wenigen Gäste mussten schon im Bett sein. Die Anmeldung wurde kurzerhand auf morgen verschoben.
Ich ging noch schnell unter die Dusche und legte mich schon nach kurzer Zeit ins Bett. Ich war todmüde und konnte trotzdem nicht einschlafen, da die Autofahrt nach Wauchope sehr rasant gewesen ist und ich konnte jetzt nicht abschalten. Ich glaube, ich habe heute -und auch in den Tagen zuvor- wieder mächtig an Fahrpraxis gewonnen. Besondere Zwischenfälle hat es beim Fahren bislang zum Glück nicht gegeben.
48. Reisetag: Mittwoch, 15. Februar 1989
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Als sich die Morgendämmerung durch die Fenster der Jugendherberge Wauchope zeigte, begann eine Angriffsserie von unzähligen Mücken und damit war es um meinen Schlaf geschehen. Wie schon in den Tagen zuvor, mussten wir am längsten auf Axel warten, der immer wieder Mühe hatte, das Bett zu verlassen. Dadurch verstrich immer wertvolle Zeit. Von Mrs. Bradley kauften wir uns ein paar frische Eier, die wir anschließend mit Toastbrot in der Küche speisten. Ich hatte noch viel zu tun und so folgte ich den Gesprächen, die Mrs. Bradley mit mir führte, nur mit halbem Ohr. Zusammen mit Stefan rollte ich mein Zelt ein, das nun trocken geworden ist.
Leider war der Himmel auch heute wolkenverhangen. Recht spät gegen 11:00 Uhr brachen wir auf. Ich hatte mir das Recht, wieder den Wagen zu fahren, per Milkshakes erkauft. Wie schon im vergangenen Jahr mit Alex und Daniela, fuhren wir zunächst nach Port Macquarie. Wir besuchten das Hospital für kranke oder verletzte Koalas. Einen einzigen Koala konnten wir in seinem Baum beobachten. Er kratzte sich das Fell und aß von den grünen Eukalyptusblättern. Koalas sind wirklich wonnige Tierchen, die in Australien geschützt sind. Aber man sollte sich vor ihren messerscharfen Krallen in Acht nehmen. Und der Körpergeruch dieser Tiere ist auch gewöhnungsbedürftig!
Es setzte wieder Regen ein und so setzte ich mich bis zur Weiterfahrt in den Wagen. Durch Axel bin ich zunehmend genervt und so allmählich sehnte ich das Reiseende, was den Mietwagentrip betraf, herbei. Immer wieder musste ich auf Axel warten, der alles provozierend langsam absolvierte. Im Ford fuhren wir dann zunächst bis Taree, wo wir in Richtung Wingham abbogen, um uns einmal mehr die dortige Fledermauskolonie anzuschauen. Bereits im letzten Jahr hatte ich mir mit den beiden Schweizern die "Fliegenden Hunde" angeschaut.
Mittlerweile stellte ich mich wieder auf stur, worüber Stefan wieder etwas genervt war. In Wingham beteiligte ich mich nicht an den Supermarkteinkäufen, was das Fleisch betraf. Wir hatten ja ein Barbeque in Girvan geplant - aber bis dahin war noch so viel Zeit, dass die Gefahr bestand, dass das Fleisch verderben würde. Mittlerweile hatte nämlich das Wetter gewechselt und es präsentierte sich Sonnenschein mit blauem Himmel. Dabei wurde es schnell wieder sehr warm. Auch Stefan und Axel kauften schließlich nur Obst ein. Stefan versuchte zwischen Axel und mir zu vermitteln. Mit Stefan gab es die wenigsten Probleme.
Hinter Kiwarrie bogen wir vom Highway ab und fuhren nun ans Meer, wohin Axel schon die ganze Zeit wollte. Wir fuhren eine schöne Straße an der Küste entlang und es folgte ein reizvoller Strand nach dem anderen. Über Forster erreichten wir dann gegen 16:00 Uhr einen Strand, der Boomerang Beach genannt wurde. Hier gab es herrlich hohe Wellen! Diesmal nahm ich auch ein erfrischendes Bad und ließ mich immer wieder von den Wellen "begraben".
Eine Stunde später fuhren wir zurück zum Highway 1, wo wir nun in Bulahdelah Grillfleisch einkaufen wollten. Dummerweise war der Ort recht winzig und kein geeignetes Geschäft verkaufte Fleisch. So stoppten wir am Highway an einem Restaurant und kauften dort dem Wirt fünf üppige Rumpsteaks für nur $AUS 12 ab. Das war ein prima günstiger Einkauf!
Auf der bekannten schönen Waldstraße fuhren wir in die Jugendherberge von Girvan, die mitten im Wald ganz besonders idyllisch lag. Alex, Daniela und ich genossen dieses kleine Häuschen (früher war es übrigens eine Schule!) bereits im Vorjahr. Das Wetter hatte ja -passend zum geplanten Grillabend- rechtzeitig sein "Sonntagskleid" angezogen. Unangenehm überrascht war ich nur von der Leiterin der Jugendherberge, die mir vom letzten Jahr noch als so besonders nett in Erinnerung war. Zusammen mit den Mitgliedsausweisen von Stefan und Axel fuhr ich zum vierhundert Meter entfernten Farmhaus. Die Leiterin ließ mich zunächst wie einen dummen Jungen stehen und sagte, dass auch die beiden anderen persönlich herkommen müssten. Das war im Vorjahr nicht nötig gewesen! Ergänzend muss man in diesem Zusammenhang erwähnen, dass die Straße zwischen Jugendherberge und Farmhaus extrem holprig war. Für einen Wagen wie unseren war dieser Waldweg die pure Hölle. Mir blieb nichts anderes übrig, als zur Jugendherberge zurückzufahren. Ich holte Stefan und Axel ab und wir fuhren zum Farmhaus zurück. Auch jetzt beeilte sich die Farmerfrau keineswegs - nein, sie füllte noch in aller Ruhe Benzin in den Tank eines vor der Tür stehenden Autos ein. Anschließend wusch sie sich die Hände und ließ uns dann vor dem Gartentor stehen! Erst danach rief sie uns herein. Ich war empört über ihre Unhöflichkeit! Vielleicht musste sie zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sie erlaubte uns auch nicht, die Ausweise mit zur Jugendherberge zu nehmen (was noch im letzten Jahr möglich gewesen ist).
Nach dieser Anmeldungsprozedur fuhren wir zurück und begannen langsam mit den Vorbereitungen fürs Grillen. Zunächst suchten wir Holz. An dieser Stelle erzählte ich Stefan, dass mir Axel mit seiner stets provokanten Art zunehmend auf die Nerven ging. Axel half nicht beim Holzsuchen; er war mit seiner Kamera auf der Pirsch. Es war ohnehin unser letzter gemeinsamer Abend und so machte es mir nichts aus, Stefan meine Gründe, die zu den Unstimmigkeiten geführt hatten, zu erläutern. Natürlich würde dieses nicht viel bewirken, zumal sich Axel und Stefan schon sehr lange kannten. Aber ich wollte deutlich machen, dass die schlechte Stimmung, die zuletzt manchmal herrschte, nichts mit Stefan zu tun hatte. Nach unserem Gespräch besserte sich die Stimmung spürbar und es entwickelte sich noch ein toller Abend.
Nur noch ein weiterer Gast war außer uns in der Jugendherberge. Dabei handelte es sich um den freundlichen Kanadier Martin, der schon vier Tage hier verweilte, weil er sich in Port Macquarie am Bein verletzt hatte. Hier kurierte er seine Verletzung, die er sich beim Schwimmen im Meer zugezogen hatte, nun in aller Ruhe aus.
Stefan und ich fanden reichlich trockenes Holz. Als Axel dann das Lagerfeuer entfachte, fiel uns auf, dass wir gar kein Bier dabei hatten und so fuhr ich mit Martin, dem Kanadier, kurzfristig die Strecke bis nach Stroud (sechsunddreißig Kilometer hin und zurück!), wo wir in einem Pub einige Dosen Foster's kauften. Vierzig Minuten später waren wir zurück und begannen dann um 20:30 Uhr mit dem Grillen der dicken Steaks. Auf das Blech schmierten wir noch Margarine und so brutzelte das Fleisch besonders bekömmlich.
Die Nacht war mittlerweile hereingebrochen und die Sterne funkelten am Firmament. Welch ein liebenswertes Plätzchen in wilder und waldiger Natur. Das Rumpsteak-Fleisch schmeckte unglaublich pikant und zusammen mit dem Bier war es ein großartiges Essen am Lagerfeuer. Zeitweise gesellte sich auch Martin zu uns. Etwas später beschlossen Stefan, Axel und ich noch eine Nachtwanderung zu unternehmen. Es gab hier einen sogenannten "Regenwald-Wanderweg", den wir aufsuchten und bei Dunkelheit begehen wollten. Der Weg war durch markante Dreiecke gekennzeichnet. Obwohl der Halbmond sein Silberlicht spendete, fanden wir nur ein einziges Dreieck! Ich muss gestehen, dass es mir auch etwas zu gefährlich war, bei Dunkelheit und kniehohem Gras zu wandern. Gifte Schlangen und Spinnen gehörten schließlich zum australischen Kontinent! Ich hatte noch meine Taschenlampe dabei. Wir spazierten jetzt einen grasbewachsenen Abhang hinunter zur Straße und gingen nun diese hinab. Es war richtig aufregend! Tiere sahen wir nicht, aber die Tiere sahen offenbar uns! Überall knackte es im Gebüsch und oft hörten wir die kräftigen Schwingen unbekannter Nachtvögel über uns. Der Spaziergang brachte echt Laune!
Damit ging nun ein weiterer, prall gefüllter Tag zu Ende, der einen besonders netten Abend hatte, der urtümlich romantisch war. Das waren die besonderen Eindrücke, die mir lange in Erinnerung bleiben werden. Als wir im Häuschen das Licht ausschalteten, war es natürlich stockdunkel. Schon morgen Abend würde die Nacht wieder durch lautstarke Motorengeräusche in der Weltstadt Sydney gekennzeichnet sein. Vor diesem bevorstehenden Kontrast genoss ich die Ruhe in der Wildnis von Girvan besonders intensiv.
49. Reisetag: Donnerstag, 16. Februar 1989
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Die zehnte und letzte Etappe unserer Autotour war nun heute angebrochen. Die Zeit verging irre schnell. Wenn man bedenkt, dass manche Leute nur zehn Tage pro Jahr verreisen ... man darf gar nicht darüber nachdenken!
Um 8:30 Uhr klopfte es laut an der Jugendherbergstür. Ich befand mich noch im Tiefschlaf. An der Tür stand die unangenehme Farm-Tante. Zum Glück öffnete der Kanadier Martin die Tür. Die Frau wollte uns die Jugendherbergsausweise vorbei bringen, da sie jetzt in die Stadt fahren wollte. Anstatt die Ausweise dem Kanadier in die Hand zu geben, verlangte sie, dass wir sie persönlich in Empfang nehmen sollten. Ich kochte schon am frühen Morgen vor Wut! Ich musste doch tatsächlich das Bett verlassen und zum Rapport antreten. Es war wirklich unglaublich. Natürlich musste sie noch beiläufig erwähnen, dass wir bloß nicht vergessen sollten, draußen die Lagerfeuerstätte aufzuräumen. Dieses hatten wir am gestrigen Abend nicht mehr erledigen können, weil es dort stockdunkel war.
Gern hätte ich noch ein Stündchen geschlafen. So stand ich auf und genoss den friedlichen Morgen vor der Tür. Die Sonne schien bereits und es war schon recht warm. Endlich kam ich dazu, meine Tagebucheintragungen auf den aktuellen Stand zu bringen. Das Lagerfeuer glimmte vor mir noch dahin. Dicke brummerartige Insekten umschwirrten mich hartnäckig. Das war eben die pure Natur hier! Ich hätte aber statt der Brummer lieber ein Känguru mehr gesehen.
Stefan stand auch bald auf; Axel wieder erst gegen 10:00 Uhr. Natürlich musste er zunächst einmal einen Kaffee trinken. Er bewegte sich wieder provozierend langsam - wie in Zeitlupe. Mittlerweile wurde ich etwas unruhig, denn ich wollte nicht zu spät in Sydney eintreffen. Bis um 11:00 Uhr machten Stefan und Axel noch die Regenwald-Wanderung. Dabei wurde Axel von einem Blutegel angezapft - er blutete wie ein Schwein!
Überraschend hatte Axel sich dazu aufgerafft, das Geschirr abzuwaschen. Schließlich konnten wir aufbrechen. Über Booral fuhren wir in den nächstgrößeren Ort nach Raymond Terrace, wo wir ein leckeres Frühstück einnahmen. Alle drei waren wir hungrig. Wir gönnten uns wieder Schinken und Eier; ein immer wieder bekömmliches Mahl. Da es schon Mittagszeit war, mussten wir ziemlich lange warten - in der Snackbar war jetzt allerhand los. Es war jetzt wieder richtig heiß geworden - die Sonne brannte vom Himmel. Einmal mehr musste ich in der Bank einen Scheck wechseln. Danach setzte ich mich zum letzten Mal ans Steuer des treuen und heißgeliebten Ford Laser. Der Wagen war die ganze Zeit zuverlässig gefahren.
Wir fuhren jetzt auf dem langweiligen und verkehrsreichen Highway 1 in Richtung Sydney. Schon bald entwickelte sich die Straße zu einem dreispurigen Freeway, wo ich noch einmal kräftig Gas geben konnte und Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erreichte. Das brachte Laune, aber das Risiko, von der Polizei angehalten zu werden, war ständig vorhanden. Sechzig Kilometer vor Sydney machten wir eine letzte Pause und dann fuhr Stefan den Wagen sicher durch das irre Gewühl der Großstadt. Oft ging es nur schrittweise voran.
Gegen 16:00 Uhr erreichten wir die Hauptstadt von New South Wales. Sydney war für unsere zehntägige Reise die Endstation. Stolze 4.062 Kilometer sind wir in den vergangenen Tagen gefahren. Davon bin ich bestimmt drei Viertel gefahren, was mir weitere Fahrpraxis gegeben hat.
Wir fuhren zunächst zum Hauptbahnhof, wo ich mir eine Fahrkarte nach Melbourne kaufte. Zum Glück war für morgen noch ein Ticket zu bekommen. Es handelte sich um ein Sonderangebot und so hatte ich nur $AUS 39 für die tausend Kilometer lange Strecke zu bezahlen. Dieses Billigangebot galt noch bis zum 18. März. Stefan fuhr uns dann zu einer Tankstelle in der Parramatta Road, wo wir den Ford noch einmal voll tankten. Stefan saugte das Fahrzeug gründlich aus. Danach fuhr er noch durch die Waschanlage, was bitter nötig war. Der Wagen war erst morgen früh abzugeben.
An einer starkbefahrenen Straßenkreuzung musste Stefan den Wagen von der linken auf die rechte Straßenseite bringen und einen U-Turn fahren. Das passte wohl einem LKW-Fahrer hinter uns nicht und so kam es zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen Stefan und dem Truckie. Stefan fluchte in deutscher Sprache zurück, worauf uns der Truckfahrer im Vorbeifahren bespuckte.
Heute Abend wollten Axel und Stefan noch nach Hornsby, um sich erneut bei ihrem Bekannten, Pino, in dessen italienischem Restaurant, voll zu fressen - auf Kosten von Pino natürlich. Morgen Nachmittag würden die beiden Berliner dann nach Indonesien fliegen. Damit endete für sie der zweiwöchige Australien-Aufenthalt. Sie fuhren mich dann noch zur Forrest Lodge-Jugendherberge, wo ich mich anmeldete und das Gepäck abstellte. Da ich im Hauptbahnhof vergebens die neueste Ausgabe der Woche in Australien gesucht hatte, fuhr ich mit Stefan und Axel in die Stadt. Ich war zwar müde und kaputt, aber ich wollte die Zeitung unbedingt morgen während der langen Eisenbahnfahrt nach Melbourne lesen.
Der Abschied von Axel und Stefan fiel dann arg kurz aus, denn ich musste an einer sehr belebten Kreuzung aussteigen. Trotz mancher, kleiner Schwierigkeiten werde ich diesen zehntägigen Trip bestens in Erinnerung behalten. Wir hatten ja auch allerhand Spaß und wir hatten zusammen viele kleine Abenteuer erlebt. Wir haben Tiere gesehen und eine absolut traumhafte Landschaft. Das Auto war prima und es brachte riesigen Spaß, den Ford Laser zu fahren. Ob Stefan und Axel wohl noch Schwierigkeiten bekommen, wenn sie den Wagen morgen früh beim Verleiher zurück geben?
Die deutschsprachige Zeitung fand ich dann schnell in einem Untergrund-Bahnhof. Sofort fuhr ich zurück zur Jugendherberge. Der Bus dorthin war brechend voll! Ich schwitzte aus allen Poren! Der Stress war aber noch nicht zu Ende. Ich wusch meine T-Shirts, schrieb Tagebuch und ging unter die Dusche. Peter's Mutter in Melbourne kündigte ich telefonisch mein Kommen für morgen Abend an. Peter selbst hatte wohl momentan wieder viel in seiner Firma, Porsche, zu tun.
Ein deutsches Mädchen aus Hamburg-Wandsbek gesellte sich zu mir. Sie war gerade in Australien angekommen und todmüde. Sie benutzte teure Fluggesellschaften wie Lufthansa und Qantas. Insgesamt hatte sie nur vier Wochen Zeit für Australien. Mit einem Buspass will sie zunächst bis nach Adelaide fahren und danach den mühsamen Weg durch die Nullarbor-Ebene nach Perth angehen. Um ihre anstrengenden Planungen beneidete ich sie nicht. Schon jetzt war klar, dass sie so gut wie nichts von Australien zu sehen bekommen wird.
Gegen 22:30 Uhr legte ich mich aufs Ohr. Auch in dieser Nacht war an Schlaf kaum zu denken, denn draußen donnerten lautstark die Autos entlang. Im Zimmer war es stickig. Gleich drei Personen redeten im Schlaf. Einer von ihnen lachte unaufhörlich. Ich drehte mich unruhig von einer Seite auf die andere. Vom Leiter der Jugendherberge hatte ich mir einen Wecker geliehen, damit ich morgen ja nicht zu spät aufwachte.
50. Reisetag: Freitag, 17. Februar 1989
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Schon sehnsüchtig wartete ich auf Post von zu Hause, die ich dann wohl heute Abend bei Peter in Empfang nehmen kann. In erster Linie interessiert mich natürlich, ob mein Schweizer Freund Alex in einem Monat nach Thailand kommt oder nicht. Davon hängt der Verlauf und die Güteklasse der folgenden Reisetage nicht unwesentlich ab. Sollte es in Thailand zu einem Wiedersehen mit Alex kommen, würde sich meine Vorfreude deutlich steigern.
Zunächst einmal stand ich nach der schlechtgeschlafenen Nacht um 6:15 Uhr auf. Ich erfrischte mich etwas und packte meinen Rucksack zusammen. Die Jugendherberge Forrest Lodge musste ich dann so früh verlassen, um meinen Zug zu bekommen. Mit dem Stadtbus fuhr ich also von der Ross Street in die George Street. Ich lag gut in der Zeit und so hatte ich noch einige Minuten Zeit bis zur Abfahrt des sogenannten Daylight Intercapital-Zuges nach Melbourne. Nicht weniger als 12 ˝ Stunden würde die Bahnfahrt in die Hauptstadt Victorias dauern. Ein Marathon auf Schienen also.
Um 7:45 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Langeweile kam während der langen Fahrt nicht auf. Zunächst studierte ich ausführlich meine deutschsprachige Zeitung, die wieder prallgefüllt mit Informationen war. Vor mir saß das Kölner Pärchen Andreas und Petra, mit denen ich mich praktisch während der ganzen Fahrt unterhielt. Im Speisewagen frühstückte ich und trank auch mal ein Bier. Später ruhte ich wenig und las in meinem Roman. Das Tempo des Zuges hielt sich schwer in Grenzen. Die Klimaanlage war auszuhalten. Und $AUS 39,-- für die lange Strecke war keineswegs teuer. Einige Reisende in unserem Abteil hatten bereits einen über den Durst getrunken.
Pünktlich um 20:20 Uhr erreichte der Zug den Bahnhof von Melbourne in der Spencer Street. Ich verabschiedete mich von Andreas und Petra. Peter Holland holte mich dann vom Bahnhof ab. Ich freute mich sehr über das Wiedersehen. Er berichte mir auch aktuell über einige Missgeschicke, die meinem Schulfreund Andreas Wagner wiederfahren sind, als dieser in Australien war und unter anderem auch Peter besuchte, den er durch mich kennen gelernt hatte. Andreas ist bekanntlich am 31. Dezember nach Deutschland zurückgeflogen. Er hatte wohl sehr viel Pech mit einem Gebrauchtwagen gehabt, für den er wohl einiges an Geld hinlegen musste. Außerdem hatte er wohl so wenig Geld dabei, dass er am Ende ohne jeden Cent dastand. Er hatte darüber hinaus wohl mehr oder wenige die ganze Zeit in Brisbane gearbeitet und so hatte er vom Land praktisch nichts gesehen. Peter berichtete weiter, dass Andreas wohl sogar ein australisches Mädchen heiraten wollte, um dieses als Grund zu nehmen, in Australien bleiben zu können. Auch das klappte nicht. Am Ende musste er seinen Reisepass aus irgendwelchen Gründen in Brisbane hinterlegen, bekam ihn nicht wieder und kam ohne Pass und ohne Geld in Melbourne an. Er war die gesamte Strecke von Brisbane nach Melbourne getrampt! Rechtzeitig zum Abflug bekam Andreas seinen Reisepass nicht mehr zurück, so dass er das deutsche Konsulat hat aufsuchen müssen, wo ihm ein Ersatzpass ausgehändigt wurde. Er war dann nicht mal mehr in der Lage, die $AUS 10 für die Flughafensteuer zu zahlen. Unglaublich!
In der Ripley Grove gab es dann ein nettes Wiedersehen mit Audrey Holland, Peter's Mutter, sowie mit seiner Zwillingsschwester Annette und seiner behinderten Schwester Judy. Unglaublich neugierig war ich auf meine Post! Ich war enttäuscht, dass der heiß erwartete Brief von Alex nicht vorlag! Damit ist das Thema Thailand wohl erledigt. Post bekam ich von meinen hessischen Freunden Dagmar und Olaf, die am 2. Januar einen Sohn bekommen haben. Auch von meinem Buchholzer Freund Frank lag ein Brief vor. Er informierte mich über das Geschehen in der Welt und über Buchholz im besonderen. Auch von meiner Mutter bekam ich einen Brief, in dem noch ein weiterer von Marian van der Kroon steckte, die wir ja erst vor wenigen Tagen in Federal besucht hatten. Mit großem Interesse las ich all die Briefe, auch wenn ich noch einige mehr erwartet hatte.
Wir saßen noch in der Küche gemeinsam beisammen und unterhielten uns ausführlich über meine bisherige Reise. Dabei stellte sich heraus, dass Peter Mitte April für sechs Wochen nach Europa kommen will. Gegen 23:00 Uhr legten wir uns hin. Ich bekam wieder die Liege, auf der ich schon im vorigen Jahr prima schlafen konnte. Ich aber war von all den Erlebnissen am Abend noch etwas aufgekratzt und konnte deshalb zunächst nicht einschlafen.
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