Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand


100. Reisetag:
Sonnabend, 8. April 1989

Einhundert Reisetage, auf die ich sehr stolz sein kann, sind nun fast vorüber. Wie schnell doch diese Zeit vergangen ist. Aber was ich auf dieser Tour wieder alles erleben dürfen! Diese Reise hatte es wieder in sich. Aber noch ist sie nicht zu Ende, obwohl ich sie jetzt gern zügig beendet hätte. Aber nur deshalb, weil mir eine ganze Woche in Bangkok einfach viel zu lang erschien. So führte ich am Morgen Telefongespräche, um in Erfahrung zu bringen, ob das Singapore Airlines-Büro am heutigen Sonnabend überhaupt geöffnet hat. Jawohl, es hatte! Ich hätte es sehr begrüßt, wenn Alex mich in die Silom Road begleitet hätte, aber dazu hatte er keine Lust. Also musste ich mich allein in das Abenteuer stürzen, per Bus durch Bangkok zu fahren.

Wettermäßig war es natürlich auch heute wieder heiß und sonnig. Die Busfahrerei klappte ausgezeichnet. Mein Bus- und Straßenplan war mir dabei eine ungeheuer große Hilfe. Zunächst fuhr ich in die Phloen Chit Road, wo ich in die Linie 119 zur Silom Road umstieg. Die Fluggesellschaft Singapore Airlines befand sich gleich im ersten größeren Gebäude. Oben musste ich mir eine Nummer ziehen und einen Moment warten. Schließlich war ich an der Reihe: Eine Umbuchung schien jedoch nicht möglich zu sein. Beide Flüge -morgen Nacht und Mittwochnacht- waren ausgebucht. Eine geringe Chance bestand nur, wenn ich "standby" auf den Flughafen gehen würde und darauf hoffte, dass ein Fluggast noch abspringt. Da beide Flüge erst nach Mitternacht gingen, war mir dieses ein zu hohes Risiko, denn ich musste ja schließlich mein gesamtes Gepäck auf gut Glück mitnehmen. Und wenn ich Pech hatte, durfte ich unverrichteter Dinge wieder zurück nach Bangkok fahren. Schade - aber einen Versuch war es wert. Kann ich jetzt nur hoffen, dass ich diese eine Woche möglichst gut über die Bühne bekomme.

Unten im Haus befand sich ein Supermarkt, wo ich mir ein paar Erfrischungsgetränke kaufte. Danach aß ich eine Kleinigkeit bei McDonald's. Mit dem Bus fuhr ich anschließend in das Indra-Hotel, wo sich im Inneren eine große Anzahl von Marktständen befand. Der Inder im Der Herr-Shop meinte gestern, dass ich hier einen Rucksack bekommen könne. Aber das stellte sich trotz genauer Suche als Trugschluss heraus. Es war zu dumm: In ganz Bangkok schien es keine großen Reiserucksäcke zu geben! Immerhin fand ich im Hotelkomplex ein weiteres Geschäft mit deutschsprachigen Zeitungen. Hier kaufte ich mir wieder die Bild-Zeitung (eine bessere gab es leider nicht) und sogar ein Kicker Sportmagazin. Darüber freute ich mich natürlich besonders und nahm den Preis von Baht 130 schweigend in Kauf.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle fand ich dann noch ein Kaufhaus, wo es wenigstens eine kleine Auswahl von Rucksäcken gab. Die waren zwar nicht 100 %-ig mein Geschmack, aber ich griff am Ende doch zu, denn Baht 1.105 für einen Gestell-Rucksack waren praktisch geschenkt. Mit dem Bus fuhr ich dann in die Khao San Road zurück. Alex hatte sich eine praktische Reisetasche gekauft und das tat ich dann anschließend ebenfalls, denn irgendwie musste ich meine zahlreichen Einkäufe schließlich transportieren.

Ich schaute mir dann noch die Zimmer in der Borvorn Nivet-Jugendherberge in der Phrasumen Road an, wo ich ab morgen übernachten will, da mir im LEK-Guestehouse ein Doppelzimmer für Baht 120 zu teuer war. In der Jugendherberge würde ich nur Baht 60 für ein Einzelzimmer zu zahlen haben. Das Haus machte einen sauberen und ordentlichen Eindruck. Ich ruhte mich dann im LEK-Guestehouse noch einen Moment aus.

Um 16:00 Uhr mussten Alex und ich dann wieder in die Sukhumvit Road, wo unsere Maßanzüge hoffentlich bereit lagen. Wir nahmen wieder den Bus. In der Tat war alles fertig! Aber irgendwie hatten wir das Gefühl, zum schnellen Verlassen des Geschäftes getrieben zu werden. Ich bestand aber darauf, meine Klamotten zunächst einmal anprobieren zu wollen. Und tatsächlich: Ich vermisste die zum Anzug gehörende Jacke! Rein zufällig hing sie noch an der Garderobe. Nicht anders war es bei Alex! Er vermisste die Krawatte. Ich kann mich täuschen, weil ich kein Experte bin, aber mir machten die Kleidungsstücke einen guten Eindruck. So deponierte ich alles in meiner neu erworbenen Reisetasche. Unverständlicherweise hatte Alex seine Tasche nicht mitgenommen und so musste er sich umständlich mit seinen Einkäufen abschleppen. Wir hatten den Der Herr-Laden verlassen und warteten nun wieder auf den Bus. Natürlich war das öffentliche Verkehrsmittel total überfüllt und so konnten Alex und ich nicht mehr einsteigen. Er sah zu ulkig aus mit all seinen Anzügen, die er über dem Arm trug. Alex musste den nächsten Bus nehmen, denn er musste heute ja noch zum Flughafen.

Trotz aller Differenzen, die ich mit Alex zeitweise hatte, trat nun doch ein wehmütiges Gefühl bei mir ein. Alex bereitete sich im LEK-Gästehaus auf seine Abreise vor. Im Vergleich zu seiner Ankunft in Bangkok, war er nun schwer bepackt. Er ließ sich ein Taxi rufen und gemeinsam warteten wir vor dem Haus. Das Fahrzeug kam wenige Minuten später. Der Abschied ging nun schnell über die Bühne. Es gab einige berechtigte Zweifel, ob wir je wieder voneinander hören würden. Die Probleme kann man nicht herunter spielen. Gewiss bin ich auch nicht immer ein einfacher Mensch; Alex aber auch nicht. Mit seiner Redefaulheit hat er mich oft zur Weißglut getrieben. Eine vernünftige Unterhaltung mit ihm war nicht möglich gewesen. Viel zu viel wurde, meiner Meinung nach, so gemacht, wie Alex es wollte. Aber deshalb bin ich trotzdem sehr glücklich gewesen, ihn als Reisebegleiter durch das schwierige Reiseland Thailand gehabt zu haben. An dieser Tatsache bestand überhaupt kein Zweifel. Ich will dieses Thema jetzt nicht weiter vertiefen. Mit ein wenig Abstand werde ich dann zu Hause entscheiden, ob und wann ich Alex wieder schreiben werde. Möglicherweise warte ich ab, ob er es vielleicht zuerst tut. Dann bin ich gewiss auch zu einer weiteren Kommunikation bereit. Ob ich jemals wieder den Wunsch verspüren werde, mit Alex zu verreisen, wird die Zeit zeigen. Von seiner Homosexualität, von der mir seine letztjährige Reisebegleiterin Daniela in Australien berichtet hatte, war nie etwas zu spüren.

Die Tatsache, dass ich nun allein in Bangkok war, ist alles andere als ein gutes Gefühl. Alex war weg! Und ich verzog mich in das LEK-Guesthouse, wo ich auf meinem Bett etwas in den Zeitungen las. Ich kaufte mir noch ein paar Getränke und versuchte dann zu schlafen, was mir erst nach einer Weile gelang, denn direkt nebenan, auf der Dachterrasse, wurde sich ziemlich laut unterhalten.

Reportage: Kochkurs in Chiang Mai


101. Reisetag:
Sonntag, 9. April 1989

An beiden Armen und speziell in der Ellenbeuge fielen mir unzählige rote Pusteln auf, die nur leicht juckten, aber auf irgendeine Allergie hin deuteten. Das kam mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von den schmuddeligen Betten, in denen ich in den letzten Tagen und Wochen geschlafen habe; vielleicht aber auch vom Schmutz im allgemeinen. Möglicherweise ist dieses aber auch eine verspätete Reaktion auf die Einnahme der Malariatabletten. Behindert fühlte ich mich durch die Hautrötung nicht.

Heute folgte nun der erste Tag in Thailand ohne Alex. Tatenlos in den Tag hineinleben wollte ich aber auch nicht; andererseits hatte ich aber nicht mehr so viele Ideen, um die Woche in Bangkok befriedigend auszufüllen. Na, mal abwarten, was das hier noch gibt. Vor Überraschungen darf man sich in Thailand nie sicher fühlen. Als ich im LEK-Gästehaus erwacht war, ging ich zunächst unter die Dusche. Wenig später packte ich meine Klamotten zusammen. Es hatte sich ein gewaltiger Berg angesammelt. Ich würde all meinen Kram nur noch in die Jugendherberge transportieren müssen sowie zum Flughafen und dann erst wieder in Amsterdam tragen müssen. Ich bezahlte die drei Übernachtungen im LEK-Guesthouse und ging dann. Vor der Tür überfielen mich wieder die zahlreichen Taxi- und Tuk-Tuk-Fahrer. Aber als sie mich derart bepackt sahen, schraubten sie die Fahrpreise natürlich gleich in die Höhe. Für Baht 10 hätte ich mich fahren lassen; schließlich lag die Jugendherberge praktisch nur um die Ecke. Die Fahrpreise waren zu hoch und so ging ich als Packesel zu Fuß. Mein Zelt hatte ich übrigens zurück gelassen. Neben meinem prall gefüllten blauen Rucksack hatte ich noch die randvoll bepackte Reisetasche und das neue Rucksackgestell zu tragen.

Die Jugendherberge erreichte ich trotzdem ohne Probleme. Obwohl das Haus sauber und preisgünstig war und obwohl es nur fünf Minuten von der Khao San Road entfernt lag, war ich der einzige Gast hier! Das war kaum zu glauben! Für das Einzelzimmer bezahlte ich Baht 60 pro Nacht. Die Jugendherberge, die das typische Erkennungszeichen trug und wo es auch einen Stempel gab, hatte dennoch mit den bekannten Herbergen, in denen ich schon war, nicht viel gemein. Niemand wollte meinen Mitgliedsausweis sehen. Weibliche und männliche Gäste konnten hier sehr wohl auch gemeinsam in einem Zimmer schlafen. Eine Gemeinschaftsküche oder einen Aufenthaltsraum mit Tischen und Stühlen gab es nicht. Aber sonst machte alles einen guten Eindruck. In meinem Zimmer gab es nur ein Bett und einen Ventilator. Aber es gab doch zwei Problemfaktoren: Zum einen floss ein elendig stinkender Bach direkt neben dem Haus; an seinem Ufer befand sich zudem eine kleine Mülldeponie. Ich hatte zwei Fenster im Zimmer, wobei ich das eine, das genau auf dieses furchtbar stinkende Rinnsal wies, geschlossen halten musste, um durch den ins Zimmer strömenden Pesthauch nicht umzukommen. Zum anderen herrschte das totale Verkehrschaos vor der Jugendherberge. Es war so entsetzlich laut, dass ich, dass ich während der Nacht auch das zweite Fenster geschlossen halten musste. Dieses dämpfte den Straßenlärm aber auch nur geringfügig. Die sanitären Anlagen waren trotz Stehtoilette in Ordnung; sprich: sauber. Sie befanden sich im Erdgeschoss. Die Leiter der gästehausähnlichen Herberge waren freundlich. Im Eingangsbereich befand sich eine Apotheke. Vor der Jugendherberge befand sich eine kleiner Garten, der mittels einer Steinmauer von der benachbarten Slum-Siedlung angeschirmt wurde. Im Garten bestand für mich die Möglichkeit, in Eimern meine Wäsche zu waschen. Zur Bushaltestelle am Democracy Monument war es von hier aus etwas näher.

Ich wollte heute den zweiten Versuch unternehmen, die Schlangenfarm zu besuchen. Diese lag in unmittelbarer Nähe der Silom Road und da wusste ich ja mittlerweile, welche Busse ich zu nehmen hatte. Unterwegs stoppte ich aber noch bei McDonald's, wo sich fast nur europäische Gesichter aufhielten. Auch heute war es wieder 36 °C heiß, sonnig und niederschlagsfrei. Im Indra-Hotel suchte ich heute vergebens nach einer deutschsprachigen Zeitung. Anschließend fuhr ich weiter in die Silom Road und ging zu Fuß zur Schlangenfarm. Doch ich hatte Pech: Ausgerechnet am Sonntag war diese geschlossen. Unverrichteter Dinge fuhr ich deshalb zurück und stoppte nochmals im Indra-Hotel, wo ich Ansichtskarten schrieb und diese im hoteleigenen Postamt aufgab. Wenigstens die deutschsprachige Bangkok-Zeitung konnte ich hier kaufen.

Ich fuhr dann in die Jugendherberge zurück und legte mich ein wenig aufs Ohr. Nach der Dusche fühlte ich mich wieder wohler und setzte mich auf eine Zigarette nach draußen in den Garten. Ich spazierte dann noch einmal in das große New World-Kaufhaus, wo ich mir ein paar Lackschuhe für Baht 295 kaufte sowie eine ausgewaschene Jeanshose für Baht 99. Gegen 18:00 Uhr ging ich dann in das relativ vornehme UP-Restaurant am Democracy Monument. Hier speiste ich ein Putenschnitzel und trank ein Bier dazu. Ich lauschte englischsprachigen Oldies, die lautstark aus dem Lautsprecher dröhnten. Auch meine Tagebuchnotizen erledigte ich hier. Auf dem Rückweg kaufte ich mir für die Nacht Erfrischungsgetränke. In der Jugendherberge duschte ich abermals und las noch in verschiedenen Zeitungen. Die Nacht war dann die erwartete Hölle. Im Zimmer war es viel zu heiß und trotz der geschlossenen Fenster war der Straßenverkehr ohrenbetäubend. Von Schlaf konnte fast überhaupt nicht die Rede sein.

Reportage: Jahrmarkt der Traditionen - Eine Reise mit dem Geländewagen nach Nordthailand


102. Reisetag:
Montag, 10. April 1989

Ich war immer noch völlig gerädert. Welch eine lautstarke Nacht! Hatte ich seit meiner Ankunft in Thailand eigentlich je eine Nacht gut schlafen können? Irgend etwas war immer da, was mich um die Nachtruhe brachte: Ungeziefer, Hitze, Ratten, Musik oder Straßenlärm.

Bei mir stand heute mal wieder Kultur auf dem Tagesprogramm. Zunächst habe ich aber einen Teil meiner Wäsche gewaschen. Danach ging ich in die Khao San Road, wo ich eine Kleinigkeit frühstückte. Dann machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum berühmten Wat Pho-Tempel in der Sanamchai Road. Es war nicht besonders weit zu gehen. Der Eintritt betrug Baht 10. Hinter der Steinmauer regierte der Tourismus und die Geschäftemacherei. Trotz der heiligen Stätte gab es auch hier Händler, die gefälschte Uhren sowie Postkarten und anderen Ramsch verkauften. Natürlich wurde ich in einer Tour angequatscht.

Der Tempel war allerdings herrlich anzuschauen, auch wenn einige Teile gerade restauriert wurden. Aus diesem Grund waren überall Kästchen aufgehängt, in die man zusätzlich spenden sollte. Der Gipfel war allerdings ein Mönch in seiner tiefgelben Kutte, der an einem Altar kniete und die Touristen zu sich herein bat. Auch mich winkte er heran. Zur folgenden Prozedur musste ich mich ebenfalls hinknien. Nun hing er mir ein Amulett um den Hals und band mir ein gelbes Stück Faden um das rechte Handgelenk. Zu guter letzt bespritzte er mich mit einer Flüssigkeit und murmelte einen Spruch dazu. Dann durfte ich wieder aufstehen und langsam wurde mir klar gemacht, dass dieses eine Spende zur Folge haben sollte. Also Geschäftsmacherei auch unter den heiligen Mönchen. Widerwillig steckte ich also Baht 10 in den bereitstehenden Kasten.

Wesentlich besser gefiel mir da schon ein riesiger liegender Buddha, der eine Gesamtlänge von sechsundvierzig Metern aufwies. Aber auch davor blühte das Geschäft, denn gegen genügend Baht wurden einem hier Horoskope erstellt. Ich beschränkte mich auf das Fotografieren der kostbaren Schönheiten. Schließlich verließ ich den Wat Pho-Tempel und musste mich abermals durch die zahlreichen Anbieter irgendwelchen Kitsches drängen. Einige Händler hatten Schlangen dabei, die sie den Touristen um den Hals hängten. Für ein Foto -mit der eigenen(!) Kamera- sollte dieses Baht 40 kosten. Kein Geschäft, das es hier nicht gab.

Der Höhepunkt war dann anschließend der Grand Palace, der auch den Emerald Buddha-Tempel beinhaltete. Schwer bewaffnete Polizisten (oder waren es Soldaten?) standen an den mächtigen Eingangstoren. Den Eintritt in Höhe von Baht 100 empfand ich als etwas ausverschämt. Aber gelohnt hat sich der Besuch in jedem Falle, denn unvorstellbar schön waren die vielen Türme und Tempelgebäude mit ihren prächtigen Buddha-Figuren. Ein goldfarbener Turm stand neben dem anderen. Es war atemberaubend und ich hatte deshalb kräftig zu fotografieren. Leider war der Himmel als Hintergrund nicht blau sondern gräulich - bedingt durch den enormen Smog der Millionenstadt. Am Grand Palace gab es zum Glück keine weiteren Geschäftemacher. Ich verbrachte eine ziemlich lange Zeit hier; mit mir waren noch zahllose weitere Touristen auf dem Gelände. Es war wirklich beeindruckend. Anders kann man das nicht beschreiben. Das Laufen wurde aber mit der Zeit immer anstrengender.

Trotzdem fuhr ich dann anschließend noch in die Sukhumvit Road, wo ich mir zwei neue Tageszeitungen kaufte. Ich schaute auf meine Rolex-Uhr und erkannte, dass diese zum zweiten Mal stehen geblieben war. Dieses Mal glaubte ich den Grund hierfür zu kennen, denn genau wie damals bei der steilen Hügelbesteigung an der James-Bond-Beach schwitzte ich auch heute entsetzlich, dass mir der Schweiß wie Wasser vom Körper rann. In der Tat lief die Uhr dann wieder, als ich sie mit dem Ventilator getrocknet hatte. That's quality! Im wesentlich kälteren Deutschland werde ich dieses Problem dann bestimmt nicht mehr haben. Ich band jedenfalls jetzt meine alte Uhr wieder um, die nicht ständig stehen blieb.

Im Augenblick befand ich mich noch in der Sukhumvit Road, wo ich mir noch ein schönes langärmeliges Hemd von Lacoste für Baht 120 kaufte. Es sah täuschend echt aus. Mit der Buslinie Nr. 2 fuhr ich dann wieder zum Democracy Monument, von wo aus ich zurück zur Jugendherberge ging. Hier duschte ich und las auf dem Bett in der Zeitung. Abends stürzte ich mich noch einmal in den nächtlichen Trubel und kaufte mir ein Sicherheitsschloss für Baht 22 sowie große Plastikbeutel, die ich für den Rückflug brauchte, um darin meinen neu gekauften Rucksack zu verstauen. Ich ging dann wieder in das schöne Restaurant am Democracy Monument, wo ich speiste und wieder in mein Tagebuch schrieb. Bei der schlimmen Hitze hielt sich mein Appetit allerdings in Grenzen. Aber trinken musste ich unentwegt. Die eiskalten Colas liefen mir die Kehle wie Öl hinunter.

Auch dieser Tag in Bangkok neigte sich langsam dem Ende zu. Obwohl ich einiges zu tun hatte, war es mir doch etwas langweilig. Schade, dass die bisher so abwechslungsreich verlaufene Reise nun etwas unspektakulär zu Ende ging. Ich hatte noch immer sechs Tage in Bangkok vor mir, die ich mich natürlich beschäftigen musste. Ich will morgen aber unbedingt noch einmal in das Büro der Singapore Airlines gehen, um die minimale Chance wahrzunehmen, vielleicht doch noch einen Platz in einer frühen nach Amsterdam fliegenden Maschine zu bekommen. Der Versuch kostete schließlich nichts.

Meine kleine Allergie an den Armen war auch fast verschwunden. In meinem Zimmer in der Jugendherberge habe ich noch etwas gelesen. Von Schlaf war auch in dieser Nacht nicht die Rede - der Straßenlärm war extrem! Außerdem war das Bett ziemlich unbequem und die Hitze im Zimmer der absolute Wahnsinn. Als ob das noch nicht genug war, bellte auch noch der zum Haus gehörende Hund stundenlang. Aber irgendwann muss ich wohl doch so fertig gewesen sein, dass ich eingeschlafen bin.

Reportage: Das erholsame Paradies im Regenwald


103. Reisetag:
Dienstag, 11. April 1989

Jedenfalls klappte es mit dem Schlafen immer nur für eine kurze Zeit. Dann wachte ich grundsätzlich mit stechendem Durst auf und meistens war mir auch noch der Arm eingeschlafen. Der Lärm des Straßenverkehrs ließ spät nachts nur unwesentlich nach. In dieser Nacht ließ ich das Fenster zur Straße hin offen; so wehte hin und wieder eine kühlere Brise ins Zimmer.

Eigentlich wollte ich vor 9:00 Uhr nicht aufstehen; schon um 6:30 Uhr war ich munter und las noch in meinen Zeitungen. Später duschte ich und begab mich dann wieder auf Achse. Mit dem Bus fuhr ich zunächst wieder in die Phloen Chit Road, wo ich bei McDonald's frühstückte. Auch hier fielen mir die bewaffneten Uniformierten auf, die ich auch schon in den größeren Kaufhäusern gesehen hatte. Von McDonald's aus fuhr ich dann wieder in die Silom Road, um die letzte Chance wahrzunehmen, ein paar Tage eher nach Hause zu fliegen. Aber auch heute wurde mir bei Singapore Airlines nichts anderes mitgeteilt: Die Maschinen sind voll belegt. Mir blieb nichts anderes übrig, als noch bis Sonntag in Bangkok zu verweilen.

Als nächstes ging ich zum Friseur, wo mir die Haare gleich dreimal gewaschen wurden. Anschließend wurden sie geschnitten. Diese Prozedur kostete mich Baht 100. Ich spazierte dann bei extremer Hitze die Silom Road entlang, wo es aber auch nicht viel anders aussah, als in den Straßen, wo ich bereits gewesen bin. In der Thai Farmers Farm bekam ich noch einmal Geld gegen Eurocard. An meinen hessischen Freund Olaf schrieb ich dann die voraussichtlich letzte Ansichtskarte. Er hat am 19. April Geburtstag. Später fuhr ich dann noch einmal zum Indra-Hotel, wo ich aber keine neuen Zeitungen bekam.

Auf dem Weg zur Sukhumvit Road drehte sich mir der Magen einmal mehr um. Da arbeiteten doch tatsächlich Männer in der Straßenkanalisation. Sie hatten die Gitter Schutzgitter entfernt und standen fast bis zum Hals in der pechschwarzen Gossenflüssigkeit. Oh, dieser bestialische Gestank und dieser ekelerregende Anblick. Diese armen Männer, die so einem Job nachgehen müssen. Da hilft es auch nichts, wenn man sagt, so ein Job müsse auch erledigt werden. Das war schon menschenunwürdig! Ich kam nicht umhin, ein Foto von der Arbeit in der Gosse zu machen.

Im Zeitschriftenladen an der Sukhumvit Road kaufte ich mir dann die Welt vom letzten Sonnabend und die aktuelle englischsprachige Bangkok Post. Anschließend fuhr ich dann mit dem Bus zum Denkmal zurück. In meinem Zimmer in der Jugendherberge ruhte ich mich dann wieder etwas aus. Ich begann damit, meine entwickelten Fotos zu beschriften. Am Abend beobachtete ich dann vom UP-Restaurant aus, wie viele Busse mit der Nummer 59 zum Flughafen fahren. Innerhalb einer Stunde sah ich keinen einzigen! Hoffentlich gibt das nicht noch Schwierigkeiten, denn Freitag will ich schon Teile meines Gepäcks zum Flughafen bringen. Im UP-Restaurant speiste ich heute Abend Spaghetti mit Fleischsoße.

In der Jugendherberge duschte ich anschließend, schrieb Tagebuch und las in den Zeitungen. Wenig spektakulär. Wieder war ich der einzige Übernachtungsgast in dieser Herberge. Das liegt wohl daran, so habe ich mir erklären lassen, dass diese Jugendherberge relativ neu ist und wahrscheinlich noch nicht in allen Verzeichnissen notiert ist. Das Mädchen, dass abends in der Apotheke arbeitet, spricht gutes Englisch und gab mir so einige brauchbare Informationen. Im Zimmer war ich umsonst auf der Jagd nach einem wieselflinken Gecko. Von erholsamen Schlaf konnte auch in dieser Nacht nicht die Rede sein.

Thaiboxen-Reportage: Fäuste, Füße, Ellenbogen


104. Reisetag:
Mittwoch, 12. April 1989

Mein Bett war bretthart und schon am frühen Morgen konnte ich kaum mehr auf dem Rücken liegen. Trotz der Lautstärke des Verkehrs und trotz des harten Bettes gefiel es mir hier in der Jugendherberge und so verlängerte ich meinen Aufenthalt um weitere zwei Nächte.

Später verließ ich die Jugendherberge wieder und ging zunächst in die Khao San Road zum Frühstücken. Bei heißen Außentemperaturen entdeckte ich dann zu meiner Freude den Zubringerbus zum Flughafen, mit dem ich am Freitag erstes Gepäck transportieren wollte. Mit der Buslinie Nr. 2 fuhr ich dann abermals in die Phloen Chit Road, wo ich umsteigen musste. Heute Morgen herrschte ein derartig dichter Verkehr, dass der Bus fast fünfundvierzig Minuten für die sonst zwanzig Minuten lange Streckte brauchte. Von hier aus fuhr ich wieder in die Silom Road und von dort ging ich zu Fuß in die Sathorn Thai Road, wo sich die deutsche Botschaft befand. Ich musste eine mehrspurige Fahrbahn überqueren, in dessen Mitte sich auch noch ein Kanal befand. Wenn einem sein Leben lieb war, musste man auf ein Überqueren dieser Straße verzichten. Ich sah mich gezwungen, einen längeren Umweg zu gehen. Schließlich erreichte ich die Botschaft. Am Eingang der diplomatischen Vertretung wurde ich auf Waffen kontrolliert. Meine Tasche musste ich zurücklassen. Am nächsten Schalter befand sich dann bereits die Poststelle, wo Briefe von meiner Mutter und von meinem Freund Frank abholbereit lagen. Irgendeine Nachricht vom Krankenhaus, in dem ich arbeitete, gab es wieder nicht. Ich ging in eine Thai-Küche, wo ich die Briefe bei einer kalten Cola las. Frank hatte mir die Fußball-Ergebnisse aufgeschrieben, die ich mittlerweile aber schon von den Tageszeitungen her kannte. Meine Mutter schrieb mir von Terje, ihrem Kollegen im Gartenfachgeschäft, der am Rücken operiert werden musste. Im Laden gibt es jetzt auch ein neues Fahrzeug, um die Ware zu transportieren. Sie schrieb ferner, dass es wohl Anfang April so kalt gewesen sei wie im gesamten Winter nicht. Das kann ja noch heiter werden, wenn ich nach Hause komme. Eigentlich erwartete ich milde Frühlingstage!

Ich unternahm einen weiteren Versuch, die Schlangenfarm zu besuchen. Ich hatte wieder Pech: Dort war gerade Mittagspause. So musste ich eine Stunde warten. Die Farm befand sich im Garten des Rot-Kreuz-Krankenhauses. Den Schlangen wird hier Gift abgenommen, um es Gebissenen als Gegenmittel zu spritzen. Der Eintritt auf das Gelände betrug Baht 40. Der Besuch lohnte sich auf jeden Fall! In einem Gehege lagen die Giftschlangen im grünen Gras; einige hingen in den Bäumen oder lagen träge im Wasser. Zahllose weiße Mäuse gab es in diesem Gehege, die natürlich als Beute für die Schlangen dienten. Einmal packte eine Schlange blitzschnell zu und eine Maus verschwand in ihrem Schlund! Die Mäuse waren so dumm, dass sie sich sogar auf dem Rücken der Kriechtiere ausruhten und nicht in der Lage waren, die tödliche Gefahr, von der sie bedroht waren, instinktiv einzuschätzen.

Nach weiterer Wartezeit folgte um 14:30 Uhr eine Vorführung. Helfer holten Kobras aus dem Gehege und ärgerte die Tiere so lange, indem sie ihnen auf den hinteren Teil ihres Körpers traten, bis sie aggressiv wurden. Böse zischend erhob sich eine Kobra; drohend erhob sie ihren jetzt Kopf mit den aufgeblähten Wangen. Das sah schon imponierend aus. Jetzt wurden die Schlangen gemolken. Ihre Giftzähne wurden über ein Glas gestülpt und die Zuschauer konnten deutlich erkennen, wie das Gift in den Behälter lief. Zum Abschluss wurden einige Zuschauer eingeladen, sich eine riesige Würgeschlange um den Hals zu hängen und sich damit fotografieren zu lassen. Eine dicke Französin war ganz erpicht darauf, sich so eine Schlange umhängen zu lassen, was zur allgemeinen Erheiterung im Publikum beitrug.

Nach Ende der Vorstellung verließ ich die Schlangenfarm und fuhr kurz zu McDonald's und anschließend von dort in die Sukhumvit Road, wo ich mich wieder mit Zeitungen eindeckte. Gegen 16:30 Uhr kehrte ich wieder zur Jugendherberge zurück, wo ich mich nach der dringend notwendigen Dusche etwas ausruhte. Zu meiner großen Überraschung stellte ich dann fest, dass jemand das Nebenzimmer bezog. Ich war also nicht mehr der einzige Gast hier. Später lernte ich dann meinen Nachbarn kennen. Es handelte sich um den US-Amerikaner Marty, mit dem ich später in das allerdings vollbesetzte UP-Restaurant am Democracy Monument ging. Wir mussten einige Minuten warten, bis ein Tisch frei wurde. Ich genoss zur Abwechslung mal wieder die Möglichkeit, mich unterhalten zu können.

Zurück in der Jugendherberge beschriftete ich wieder meine Fotos und las in der Zeitung. Gegen 22:00 Uhr wurde ich sehr müde (kein Wunder!). Obwohl man meinen Schlaf auch in dieser Nacht alles andere als perfekt bezeichnen konnte, schlief ich doch besser als in den Nächten zuvor. Ich wurde von wirren Albträumen heimgesucht - so träumte ich von entgleisenden Zügen in Buchholz und einer Verfolgungsfahrt in der Sowjetunion. Wie kommt man nur in Thailand auf solch einen Quatsch?

Reportage: Lachen am rauschenden Bach


105. Reisetag:
Donnerstag, 13. April 1989

Neuer Rekord, was die Länge meiner Reise betrifft. Alles, was jetzt noch kommt, ist ein neuer Aufenthaltsrekord. Der Rekord des Vorjahres (104 Reisetage) ist heute überboten worden. Eine Leistung, auf die ich natürlich sehr stolz bin. Finanziell habe ich mich während meiner diesjährigen Tour leider übernommen - das steht jetzt schon fest.

In Thailand war heute mal wieder ein Feiertag: Songkran - der buddhistische Neujahrstag. Traditionell werden an diesem Tag die Passanten mit Wasser bespritzt. Trotz der Hitze war ich darauf gar nicht scharf, denn schließlich hatte ich meine Kamera und etliche Dokumente dabei, die nicht nass werden dürfen. In der nordthailändischen Stadt Chiang Mai ist dieses Fest ein Höhepunkt, welches sich gleich über drei Tage erstreckt. In Bangkok wird es nur einen Tag gefeiert.

Zunächst ging ich wieder zum Frühstück in die Nähe der Khao San Road. Beim Kaffee schrieb ich in mein Tagebuch. Später stürzte ich mich in den allgemeinen Trubel und kaufte etwas ein. Ich kaufte mir noch ein Oberhemd sowie einige Luftpostbriefumschläge. Meinen geplanten Besuch im Nationalmuseum ließ ich ausfallen. Museen haben bei mir leider noch nie eine Begeisterungseuphorie ausgelöst. Immer wieder musste ich etwas trinken, denn der Schweiß rann mir in wahren Bächen aus den Poren. Kurzentschlossen packte ich dann meine Reisetasche zusammen und machte mich auf den Weg, diese bereits zum Flughafen zu bringen. Mit irgend etwas musste ich mich einfach beschäftigen.

Am Democracy Monument wartete ich dann einige Zeit auf meinen Bus. Aber zum Glück sah ich hier noch andere Traveller, die ebenfalls zum Airport wollten. Die Linie 59 brauchte knapp über eine Stunde bis zum Don Muang-Airport. Es war sehr eng im Bus und so war es nur ratsam, wenn ich am Sonntag nicht alles Gepäck auf einmal transportieren musste.

Plötzlich klatschte etwas gegen den Bus: Kinder standen mit prall gefüllten 10-Liter-Eimern am Straßenrand und spritzten das Nass in die offenen Busfenster. Für die Kinder war das natürlich eine Gaudi. In erster Linie wurde weißgefärbtes Kalkwasser benutzt und so hatten die meisten Passanten weiß-graue Zombiegesichter. Auch die Kleidung der Leute bekam die typische Neujahrstradition zu spüren.

Wir erreichten den Flughafen. Dort gab ich meine Tasche ab, was mich stolze Baht 20 pro Tag kostete. Mit den Touristen wird kräftig Geld gemacht. Schon kurz darauf fuhr ich wieder in die Khao San Road zurück. In der Jugendherberge sind weitere Gäste eingetroffen. Ehrlich gesagt: Mir gefällt diese Unterkunft von Tag zu Tag besser. Ich ruhte mich etwas auf dem Bett aus. Zusammen mit Marty, dem Kalifornier aus Anaheim Hills, der im Nebenzimmer schlief, ging ich am Abend wieder in das UP-Restaurant am Denkmal. Das Essen schmeckte wieder ausgezeichnet. Auf dem Rückweg mussten wir dann an jeder Ecke vor Wasserspritzern aufpassen.

Zurück in der Jugendherberge genoss ich dann wieder das Lesen der Zeitungen. In Bangkok ist ein japanischer Tourist vor etwa einer Woche tot geschlagen worden; in der Sukhumvit Road ist ein Schweizer Geschäftsmann erschossen worden. In der Fußball-Bundesliga spielten Bayern München und Werder Bremen 0:0 und auch Verfolger 1. FC Köln spielte nur 2:2 beim 1. FC Kaiserslautern. Der Hamburger SV gewann bei Bayer Uerdingen mit 2:0 und überraschend besiegten die Stuttgarter Kickers die Elf von Borussia Mönchengladbach mit 3:0. Im Viertelfinale des Tennis-Davis-Cup gewann Deutschland mit 3:2 in der Tschechoslowakei.

Schließlich legte ich die Zeitung zur Seite. Es haperte dann wieder mit dem Einschlafen, aber dieses Problem werde ich in Thailand wohl nicht mehr in den Griff bekommen.

Reportage: Logistik-Albtraum im goldenen Land


106. Reisetag:
Freitag, 14. April 1989

Bisher habe ich die Tage in Bangkok ohne Alex' Begleitung doch unerwartet gut über die Runden gebracht. Langweilig war es eigentlich nie. Auch heute war ich wieder stundenlang beschäftigt, obwohl sich die täglichen Aktivitäten zunehmend wiederholten.

Schon um 6:00 Uhr verließ ich mein Bett. Ich duschte kurz und legte mich noch einen Moment hin, döste vor mich hin oder las in meinen Zeitungen. Schon komisch: Fern der Heimat las ich jedes einzelne Wort in den Zeitungen, während ich die Texte zu Hause eher überflog. Später spülte ich wieder meine Wäsche. Dann rief ich die deutsche Botschaft an, wo ich mich danach erkundigte, ob weitere Post eingegangen war, was allerdings nicht der Fall war. So konnte ich mir den Weg dorthin sparen.

Der Amerikaner Marty musste heute zu einem Reisebüro in die Silom Road und so gingen wir gemeinsam zur Bushaltestelle. Ich fuhr aber wieder in die Sukhumvit Road, wo ich weitere T-Shirts, ein Oberhemd, zwei Unterhosen, zwei Boxershorts und zwei Paar Socken kaufte. Weiß der Himmel, wie ich all diese Einkäufe ins Flugzeug und dann auch noch nach Hause bekommen sollte.

Es war schon fast Mittagszeit und ich hatte etwas Hunger. Deshalb ging ich zum zweiten Mal in das deutsche Restaurant Haus München in der 15. Straße, wo ich mir einen leckeren Strammen Max bestellte. dazu trank ich zwei Bier vom Fass - mal etwas anderes! Dabei las ich das ausgelegte Stern-Magazin. In der Thai Farmers Bank tauschte ich einmal mehr Bargeld gegen Vorlage meiner Kreditkarte. Bis alles geprüft war, musste ich einige Zeit warten. Mein Konto daheim ist jetzt schon erheblich überzogen. Anschließend kaufte ich mir für Baht 70 die Bild-Zeitung (eine andere deutschsprachige Zeitung war leider nicht erhältlich) sowie die englischsprachige Bangkok Post für Baht 10.

Mit dem Bus fuhr ich dann wieder zum Democracy Monument zurück. Das Fahrzeug war brechend voll und man konnte sich praktisch nicht bewegen. In der Jugendherberge musste ich dringend unter die Dusche; auch heute war es wieder sehr heiß. Dann ruhte ich mich beim Lesen der Zeitung aus. In der Fußball-WM-Qualifikation gab es sensationelle Resultate. Die DDR verlor in Magdeburg gegen die Türkei mit 0:2 und verspielte damit die letzte Chance, sich für die Weltmeisterschaft in Italien zu qualifizieren. In Budapest erreichte Ungarn nur ein 1:1 gegen Malta! Bayer Leverkusen hat nach einer Niederlagenserie Trainer Rinus Michels entlassen. In der 2. Fußball-Bundesliga hat Darmstadt 98 -als Abstiegskandidat gehandelt- eine eindrucksvolle 10:0-Punkte-Serie hingelegt. Die Temperaturen in Norddeutschland sind mit 20 °C sehr angenehm. Hoffentlich ändert sich das nicht noch bis zu meiner Rückkehr.

Zum Tagebuchschreiben setzte ich mich in den Garten der Jugendherberge. Von Marty war nichts zu sehen oder zu hören. Deshalb ging ich gegen 19:00 Uhr allein in das UP-Restaurant, wo ich Huhn mit Cashewnüssen aß. Ein thailändischer Gast machte Theater und die Polizei musste auf ihn einreden. Ich verstand natürlich nicht, worum es geht.

Nach einem Tag in Bangkok, der wieder heiter bis wolkig, heiß und niederschlagsfrei gewesen ist, ging ich in das Haus zurück. Das Wetter in Thailand ist schon einmalig. Während der Monsun-Zeit muss Bangkok allerdings mit überfluteten Straßen rechnen. Da wähle ich dann doch lieber die enorme Hitze!

Auf meinem Zimmer habe ich noch in den Zeitungen gelesen und anschließend versucht, trotz des extremen Straßenlärms Schlaf zu finden.

Reportage: Musst versuchen, rauszukommen


107. Reisetag:
Sonnabend, 15. April 1989

Meine Reise neigt sich jetzt spürbar dem Ende zu. Unter dem morgigen Reisetag werde ich ein kleines Resümee dieser Tour abgeben. Zusammen mit dem US-Amerikaner Marty fuhr ich schon zeitig in die Sukhumvit Road, wo wir im deutschen Restaurant By Otto frühstückten und zwar ganz vorzüglich! Nach schier endloser Zeit erhielt ich mal wieder die Möglichkeit, Brötchen, Brot, Aufschnitt und Kännchen-Kaffee zu bekommen. Allerdings war die thailändische Bedienung nicht besonders freundlich. Es war sehr erholsam, dem Lärm und der Hektik für kurze Zeit zu entfliehen. Man merkte den Lärmpegel dieser Stadt erst richtig, wenn es, wie in diesem Restaurant, total ruhig war.

Nach dem Frühstück gingen Marty und ich getrennte Wege. Meinen letzten Fotofilm brachte ich anschließend noch zur Entwicklung. Ich kaufte mir die Zeitungen und fuhr noch einmal in die Silom Road, wo ich mich bei Singapore Airlines vergewisserte, ob sich an den morgigen Flugdaten etwas geändert hat. Das war nicht der Fall.

Als ich dann auf einer Straßenbank eine Schokoladenmilch trank, wurde ich sofort wieder angequatscht. Ein Thai erläuterte mir, dass er kein Geld habe und ich ihm doch bitte Baht 10 geben solle. Dafür wolle er mich nach Hause einladen. Ich lehnte beides dankend ab. In der Nähe des Indra-Hotels kaufte ich mir noch zwei Taschentücher für Baht 15, einen Jogginganzug für Baht 190 und drei T-Shirts für zusammen Baht 100. Zum Schluss ließ ich mir noch Briefpapier mit meinem Namen und meiner Adresse drucken. Für zweihundert Blätter bedrucktes Briefpapier zahlte ich Bat 500. Jetzt musste ich mein Geld aber bis morgen unbedingt zusammen halten. Hatte ich das in den letzten Tagen und Wochen nicht schon öfter gewollt?

Ich fuhr mit dem Bus zurück und stellte überraschend fest, dass am Democracy Monument der Verkehr ruhte. Es war plötzlich geisterhaft still hier. Was war los? Ich entdeckte überall Polizisten. Der Grund war, dass der König in einem gelben Wagen die Straße befuhr. Ehrfurchtsvoll verneigten sich die Thais entlang der Straße.

In der Jugendherberge ruhte ich mich dann auf meinem Zimmer beim Zeitungslesen aus. Gegen 16:00 Uhr fuhr ich dann nochmals in die Sukhumvit Road, wo ich meine Fotos abholen wollte, die aber noch nicht ganz fertig waren. So nutzte ich die Wartezeit, um in einem deutschen Restaurant ein "Bauernfrühstück" zu essen. Die entwickelten Fotos waren gut gelungen und ziemlich lustig. Anschließend holte ich noch das fertig bedruckte Briefpapier ab. Zusammen mit Marty, dem Amerikaner, drehte ich später noch eine Runde in der Khao San Road, aber zum Laufen und zum Bummeln in den Geschäften hatte ich jetzt keine große Lust mehr. Während Marty noch sehr unternehmungslustig wirkte, ging ich bald wieder in die Jugendherberge zurück, die übrigens immer voller wird. Ich duschte noch und legte mich bald wieder aufs Ohr. Es war meine letzte Nacht im lauten Bangkok.

Reportage: Hektisch, hässlich, schön


108. Reisetag:
Sonntag, 16. April 1989

Und hier nun die bereits angekündigte Bilanz meines 15 ˝ - wöchigen Megatrips, der in seiner Länge einen neuen Rekord aufstellte. Es ist viel passiert in der Zeit, seit ich am 29. Dezember in der ungemütliche Wartehalle des Harburger Bahnhofes gesessen hatte, wo ich auf den Nachtzug nach Frankfurt/Main gewartet habe. Von Frankfurt aus flog ich nach Übersee. Es gibt überhaupt keinen Grund, mit dieser dritten Reise ans andere Ende der Welt unzufrieden zu sein. Selbstverständlich kann eine solche "Auf-eigene-Faust-Tour" nicht ohne Probleme ablaufen, aber diese hielten sich in Grenzen und haben die Reise an sich nie gefährdet! Wenn man etwas Abstand gewonnen hatte, wenn ein paar Tage verstrichen waren, sahen viele dieser angeblichen Probleme viel kleiner aus und häufig musste ich darüber später lachen. Im Prinzip kann ich jetzt sogar über den katastrophalen Mietwagen lächeln, den ich auf Tasmanien hatte. Sogar an die extreme Hektik in Thailand, die vielen Hindernissen, mit denen ich hier konfrontiert wurde, waren nach ein paar Tagen gar nicht mehr so schlimm.

Regelrechte Schwachpunkte oder anhaltende Tiefs hat es während dieser Reise eigentlich überhaupt nicht gegeben. Es gab aber viel mehr herausragende Tage als auf den Reisen in den beiden letzten Jahren. Doch was waren die herausragenden Höhepunkte der vergangenen Reisewochen? Klar: Der abenteuerliche Kanutrip auf dem Wanganui River mit dem Finnen Juha und die abwechslungsreiche Autotour mit den Berlinern Axel und Stefan durch das australische Outback und entlang der Ostküste. Aber auch meine Tasmanien-Rundreise war ein Highlight dieser Reise; nicht zu vergessen die Besuche bei Peter R. Holland in Melbourne mit Jon Stephenson in Auckland, bei Marian van der Kroon in Federal und bei Peter Borroughs in Hamilton. Und da war auch das Wiedersehen mit der Murphy-Familie im neuseeländischen Waverley oder gar die irre Massage in Bangkok! Da waren die vielen hilfsbereiten "Kiwis", die mich beim Trampen in Neuseeland mitgenommen haben, die atemberaubend schönen Naturlandschaften und natürlich auch das überdurchschnittlich gute Wetter während der gesamten Tour. All das wird mir unvergesslich bleiben!

Bedauerlich waren die Differenzen, die es zwischenzeitlich leider immer mal wieder gab und wobei ich immer eine gewisse Mitschuld trug. Damit meine ich die unschönen Szenen mit Gunilla, Elizabeth und Anna auf Tahiti oder die unnötigen Streitereien mit Axel zum Ende der Australien-Tour hin. Unstimmigkeiten gab es auch zwischen Alex und mir hier in Thailand. Alles überflüssig wie ein Kropf und es kostete nur unnötig Energie, die man für andere Dinge besser gebrauchen hätte können. Auch der Abschied von der Murphy-Farm verlief wenig zufriedenstellend.

All zu viele Briefkontakte wird es nach dieser Reise vermutlich nicht geben. An den Smalltalk-Unterhaltungen in den Jugendherbergen war ich in diesem Jahr weniger interessiert. Aber das empfand ich nicht als Problem. Viel wichtiger war, dass ich bei dieser Reise die Möglichkeit gehabt habe, eine jeweils längere Zeit mit Freunden und Bekannten zu verbringen! Die alten Freundschaften werden gewiss bestehen bleiben.

Wie schon einige Male betont, habe ich mich auf dieser Reise finanziell übernommen, obwohl ich einen guten Reiseetat zur Verfügung hatte. Ich habe aber das Geld nicht sinnlos zum Fenster hinaus geworfen, aber ich habe mir einiges geleistet, was vorher nicht zur Debatte gestanden hatte. Damit meine ich die neue Nikon-Kamera, die ich mir in Auckland zugelegt hatte, nachdem mein alter Fotoapparat nach einem sinnflutartigen Regen den Geist aufgegeben hatte. Fotofilme habe ich kaufen müssen und die Filme habe ich bereits hier entwickeln lassen. Auch die Automieten waren vorher nicht eingeplant gewesen und haben Geld gekostet (erst recht die Chrysler-Miete auf Tasmanien, die ich ganz allein habe finanzieren müssen). Die nicht im Haushalt eingeplanten Kosten für den Hin- und Rückflug von und nach Tasmanien dürfen nicht unerwähnt bleiben. Auf gutes Essen habe ich ebenfalls nicht verzichtet. Hätte es nicht auch mal eine Scheibe Brot sein können? Natürlich müssen auch die extrem vielen Einkäufe in Thailand erwähnt werden, die zwar preisgünstig waren, aber auch Geld gekostet haben. Hier in Bangkok habe ich mich praktisch neu eingekleidet! Diese Schnäppchen durfte man sich nicht entgehen lassen. - Nie zuvor habe ich meine Kreditkarte häufiger benutzt, als in den letzten Wochen und Monaten. Erstmals habe ich sogar Bargeld mit meiner MasterCard abgehoben, was aber einiges an Gebühren kostete.

Bis auf zwei Tage in Neuseeland bin ich von Krankheiten verschont geblieben. Ebenfalls ein Pluspunkt! Das braucht sich auch in den letzten, noch verbleibenden Tagen nicht mehr ändern. Übernachtet habe ich auf dieser Reise in Jugendherbergen, auf Zeltplätzen (Motorcamps), in der Wildnis, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Gästehäusern, in Motels und Hotels sowie in Hütten. Welche eine Vielfalt! Unterwegs war ich im Flugzeug, im Auto, im Bus, auf dem Schiff (Fähre), in der Straßenbahn, auf dem Fahrrad, im Kanu, auf dem Motorrad und in der Eisenbahn.

Ich bin absolut stolz auf meine drei Reisen in diesem und in den beiden letzten Jahren. Immer habe ich viel Neues hinzulernen dürfen. Diese Erfahrung kann mir jetzt niemand mehr nehmen und dieses Reisetagebuch soll ein Ansporn für all diejenigen sein, die Zweifel haben, eine solche Reise anzutreten.

In diesem Reisetagebuch habe ich trotz aller Ausführlichkeit nicht alle Anekdoten niederschreiben können, die ich so erleben durfte. Irgendwo muss eine Grenze sein. Aber es hat noch so viel mehr gegeben, dass es verdient gehabt hätte, erwähnt zu werden. Die große Frage heißt jetzt: Was passiert nach meiner Rückkehr? Da gibt es noch viele, wenig angenehme Unklarheiten. Zunächst werde ich wieder bei meiner Mutter einziehen - aber für wie lange? Wo werde ich ein Zimmer oder eine Wohnung finden? Wie sieht es mit einer neuen Arbeit aus, an die ich im Moment so gar nicht denken mag. Nach den Differenzen im letzten Jahr werde ich wohl nicht mehr ins Krankenhaus zurück gehen. In einer anderen Stadt arbeiten und dort wohnen, kommt für mich ebenfalls nicht in Frage. Aber um eine mögliche neue Reise zu finanzieren, muss ein neuer Job her und das möglichst bald. Interessieren würden mich noch viele andere schöne Flecken auf dieser Erde. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde ich aber im kommenden Winter nicht wieder verreisen. Wohl auch dann nicht, wenn ausreichend Geld vorhanden sein sollte. Aber mich würden natürlich noch Alaska, West-Kanada und die Westküste der USA interessieren.

Erfahrungsgemäß kommt nach einer jeden Reise zu Hause der große Tiefpunkt. Zu viele bürokratische Dinge sind gleich am Anfang zu erledigen: Arbeitsamt, Krankenversicherung, Wohnungssuche, Lohnsteuerjahresausgleich und manches mehr. Ich hoffe, noch lange von dieser wunderbaren Reise zähren zu können. Ich habe während dieser Zeit viel geleistet und dieses muss ich jetzt auch daheim schaffen.

Ich freue mich sogar ein wenig aufs Zuhause. Meinen Hund Wurzel habe ich so vermisst - ich freue mich, das treue Tier wiederzusehen. Hoffentlich ist er gesund und munter. Schon Mittwoch gibt es wieder Fußball im Fernsehen! - An dieser Stelle will ich mein kleines Resümee beenden, denn noch befand ich mich in der thailändischen Hauptstadt Bangkok und auch am heutigen Sonntag gab es einen Tagesablauf, den ich schildern möchte. Dass ich die eine Woche (nach Alex' Abflug) doch noch in Bangkok geblieben bin, war letztendlich die richtige Entscheidung gewesen. Ich hatte praktisch überhaupt keine Probleme damit, die Zeit sinnvoll zu füllen.

Heute Morgen bemerkte ich, dass Marty, mein Zimmernachbar in der Jugendherberge, abgereist war. Schade, er hat sich nicht verabschiedet. Er musste frühzeitig das Haus verlassen haben. Ich blieb bis gegen 9:00 Uhr im Bett, auch wenn mir das bei der Hitze schwer fiel. Zunächst ging ich aber unter die Dusche. Ich nahm dann wieder ein kleines Frühstück ein und fuhr mit dem Bus in die Sukhumvit Road, wo ich mir zwei ziemlich aktuelle Tageszeitungen kaufte. In der tagesaktuellen Bangkok Post las ich erschreckt auf der Titelseite, dass es beim englischen Fußballpokalspiel FC Liverpool - Nottingham Forrest mit über neunzig Toten zu einer Stadionkatastrophe gekommen ist. Das Spiel hatte in Sheffield stattgefunden. Eine Mauer im Stadion war plötzlich eingestürzt, worauf eine Panik entstand. Im englischen Fußball will einfach keine Ruhe eintreten. Erst letzte Woche erlaubte die UEFA wieder die Teilnahme englischer Vereine im Europapokal. - In der Fußball-Bundesliga erreichte Bayern München ein 1:1 bei Borussia Dortmund. Verfolger 1. FC Köln schaffte nur ein 0:0 bei Bayer Leverkusen, während der Hamburger SV den 1. FC Nürnberg mit 3:2 besiegte. - Weitere Neuigkeiten aus der Zeitung: Gerhard Stoltenberg wird für Rupert Scholz Verteidigungsminister und Theo Waigel wird Minister für Finanzen.

Ich bin wieder in die Jugendherberge zurück gefahren. Stechender Durst suchte mich heim und so musste ich dringend etwas trinken. Dann begann ich damit, meine Klamotten zusammen zu packen. Wider Erwarten passte doch alles recht gut in den Rucksack. Ich war überrascht. Mein treuer blauer Begleiter hat wirklich ein erstaunliches Volumen. Ich brachte noch die leeren Pfandflaschen zurück und brachte die Zeit bis kurz nach 15:00 Uhr irgendwie über die Runden. Was sollte ich jetzt auch noch anderes tun, als zum Flughafen zu fahren? Ich hob meinen Rucksack auf meinen Rücken - ich spürte jedes Kilo Gewicht! Den neu gekauften Rucksack trug ich -in Plastiktüten verpackt- an der Hand.

Unerwartet gut klappte der folgende Transport zum Flughafen. Der Bus kam sofort und da dieser nicht voll war, fand ich sofort einen Sitzplatz. Super! So bleibt mir Bangkok doch noch in guter Erinnerung. Auf dem Internationalen Flughafen von Bangkok, Don Muang, holte ich dann zunächst meine am Donnerstag abgebebene Reisetasche ab. Bis zum geplanten Abflug um 0:15 Uhr hatte ich noch reichlich Zeit. Es war jetzt erst 16:30 Uhr! So beschäftigte ich mich mit Zeitungslesen und Tagebuchschreiben.

So langsam wurde ich etwas wehmütig. Auf der Anzeigetafel stand jetzt "Amsterdam" und nicht mehr "Auckland" oder "Sydney". Irgendwie verging die Zeit. Um 22:15 Uhr checkte ich dann am Schalter von Singapore Airlines ein. Vor und hinter mir hatte sich schon eine lange Schlange gebildet. Das Gesamtgewicht aller drei Gepäckstücke betrug 24,5 kg. Mir wurde netterweise signalisiert, dass das Übergewicht kein Problem sei; gewöhnlich sind nur 20 kg erlaubt - alles, was darüber liegt, ist eigentlich mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Die Flughafensteuer in Höhe von Baht 150 zahlte ich anschließend. Vom Gepäck erleichtert, ging ich dann noch einen Happen essen. Problemlos erfolgte die Zollabfertigung. In der Wartehalle sammelten sich die Menschen. Alle warteten auf den Start des Fluges SQ 24 von Singapur über Bangkok und Rom nach Amsterdam. Jetzt war es Mitternacht.

Phuket-Reportage: Zauberei, Magie und grüne Chilis


109. Reisetag:
Montag, 17. April 1989

Eine Stewardess rief dann alle Passagiere dazu auf, an Bord zu gehen und wie immer entstand ein Gedränge, als ob man keinen Platz mehr bekommen würde. Ich hatte keinen besonders guten Sitzplatz, denn ich saß in der Mittelreihe am Gang. Die Klimaanlage sorgte für unangenehme und völlig unnötige Kälte. Mit geringer Verspätung hob die Boing um 0:30 Uhr ab. Das Thema "Thailand" war beendet.

Ich war bereits ziemlich müde und so ließ ich mir eine Decke reichen. Vorher wurden von der Crew aber noch Getränke ausgeteilt. Anschließend gab es noch ein recht reichhaltiges Essen. Da der Flug über Rom ging, waren auch viele Italiener an Bord. Während der Nacht war es sehr ruhig. Gegen 2:00 Uhr mochte ich wohl eingeschlafen sein. Ich wachte zwar immer wieder auf und hatte Durst, aber ich konnte doch einige Stunden schlafen. Fast während des gesamten Fluges nach Rom herrschte draußen Dunkelheit. Morgens gab es dann wieder Frühstück. Ich vertrieb mir den 12-stündigen Flug mit Lesen.

In Rom/Italien landeten wir gegen 7:30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Der Flug war zum Ende hin recht unruhig gewesen. Es gab eine Reihe von Turbulenzen. In Rom hatten wir dann über eine Stunde Aufenthalt. Dann ging es gegen 9:00 Uhr weiter nach Amsterdam. Abermals wurde ein Frühstück gereicht. Ich aß jetzt nur noch aus Langeweile. Auf dem Flug in die Niederlande war in den letzten beiden Jahren immer etwas passiert. Vor zwei Jahren schaffte ich während des Sinkfluges den Druckausgleich nicht und war für einige Tage praktisch taub, was auch daran lag, dass ich erkältet gewesen bin. Im vergangenen Jahr fiel mir eine Zahnkrone heraus und mein Gepäck war anschließend in Amsterdam verschwunden. Es gab damals auch keine Zugverbindung nach Buchholz mehr und so musste ich die Nacht in der Amsterdamer Jugendherberge verbringen. Und was passierte dieses Jahr? Bei der Landung hatte der Pilot solche Mühe, so dass die Boing der Singapore Airlines mit einem wirklich unangenehm schweren Aufsetzer landete. Einige Passagiere an Bord schrieen sogar kurz auf. Das war die mit Abstand schlechteste Landung, die ich jemals mitgemacht hatte.

In Amsterdam war es mit nur 6 °C erbärmlich kalt. Gestern hatte ich in Bangkok noch 36 °C; heute 6 °C! Krasser können Gegensätze wohl kaum sein. Es war jetzt etwa 11:00 Uhr und es dauerte einige Zeit, bis die Passagiere das Flugzeug verlassen konnten. Ich war wieder in Europa! Dabei wusste ich nicht, ob ich mich nun freuen sollte oder nicht. Ich spazierte nun zum Gepäcklaufband. Auch hier hatte ich eine ziemlich lange Zeit zu warten und so befürchtete ich zunächst, wieder ohne Gepäck dazustehen. Das war aber zum Glück nicht der Fall, denn schließlich kamen alle meine Gepäckstücke zusammen und ich konnte ohne weitere Kontrolle durch den Zoll gehen. Alles klappte ausgezeichnet.

Ich ging direkt auf den Bahnhof von Schiphol. Hier bekam ich an der Information die Auskunft, dass ich nicht vor 13:35 Uhr fahren könne. In Buchholz würde ich dann nicht vor 20:09 Uhr eintreffen. Reichlich spät für meinen Geschmack. Aber ich hatte keine Wahl. Ich wechselte noch einen Reisescheck und bezahlte anschließend die Fahrkarte. Jetzt war es 12:40 Uhr und ich hatte Gelegenheit, meine Mutter in Buchholz über meine Ankunft am Abend zu verständigen. Sie berichtete, dass meine Schwester bereits alle bei meiner Oma in Harburg deponierten Sachen nach Buchholz gebracht hat. Das war eine gute Nachricht. Ich würde nämlich in den Tagen noch genug anderes zu tun haben.

Die Menschen im Bahnhof von Amsterdam-Schiphol liefen dick angezogen herum; einige trugen sogar einen Schal. Wenigstens regnete es nicht - die Sonne schien trotz der Kälte. Bin mal gespannt, ob ich diesen enormen Temperatursturz ohne Erkältung überstehen werde. Ich gab noch meine letzten Gulden aus, indem ich ein Hot Dog aß und eine Cola trank. Um 13:35 Uhr fuhr ich dann mit dem D-Zug in Richtung Osnabrück. Es ist schon ein Unterschied, wenn man jetzt durch das Abteilfenster ganz andere Landschaftsbilder sieht. Kahle Bäume und nirgendwo mehr ein Thai, der mir Diamanten verkaufen wollte, kein Tuk-Tuk fuhr an mir vorbei und kein Känguru querte hier mehr die Straße.

Die Stadt Osnabrück erreichte ich pünktlich um 17:13 Uhr. Ich wechselte den Bahnsteig und kaufte mir ein paar Zeitungen. Mit dem Intercity fuhr ich anschließend nach Bremen. Über meine Reise ist jetzt alles gesagt und geschrieben worden. Bevor ich nach Buchholz zurück kehre, möchte ich dieses Reisetagebuch abschließen. Ich sitze jetzt auf dem Bremer Hauptbahnhof und warte jämmerlich frierend auf den Eilzug nach Buchholz. Ich bin in einer wehmütigen Stimmung ...

An Fahrt-, Flug-, Transportkosten sind mir folgende Kosten entstanden:
a.) Flugzeug: DM 3.806,-- und $AUS 139,--
b.) Automiete Tahiti: CFP 2.500,-- und CFP 125,-- (Treibstoff)
c.) Automiete Australien: $AUS 124,-- und $AUS 59,06 (Treibstoff)
d.) Automiete Tasmanien: $AUS 363,-- und $AUS 147,28 (Treibstoff)
e.) Motorradmiete Thailand: Baht 250,--
f.) Öffentliche Verkehrsmittel: DM 128,--; hfl 102,40; $AUS 120,10; $US 14,30; $NZ 61,40; Baht 1.337,-- und CFP 3.420,--

Wechselkurse: Insgesamt ausgegebenes Geld in der Landeswährung: Umrechnung in DM:
./. DM 3.934,-- DM 3.934,--
1,64387 CFP 6.045,-- DM 99,37
157,09327 $AUS 952,44 DM 1.496,22
118,54673 $NZ 61,40 DM 72,79
182,42620 $US 14,30 DM 26,09
0,9324218 hfl 102,40 DM 95,48
7,53682 Baht 1.587,-- DM 119,61
./. ./. DM 5.843,56 bzw. € 2.988,98


© M. Schubert

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