Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand - Und knieend kommt der Tee daher

Und knieend kommt der Tee daher

Luxus-Kreuzfahrt auf Schienen: Mit dem Eastern & Oriental Express von Bangkok nach Singapur

Ganz, ganz langsam rollt der Zug auf die Brücke zu, die mit ihrem mächtigen Eisengestänge den Fluss tief da unten in der Schlucht überspannt. Wir Passagiere sind ausgestiegen, stehen an der Uferböschung und schauen zu, wie sich die lange Schlange grüner Waggons über die Brücke schiebt, dahinter im Dschungel verschwindet - und dann nach wenigen Minuten ebenso langsam wieder zurückkommt, auf die wartende Menge zu. Fotoapparate klicken. Videokameras surren. Diese Brücke ist keine Brücke wie andere auch. Erst durch den Krieg, dann durch den Film wurde sie zur Legende: die Brücke am Kwai in Thailand.

Auch der Zug, der nur für diesen Fototermin von seiner Route abweicht und uns Passagiere dann bei der Brücke ein Boot besteigen lässt, um den River Kwai bis zum nächsten Bahnhof zu befahren, ist kein Zug wie jeder andere. Er ist einer der berühmtesten Luxuszüge der Welt, der Eastern & Oriental Express. Der Abstecher zur Brücke am Kwai gehört zum Programm einer Reise mit diesem Zug durch den schönsten Teil Südostasiens.

Wer diesen Zug besteigt, hat es nicht eilig. Mit diesem Express fährt man nicht nur von Bangkok nach Singapur oder umgekehrt rund 2.000 Kilometer über die ganze malayische Halbinsel - eine Reise mit diesem Zug ist eine Kreuzfahrt auf Schienen. Und wie bei einer "richtigen" Kreuzfahrt auf dem Wasser gibt es Ausflüge links und rechts der Strecke zu besonderen Sehenswürdigkeiten in Thailand und Malaysia, den beiden Ländern, die der Eastern & Oriental Express durchquert.

Der letzte Wagen, halb klimatisierter Barwagen, halb offener Aussichtswagen, ist der beliebteste Platz im ganzen Zug - obschon man hier der Hitze und dem vom Fahrtwind aufgewirbelten Staub ungeschützt ausgesetzt ist. Aber von hier aus können wir den Kindern entlang der Strecke zuwinken, können versuchen, im Vorbeifahren ein paar Fotos zu machen.

Mittags wird der Lunch in den beiden Speisewagen serviert. Orchideensträuße auf jedem Tisch, ebenso wie übrigens in jedem Abteil, auf jedem Ecktischchen in den Gängen des Zuges. Während draußen Reisfelder vorbeiziehen, in denen schwarze Wasserbüffel vor dem Pflug gehen, lassen wir uns Rindsmedaillons mit Ingwer und Zitronengrassauce bringen.

Der Nachmittagstee wird wie das Frühstück im Abteil serviert. Der Steward kniet vor uns nieder, um das Tablett abzustellen - anders kann er der thailändischen Höflichkeit nicht Genüge tun, die ihm verbietet, unseren Kopf zu überragen, wenn wir vor ihm sitzen. Auch noch spät am Abend kann der Fahrtwind auf der Aussichtsplattform kaum Kühlung bringen. Die Temperatur mag immer noch zwischen 30 und 35 Grad liegen, während der Express durch das Dunkel der Dschungelnacht rattert. Kurz nach sechs Uhr in der Früh stehen wir wieder auf der offenen Plattform, schauen zu, wie im kurzen Dämmern des Morgens das Leben in den kleinen Dörfern, in den Plantagen erwacht und wie die Sonne unfassbar schnell hinter wild geschwungenen Bergen auftaucht.

Der Zug schlängelt sich durch das Bergland der Grenze von Malaysia entgegen. Manchmal streifen Bananenblätter die Waggons entlang. Lianen baumeln von den Bäumen herunter, in jeder Kurve stehen wir vom Zugende vor uns die grüne Schlange mit dem beigefarbenen Streifen.

Durch ein großes Tor gleiten wir später in den Grenzbahnhof. Malaysia ist anders, das sehen und spüren wir bald. Nicht mehr goldblitzende Tempel und Pagoden sind in den Dörfern zu sehen, sondern Moscheen und Minarette, und Thailands Schienensystem schien besser zu sein. Der Zug fährt jetzt unruhiger, schlägt in ausgefahrenen Gleisen hin und her. Zur Abwechslung besteigen wir in Butterworth die Fähre nach Georgetown, der Hauptstadt der vorgelagerten Insel Penang. Stadtbesichtigung mit Fahrrad-Rikschas steht auf dem Programm - erste Begegnung mit einer chinesisch geprägten Umwelt. Tagsüber ist zwangloses Habit angesagt im Zug, dem tropischen Klima angemessen, doch Jeans sind verpönt. Am Abend aber, zum Dinner und nachher im Barwagen, ist Eleganz erwünscht: Dunkler Anzug, elegantes Abendkleid.

Das Ende der Reise kommt viel zu schnell am dritten Morgen. Bei einem Halt steigen Grenzbeamte von Singapur ein, setzen sich in einen der Restaurantwagen und stempeln die Pässe. Unübersehbar ist der Hinweis auf die in Singapur bei Drogenbesitz drohende Todesstrafe, den wir später mit den Pässen ausgehändigt bekommen.

Hinter den Hochhäusern von Johor Baru glitzert das Meer, der Zug gleitet zur Insel Singapur hinüber, läuft zwischen Orchideen und blühenden Bougainvilleen in den Bahnhof Keppel ein. Und während die Koffer ausgeladen werden, stellt sich das Personal, 87 Personen, vom Zugmanager über den Küchenchef samt Brigade und die Bardamen mit allen Stewards vor dem Zug auf, die Hände zum Wai, zum traditionellen Gruß erhoben. "Sawasda" - auf Wiedersehen und glückliche Reise!