Neuseeland - Alles im grünen Bereich
Unberührter Urwald und zerklüftete Küsten, heisse Quellen und eisige Gletscher: Neuseelands Naturlandschaften sind einzigartig. Für so viel Gegensätzliches reisen wir doch gern bis ans andere Ende der Welt.
Sehr hügelig, ehemals vulkanisch, mit sattgrünen alten Falten, in denen es sich herrlich auf die nachhinkende Seele warten lässt. Das ist Neuseeland. Zumindest ein Teil davon.
Endlich angekommen. In einem Land, das wir spätestens seit dem dritten Teil des Kino-Epos »Lord of the Rings« zu kennen glauben. Doch wer in Christchurch auf der Südinsel landet, denkt, der Pilot hätte sich verflogen. Dieser Ort gilt als die britischste Stadt ausserhalb Englands. Feinschmecker und Naturliebhaber sollten deshalb gleich zur angrenzenden Halbinsel Banks aufbrechen. Dort gibt es Baguette zum Wachmacher-Salat, weil die Franzosen mal versucht haben, sich hier einen Teil vom englischen Kolonialreich einzuverleiben.
In Neuseeland wird aber jeder auch ganz ohne Vitamin-Kick zum Frühaufsteher. Schon deshalb, weil man nach fast dreissig Stunden Flug seiner inneren Uhr um einen halben Tag voraus ist. Die Welt steht auf einmal Kopf. Die Mittagssonne brennt von Norden. Auch auf die Häupter der unzähligen Schafe, von denen es hier so wimmelt. Der Osten der Südinsel zählt zu den Hauptregionen der Wollschafhaltung. Die Zahl der Tiere ist mittlerweile jedoch von 75 Millionen auf gut 40 zurückgegangen - immer noch zehnmal mehr als Einwohner. Und überhaupt: die Tierwelt. Manche Vögel wie das Nationalmaskottchen, der Kiwi, können trotz der unendlichen Weite des Landes nicht fliegen. Sie spazieren lieber durch den Wald.
Ein Stück weiter im Süden, in der weniger zivilisierten Catlins-Region, hat sich am Strand bereits ein neues Empfangskomitee versammelt: Seelöwen. Wer mehr über sie und andere tierische Nachbarn erfahren möchte, wendet sich am besten an Fergus und Mary Sutherland. Das Ehepaar betreibt hier besten Öko-Tourismus. Sie schwatzen kauzigen Farmern Uferstücke für die anderen berühmten Vogel-Fussgänger ab: Gelbaugen-Pinguine. Mit Smoking und goldenem Kopfputz aufgetakelte Bewohner, die nur in Neuseeland leben.
Die andere Seite, die Westküste der Südinsel, ist eigentlich nur ein Steinwurf weit entfernt. Eigentlich. Denn hinter jeder Biegung breitet sich ein neues Panorama aus, das zum Halten zwingt und Staunen führt. Oder zu einem Adrenalinstoss der anderen Art: Queenstown, das Bungee- und Jetboot-Mekka, bietet sich als idealer Sportler-Stopp an. Man muss aber gar nicht wie ein Jo-Jo von der Kawerau-Brücke springen oder mit einem Torpedo-Boot durch die grandiosen Schluchten des Shotover-Flusses düsen. Das sportverrückte Städtchen am Wakatipu-See, zu Füssen runzeliger Berge, hat auch so genügend Reiz.
Aus den Bergen rollen Schaflawinen während des Abtriebs über goldgelbe Grasabhänge, angefeuert von den stolzen Eye-Dogs, die allein durch hypnotisches Starren die Herden zusammenhalten. Etwas weiter westlich stellen sich sich plötzlich die schneebedeckten Alpen in den Weg. Doch über den waldigen Haast Pass kann man hindurchschlüpfen - und steht abrupt vor der schaumgekrönten Tasman-See. Es riecht nach endlosem Ozean und feuchten Regenwäldern. Die Bäume tragen Moosbärte, da es hier ausgiebig gegen die Alpen regnet. Zwischen explodierenden Farn- und den märchenhaften »Bartbäumen« blitzen Gletscher. Bei den Dörfchen Fox und Franz Josef stürzen sich die Eiszungen fast ins Meer. Zum Verkriechen bietet sich der 40-Seelen-Ort Okarito an. Klingt zunächst ruhig, doch nachts ist es damit vorbei: Der schrille Schrei des Kiwis ist nicht zu überhören. Dafür geht es tagsüber beschaulich zu - im Kanu paddelnd über eine flache Lagune. Kann es irgendwo schöner sein?
Auf der Nordinsel vielleicht. Sie ist kleiner, beherbergt aber drei Millionen Einwohner. Tätowierte Maoris und bleichgesichtige Angelsachsen vermischen sich im Strassenbild. Auch in der bezaubernden, auf Hügeln am Meer getürmten Hauptstadt Wellington. Hier lockt klassischer Metropolen-Flair, Mode- und Designartikel-Shopping inklusive.
Im Zentrum der Nordinsel schlägt das vulkanische Herz Neuseelands. Ein Besuch gehört zum Pflichtprogramm. Früher wagten die kriegerischen und keineswegs ängstlichen Maoris, die vor tausend Jahren aus Polynesien kamen, nicht mal, zum feurigen Berg Tongariro aufzuschauen. Heute fahren die einen hier Ski, andere machen eine Tageswanderung durch den Tongariro Nationalpark.
Schwefelgeruch liegt in der Luft. Der Boden ist schwarz und rot, die mineralischen Seen sind grün und gelb. Heisse, dampfende Quellen laden zum Baden ein. Zum Abschluss des langen Tages dann etwas Wein. Der schmeckt herrlich nach Pfirsichen und Zitronengras. Ein Glas genügt trotzdem. Weil es Landschaft und Leute sind, die einen immer aufs Neue berauschen - auf diesen wundersamen Inseln.
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