Neuseeland: Das 'Heim des Teufels' im Paradies
Eine entrückt schöne Landschaft mit Fjorden, Vulkanen, hohen Wasserfällen und Geysiren verspricht Naturerlebnisse der Sonderklasse!
Ganz nah an der Natur kuscheln, fühlen, was das Wort Idylle heißt, und einfach die Ruhe genießen, während man da liegt und die entrückt schöne Landschaft das Gemüt streicheln lässt. Am grünen Ende der Welt, in Neuseeland, wird das Reisen zum Staunen, zum Innehalten, zum Loslassen. Das Problem: Man will nicht mehr fort.
Silky frisst mir aus der Hand. Silky ist ein gut ein Meter langer Aal in einem Wildbach mitten im Urwald auf der Coromandel-Halbinsel. Mein Führer Damian ist hier aufgewachsen und schaut jeden Sommer öfter beim Bach vorbei, um ihn zu streicheln und ein Stückchen Schinken mitzubringen. Eines der vielen unvergesslichen, intimen Erlebnisse zwischen Mensch, Natur und Tier in Neuseeland.
Coromandel liegt im landschaftlich bezaubernden, aber auch wilden Norden des Landes. Dort kommt die Gewalt der Natur vor allem aus dem Boden, denn der vulkanische Untergrund macht sich an vielen Stellen nachhaltig bemerkbar. An einem der Prachtstrände der Halbinsel aber auch auf sehr angenehme Weise. Wer am Hot Water Beach ein Loch in den Sand buddelt, kann sich dank der heißen Quellen mit dem Hinterteil in eine 'Therme' setzen, während die Zehen von den kühlen Wellen des Pazifik umspült werden.
Nicht zu empfehlen ist das im brodelnden Zentrum der Nordinsel, rund um Rotorua. Aus gelb, grau oder rot schimmernden, fauchenden Tümpeln entweicht Schwefelgeruch. Geysire steigen in den Himmel. Schilder wie Devil's Home warnen davor, auch nur eine Zehenspitze in die dampfenden Löcher zu stecken. Ein Naturschauspiel, dem Dantes Inferno nachempfunden worden sein könnte. Wäre da nicht rundherum üppige, sanfte Natur mit Hügeln, dichten Wäldern und Seen, die so friedlich wirken, als gäbe es keine höllischen Eruptionen weit und breit.
Diesen Frieden findet man am besten auf einer Wandertour durch den Busch mit seiner maßlos entwickelten Flora. Farne wachsen hier so hoch wie bei uns Bäume, und der Führer, Robbie Owen, erklärt seinen Schützlingen während des Trekkings sogar die Unterschiede der knapp 200 Farnarten, wenn man ihn lässt. Ein unheimliches Abenteuer mit historischem Flair ist die Wanderung durch ein riesiges Goldminensystem mitten in den Bergen von Waihi, das gerade erst touristisch erschlossen wird.
Ganz weit im Norden, etwa in der schon subtropischen Bay of Islands, hat das Paradies aber keine störenden Nebengeräusche. Mehr als 150 dicht bewaldete Inseln warten dort aufs Entdecktwerden, ein Traum für Segler. Ein Panorama, das für den Autor dieser Zeilen nur noch von einem übertroffen wird. In Omapere, schon nah am nordwestlichen Ende Neuseelands, hat Heather Randerson eine rustikale Villa am Meer, in der sie auch Zimmer vermietet. Der Blick auf die Bucht von Hokianga, mit kilometerlangem, einsamen Sandstrand, von grünen Hügeln umgeben, am Horizont eine im Abendrot leuchtende Riesendüne - das gehört schon zum Allerfeinsten.
Wer glaubt, dass es an Naturspektakeln und Farbenpracht keine Steigerungen geben könnte, wird auf der Südinsel eines Besseren belehrt. Auf der Fahrt zu den schneebedeckten neuseeländischen Alpen kommt man vor lauter Fotostopps kaum noch vom Fleck. Wie Edelsteine schimmern die türkisblauen Bergseen Pukaki und Tekapo, eingerahmt von den Dreitausendern wie Mount Cook oder Mount Tasman. Eine atemberaubende Bergwelt, die man selbst in unseren heimischen, europäischen Bergen kaum wo findet.
Ein Deja-vu haben viele Reisende hingeben, wenn sie weiter südlich vom Abenteuer-Rummelplatz Queenstown über den Lake Wakatipu zum kleinen Dorf Glinorchy und dann weiter auf dem Dart River mit dem Jetboat weiter in die Bergwildnis fahren. Dort wurden zahlreiche Szenen aus der Film-Trilogie Lord of the Rings gedreht. Wenn schwarze Wolken über die Gebirgskämme ins Tal jagen und flirrende Lichter über den See huschen, kriegt man noch die gleiche Gänsehaut wie damals im Kino.
Im äußersten Südwesten, wo zahllose Fjorde wie Keile in tausend Meter hohe Felsmassive getrieben wurden, wartet beim berühmten Milford Sound noch ein Höhepunkt für Romantiker. Eine Nachtkreuzfahrt mit dem Milford Mariner ist bei jedem Wetter (sogar im manchmal schon penetrant feuchten Neuseeland) ein Erlebnis zum Schauen und Staunen. Ob bei Regen die Wasserfälle von allen Seiten der steilen Bergwände leuchtende Muster in das Meer pflügen oder zwischen den unheimlichen schwarzen Felskolossen der Mond die sanften Wellen streichelt - man will einfach nur still an der Reling stehen bleiben. Würde da nicht ein herrliches Lachs- und Meeresfrüchtebuffet mit ebensolchen heimischen Weinen im Speisesaal winken.
Apropos Lachs: Selbst die Queen soll -so wird erzählt- seit einem Besuch in Neuseeland für ihr Lachsbrötchen zum Tee diesen köstlichen Fisch nur noch aus der Bucht von Akaroa ordern. Akaroa liegt am Ende einer Halbinsel südlich von Christchurch, der Metropole der Südinsel. Hoffentlich hat sie nach dem Lunch dort auf der Rückfahrt Zeit gehabt, die lange, aber einmalige Panoramastraße zu nehmen. Bei dieser Aussicht würde man glatt eine Gräte schlucken, ohne es zu bemerken.
Kulinarisch oft außergewöhnlich, aber auch im Detail bemerkenswert sind viele der kleinen oder größeren Gästehäuser und Hotels des Landes. Vielleicht nächtigte die Queen ja auch einmal im Princess Gate Hotel in Rotorua. Die Einrichtung der Suiten dort erinnert an viktorianischen Prunk aus der Kolonialzeit. Ländliche Idylle bis zur Perfektion findet man wiederum im Renmore House in Wanaka. Zum Tee, oder einfach so, sitzt man am Rand eines sprudelnden Bächleins mitten in einem üppigen Blumengarten. Absolute Entspannung verspricht aber der abendliche Blick von der Fjordland Lodge in Te Anau, wenn die letzten Sonnenstrahlen den Lake Wanaka erglühen lassen, bis sie über den Alpen versinken.
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