Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand - Luxus im Zelt und am Reisfeld

Luxus im Zelt und am Reisfeld

Four Seasons und Mandarin Oriental brechen aus ihrem Image aus

Von zwei neuen, doch, man muss es ausnahmsweise sagen, Traumhotels ist die Rede. Beide gehören zu Hotelgesellschaften, denen man viel Exklusivität zutraut, doch nicht gerade solche Extrem-Hotels, wie sie beide in Nordthailand stehen, ein jedes höchst unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen, dass sie von zwei der angesehensten Managementgesellschaften für Luxushotels betrieben werden.

Die Hotel-Managementgesellschaft Four Seasons, gegründet 1960 von dem Architekten Isadore Sharp, betreibt heute 72 Häuser in 31 Ländern. Sie hat die Ausbrüche aus dem eigenen Image vorgemacht. In den letzten zehn Jahren entstanden Four Seasons-Hotels in ehemaligen Klöstern (Mailand), Gefängnissen (Istanbul), Versicherungsgebäuden (Budapest) und natürlich auch in klassischen Grandhotels der alten Welt (George V. in Paris, Hotel de Bergue in Genf). Doch ihr neuestes und kleinstes Hotel fügt dem eine Dimension hinzu. Das Four Seasons Tented Camp ist ein Zeltlager im sogenannten Golden Triangle zwischen Thailand, Myanmar (Burma) und Laos, dem berüchtigten ehemaligen Opiumschmuggelrevier.

Schon die Anreise bietet einen Hauch von Abenteuer. Die Autofahrt zum Hotel endet irgendwo an einem Fluss, ein bescheidenes Dach bietet Sonnenschutz, ein Mädel in Hoteluniform serviert Wasser und kalte Tücher. "Welcome to the Four Seasons Tented Camp". Dann wartet man auf ein Boot. Und weil der Fluss gerade kaum Wasser führt, ist es ein kleines Longboat, das mit fauchendem Motorenlärm losorgelt, mit kühnen Schwüngen über das gelbe flache Wasser des Ruaks, stets haarscharf an den Untiefen vorbei.

Die fünfzehn Zelte stehen am hohen Ufer des Flusses, in komfortabler Entfernung voneinander, fast allzu komfortabel: Von Zelt 1 bis Zelt 15 wandert man einen Kilometer. "Ja, Sir", zwitschert vergnügt irgendeines dieser hübschen Servicekinder, wenn man es atemlos fragt, wie weit es denn noch sei, "das ist der Grund, weshalb wir kein Fitness-Center brauchen". Ein bisschen Spa indes, und zwar üppig, haben sie doch. Das Hotel besteht aus Hightech-Zelten mit Stahlseilverspannungen und Parkettböden, mit Klimaanlage und Wireless-Lan-Internet. Die Einrichtung ist auf dekorative Art kolonial, mit vielen Requisiten aus der Zeit der Jahrhundertwende, als hätten wir gerade erst diese Gegend erobert. Alte Waffen, alte Koffer, alte Küchengeräte und in der Mitte eine nostalgisch freistehende Badewanne von antik-kostbarer Anmutung. Die Eingangstüren sind aus Holz, mit Griffen aus (scheinbaren) Tierhörnern, doch wenn man unter die Freiluftdusche will oder auf die Toilette, dann zieht man einen Reißverschluss auf wie auch der normale Camper von heute.

Die Zelte sind 60 Quadratmeter groß, davor hängt ein hölzerner Balkon über dem Fluss mit Massagebetten und wunderbarer Aussicht. Doch das eigentliche Wunder ist das Zelt selbst. Wer nie in seinem Leben, sei es bei den Pfadfindern, sei es auf einem Campingplatz, in einem Zelt genächtigt hat, wird kaum wissen, wovon die Rede ist: Wenn da am Morgen die Sonne aufgeht, geht einem das Licht wie unter die Haut, als läge man in einem Solarium, das gerade angeknipst worden ist; zugleich öffnen sich die Ohren, oder besser, werden plötzlich geöffnet, und man hört, was man so in einem Hotel noch nie gehört hat: die versammelte Tierwelt. Und aus der Ferne trompeten die hoteleigenen Elefanten, auf denen man in mehreren Stunden einen 'Elefantenführerschein' erwerben kann.

Das andere Hotel, in Chiang Mai, liegt hinter einem Eingangsportal von ausgewachsener Angkor-Wat-Pathetik: Das Dhara Dhevi ist auf 25 Hektar eine kleine Stadt im Stil des verflossenen siamesischen Lanna-Königreichs, also eine Art historischer Reproduktion, mit Palästen, Pagoden, Märkten und Landwirtschaft: Reisfelder werden von richtigen Reisbauern mit ihren großen Hüten bearbeitet. Nirgends sind sie so schön wie hier mit den alten Wassermühlen und Windrädern, nirgends bewegen sich die Wasserbüffel mit solcher Grazie und so fotogen. Dass dann einer der Bauern gelegentlich auf seinem Reittier vorüberkommt und dabei die Flöte spielt, ist des Märchenhaften fast schon etwas zu viel. Die Liebe zum Detail ist erstaunlich, die Vielfalt der Statuen, der Vasen, der Brunnen und der Antiquitäten scheint keine Grenzen zu kennen, ebenso wie die üppige thailändische Natur, die hier mit viel Geschick auf Natürlichkeit dressiert wurde. Das Spa, weitläufig und 'sophisticated', findet man im Palast.

Der Besitzer wollte mit dem Hotel ein "lebendiges Museum" errichten und investierte dafür sechs Jahre Bauzeit und umgerechnet 130 Millionen Euro: für nur 127 Suiten und Villen eine Rekordsumme. Antikes aus Thailand, Myanmar und Laos hatte er schon jahrzehntelang gesammelt, ebenso Automobile der Kategorie Ferrari und Verwandtes, und wenn er ins Dhara Dhevi kommt, dann in einem Buggy mit Rolls Royce-Kühler. Das Hotel empfängt bereits seit mehr als einem Jahr Gäste, doch richtig fertig geworden ist es erst im November 2006. Gemanagt wird es von den Mandarin Oriental-Hotels, die erst in den letzten Jahren mit dem Kauf der Rafael-Hotels antraten, ein 'Global Player' zu werden. Heute haben sie 21 Häuser in 17 Ländern. Flaggschiff ist das berühmte Oriental in Bangkok, auch die Hotels in Hongkong, München oder New York sind Stadthotels der Spitzenklasse. In Chiang Mai stoßen sie die Tür auf zu einer neuen Dimension von Hotellerie. Ihr Dhara Dhevi verbindet Luxus mit einer nostalgischen Fantasy-Welt, ein Zukunftsmodell auf Retro-Basis.