Eine Meldung aus den USA sorgt derzeit bei Tropenreisenden für Verunsicherung. Das Malariapräparat »Lariam«, 15 Jahre lang weltweit über 20 Millionen Mal verschrieben, soll bei Patienten »suizidale Halluzinationen« auslösen. US-Soldaten hatten nach der Rückkehr aus Afghanistan Angehörige bedroht, sie in einigen Fällen sogar umgebracht und sich danach das Leben genommen. Alle, so heißt es, hatten über einen längeren Zeitraum »Lariam« eingenommen. Und auch in Deutschland berichten Patienten immer wieder über Depressionen und Angstzustände nach der Einnahme.
Dass das Mittel Nebenwirkungen haben kann, ist seit Jahren bekannt. Der Hersteller rät Personen, die zu Stimmungsschwankungen oder Depressionen neigen, das Medikament besser nicht zu verwenden. »Es können zentralnervöse Nebenwirkungen vorkommen wie lebhafte Träume. Sensibilitätsstörungen, Stimmungsschwankungen, Unruhe- und Angstzustände sowie Depressionen« heißt es in der Packungsbeilage. Dass »Lariam« aber so starke Reaktionen auslöst wie bei Patienten in den USA, ist neu.
Kann ein Medikament angesichts solcher Nebenwirkungen überhaupt noch guten Gewissens verschrieben werden? Dr. Nikolaus Frühwein, Tropenarzt in München, sagt dazu: »Lariam ist nach wie vor ein gutes Präparat. Wir wissen, dass das Mittel Auswirkungen haben und vor allem bei vorbelasteten Menschen zu Depressionen führen kann. Solche Probleme sind aber eher selten.« Viel häufiger komme es zu Schwindel und Übelkeit. Aus diesem Grund rät der Mediziner vor allem Piloten und Reisenden, die viel Auto fahren oder tauchen, von dem Mittel ab.
Fernreisenden bieten sich Alternativen. Neben der häufig verschriebenen Kombination der Präparate »Resochin« und »Paludrine«, deren Wirkung wegen zunehmender Resistenzen in vielen Ländern nicht mehr garantiert ist, gibt es seit Jahren zwei weitere Medikamente: »Malerone« und »Riamet«. Ersteres eignet sich sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung von Malaria und soll keine gravierenden Nebenwirkungen haben. Ausschließlich zur Therapie geeignet ist »Riamet«, das gut verträglich sein soll. Nach Auskunft von Ärzten stehen beide Mittel »Lariam« in der Wirkung nicht nach.
Für wen sich welches Medikament eignet, kommt auf das Reiseziel und die dort vorhandenen Resistenzen an. »Grundsätzlich kann man sagen, dass sich »Riamet« und »Malerone« eher als Notfallmittel anbieten, Lariam für die Prophylaxe«, erklärt Frühwein. »Da bei der Behandlung einer akuten Malaria relativ hohe Dosen verabreicht werden, treten die Nebenwirkungen von Lariam naturgemäß stärker ans Licht.« Bei den geringen Prophylaxedosen dagegen sei das Mittel kein Problem. Patienten, die nach zwei Wochen noch keine Nebenwirkungen verspürten, hätten auch später nicht damit zu rechnen, so Frühwein.
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