Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand - Ein Paradies kehrt zurück

Ein Paradies kehrt zurück

Krabi und Khao Lak sind eine gute Alternative zum quirligen Phuket

Die Aufschläge sind hart und das Wasser spritzt meterhoch. Mit knapp 60 Kilometer pro Stunde rasen wir durch die Phang Nga Bay, springen von Welle zu Welle, landen mal in einem Wellental, mal direkt auf dem Brecher. Aranjib, der Bootsführer, hatte uns gewarnt, als wir den Hafen an der Nordostspitze der Insel Phuket verließen, um mit dem Speedboot nach Krabi zu fahren: In der Phang Nga Bay könne es bei Wind ziemlich heftig werden. Aber wir waren unbelehrbar und blieben stur an der Spitze des Bootes. Zum Glück. Denn der Flug über das Wasser ist ein echter Spaß, auch wenn danach die Bandscheiben schmerzen.

Die schnelle Fahrt hat ein spektakuläres Ziel: In der riesigen Bucht des Indischen Ozeans, die von den Küsten Phukets und Krabis eingeschlossen wird und deshalb im Dezember 2004 auch vor dem Tsunami geschützt war, befindet sich einer der berühmtesten Felsen Thailands: Khao Tapu, wie ihn die alten Thailänder nannten. Heute ist der 30 Meter hohe Block aus verwittertem Gestein vor allem als "James-Bond-Felsen" bekannt. Er ist einer von Hunderten von Kalksteinsockeln, die am nördlichen Küstenabschnitt Krabis bis zu 100 Meter aus dem Meer ragen.

Trotz des typischen August-Dunstes können wir die ersten Felsen schon aus mehreren Kilometern Entfernung ausmachen. Und je näher wir kommen, desto beeindruckender wird das Schauspiel: Senkrechte Wände ragen aus einem türkisblauen Meer, die Kuppen sind mit dichtem Buschwerk überzogen. Dazwischen tauchen traumhafte Felsbuchten auf - und weit und breit keine Menschenseele.

Die Felsen sind es, die die Phang Nga Bay so berühmt gemacht haben und viele Reisende an die berühmte Halong-Bucht im Norden Vietnams denken lassen. Genau aus diesem Grund kam im Jahr 1974 auch James Bond hierher: Da sich die Landschaft sehr ähnelt und Dreharbeiten in Vietnam problematisch waren, wich Hollywood für den Klassiker "The Man with the Golden Gun" nach Thailand aus. Auch wenn die Handlung in Vietnam spielt.

Schaut man genauer hin, ist die Felsenküste Krabis jedoch das genaue Gegenteil von "007-Country". Denn Speed- und Longtailboote, die Ortschaften und Hotels, einsame Inseln und Traumstrände miteinander verbinden, sind so ziemlich das einzige, was schnell und laut ist. Stattdessen wird geangelt und gepaddelt, in den Felsen geklettert, getaucht und gebadet. Banana-Riding, Jetski und Parasailing sind genauso untersagt wie Motorboote für Wasserski. "Klasse statt Masse" heißt das Gebot der Stunde.

Für Kritchaya Kiattiwut ist dies genau das richtige Konzept, um die Nordküste Krabis als Alternative zum Trubelimage von Phuket zu etablieren. Zwar hat sich auch hier in den vergangenen zwanzig Jahren viel getan, wurden Buchten zugebaut und neue Zufahrtsstraßen gebaut. "Doch insgesamt", so die Marketingmanagerin des 2003 eröffneten Sheraton Krabi "hat diese Küste sehr viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahrt". Für die auf Phuket geborene Hotelfachfrau war dies der entscheidende Grund, nach Krabi zu kommen.

Das Sheraton als Arbeitsplatz war dabei kein Zufall: Im Gegensatz zu vielen anderen Standorten versuchte die Hotelkette hier, ihre Anlage in die Landschaft zu integrieren. "Dieses Resort soll sich der Landschaft unterordnen, anstatt sie zu beherrschen", sagt Kiattiwut. Die Kehrseite der Medaille: Da während des Baus nicht ein einziger Baum gefällt wurde, ist das nahe Meer nur von der Lobby aus sichtbar.

Der direkte Blick vom Hotelzimmer aufs Meer ist auch in einem der jüngsten Strandziele Thailands eher die Ausnahme. Statt riesiger Hotelblöcke prägen in Khao Lak vor allem kleine Anlagen, die sich fast ausnahmslos unter den Palmen verstecken, das Bild. Die traumhaft langen und nur flach abfallenden Sandstrände, die das exakte Gegenteil zur felsigen Phang Nga Bay von Krabi darstellen und Khao Lak noch 2004 zum Geheimtipp unter Asien-Kennern machten, erwiesen sich Ende 2004 allerdings als verhängnisvoll: Heftiger als an allen anderen Küsten Thailands schlug hier der Tsunami zu. Bis zu zwei Kilometer schwappte die Welle ins Land - und zerstörte in Stunden den Traum vom Urlaubsparadies a la Robinson.

Während sich das Massenziel Phuket sehr schnell von der Katastrophe erholte und auch Krabi inzwischen wieder gut gebucht ist, rechnen die Hoteliers in Khao Lak erst für den Winter 2006/07 mit der ersten, halbwegs normalen Saison. Die Ereignisse des Jahres 2004 brauchten Zeit, um verarbeitet zu werden - sowohl physisch als auch psychisch bei Einwohnern und Touristikangestellten, Urlaubern und Touristikplanern.

Inzwischen haben die Geschäfte, Restaurants und Tauchbasen wieder allesamt geöffnet. Die Straßen entlang der Küste sind frisch asphaltiert und die Hotelqualität -so die Überzeugung deutscher Touristiker- ist besser als je zuvor. Der Startschuß für das neue Khao Lak erfolgte vor rund einem Jahr. Seitdem verging kaum ein Monat, in dem nicht ein Hotel neu oder wiedereröffnet wurde. Den Anfang machte das Boutique-Hotel The Sarojjin, gefolgt von Anlagen wie dem Aleenta Phuket Phangna Resort und dem Khao Lak Bandari Resort. Ende 2006 kommt am Bangsak Beach das Haadson Resort hinzu, eine 39-Villen-Anlage, die nicht nur über offene Massagesalons verfügt, sondern auch Bamboo-Rafting in einem nahegelegenen See anbietet.

Es ist denn auch das Hinterland Khao Laks, das die Region so attraktiv macht. "Irgendwann wird auch der schönste Strand langweilig", sagt Lily Nin, die seit einem Jahr als Reiseleiterin für eine örtliche Agentur arbeitet. Sie lebt in erster Linie von Tagesausflüglern, die zu Elefantentouren und Schlauchbootabenteuern in die grüne Wildnis aufbrechen. Besondere Rennen seien die Kanutouren im Khao Sok-Nationalpark. "Eine tolle Ergänzung zum Seakayaking im Indischen Ozean", erzählt die junge Frau, die für ihren Job ihr Pädagogikstudium aufgab.

Laut wird es, wie in vielen Regionen Krabis, auch in Khao Lak nur selten: Etwa dann, wenn ganze Tauchtrupps zu den nahegelegenen Similian-Inseln aufbrechen und Korallenriffs erkunden, die zum Teil erst nach dem Tsunami entdeckt worden sind. Doch nach spätestens fünfzehn Minuten ist auch das letzte Dröhnen der Motorboote verstummt. Der richtige Moment, um in der Hängematte ein Nickerchen zu machen und den Bandscheiben eine Auszeit zu gönnen.