Immer weniger Lebensraum für den Koala
Vom Aussterben bedroht
Australien ohne Koala ist nicht viel wert - zumindest für Touristen. In manchen Regionen drohen sie aber auszusterben. Das wäre für den Tourismus eine Katastrophe.
Aufgeregt winkten die jungen Touristen einem Autofahrer in der Haupteinkaufsstraße des edlen Badeortes Noosa Heads zu. Der bremste heftig, gerade noch rechtzeitig, bevor ein graues Etwas vor seinem Wagen die Fahrbahn überquerte. Dieser Koala hatte Glück, aber immer häufiger werden die flauschigen Beuteltiere Opfer des Straßenverkehrs. Deswegen werden Australiens kuschelige Botschafter immer seltener. Streunende Hunde stellen eine weitere Gefahr dar, am bedeutsamsten aber ist die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraums. Koala-freundliche Gegenden werden auf dem fünften Kontinent immer knapper.
Vor weniger als 100 Jahren bevölkerten viele Millionen der friedlichen Tiere die Eukalyptus-Wälder Australiens. Heute wird der Gesamtbestand auf 100.000 bis 400.000 geschätzt. Genaue Zahlen sind schwer zu erhalten, da die grauen Koalas täglich achtzehn Stunden schlafend und kaum sichtbar in Eukalyptusbäumen verbringen. Wenn sie denn überhaupt einen Baum finden, dessen Blätter ihnen schmecken. Von den 500 Eukalyptusarten sind nur zehn Prozent für Koalas als Nahrung geeignet.
Neben den Naturschützern ist auch die Tourismusindustrie besonders an der Arterhaltung interessiert. In Umfragen unter ausländischen Besuchern rangierte der Kontakt mit Koalas an der Spitze des Interesses. Die "Koala-Industrie" ist alljährlich viele Millionen wert, vor allem für Besucher aus Japan ist kein Australien-Urlaub ohne ein Koala-Foto komplett. Im Minutentakt werden die Tiere in Koala-Parks den Touristen in die Arme gedrückt und gemeinsam mit ihnen abgelichtet. Aber auch kaum ein ausländischer Staatsgast verlässt Australien ohne Koala-Knuddeln.
Eingriffe der Menschen in die Natur haben dazu geführt, dass paradoxerweise gleichzeitig zu dem drastischen Rückgang der Zahlen in manchen Gegenden anderswo eine drastische Überbevölkerung entstanden ist. Auf der Känguru-Insel südlich von Adelaide werden seit Jahren Koalas sterilisiert, weil sie sich enorm vermehrt haben.
Koalas sind keine Bären sondern Beuteltiere. Ihre Lebenserwartung beträgt zwölf Jahre in freier Natur und bis zu achtzehn Jahre in Gefangenschaft. Koala heißt in Aboriginesprache "kein Wasser", weil die Tiere fast nie trinken, sondern Flüssigkeit aus ihrer Nahrung beziehen.
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