Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand - Eine Welt namens Kalifornien

Eine Welt namens Kalifornien

Vom Strand bis zur Skipiste, alles ist möglich im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat

Breite Traumstrände, anspruchsvolle Skipisten, heiße Wüsten und gewaltige Bergriesen, endlose Obstplantagen, feinste Weingegenden, menschenleere Geisterstäste und pulsierende Millionenmetropolen - Kalifornien hat alles. Abseits der Hollywood- und Baywatch-Klischees und jenseits der superreichen Jetset-Granden, die weltweit Stoff für die Klatschspalten liefern, wartet auf den Reisenden auch heute noch ein Land, das ein Dorado für Entdecker ist.

Und es ist beileibe kein Mega-Disneyland, vollgepfropft mit Kitsch und Retorten-Unterhaltung. Wobei man als Los-Angeles-Besucher Disneyland, eine Universal-City-Studiotour, den Besuch des eindrucksvollen Getty-Museums, einen Spaziergang am legendären Sunset Strip in Hollywood, aber auch einen Ausflug ins Marineland von San Diego und den Besuch anderer Kultur- und Vergnügungszentrenb bei einer Kalifornien-Entdeckung nicht auslassen sollte.

Kalifornien ist das Land der Autos und der Highways. Nirgendwo gibt es mehr und verständlichere Hinweistafeln. Trotzdem sollte man sich ein Fahrzeug mit GPS mieten. Der Aufschlag auf den ohnehin billigen Mietpreis ist nur gering, und man erspart sich -etwa nach einer verpassten Autobahnabfahrt- lange Umwege.

Für Kalifornien-Einsteiger empfiehlt es sich, den Hinflug nach San Francisco und den Rückflug von Los Angeles zu buchen. Die nördliche Metropole des 412.000-Quadratkilometer großen (fast fünfmal Österreich) und mit 37 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten US-Bundesstaates ist und bleibt eine Traumstadt. Ausgeflippt, verrückt, großstädtisch und doch irgendwie heimelig. Hier leben die liberalsten Amerikaner. Sie waren die Vorkämpfer für Homo-Ehen, hier raucht man Marihuana (legal, wenn vom Arzt verschrieben), hier hat die Hippie-Bewegung einst ihren Anfang genommen. Man lässt sich einfach hineinplumpsen in die Stadt und genießt sie. Zum Napa Valley mit seinen weltberühmten Weinproduzenten ist es nicht weit, auch der gewaltige Süßwassersee Lake Tahoe ist nur einen Katzensprung weg, und wer eine Stunde weiterfährt, landet in der Spieler- und Scheidungs-Hochburg Reno. Diese liegt allerdings -wie auch die nahe Ponderosa-Ranch (Schauplatz der Kult-TV-Serie Bonanza) - im Nachbarstaat Nevada.

Ja, und auf dem Weg dorthin kann man ja auch kurz in der sonst eher langweiligen Hauptstadt Sacramento anhalten, im dortigen Capitol vorbeischauen und um eine Audienz beim Gouverneur ansuchen. Für Winterreisende: Zwischen Sacramento und Reno liegt das gewaltige Skigebiet von Squaw Valley. Hier haben 1960 immerhin Olympische Winterspiele stattgefunden. Südlich davon -in der Sierra Nevada- liegt Mamouth Mountain, ein Skigebiet, das gut genug für FIS-Weltcuprennen ist.

Dann fährt man den Pacific Coast Highway (PCH), der bezeichnenderweise den Namen Number One trägt, die Küste entlang nach Süden. Und nimmt sich etwas Zeit für Monterrey, jene Stadt, der John Steinbeck ("Straße der Ölsardinen") seinen Stempel aufgedrückt hat. Südlich von Monterrey gibt es den 17-Mile-Drive, eine Küstenstraße, die Erlebnis pur ist. Hier wohnen nicht nur einige der Superreichen des Landes, hier ist auch eine beeindruckende Natur noch intakt. Weiter nach Carmel, einem bezaubernden Städtchen, dessen Bürgermeister einst Clint Eastwood hieß.

Big Sur heißt jener wilde Küstenstreifen zwischen Carmel und dem Hearst Castle, dem verrückten, für Besucher offenen Schloss, das die unglaubliche Kunstsammlung des Millionärs gleichen Namens beherbergt. Big Sur ist das populärste Wander- und Ausflugsgebiet der Kalifornier. Wilde Schluchten, einsame Strände und heimelige Lounges, in denen man recht günstig übernachten kann.

Das Kontrastprogramm heißt Death Valley. Ausgedörrte Bergketten, glühend heiße Sandwüsten und Geisterstädte, in denen der alte "Wilde Westen" spürbar lebt. Hier ist man "unten" - 86 Meter tiefer als der Meeresspiegel des Pazifik.

Santa Barbara. Das klingt so weich und weiblich. Es ist ein fast mediterranes Feeling, das einen hier einlullt. Strengste Bauvorschriften geben der Küstenstadt ein Bild, das an Spanien (auch an das alte Mexiko) erinnert. Man spürt hier Urlaub und Erholung und kann all das in den vielen Bars und Spitzenrestaurants auch kulinarisch ausleben. In eine ganz andere Welt taucht man ein, wenn man im Städtchen Solvang Station macht. Man ist plötzlich in Dänemark gelandet. Auswanderer haben hier eine Enklave geschaffen, die (amerikanisch-kitschig) dänischer ist als Dänemark. Einfach irre. Ganz in der Nähe findet man aber gleich wieder Ur-Amerikanisches. Die Alisal-Guest-Ranch. Man muss allerdings einigermaßen betucht sein, um sich den Luxus von zwei Super-Golfplätzen und die Erfahrung, Gast in einer echten Super-Ranch samt Ausritten mit knorrigen Original-Cowboys leisten zu können.

Etwa zehn der insgesamt 37 Millionen Kaifornier leben im Großraum von Los Angeles. Ein Moloch, der den Neuankömmling schockt. Alles ist hier "mega" - vor allem der Verkehr und die Distanzen. Drei Stunden auf dem Highway, und man ist noch immer in der selben Stadt. Das L. A., in dem es Wohlfühl-Gefühl gibt, liegt in Santa Monica oder Marina del Rey. Hier findet man neben teuren Luxusschuppen auch leistbare Klein-Hotels oder Motels, die man zum "Basislager" für die persönliche Los-Angeles-Entdeckung machen kann. Dazu gehören auch Trips nach Malibu und Venice samt Bewunderung der gestählten Surfer-Körper oder ein Ausflug nach Newport Beach (bekannt durch die TV-Serie O. C. California), wo man wieder einmal Paläste der Reichen und Schönen bewundern kann. Tipp: Das beste mexikanische Essen serviert man in der Baja Cantina am Washington Boulevard von Santa Monica und im Casa Escobar am Palawan Way von Marina del Rey. Dazu gibt es heiße Live-Musik.

Mexiko ist jetzt nicht mehr weit. Wenn das Wetter stimmt ("It never rains in California"), ist die Fahrt nach San Diego ein weiteres Küsten-Erlebnis. Die Stadt selbst bietet -siehe Marineland oder das grandiose Planetarium im Balboa Park- einiges an Sehenswertem. Im Hafen liegen nicht nur Super-Jachten, sondern auch gewaltige Flugzeugträger. San Diego ist der US-Marinestützpunkt Nummer eins. Vor allem spürt man hier auch die Nähe zum Nachbarn Mexiko ganz intensiv. Man sollte sich die Zeit für einen Ausflug über die Grenze nehmen und in das berüchtigt-wilde Nachtleben von Tijuana eintauchen. Es ist eine ganz andere Welt, aber irgendwie gehört auch sie zu einer Kalifornien-Reise.