Magie und Kitsch im Goldenen Dreieck
Üppig grüner Urwald, mystische Tempel und dressierte Elefanten im Grenzland zu Myanmar und Laos
Um es gleich vorweg zu nehmen: Bequem ist es auf so einem Elefantenrücken nicht. Das hat nichts von der Eleganz eines Pferdes, erinnert viel eher an den schaukelnden Passgang eines Kamels. Die grauen Riesen haben Holzgestelle auf den Rücken gebunden, auf denen jeweils zwei 'Passagiere' sitzen; mit einer Eisenstange vor dem Bauch, damit niemand 'runterfällt. Es ist dennoch majestätisch, in fast drei Metern Höhe durch den Urwald zu schaukeln und diesen einmal aus ganz anderer Perspektive zu sehen. Der Ritt auf einem Elefanten gehört zu jedem Nordthailand-Trip.
Seit Thailand, als erstes Land der Region, die Abholzung von Hartholz gestoppt hat, sind die früher vor allem in der Holzwirtschaft eingesetzten Elefanten und ihre Treiber im Tourismus beschäftigt. Elephant Camps, wo die sanften Riesen nicht nur als Reittiere dienen, sondern auch akrobatische Übungen zeigen, Fussball spielen und sogar Bilder malen, gibt es rund um Chiang Mai mehrere. Sie zählen zu den Attraktionen einer aufstrebenden Tourismus-Region.
Noch vor 20 Jahren galt der Norden Thailands als verrufener und nicht ganz ungefährlicher Winkel dieser Welt - nicht von ungefähr: In entlegenen Tälern wurde massiv Opium angebaut; die Grenzregion zu Laos und Burma zählt als Goldenes Dreieck zur Weltspitze der Drogenproduktion.
Der Tourist bemerkt nichts davon. Mit Hilfe von NGOs und staatlich finanzierten Sozialprojekten bekamen die ethnischen Minderheiten der Region legale Erwerbsmöglichkeiten - statt Opium werden jetzt Kaffee, Macadamia-Nüsse und sogar Erdbeeren angebaut.
Und immer mehr Besucher wissen die Vorzüge einer Region zu schätzen, die neben sanften Hügeln, üppigen grünen Tälern sowie jahrhundertealten Städten und Tempeln auch mit vielen Aktivitäten lockt: Man kann die abgelegenen Dörfer der Minderheiten besuchen (etwa die der Langhalsfrauen), auf Flüssen raften oder am berühmten Night Bazar in Chiang Mai shoppen. Wer Lust am Feilschen hat, findet zwischen gefälschten Markenuhren und vielleicht sogar echten Antiquitäten so manches Mitbringsel.
Chiang Mai, die zweitgrößte Stadt Thailands, bietet mit seinen 300 buddhistischen Tempeln verschiedener Baustile und Epochen Kultur zum Sattsehen. Am Abend kann man optische und kulinarische Genüsse verbinden: Beim Show-Dinner werden die Köstlichkeiten der Region -manche sind höllisch scharf, alle raffiniert gewürzt- in kleinen Schüsselchen gereicht. Auf der Bühne zeigen grazile Tänzerinnen in traditionellen Kostümen ihr Können.
Wer noch weiter nach Norden fährt, landet beim Städtchen Chiang Sean. Dort wo der mächtige Mekong im rechten Winkel abbiegt und Laos und Burma zum Greifen nahe am anderen Ufer liegen. Es ist das Herz des Goldenen Dreiecks.
Auch hier hat sich in den vergangenen 20 Jahren viel verändert. Damals gab es ein kleines Denkmal und zwei Souvenir-Buden. Heute stehen am Schnittpunkt der drei Länder ein kitschig-monumentaler Grenzstein und Touristen-Shops en masse.
Lest bitte auch die Reportage: Von Göttern, Götzen, Seligkeit
|