Chiang Mai Thai Cookery SchoolAlle haben ihre kleinen Träume. Ronda kommt aus Seattle/USA, und der Gedanke an thailändischen Papaya-Salat lässt ihr einfach keine Ruhe. Bei Rachel aus London/England sind es die süßen Desserts aus frischen Kokosnüssen und Bananen, und Bruce aus Neuseeland findet allein den Namen »Schlangenfisch« so exotisch, dass er unbedingt wissen will, was sich gemacklich dahinter verbirgt. Alle diese Kochwünsche werden wahr. Wer nämlich Thailands Strände erlebt, Trekking-Touren hinter sich gebracht und ausreichend buddhistische Klöster von innen gesehen hat, der findet auch ohne zahlreiche Wiedergeburten direkten Eingang ins gastronomische Nirwana. Der Ort dafür liegt im Norden des Landes und heißt Chiang Mai. Rund 250.000 Menschen leben in der heimlichen Hauptstadt des Nordens. Erreichen lässt sie sich von Bangkok aus in einer Flugstunde oder mit einem trödeligen Nachtzug in der zwölffachen Zeit. Einmal angekommen, lockt neben dem hügeligen Hinterland eine ungewöhnliche touristische Attraktion: ein Kochkurs an der »Chiang Mai Cookery School«. Dort gefällt sich der Gründer der Kochschule, Sompon Nabnian, bereits seit zehn Jahren in der Rolle des enthusiastischen Vorkochers, bevor jeder Kursteilnehmer selbst zu Messer und Kochlöffel greifen darf. Am eigenen Herd können Rachel, Bruce und andere Koch-Novizen mehr staunend als angestrengt nachkochen, was der Ex-Mönch Nabnian zuvor in wenigen Minuten auf seinen Teller gezaubert hat.
Halb verständnislos, halb neidisch blickt man da zur Halbzeit auf die Teller von Menschen, die Portion um Portion aufessen, bis man schießlich die wahren Hintergründe erfährt: Die Aufess-Profis haben einen Fünf-Tage-Kurs gebucht und sind deshalb bestens im Training. Während man selbst am Herd und später am Teller sein Bestes gibt, erfährt man als Zugabe noch die eine oder andere thailändische Kochweisheit: »Kleine Stücke für kleine Münder« bekommt man beispielsweise zu hören, wenn man die ohnehin nur taubeneigroße Aubergine lediglich viertelt statt achtelt. Und auch sonst wird selbst der kleinste Koch-Fauxpas von Nabnian und seinen stets präsenten Assistenten umgehend thailändisch-charmant geahndet: »Hallo, du machst Dessert - da muss man lachen, damit es schmeckt.« Leicht gesagt, wenn man gerade dabei ist, sich das richtige Mischungsverhältnis dreier verschiedener Mehlsorten in Erinnerung zu rufen. Dass jedoch in Thailand Kochen keine Arbeit, sondern Spaß sein soll, ist dabei zugleich Ausdruck eines Lebensgefühls. Lache, wenn dir zum Weinen zu Mute ist, scheint immer wieder auch in anderen Lebensbereichen die nationale Grundeinstellung zu sein. Wer thailändisch kocht, sollte mit guter Laune kochen, denn schlechte Laune sorgt für schlechtes Essen, sagen die Menschen in dem asiatischen Land. Was so einfach klingt, ist freilich für Touristen nicht immer einzuhalten. Vor allem, wenn sie Kontaktlinsen tragen, ihnen der Schweiß beim Kochen in die Augen läuft und sie diesen wegwischen wollen, zuvor aber gerade Chili-Schoten geschnitten haben. Spätestens nach einer solchen Aktion weiß man, warum die thailändische Küche dank dieser kleinen roten und grünen Schoten weitestgehend auf Salz und Pfeffer verzichtet. Und noch einen weiteren Unterschied gibt es: Während ein deutscher Braten zeitintensive Betreuung benötigt, sind die thailändischen Leckereien im Wok und mit etwas Sonnenblumenöl leicht in weniger als 15 Minuten zubereitet. Klar, dass man da auch schnell mal einen Nachschlag nimmt. Wem das nicht gelingt, dessen Fantasie scheint einfach nicht genug entwickelt zu sein. Chef-Koch Sompon Nabnian jedenfalls hat mit der Extra-Portion kein Problem, und er weiß auch warum: »Wir Thailänder werden schon hungrig, wenn wir nur an unser Essen denken.«
Lest bitte auch die Reportage über Chiang Mai: Magie und Kitsch im Goldenen Dreieck
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