Michaels Reisetagebuch: Tahiti-Neuseeland-Neukaledonien-Australien-Tasmanien-Thailand - Thailand: Träumen in Teak

Träumen in Teak

Ein aussergewöhnliches Hotel: Zu Gast in den Chakrabongse Villas in Bangkok

Im Pavillon über dem Fluss wird es Abend. Im Licht flackernder Kerzen wird ein thailändisches Menü serviert. Man speist mit Blick auf den Fluss Chao Phraya. Beleuchtete Barken und knatternde Boote ziehen vor dem gegenüber liegenden Tempel der Morgenröte vorbei, dass man sich im Märchen glaubt oder wenigstens im Film.

Die Nacht verschluckt schimmelnde Fassaden am Ufer und Müllinseln auf dem Fluss, und es bleiben leuchtende Bilder, warmer Wind und der schwere Duft aus Wasserschalen, in denen Blüten schwimmen. In den Chakrabongse Villas, zwei Teakhäusern mit Giebeldächern, die durch hölzerne Stege miteinander verbunden sind, können heute ganz normale Leute ein bisschen so leben wie der König von Thailand.

Die beiden lauftdurchwehten Holzvillen stehen auf Pfählen hinter hohen Mauern auf dem Grundstück eines Palästchens. Prinz Chkrabongse erbaute es 1908, um von hier aus an den Zeremonien im Königspalast teilzunehmen - und um Vergnügungsfahrten auf dem Fluss zu unternehmen. Nach der Revolution von 1932 fiel es an den Historiker und Schriftsteller Prinz Chula Chakrabongse. Der Palast, eigentlich eine elegante Villa, blieb in der Familie. Auch Chula Chakrabongses Tochter Narisa, Kunsthistorikerin und Verlegerin in London, residiert hier noch, wenn sie sich in Bangkok aufhält. Im Garten hat sie ihr Hotel eröffnet: ganz in traditioneller thailändischer Architektur gehalten, mit hölzerner Aussichtsterrasse und einem kleinen Swimming-Pool, umrahmt von tropischen Bäumen und üppig blühenden Büschen. Obwohl in unmittelbarer Nachbarschaft zum Königspalast und dem Tempel des ruhenden Buddha gelegen, ist vom Lärm Bangkoks in diesem oasengleichen Garten nichts zu hören.

Nur drei Suiten verbergen sich in den beiden Teakvillen: das Thai House, die Garden Suite und die Riverside Villa. Alle drei sind aus so blank poliertem Holz, dass sich auch Europäer ganz selbstverständlich vor dem Betreten der Veranda die Schuhe ausziehen, und mit Antiquitäten liebevoll eingerichtet.

Dass die Chakrabongse Villas ganz ohne Hotel-Atmosphäre (und bei der geringen Zimmerzahl auch fast ohne Gäste) auskommen, verstärkt das Gefühl, im eigenen Haus von meist unsichtbaren, abr effizienten Dienstboten umsorgt zu werden. Weder gibt es eine Lobby noch eine Rezeption; wer abends im Pavillon speisen möchte, muss sich bis zum Mittag im Büro angemeldet haben. Dann erst bricht die Köchin zum nahe gelegenen Markt auf, um entsprechend ihre Einkäufe zu tätigen. Das Frühstück wird auf der Terrasse vor den Villen aufgetragen: Plötzlich stehen geheimnisvolle Früchte und exotische Säfte auf dem Tisch. Lautlos ist die Kellnerin mit einem Tablett erschienen.