Bangkok - Thailands Hauptstadt
Porträt einer Millionenstadt
Große Stadt der Engel, erleuchteter Ruheort für Juwelen. Großes, nie zu eroberndes Land, erhabenes berühmtes Königreich, königliche und anmutige Hauptstadt, angefüllt mit den neun prächtigen Edelsteinen, höchster, majestätischer Wohnsitz und großer Palast. Die auserwählte Zuflucht für die wieder geborenen Geister.
Bangkok, Hauptstadt von Thailand, Portal in eine exotische Welt. Alles anders hier? Nein, völlig neu ist diese Welt nicht. In Bangkok findet man noch viele Whities, wie die Thais die Bleichgesichter Europas, Amerikas und Australiens nennen, ebenso wie Cola-Dosen, Schokolade und Restaurants, die stolz Western-Food anpreisen, um dem Touristen aus dem Westen Tränen beim Verzehr des würzig-scharfen asiatischen Essens zu ersparen.
Der erste Aha-Effekt tritt beim Verlassen des Flughafens ein, der wie alle modernen Gebäude fast bis zum Gefrierpunkt klimatisiert ist. Das feucht-heiße Klima presst sich sanft an den Körper, der sogleich mit einer Alarmbereitschaft in der gesamten Schweißproduktion reagiert. Angenehm dagegen ist die Müdigkeit von der langen Reise. Sie lässt das Verkehrschaos der Millionen-Metropole in einem etwas milderen Licht erscheinen. Der Thai-Busfahrer lacht, obwohl er seit einer halben Stunde nicht mehr als zehn Meter gefahren ist, ihm links und rechts Motorradrikschas, Tuk-Tuks genannt, an den Flanken kleben und der Smog sich bei jedem Atemzug mit einer neuen Schicht auf die Lungen legt. Das ist nicht das letzte Mal, dass der ordnungsgewohnte Deutsche verständnislos den Kopf schüttelt.
Der Thai-Lifestyle und der Theravada-Buddhismus, Religion von knapp 85 Prozent der Thai, wird von den vier edlen Wahrheiten des Buddhismus bestimmt: das Leben als Leiden, die Lebensgier als Leidensursache, die Vernichtung dieser Gier und schließlich die Selbstzucht zur Aufhebung des Leidens durch das Begehen des edlen achtfältigen Pfades. Ein Weg voller Tugenden, geistiger Eingebungen und Weisheit, voll von fernöstlicher Philosophie, die für einen Westeuropäer oft nur schwer nachvollziehbar sind.
Die Auswirkungen dieser Lehre sind in den Straßen Bangkoks nicht zu übersehen: Die meisten Einheimischen besitzen nicht mehr als Nötigste und scheinen doch zufrieden und guter Laune zu sein. Die Straßenverkäufer mit Wägen voll seltsamem Obst, mit Fliegen besetztem Fleisch oder asiatischen Spezialitäten lassen sich trotz bester Absatzchancen bei Bedarf unmöglich von einem Nickerchen abbringen. Ebenso unbegreifliches Kopfschütteln, wenn ein Tuk-Tuk-Fahrer am Straßenrand einen verdutzten Touristen stehen lässt, obwohl in Bangkok sonst alles nur Mögliche zum Wohle der Touristen getan wird. Hat er etwa zu viel gehandelt? Handeln ist in Thailand Ehrensache. Doch der Tuk-Tuk-Fahrer schüttelt den Kopf. »Don't want go now.« Er hat gerade keine Lust. Die 100 Baht, umgerechnet etwa 2,50 Euro, ändern daran nichts.
Eine Gruppe von Gärtnern sitzt, die Grashalme einzelnd stutzend, im Park des Großen Palastes, dem repräsentativen Sitz des Königs Bhumipol. Der wird über alle Maßen verehrt, Kritik an der Königsfamilie ist verboten. Und das, obwohl der politische Einfluss des Königs seit der Abschaffung der absoluten Monarchie 1932 nur noch gering ist. Neben dem König vereint die Thai vor allem der Stolz, dass ihr Land im Gegensatz zu den Nachbarstaaten, nie kolonialisiert wurde.
Ortswechsel: Das Boxstadion. Was für den Europäer der Fußball ist, das ist für den Thai das Thai-Boxen. Das ist mehr als nur ein Sport, auch wenn die schnellen Kicks unter vertiefter Konzentration und Körperspannung faszinieren. Vor allem fesselt die Atmosphäre. Bis auf ein paar Touristinnen, die sich hierher verirrt haben, sind nur Männer im Stadion. Egal in welchem Rang, die Thais wetten , als ob es um ihr Leben ginge, bei jedem Schlag schreien sie auf und ahmen die Atemzüge, Klammergriffe und Schläge der teilweise noch jugendlichen Hauptakteure nach. Ein ergreifendes Spiel. Dabei muss ich an den zynischen Kommentar eines Bier-Verkäufers denken. »In Thailand prostituieren sich die Frauen und die Männer schlagen sich.«
Bangkok im Juli ist auch das Bangkok der Feiern. Der Beginn der Regenzeit wird zelebriert. Hauptattraktion ist der Kostümwechsel des Smaragd-Buddhas im königlichen Tempel Wat Phra Keo, was ein großes Privileg des Königs ist. Ausnahmsweise sind es nicht Touristen, die das Bild der Hauptstadt bestimmen, sondern aus dem ganzen Land angereiste Mönche in ihren orangenen Kostümen.
Knapp 500 Kilometer Luftlinie südlich, im Golf von Thailand: Die Insel Koh Pha Ngan erfüllt die Vorstellungen vom Paradies vollkommen. Klischeehaft liegt man in seiner Hängematte vor einem Holzbungalow und trinkt einen Fruchtcocktail. Träume werden Wirklichkeit. Am leuchtend weißen Sandstrand laufen nur vereinzelt Menschen vorbei. Es sind fast nur Western-Thai-Pärchen. Davon gibt es hier viele. Träume werden Wirklichkeit? Nur einmal im Monat, in der Vollmondnacht, wird die Ruhe verjagt. Dann werden Fähren voller Touristen an den Strand von Hat Rin geschifft, die die Bucht bis in die späten Morgenstunden in eine Technohölle voll Dröhnung und Leidenschaft verwandeln. Am nächsten Tag ist dieses Zwischenspiel zu Ende. Ein neuer Traum beginnt.
Bitte lest auch die Reportage: Bangkok, Thailands pulsierende Hauptstadt
|