Geographie: Australien liegt mit seiner gesamten Fläche auf der Südhalbkugel. Der "lnselkontinent" erstreckt sich zwischen Pazifischemund Indischem Ozean. Wegen seiner isolierten Lage wird er von seinen Bewohnern oft "Down Under"- etwa "Unten Drunten" genannt. Von Nord nach Süd dehnt es sich (mit Tasmanien) über knapp 3700 km aus-, seine West-Ost-Erstreckung beträgt rund 4000 km. Mit einer Küstenlinie von rund 36.750 km und einer Fläche von annähernd 7,7 Mio. kM2 (einschließlich Tasmanien und vorgelagerter Inseln) ist Australien fast so groß wie das Festlandgebiet der USA ohne Alaska. Flächenmäßig rangiert es damit unter allen Ländern auf unserem Globus an sechster Stelle.
Geologische Entwicklung: Australien zählt entwicklungsgeschichtlich zu den geologisch ältesten Landmassen der Erde. Rund drei Viertel des Erdteils bestehen aus einem weiten Flachland. Australien ist ein Fragment von Gondwanaland, einem jener beiden "Superkontinente" des Erdaltertums, die vor rund 200 Mio. Jahren entstanden, als sich die Landmasse unseres Planeten etwa am Äquator teilte. Die riesige Landscholle von Gondwana begann vor etwa 100 Mio. Jahren , im mittleren Mesozoikum, auseinander zubrechen. Während sich Afrika und Indien loslösten und in verschiedene Richtungen wegdrifteten, blieben Südamerika, die Antarktis und Australien zunächst noch miteinander verbunden.
Australien trennte sich von der Restmasse von Gondwanaland erst vor rund 60 Mio. Jahren und bewegte sich langsam in Richtung Norden, wo es vor etwa 15 Millionen. Jahren mit der pazifischen Erdkruste zusammenstieß. Während des Mesozoikums (vor 200 - 60 Mio. Jahren) sowie während des Tertiärs (vor 60 - 2 Mio. Jahren) waren ausgedehnte Landmassen Australiens überflutet. Zudem drang von Norden her das Meer ein. Binnenseen und das Meer lagerten mächtige Gesteinsschichten aus Jura und Kreide ab, die für das unterirdische Wasserreservoir Australiens eine sehr große Bedeutung spielten.
Tektonische Bewegungen ließen im Tertiär das heutige Relief Australiens entstehen. Entscheidende Veränderung erfuhr das Landschaftsbild Australiens schließlich während einer starken klimatischen Abkühlung in der Übergangsphase vom Tertiär zum Quartär (vor rund 2,5 -2 Mio. Jahren). Infolge der Eiskappenbildung auf der Antarktis senkte sich der Meeresspiegel, das Binnenmeer verebbte, die Seen trockneten aus. Australien begann, das zu werden, was es heute ist: der trockenste Kontinent der Erde. Erst mit dem Ende der letzten Eiszeit vor ungefähr 10 000 Jahren war der Veränderungsprozess abgeschlossen. Neuguinea und Tasmanien wurden vom Festland getrennt, und die heutigen Küstenlinien entstanden.
Geographische Landschaftsgruppen und -gliederung: Als Endresultat einer langen geologischen Entwicklung präsentiert sich Australien heute als extrem flaches Land. Seine durchschnittliche Höhe beträgt weniger als 300m. Der fünfte Kontinent zeigt eine relativ einfache Gliederung. Nach der Oberflächengestalt lassen sich folgende drei Großregionen unterschieden:
- Westaustralisches Tafelland
- Mittelaustralische Senke
- Ostaustralisches Hochland
Westaustralisches Tafelland: Geologisch betrachtet stellt das Westaustralische Tafelland die älteste Gesteinsformation des Kontinents dar. Zum größten Teil besteht es aus dem sogenannten Westaustralischen Schild, einem Granitschild aus dem Präkambrium. Das durchschnittlich etwa 300-500 m hohe, leicht gewellte Tafelland erstreckt sich von der Westküste bis zu einer imaginären Linie, die vom Carpentaria-Golf im Norden bis zum Spencer-Golf im Süden verläuft. Das Tafelland nimmt etwa 60 % des Kontinents ein.
Mittelaustralische Senke: Die Mittelaustralische Senke, ein Sedimentbecken, das in früheren geologischen Zeitalter häufig von einem seichten Binnenmeer überflutet war, durchzieht Australien in wechselnder Breite vom Golf von Carpentaria im Norden bis zum Spencer-Golf an der Südküste. Ein Großteil des australischen Kontinents ist ohne Abfluss zum Meer. Das ist die Voraussetzung für die Existenz des Großen Artesischen Beckens, jener gigantischen Grundwasserblase, die sich in Jahrmillionen unter der Oberfläche der Nüttelaustralischen Senke angesammelt hat.
Ostaustralisches Hochland: Entlang der Pazifikküste, von der Cape York Peninsula im Norden bis zur Insel Tasmanien im Süden, erstreckt sich das 3200 km lange Ostaustralische Hochland. Diese Reihung von zusammengeschobenen Hochplateaus mit dem Namen Great Dividing Range ist in ihrer Grundstruktur vor rund 50 Mio. Jahren entstanden. Eiszeitliche Gletscher hinterließen ihre Spuren im zentralen Hochland Tasmaniens und im Bereich der Australischen Alpen im Südosten Australiens. In dieser Region, wo der Transaustralische Gebirgszug etwa 300 km breit ist, findet man auch die höchsten Berge (z.B. Mt. Kosciusko mit dem höchsten Gipfel Australiens 2230 m). Im tropischen Teil von Queensland liegt das Hochland meistens nur noch um 600-900 m über dem Meeresspiegel.
Klima und Vegetation: Australien liegt im Bereich des tropischen und des subtropischen Klimas. Der Südostpassat bringt an der Ostküste während des ganzen Jahres reichliche Niederschläge (1 000 mm). Auf der Leeseite des Ostaustralischen Randgebirges und im Tiefland fallen nur noch 500 mm Niederschlag. In den Wüstengebieten im Zentrum Australiens ("Das tote Herz") beträgt die jährliche Niederschlagsmenge weniger als 100 mm. Der Monsun beherrscht das nördliche Australien mit seinen sommerlichen Niederschlägen und der Trockenheit im Südwinter. Durch die heftigen Sturzregen nach dem Zenitstand der Sonne (Zenitabregen) schwellen die Flüsse stark an, so dass es zu starken Überschwemmungen kommt, welche die fruchtbare Bodenkrume von den Hängen spülen. In der langen Trockenzeit schrumpfen die Flüsse zu vereinzelten Wasserlöchern zusammen oder trocknen ganz aus. Die einzigen ständig wasserführenden Flüsse sind der Murray und der Darling. In den abflusslosen Becken im Inneren Australiens versickern die periodisch wasserführenden Wasseradern. Die abflusslosen Salzseen ändern mit dem Niederschlag ständig ihre Größe. Überall legte man große Stauseen als Wasserspeicher an oder leitete Flüsse um.
Im Südosten Australiens und auf Tasmanien ist das Klima gemäßigt, die Niederschläge sind über das ganze Jahr verteilt, so dass hier für die europäische Bevölkerung das Klima am günstigsten ist. Im südlichen und zentralen Queensland scheint die Sonne durchschnittlich 2500 Stunden (Deutschland 1400 Stunden) und verleiht diesem Gebiet den Charakter einer Ganzjahres-Urlaubsregion. Der australische Sommer dauert von Dezember bis Februar, der Herbst von März bis Mai, der Winter von Juni bis August und der Frühling von September bis November. Die Westwinde bringen dem äußersten Südwesten Winterregen, während die Sommer trocken sind. Im gesamten Inneren des Kontinents herrscht extremes Wüstenklima. Die Niederschläge sind sehr gering, infolge der großen Hitze ist jedoch die Verdunstung sehr hoch. Da aber in manchen Jahren der Regen ausbleibt, kann es zu katastrophalen Dürreperioden kommen, während solcher Zeiten verhungern in den Schaf- und Rinderhaltungsgebieten am Rande der Wüste Millionen von Tieren, weil die Wasserstellen versiegen und die Pflanzen verdorren. Auch außerhalb der Dürrezeit treten Glutwinde, Staubstürme und Buschbrände auf, die der australischen Wirtschaft schweren Schaden zufügen.
Das Outback: Hinter den schmalen besiedelten Küstenstreifen im Osten, Südosten und Südwesten des australischen Kontinents erstrecken sich über 7 Mio. km² trockene Ebenen und öde Savannen, Wüstensteppen und Steinwüsten, verwitterte Gebirgszüge und karges Weideland, ausgetrocknete Flussbette und gleitende Salzseen. All dies zusammen bezeichnet man als das Outback - das Hinterland, das Land hinter der Zivilisation. Outback ist praktisch überall dort, wo es keine Städte gibt. Es gehört zu den einsamsten Gebieten der Erde, wo die Bedingungen rauh, das Klima extrem und die Entfernungen beängstigend sind. Es gibt Jahre, in denen kein Tropfen Regen fällt, andere, in denen sintflutartige Regengüsse niedergehen. Zu den klimatischen Unbilden kommt noch die Nährstoffarmut des Bodens. Die australischen Böden sind uralt und durch Verwitterungen landwirtschaftlich nicht nutzbar. Außerhalb der wenigen Orte verteilt sich die Bevölkerung des Outback zumeist auf riesigen Schaf- und Rinderfarmen. Der Sprechfunk stellt hier die wichtigste Verbindung mit der Außenwelt dar.
Der Mut der Menschen im Outback, hat das Urbild des typischen Bushie geprägt: hager und sehnig, wettergegerbt und wortkarg. Sie halten zusammen. Literatur, Geschichtsschreibung und der Film schufen in Australien eine ambivalente und oft sentimentale Mythologie des Outback. Einmal erscheint es als Region der Leere und des Scheiterns, als ein Land, wo Durst, Hunger und Hitze europäischen Abenteurern den Tod brachten. Zum anderen wird der Busch glorifiziert als das "wahre Australien", als hartes Land für harte Männer. In der Praxis aber meiden die allermeisten der rund 17 Mio. Bewohner des Fünften Kontinents die menschenleere Weite jenseits der Großstädte.
Wirtschaft: Bis zum Zweiten Weltkrieg war Australien praktisch ein reiner Agrarstaat (Ausfuhr von Wolle, Weizen und Fleisch). Erst in den Kriegsjahren begann man mit dem Aufbau einer verarbeitenden Industrie. Nach Kriegsende basierte der Aufstieg der australischen Wirtschaft aber weiterhin auf der landwirtschaftlichen Produktion. Die Entdeckung immenser Bodenschätze sowie die politische Stabilität lockte allmählich immer mehr ausländische Investoren (vor allem aus England und den USA) ins Land. Bis 1960 verdoppelte sich die Zahl der Fabriken, die Menge der hergestellten Konsumgüter verdreifachte sich sogar.
In Australien entwickelte sich die größte Mittelklasse-Gesellschaft der Welt mit dem höchsten Lebensstandard nach den USA. Australien entwickelte sich auch als Auswanderungsland mit rosigen Zukunftsaussichten. Eingelullt von ihrem Wohlstand, verschliefen die Australier aber auch selig neue weltwirtschaftliche Trends und globale Veränderungen. Man empfand das jedoch keineswegs als Handicap, solange der Binnenmarkt durch Einfuhrbeschränkungen und Schutzzölle gegen die ausländische Konkurrenz erfolgreich abgeschottet war. Als Großbritannien 1972 der Europäischen Gemeinschaft beitrat, verlor die australische Landwirtschaft dadurch ihren mit Abstand wichtigsten Überseemarkt. Doch schon bald trat das rohstoffarme Japan an die Stelle Englands als größter Handelspartner. Zur gleichen Zeit aber verpasste Australien im industriellen Sektor den Übergang zur Hochtechnologie. Die jährlichen Wachstumsraten der australischen Ökononne begannen deutlich unter die sieben asiatischen Rivalen (Singapur, Taiwan, Südkorea und vor allem Japan) zu fallen. Im Jahre 1982 kam es auch im Bergbausektor zu Devisenverlusten. Binnen kurzer Zeit verlor der australische Dollar gegenüber der Mark und anderen starken Währungen die Hälfte seines Wertes. Die Arbeitslosigkeit erreichte mit 600.000 Erwerbslosen einen Nachkriegs-Höchststand.
Die Wirtschaft ist weiterhin von dem abhängig, was sich aus dem Land herausholen lässt: Über 70 % des gesamten Exportvolumens sind unverarbeitete mineralische oder landwirtschaftliche Rohstätte, 20 % Industrieerzeugnisse. Auf der anderen Seite muss Australien über 80 % seiner Konsumgüter, vor allem seiner hochwertigen technischen Geräte (EDV-Anlagen, Elektrogeräte, Produkte der Unterhaltungselektronik u. a.) importieren. Häufig fährt man dabei Erzeugnisse ein, die aus seinen exportierten Rohstoffen hergestellt sind. Die einseitige Exportorientierung auf Länder wie Japan, das einen Großteil der australischen Kohle und des Eisenerzes abnimmt, birgt die Gefahr in sich, dass aufgrund schwankender Weltmarktpreise trotz steigender Fordermengen geringere Gewinne erzielt werden. Ein weiterer Grund für die derzeitige, von vielen als desolat eingestufte Situation liegt im Konsumverhalten der Australier, das amerikanischen Gepflogenheiten entspricht.
So hatte die Auslandsverschuldung, die gleich hinter der von Mexiko und Brasilien liegt, Ende 1990 mit über 150 Mrd. A-$ Entwicklungsländerniveau erreicht. Fast ein Viertel der Exporteinnahmen müssen für den Schuldendienst verwendet werden. Zwar wurde 1990 die strukturell bedingte Arbeitslosenquote auf 6,5 % (ca. 500.000 Arbeitslose) gedrückt, doch zog die Inflationsrate auf knapp 8 % an. Gegenwärtig steht Australien an einem wirtschaftlichen Scheideweg: Es kann sich darauf beschränken, weiterhin eine Art riesige Farm sowie gigantischer Steinbruch zu bleiben und es anderen Industrienationen zu überlassen, seine Rohstoffe zu verarbeiten. Oder es kann versuchen, seine Wirtschaftsstrukturen von Grund auf zu modernisieren, um selbst ein bedeutendes Industrieland zu werden. Die Wirtschaftsstrategen planen daher, die Umwandlung des Agrar- und Rohstofflandes zu einem Exporteur von Fertigwaren voranzutreiben.
Landwirtschaft und Viehzucht: Mit gegenwärtig ca. 38 % des gesamten Exportvolumens gelegt die Landwirtschaft weiterhin den zweiten Rang unter Australiens Devisenbringern. An erster Stelle liegen wertmäßig die Wollausfuhren, gefolgt von Erzen, Rindfleisch, Zucker und Molkereiprodukten. Allerdings geraten die australischen Farmer immer mehr zwischen die Mühlsteine der EG-Staaten und er USA, mit deren Subventionen sie auf dem Weltmarkt kaum konkurrieren können. Australien schloss sich 1986 mit 14 anderen Agrarexportländern sogenannten Caims-Gruppe zusammen.
Knapp zwei Drittel der Gesamtfläche Australiens werden landwirtschaftlich genutzt, davon sind allerdings nur 6 % für eine intensive ackerbauliche Nutzung geeignet. Der Ackerbau konzentriert sich auf die relativ feuchten und winterkühlen Küstenregionen des Südostens und Südwestens, die nicht weiter als 500 km ins Landesinnere hineinreichen. Weizen ist die wichtigste der hier angebauten Getreidesorten. Hauptabnehmer für australischen Weizen sind die VR China, Ägypten, die ehemalige UdSSR und Japan. Um die Abhängigkeit von Weizen als Devisenbringer abzubauen, förderte die Regierung die Diversifizierung der landwirtschaftliche Produktpalette. So ist Zucker ein weiteres wichtiges Exportgut. Weitere nennenswerte agrarische Einnahmequellen sind Gerste, Hirse und Sorghum, Baumwolle sowie vor allem auch Obst. Das weite Spektrum reicht von Ananas, Bananen, Mango und Papay um tropischfeuchten Norden über Äpfel sowie Stein- und Beerenfrüchte in den südlichen Regionen bis zu Zitrusfrüchte und Weintrauben auf ausgedehnten, mit modernen Bewässerungssystemen ausgerüsteten Plantagen.
Im Unterschied zum Ackerbau stehen einer extensiven Weidewirtschaft riesige Räume, geographisch als halbtrocken bezeichnet, zur Verfügung. Derzeit bevölkern daher auch rund 165 Mio. Schafe und fast 30 Mill. Rinder den Fünfte Kontinent. Die Schafweiden befinden sich in den Bundesstaaten Neusüdwales und Victoria. Rinderzucht wird in allen Bundesstaaten betrieben. Die australische Landwirtschaft ist in allen Bereichen hochmechanisiert, und die Beschäftigungszahl hat sich daher in den letzten drei Jahrzehnten halbiert.
Bergbau: Ausgelöst wurde der Bergbauboom durch die Entdeckung von Gold in Victoria und Neusüdwales Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Von den Goldfunden gingen die ersten Impulse zur Entwicklung einer eigenständigen Bergbauindustrie aus. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich Australien zu einem der größten Lieferanten mineralischer Rohstoffe entwickelt. In diesem Zeitraum entdeckte man vornehmlich in West- und Südaustralien sowie in Queensland und im Nordterritorium immens große Vorkommen an Stein- und Braunkohle, Eisenerz, Bauxit, Gold- und Silbererzen, Kupfer, Nickel, Mangan, Blei, Zink, Mineralsänden, Uran und Diamanten.
Ein starker Rückgang der Nachfrage auf den internationalen Absatzmärkten brachte die Bergbauindustrie Anfang der 70er Jahre - und 1983/84 gewaltig ins Trudeln. So werden seit Ende der 80er Jahre nur noch wenige neue Förderprojekte in die Wege geleitet.