Die Aborigines
Die Aborigines sind wahrscheinlich vor mehr als 40.000 Jahren nach Australien gekommen. Aus Asien stammend, fuhren sie mit Kanus von Insel zu Insel bis sie schließlich im tropischen Norden Australiens landeten. Auf der steinzeitlichen Kulturstufe der Jäger und Sammler lebend, besaßen sie ein erstaunlich weit entwickeltes Waffenarsenal, das vom Bumerang bis zu einer Art Speerschleuder reichte.
Traumzeit: Dieses Erbe ist ein Teil dessen, was heute als die "Traumzeit" der Aborigines bekannt ist. Die Eingeborenen sagen, dass am Anfang der Zeit Kreaturen und "Wesen" eine spirituelle Welt schufen, wie auch das Land und alles was darauf lebte. Alle Aborigines sind mit dieser Vergangenheit verbunden und mit einem bestimmten Teil der Landschaft oder seiner Geschöpfe identifizierbar. Sie glauben, das Umkreisen des Uluru (Ayers Rock) und weiterer solcher natürlicher "Tempel" in Australien helfe uns, die "Traumzeit" zu verstehen. Die Aborigines gehen davon aus, dass am Anfang der Zeit die heilige Regenbogenschlange aus einem langen Schlaf tief unter der Erde erwachte. Als sie sich aufrichtete, lag ihr ein riesiger Stein im Wege. Die Regenbogenschlange hievte ihn an die Oberfläche und so entstand der Uluru.
Die Aborigines lebten in kleinen Stammesgruppen, die, wenn die Nahrung knapp wurde, regelmäßig in neue Gebiete des von den Vorfahren ererbten Landes zogen. Bevor sie weiterzogen, zündeten sie das Land oftmals an, um sicherzustellen, dass bei ihrer Rückkehr das Land wieder fruchtbar war. Sie wohnten in sogenannten "Wurlies" oder "Gunyahs", primitiven Unterkünften aus Rinde und Holz. Die jungen Männer jagten Tiere wie etwa Kängurus, Emus und Kletterbeutler, heilige Geschöpfe, die laut überlieferter Stammesgesetze jedoch nicht gegessen werden durften. Sie bauten Fallen für Fische und fingen Enten. Die Frauen sammelten genießbare Pflanzen und Insektenmaden. Samen wurde zu Mehl gemahlen und zu Brot verarbeitet. Als Schutz gegen die Witterung dienten einfache, aus Zweigen oder Rinde errichtete, Windschirme.
Die Aborigines griffen auf ein überliefertes Wissen zurück, um in dem trockenen und feindlichen Land zu überleben. Sie empfanden das Land als einen freigiebigen und wohltätigen Freund. Sie konnten alle nutzbaren Pflanzen und Büsche identifizieren. Während der anhaltenden Trockenzeiten erhielten sie Wasser von Wüstenfröschen, die tief in den Sandhügeln vergraben waren und in ihren Bäuchen Wasser speicherten, um bis zum nächsten Regen zu überleben.
Die Alten lehrten die Jungen die Bräuche und geheimen Riten des Stammes und zeigten ihnen, wie man durch den "Bullroarer" mit den alten Geistern spricht. Auf Höhlenwänden bliesen sie mehrere Mundvoll Farbe über ihre ausgespreizten Hände, um lebhafte und deutliche Abdrücke ihrer Hände zu erhalten. Die Höhlen wurden auch genutzt, um heilige Wandmalereien anzubringen.
Zur spirituellen Seite ihres Lebens gehörte das "Corroboree"-Fest. Stammesmitglieder, die rituell mit weißer und roter Ockerfarbe beschmiert waren, feierten fröhlich mit rituellem Gesang und Tanz das Leben. Dabei wurde das "Didgeridoo", ein Blasinstrument, gespielt.
Konflikte mit den Siedlern: Die Neuankömmlinge verstanden das "Traumzeit"-Konzept der Aborigines nicht. Die ersten Siedlerpioniere hatten wenig Verständnis für das Verhältnis der Aborigines zu ihrem von den Vorfahren ererbten Land. Sie nahmen sich die Weidegebiete, die sie benötigten. Es dauerte nicht lange, bis es zu Querelen kam, jedoch waren die Aborigines für die gut bewaffneten Europäer kein wirklicher Gegner. Das war der Anfang eines Gemetzels, das sich bis in das späte 19. Jahrhundert hinzog. Neue, europäische Krankheiten, Cholera und Pocken forderten auch ihren Preis und so verringerte sich die Zahl der Eingeborenen in weniger als 150 Jahren von schätzungsweise 300.000 auf ungefähr 40.000 Aborigines. Sie lebten hauptsächlich in von der Regierung geschützten Arealen oder Missionen in weit abgelegenen Gebieten des Landes. Bis zum Jahr 1995 stieg ihre Zahl jedoch wieder auf etwa 300.000 an. Nach Plänen der Bundesregierung soll den Aborigines ein Teil ihres Landes zurückgegeben werden. Mit Ayers Rock ist das bereits geschehen. Auf vielen Landkarten wird er heute als Uluru bezeichnet. Zwar ist er eine Hauptattraktion für Touristen, einige heilige Symbole auf dem Fels sind dem Besucher jedoch versperrt. Hier wird die "Traumzeit" in ihrer ganzen farbenprächtigen Tradition zelebriert. Uluru und die Regenbogenschlange sind wieder lebendig.
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