Michaels Reisetagebuch: Hawaii-Neuseeland-Kanada - Neuseeland: Das Land der weißen Wolke

Neuseeland

Das Land der weißen Wolke

Traumstrände, Regenwald, schneebedeckte Vulkane und verzauberte Seen. Obwohl ich mittlerweile auf der ganzen Welt gedreht habe, gibt es keinen Ort, für den ich so schwärme wie für Neuseeland. Es ist die Heimat ungezählter Träume. Ein weites Land. Mit dramatischen Landschaften, die so unwirklich hinter einer Kurve auftauchen, als sie jemand an den Horizont gepinselt: steile Küsten und überschäumende Brandung, sanfte Ebenen und schroffe Felsen. Mit Gletschern. Und einer unbändigen Urwüchsigkeit, die eine Ahnung von der irrsinnigen Kraft der Schöpfung vermittelt...

Neuseeland boomt. Besonders als Filmland. In Neuseeland gedrehte Filme wie "Der letzte Samurai" haben stets noch einen heimlichen Star, der in Hollywood-Produktionen fehlt - die neuseeländische Landschaft! Und die verblüfft immer wieder neu, weil in ihr die Essenz verschiedener Landschaften steckt - als hätten die Götter die Highlights aller Länder gestohlen, um sie ausgerechnet hier, am Ende der Welt (wo die Menschen auf dem Kopf stehen), in einen Kochtopf zu werfen: Felder, wie sie in England nicht schöner zu finden sind. Schneebedeckte Berge wie den Mount Taranaki an der Westküste der Nordinsel, die man für die Schweizer Alpen halten könnte. Und herrliche Seen, wie man sie bisher nur aus Italien kennt, zum Beispiel den Lake Taupo (Neuseelands größter See ist berühmt für seinen Forellenreichtum). Am vielleicht atemberaubendsten ist jedoch Neuseelands urwüchsige Schönheit. Nur hier sah ich schwarz-weiße Fächerschwanz-Vögel, die über gelbe Lilienfelder flogen.

Neuseeland betört. Es ist alles so normal, so easy going. Warum? Vielleicht, weil im "Land der weißen Wolke" (so heißt Neuseeland in der Sprache seiner Ureinwohner, der Maori) die Zahl der Gesamtbevölkerung mit 3,55 Millionen Menschen kaum größer ist als die Einwohnerzahl Berlins. Und man spürt sofort: In dieser Einsamkeit achten sich die Menschen mehr als anderswo auf der Welt - jeder ist gleich wichtig, egal ob er aus Deutschland, China, Afrika oder Amerika kommt.

Neuseeland begeistert. Auch als Urlaubsparadies. Türkisblau glitzerndes Meer, herrliche Sandstrände, stille Buchten, ein weltweit einmaliger Garten Eden unter Wasser - vor allem der fast hundert Kilometer lange Ninety Mile Beach ist ein Paradies für Badeurlauber, Segler und Taucher. Mit etwas Glück kann man sogar Seelöwen, Delfine und Wale sehen - und immer mit ihnen schwimmen. Übrigens: Immer, wenn man glaubt, Neuseeland verstanden zu haben, erlebt man etwas vollkommen Unerwartetes - und ist hingerissen. Wo sonst kann man in Vulkankratern baden, wo sonst hat eine Hauptstadt wie Wellington trotz der geringen Zahl von nur 350.000 Einwohnern eine höhere Kaffeehausdichte als die Weltmetropole New York? Und wo sonst glauben die Menschen, dass alles, was lebt, eine Seele ("wairau") hat, egal, ob Mensch, Tier oder Pflanze?

Neuseeland. Dieses Land gehört nicht den Menschen. Hier gehört der Mensch dem Land. Und dafür ist er unendlich dankbar - schließlich beschenkt ihn Neuseeland täglich reicher, als ein umschmeichelter König in seinem ganzen Leben Geschenke erhält: In Neuseeland ist jeder Tag paradiesisch, einzigartig, unvergesslich ...

Mammut-Produktionen wie "Herr der Ringe", "Vertical Limits" und "Der letzte Samurai" haben nicht nur Millionen Dollar nach Neuseeland gebracht - sie haben es dem Publikum weltweit bekannt gemacht: 2002 kamen mehr als zwei Millionen Touristen ins Land - 6,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Bemerkenswert: Nicht Großstädte profitieren vom Interesse der US-Filmstudios, sondern dünn besiedelte Regionen wie Taranaki.