Michaels Reisetagebuch: Hawaii-Neuseeland-Kanada - Windspiele an rauer See: Was man in neuseeländischen Luxus-Lodges erleben kann

Windspiele an rauer See

Was man in neuseeländischen Luxus-Lodges erleben kann

An einem sonnigen Morgen ist diese Landschaft eine Harmonie aus dem hellen Grün der Greens und dem dunkleren Smaragdgrün der Roughs, eingetaucht in ein unverschämtes Blau von Meer und Himmel. Noch liegt ein Hauch von Frühnebel in der Bay of Islands, einer Bucht mit vielen, meist unbewohnten Inseln, bewachsen mit den gewaltigen Kauri-Fichten, die fünfzig Meter hoch und uralt werden können. Einst waren die Bäume auf der ganzen Nordinsel Neuseelands zu finden, doch als perfektes Bauholz für die Kanus der Maoris und die Städte der britischen Siedler sind sie zu einer Rarität geworden.

Acht "Cottages" gehören zu den "Kauri Cliffs", und nach dem Geschmack von Josie, der Gattin von Julian Robertson, der in seinem früheren Leben Wall-Street-Makler war, wurde die Lodge eine Mischung aus North-Carolina-Architektur und East-Hampton-Sommerhaus. Ein offener Kamin, Rattanmöbel und flauschige Wolldecken in den Suiten vermitteln den heimeligen Charme eleganter Landhäuser.

Weil die "Kauri Cliffs" nur eine Flugstunde nördlich von Auckland liegen, sind sie fester Bestandteil des Kalenders des neuseeländischen Jet-sets. Was früher eine Rinderfarm war, ist mit 18 Löchern in eine der schwierigsten Golfanlagen der Welt umgewandelt worden. Hier feilt auch America's-Cup-Gewinner Ernesto Bertarelli, der nicht nur ein erfolgreicher Segler, sondern auch ein besessener Golfspieler ist, an seinem Handikap. Was sonst einen Tag verlangt, wie die Fahrt zum Cape Reinga, wo der nördlichste Leuchtturm Neuseelands steht, dauert mit dem privaten Hubschrauber nur eine Stunde, falls das übliche Tosen des Meeres dort, wo Pazifik und Tasmansee aufeinandertreffen, ausbleibt. Die Gastgeber verstehen sich darauf, ihre Gäste zu verwöhnen.

Dass sie in der neuseeländischen Lodge-Szene kein Einzelfall sind, beweist die Wharekauhau Lodge, die am südlichen Ende der Nordinsel liegt, nahe der Hauptstadt Wellington. Man spürt, dass es nur mehr fünftausend Kilometer bis zur Antarktis sind. Der Wind lässt jeden Daunenanorak zu einem dünnen T-Shirt werden und peitscht das Meer in der Cook Strait zu weißem Schaum auf. Für James, dem Oberhirten über die fünftausend Schafe der Lodge, gehören die Stürme der Roaring Forties zum Alltag. "Im Frühjahr haben wir sechs Tage Southerlies", erzählt er, "dann fünf Tage Northwesterlies und vier Tage Erholung vor dem nächsten Sturm". Wer in dieser Ecke Neuseelands keine Schafe züchtet, lebt vom Fischfang, denn der kalte Pazifik bringt volle Netze. Allerdings ist der Seegang an diesem Küstenstreifen so stark, dass die Boote mit Bulldozern ins Wasser gelassen werden. Doch heute ist es schlicht lebensgefährlich, selbst den Seelöwen ist das nasse Element zu turbulent. Faul liegen sie am Strand und blinzeln in die Kameras.

Mit Fish und Chips, dem lokalen Bier und Musik aus den Fünfzigern lässt sich der Wetterspuk gut überstehen. Spiegelglatt liegt die Cook Strait am nächsten Morgen da, ganz so, als wäre sie zu keiner einzigen Welle fähig. Dies erleichtert den Sprung auf die Südinsel, in die Gegend von Nelson, wo verträumte Buchten, Obstplantagen und Rebstöcke zum Verweilen einladen. Wer es sich leisten kann, wohnt in der Paratiho Lodge in der Nähe des Abel Tasman-Nationalparks. Paratiho heißt in der Sprache der neuseeländischen Ureinwohner, der Maori, Paradies. Für die Besitzer Sally und Robert Hunt steht der Begriff für kalifornischen Lifestyle in der Art der oberen Zehntausend. Ein Park voll zeitgenössischer Skulpturen, die Wände voller Bilder, Kunstbände in den Suiten. Gäste zu betreuen ist das Hobby der beiden aus Los Angeles geworden, denen ihre Heimat zu kriminell und ihr Zweitwohnsitz Sun Valley zu langweilig geworden ist.

Selbst im äußersten und nur spärlich besiedelten Süden Neuseelands kann man den Luxus feiner Häuser genießen, etwa in der Matakauri Lodge. Ein New Yorker Anwalt fiebert dem morgendlichen Flyfishing entgegen: "I'll get this damned fish out of this damned river!" Eigentlich ist Queenstown der Ort der harten Männer und unerschrockenen Frauen, weltberühmt für Bungee-Jumping und andere wahnwitzige Unterhaltung. In einem Jetboat den Dart River hinauf jagen, haarscharf an den Felsen vorbei und mit waghalsigen Wendungen imposante Wasserfontänen erzeugen, das macht Bill schon seit zwanzig Jahren. Und noch immer blitzen dabei seine Augen vor Vergnügen. Von der Cessna aus kann man den Blick schweifen lassen, über schneebedeckte Berge, Gletscherfelder, Schluchten und kristallklare Seen. Die Schönheit dieser Landschaft raubt einem den Atem.

Die Reisezeit: Wegen des milden Klimas kann man zu allen Zeiten nach Neuseeland reisen. Im neuseeländischen Sommer und Herbst ist das Wetter am beständigsten.

Der Flug: Zum Beispiel mit Air New Zealand über London und Los Angeles nach Auckland oder Asienroute über Singapur mit Singapore Airlines.

Die Lodges: a.) Zu Kauri Cliffs von Auckland nach Kerikeri, dann dreißig Minuten mit dem Auto b.) Wharekauhau Lodge mit dem Flugzeug nach Wellington, dann zwei Stunden mit dem Auto über die sehenswerte Rimutaka Range c.) Zur Paratiho Lodge nach Nelson fliegen, dann eine Stunde durch Obstplantagen nach Upper Moutere d.) Zur Matakauri Lodge fliegt man nach Queenstown, das Haus liegt am Wakatipu Lake.