Michaels Reisetagebuch: Hawaii-Neuseeland-Kanada - Die 'Rainbow Warrior': Explosives von Admiral Lacoste

Die 'Rainbow Warrior': Explosives von Admiral Lacoste

Präsident Mitterand genehmigte das Attentat auf die 'Rainbow Warrior' Mitte der 80er Jahre

Fernando Pereira ist nicht vergessen. Vorigen Sonntag hatten sich auf dem Trocadero im Schatten des Eiffelturms Hunderte Menschen versammelt, um des Fotografen zu gedenken, der 1985 in Auckland beim Anschlag auf das 'Greenpeace'-Schiff Rainbow Warrior umgekommen ist. Ein angebliches Ehepaar mit falschen Schweizer Pässen wurde damals als Täter festgenommen. In Wirklichkeit handelte es sich um den Major Alain Mafart und Capitaine Dominique Prieur vom französischen Auslandsgeheimdienst. Sie hatten im Auftrag der Direction Generale de la Securite Exterieure (DGSE) operiert, aber erst jetzt weiss die Welt, was bisher ein Gerücht war: Francois Mitterand, Präsident jener Jahre, hatte das Attentat gebilligt.

Das Staatsgeheimnis ruhte wohl verwahrt in einem Archiv der Republik, bis es von Le Monde enthüllt wurde. Der damalige DGSE-Chef Pierre Lacoste hatte ein paar Monate nach der Affäre auf Befehl eines neuen Verteidigungsministers niedergeschrieben, wie es zu der Aktion gekommen war: Auf höchste Anweisung sollte der Geheimdienst die Organisation 'Greenpeace' mit allen Mitteln daran hindern, die französischen Atomversuche im Muroroa-Atoll zu stören. Admiral Lacoste sah keine andere Möglichkeit, als das Schiff, welches das Versuchsgebiet von Französisch-Polynesien ansteuern wollte, "zu neutralisieren", wie er das nannte. Seine Agenten legten zwei Minen. Die erste zerstörte die Schiffswand, aber die Besatzung konnte sich retten. Als der Fotograf Pereira noch einmal an Bord eilte, um seine Kamaraausrüstung zu bergen, explodierte der zweite Sprengsatz. Pereira ertrank.

"Ich hätte mich niemals ohne die persönliche Zustimmung des Präsidenten auf eine solche Operation eingelassen", notierte Lacoste später. Bei einer Audienz im Elysee-Palast habe er Mitterand eingeweiht. "Ich bat den Präsidenten um die Genehmigung für das Projekt, das ich im Auftrag (des Verteidigungsministers) Monsieur Hernu ausgearbeitet hatte. Er gab mir seine Zustimmung und betonte die Bedeutung, die er den Atomversuchen beimass", schrieb der Admiral in feiner Handschrift. "Ich bin dann nicht in weitere Einzelheiten gegangen, die Autorisierung schien mir hinreichend deutlich."

Zwischen Neuseeland, das sich zur atomwaffenfreien Zone erklärt hatte, und Mitterands Frankreich, das Grossmacht sein wollte, kam es zu schweren diplomatischen Verstimmungen. Das falsche Touristen-Ehepaar wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, aber später nach Frankreich abgeschoben. Andere Mitglieder des Kommandos hatten das Land schon am Vorabend der Aktion verlassen. Sie haben bedauert, dass ein Mensch bei ihrer Aktion umgekommen ist. "Wir hatten von Anfang an eine klare Regel: Es sollte niemand getötet werden", sagte die Agentin Prieur später.

Mitterand selbst hat sein Wissen stets geleugnet. Er sprach von einer 'idiotischen Affäre', von einer 'verrückten Ausführung', von einer 'kriminellen und dummen Handlung', die 'die Admirale unter sich ausgeheckt haben'. Damals hatte er seinen Premier Laurent Fabius aufgefordert, die Affäre aufzuklären. Verteidigungsminister Charles Hernu wurde entlassen, der Geheimdienstchef pensioniert.

Fabius ist -offenbar zu Unrecht- wiederholt verdächtigt worden, als Mitwisser die Affäre verschleiert zu haben, um seine eigene Haut zu retten. Er dürfte nun rehabilitiert sein. "Ich glaube, dass der Premier vor der Ausführung der Operation nicht auf dem Laufenden war", schrieb Admiral Lacoste.

Bald nach der Aktion wurde die damalige sozialistische Regierung abgewählt und Jacques Chirac wurde Fabius' Nachfolger. Doch auch Chirac behielt sein Wissen für sich. Die Staatsräson verbot es, Mitterand blosszustellen, denn der Sozialist blieb Staatschef. Die Affäre war der Tiefpunkt der ersten Amtszeit des sozialistischen Präsidenten. Vorige Woche benannten 'Greenpeace'-Aktivisten symbolisch die Nationalbibliothek, die den Namen des Präsidenten trägt, in 'Fernando-Pereira-Biblothek' um. Mitterand hat seine Lüge mit ins Grab genommen.