Berge, Seen und Fjorde
Tour über die Südinsel Neuseelands
Der Blick entschädigt für die lange Anreise um die halbe Welt. Wer auf dem Weg zu den Seen und Bergen der Südinsel Neuseelands endlich in Christchurch angekommen ist, sollte daher noch die paar Kilometer hinaus zur Banks-Halbinsel auf sich nehmen. Dort, wo sich die Straße Nr. 75 nach Durchquerung der Lagunenlandschaft an der Küste über den Hügel schwingt und den Blick auf das in eine grüne Bucht eingebettete Akaroa freigibt, wartet der erste Halt, um die ganze Kraft der Landschaft im Süden Neuseelands in Ruhe wirken zu lassen.
Der kleine Ort, der im 19. Jahrhundert von französischen Siedlern gegründet wurde, deren Erbschaft noch heute überall zu merken ist, bietet sich als erster Stützpunkt zur Akklimatisierung und Aufarbeitung des Jetlags an. Mit Wanderungen in den umgebenden Hügeln lässt sich die innere Uhr auf die neue Zeit einstellen. Und Ausfahrten zu den Buchten der Halbinsel gewöhnen die fahrerischen Reflexe an den Linksverkehr.
Dann ruft der Süden, der auf dieser Seite der Erdkugel allerdings so klingt wie bei uns der Norden. Bis Oamaru sind es entlang des Highway 1 rund viereinhalb Stunden - in denen einer der wie überall in Neuseeland exzellenten Cappuccini im Hafenort Timaru bereits einkalkuliert ist.
In Oamaru angekommen, wartet dort neben einer viktorianischen Altstadt (der einzigen in Neuseeland) die große Pinguin-Show. Diese startet eine Stunde vor Sonnenuntergang, wenn die ortsansässige Kolonie der blauen Pinguine aus dem Meer zu ihren Brutstätten auf der vorgelagerten Halbinsel zurückkehrt. Schon vorher können die Gelbaugen-Pinguine am Strand dahinter (Bushey Beach) von den Klippen aus beobachtet werden, wenn sie am späten Nachmittag zurück an den Strand kommen.
Von Oamaru führt der Highway 1 nach Süden, wo sich Dunedin als nächster Stopp anbietet, um die Otago-Halbinsel zu erkunden. Die Straße zum Kap, auf dem eine Albatros-Kolonie zu bewundern ist, bietet grandiose Ausblicke hinweg über sattgrüne Weiden auf das blaue Meer und die Brandungszonen weiter Buchten. Und mit Larnach Castle das einzige Schloss Neuseelands.
Nach Küste und Meer wird es dann Zeit, sich den grandiosen Seen und Bergen anzunähern. Der direkte Weg führt ab Balclutha über Clinton und Gore (die Orte haben schon so geheißen, als die namensgleichen Herren noch unbekannt waren) nach Te Anau. Auf diesem Weg verpasst man aber den wildromantischen Landstrich der Catlins. Also folgt man der Southern Scenic Route zunächst bis zum kleinen Küstenort Kaka Point, von dem sich ein Abstecher über die Schotterstraße zum Leuchtturm des von Wind und Wellen umtosten Nugget Point lohnt.
Dann zurück bis zum Wegweiser zur Southern Scenic Route und durch die Catlins, wo sich Wald, Hügel und Weiden mit Seen, Wasserfällen und Meeresbuchten abwechseln und sich bei Curio Bay ein versteinerter Wald findet.
Te Anau hat dann nicht nur den ersten riesigen See der Route zu bieten, sondern ist auch Ausgangspunkt für Touren zum Doubtful- und Milford-Sound. Ersterer ist nur organisiert erreichbar (Schiff über den See, Bus über einen Pass, Schiff durch den Fjord) und einen Tagesausflug wert. Größter Vorteil ist die komplizierte Erreichbarkeit, welche die Besucher-Massen abhält. Was man vom Milford-Sound nicht sagen kann, der über eine Pass-Straße erreichbar ist.
Tipp für das Timing: Wer mit dem eigenen Auto fährt (ca. zwei Stunden in eine Richtung), sollte bedenken, dass zwischen 9:00 und 10:00 Uhr alle Tourbusse in Te Anau wegfahren. Daher also früher starten, oder erst nach 10:00 Uhr, wenn man keine Staus an den Aussichtspunkten haben will.
Nächster Stopp ist dann Queenstown, die Adrenalin-Hauptstadt des Landes: Viel junges Volk und an jeder Ecke ein Laden, der sich um die Thrill-Seekers kümmert (vom Bungee-Jumping mit verbundenen Augen bis zum Jet-Boot-Trip durch die Felsenschlucht des Shotover-River).
Wem das zu viel Wirbel ist, der flüchtet über den Berg nach Wanaka. Bei gutem Wetter empfiehlt sich die Bergstraße über Cadrona, die zwar als Challenging Road ausgewiesen, für Alpenerprobte aber keine Herausforderung ist. Der kleine Ort Wanaka zeigt sich als entspanntere Alternative zu Queenstown und hat mit See und Wanderwegen eher Ruhe und Erholung zu bieten.
Dann ist es aber Zeit für den symbolischen Gipfelsturm auf den höchsten Berg Neuseelands. Der Mount Cook zeigt sich zum ersten Mal in seiner vollen Pracht, nachdem man von der Straße Nr. 8 am Ende des Lake Pukaki auf die 80 abgebogen ist. Die Fahrt bis an den Fuß des Gletschers zahlt sich auch bei verhangenem Wetter aus, da sich die Lage rasch ändern kann und der Blick aus dem Hermitage-Hotel am Abend auf den plötzlich aus den Wolken auftauchenden Gipfel unvergesslich bleibt.
Staunen steht auch am nächsten Etappenort Lake Tekapo an, wenn man sich zu einer nächtlichen Exkursion zum Observatorium auf dem 1.000 m hohen Mount John durchringt. Die Tour zum Sterne-Schauen mit Profi-Teleskopen unter fachkundiger Anleitung bietet tiefe Einblicke in entfernte Galaxien, da der Sternenhimmel hier wegen der geringen Lichtverschmutzung (außer dem 300-Seelen-Ort Tekapo gibt es keine Ansiedlung weit und breit) besonders klar zu sehen ist.
Auf dem Rückweg nach Christchurch kann man noch einmal die ganze Vielfalt Süd-Neuseelands an sich vorbeiziehen lassen. Von Tekapo fährt man entlang des Highway Nr. 8 über den Burke Pass nach Fairlie, wo sich die Landschaft wieder in grünes Farmland mit den üblichen Schafweiden wandelt. Dort biegt man auf die 79 Richtung Geraldine und folgt weiter der Scenic Inlandroute Richtung Norden. Links tauchen schneebedeckte Berge auf, davor sorgen tiefgrüne Weiden mit Schafen und Rindern für optischen Kontrast.
Weiter geht es bis Oxford, dann zum Highway 1 an die Küste und hinein nach Christchurch. Dort empfiehlt es sich, im Hotel George einzuchecken. Das liegt ruhig und nur von einer Straße und vom Avon-River vom großen Park der Stadt getrennt, aber in Gehweite zum Zentrum.
Hier können die Eindrücke der 2.600-km-Tour in Ruhe Revue passieren, während man im exzellenten Restaurant des George seinen abschließenden Frieden mit der neuseeländischen Küche schließt.
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