Michaels Reisetagebuch: Hawaii-Neuseeland-Kanada - Nasses Glück am anderen Ende der Welt

Nasses Glück am anderen Ende der Welt

Wer Lust hat, auf einem Vulkan Skifahren zu gehen, die dicksten Forellen der Welt zu angeln und einen wirklich exklusiven Triathlon zu absolvieren, muss nur kurz nach Neuseeland jetten.

Ross Baker ist noch ganz besoffen vor Glück: "In Waitahanui ist heute der 'Lattenzaun' auf zwölf Ruten angewachsen, aber bei fast allen hat was angebissen. Am Tongariro hab' ich ein paar große Seeforellen gesehen, da muss ich morgen noch einmal hin. Und dort ist weit und breit kein Angler, der dir auf den Pelz rückt. Ein Wahnsinn!"

Baker ist nicht der einzige, den hier das Jagdfieber beutelt: Verschwiegene Plätzchen, die größte Freude jedes Fischers, sind derzeit rar am Lake Taupo in Neuseeland, zugegebenermaßen ein Dorado für Fliegenfischer aus aller Welt, aus Australien natürlich und aus den USA, sogar aus dem fernen Europa reisen sie an, aus Frankreich und aus Schweden, um in Gummihosen und bescheuerten Hüten bis zum Bauch im Wasser zu stehen und ihre Ruten sausen zu lassen, auf, ab, auf, ab; könnte ja sein, dass etwas beißt. Zum Beispiel Regenbogenforellen, hier gerne bis vier Kilo schwer. Sowas nährt den Mann und gibt Gesprächsstoff, abends in Bars und in Köder-Shops mit angebauter Bierbude, rund um den Lake Taupo eine übliche Form der Gaststätte. Da werden sie ausgiebig besprochen, die Fänge, die Angelruten und Armspannweiten strapazieren.

"Die Henne ist voller Eier", freut sich Shane French in der Waitanahui Lodge direkt am Seeufer. Im See selbst und in seinen zahlreichen Zuflüssen wimmelt es derzeit von Forellen: Laichzeit. "Der See ist jetzt genau richtig", meint Stella Gordon vom 'Store' an der Tauranga-Mündung, "und hoffentlich sehen wir bald wieder Trockenfliegen in Aktion". Es hat ein paar Tage geregnet, das Angelvergnügen war noch nasser als sonst. Jetzt sollten den Fischern ein paar ruhige, schöne Sommertage beschert sein.

Bald geht es am See ohnehin wieder rund: Im März findet hier der zweitälteste Ironman-Triathlon der Welt statt, stolze 50.000 US-Dollar werden ausgeschüttet. 1.300 Teilnehmer, die Hälfte davon aus Übersee, werden erwartet, einer davon ist immerhin schon 65. Eine ganze Woche lang zieht sich der Eventreigen mit See-Durchschwimmen und 'Ironkids'-Triathlon, 20.000 Besucher sind in der Stadt angesagt, und Müdigkeit vorschützen gilt nicht: "Party!" heißt die Devise.

Wie überhaupt die Fischer die ruhigsten Gäste in der Gegend sind: Der See und sein Umfeld sind ein riesiges Freitzeitparadies. Man kann hier Bungee-Jumpen, Paragliden, Raften, Golfen, Tauchen, Segeln, Maori-Denkmäler bestaunen und natürlich Skifahren und Wandern - bloß Vorsicht, zwischendurch zischt es zwischen den Zehen: Der Untergrund ist vulkanisch. Im blubbernden Thermalwasser werden Gelenke wieder heil und Garnelen gezüchtet. Phantastisch zur Forelle! Und manche finden gar, dass derlei für öde Bordverpflegung auf dem 24-Stunden-Flug entschädigt.