Michaels Reisetagebuch: Hawaii-Neuseeland-Kanada - Liebeserklärung an Neuseeland

Liebeserklärung an Neuseeland


Wo sind sie? Wer? Na, die vierbeinigen Wollknäuel. Schafe! Meine Reisebegleitung quengelt schon wieder. Es ist sieben Uhr morgens. Zerknittert und müde sind wir gerade nach einem Marathon-Flug aus dem Flieger gestiegen, und jetzt bildet der Kerl sich tatsächlich ein, dass wir neben dem Rollfeld schon grasende Schafe erblicken? Wir befinden uns am anderen Ende der Welt: in Neuseeland. Weiter weg von der Heimat geht es nicht. »Ja, ja, deine Schafe kriegst du noch«, antworte ich etwas genervt. Nun aber erstmal durch den Zoll, den Mietwagen abholen und schnell eine Bleibe in Auckland ausfindig machen, um wenigstens ein paar Stündchen zu schlafen.

»Haere mai!« - Herzlich willkommen! Mit diesen Worten empfangen uns die lächelnden Beamten, lassen uns in riesige Bottiche mit Desinfektionsmitteln stapfen und verschwinden kurz mit unserem Zelt - alles aus hygienischen Maßnahmen. Neuseelands Schafe und Rinder sollen die glücklichsten Tiere der Welt bleiben. Fast wie bei uns die Kühe im Allgäu. Mit zwei gravierenden Unterschieden: Neuseelands Weidetiere haben noch nie einen Stall von innen gesehen, und ein saftiges Steak ist dort nach dem Bruzzeln in der Pfanne noch genauso groß wie vor Beginn der Kochorgie.

Beim Verlassen des Flughafengebäudes fällt uns das ungewöhnlich helle Tageslicht auf. Ein netter Mensch von der Autovermietung drückt uns den Schlüssel in die Hand, winkt uns zum Abschied. Und los geht es. Freundlich und hilfsbereit geben sich die Kiwis. Diesen Spitznamen haben sich die Neuseeländer selbst verpasst. Das zeugt von ihrem Humor, weil der Kiwi, auch Wappentier des Landes, ein flugunfähiger, wenig heroischer - kurz: ein plumper Vogel ist.

Nur beim Rasenmähen, einem britischen Überbleibsel, da versteht ein Kiwi keinen Spaß. Denn kurz geschnitten muss der Rasen sein. Für uns Camper ein willkommener Service. Wer schnell in eine der abgelegensten Gegenden der Süd- oder Nordinsel abtauchen möchte, der findet immer ein paar gepflegte Quadratmeter Wiese für sein Zelt - mit oder ohne Schafe (na endlich!). Dazu jenes komfortable Ding, das uns auf vielen Afrika- und Südamerikareisen immer verwehrt blieb: ein sauberes Klohäuschen. Alle paar Kilometer sieht man eines stehen. Sei es am einsamen Strand von Opoutere oder am Ende einer durch Farnwälder führenden, kilometerlangen Schotterpiste.

Aber nicht nur wegen der intimen Örtchen hat das Land unser Herz erobert. Vielmehr sind es auch die frisch zubereiteten Milchshakes, die man zu Spottpreisen in urigen Tante-Emma-Läden fast überall kaufen kann. Dazu gibt es gratis einen Plausch mit dem Verkäufer. Nicht selten erhält man so eine Einladung zum Dinner oder darf sein Zelt für die Nacht im Vorgarten des netten Gesprächpartners aufschlagen.

Wer jetzt denkt, wir hätten Neuseeland nur wegen der Klohäuser, der kalorienreichen Kalziumprodukte oder eventueller Schmarotzereien bereist, der täuscht sich.

Natürlich haben wir Wale, Seehunde und Albatrosse beobachtet, sind erfolglos mit Delfinen um die Wette geschwommen und haben das Bungee-Jumping in Queenstown den anderen überlassen. Wir haben auch die märchenhaften Glühwürmchengrotten, die Wüstenlandschaften Neuseelands gesehen und scheuen uns nicht vorm Muskelkater, den wir uns während eines Kanutrips flussabwärts paddelnd, zugezogen haben. Gerne räkelten wir uns vormittags am Ufer des Lake Taupo und sind nachmittags zum Snowboarden auf den Vulkan Ruapehu gefahren. Auch unsere Liebe zur Kunst haben wir auf der Insel entdeckt und kofferweise Skulpturen und Holzplastiken eingekauft. So manches Kunstgenie wird in der menschenleeren, ewig grünen Hügellandschaft Neuseelands wohl unentdeckt bleiben. Schade!

Und dann abends, gab's immer ein Gläschen einheimischen guten Weines. Vorm Zelt sitzend, meist mit Blick aufs Meer. Und natürlich auch auf unsere neuen Freunde, die vierbeinigen Wollknäuel.