Neuseelands explosives Vergnügungszentrum liegt im Vulkanland
Maori-Traditionen und Adrenalinsport in Rotorua
Sie strecken die Zunge heraus -eine Geste der Herausforderung- und rollen gefährlich mit ihren bläulich schimmernden Augen. Doch eigentlich sind sie ja harmlose Gesellen, diese Tekotekos, denn sie sind aus Holz. In den Händen geübter Schnitzer entstehen die Statuetten neuseeländischer Maori-Krieger beispielsweise hier in dieser Werkstatt in Rotorua, unter den Augen interessierter Betrachter, die sie später im Laden nebenan oder auch in einem der zahllosen Souvenirshops Neuseelands erstehen, mit nach Hause nehmen und liebevoll an einem prominenten Ort platzieren werden. Tourismus und Tradition gehen in Rotorua auf Neuseelands Nordinsel Hand in Hand.
An den Maori kommt man in Rotorau nicht vorbei, schon gar nicht in Te Whakarewarewa. Von den Einheimischen der Einfachheit halber nur Whaka genannt, heisst der Ort eigentlich Te Whakarewarewa o te Ope Taua a Wahiao, was etwa so viel bedeutet wie "das Zusammenkommen der Krieger von Wahiao". Whakarewarewa ist einer der spektakulärsten Orte in Rotorua, wo man die Erde bei der Arbeit beobachten kann. Hier blubbert heisser Schlamm, dort steigt neben dem Flüsschen schwefliger Dampf auf, und jetzt zischt und spuckt auch noch Pohutu, der heute grösste Geysir Neuseelands. Als wüsste Pohutu ("Der grosse Spritzer" in der Maori-Sprache), dass von ihm der kommerzielle Erfolg dieses Naturparks abhängt, lässt er mit schöner Regelmässigkeit etwa einmal pro Stunde seine heisse Wasserfahne bis zu zwanzig Meter in die Luft steigen. Und damit niemand das Spektakel verpasst, lässt er sich jeweils von einem kleinen Geysir ankündigen.
Das natürliche Vorkommen von heissem Wasser machte für die Maori, die vor einigen hundert Jahren die neuseeländische Nordinsel besiedelten, diese Gegend sehr interessant. Ausserdem fanden sie fischreiche Seen in den Kratern erloschener Vulkane vor. Es sind diese Attribute, die Rotorua auch heute für den Tourismus attraktiv machen, zusammen mit der starken kulturellen und historischen Präsenz der Maori. Dass die Maori-Traditionen in kommerzialisierter Form daherkommen, nützt der Sache eher, denn es gibt weniger Berührungsängste. In Whakarewarewa ist ein traditioneles Maori-Dorf nachgebaut mit einem prachtvoll geschnitzten und verzierten Gemeindehaus, und es werden regelmässig Konzerte und Tänze dargeboten.
Des nicht unbedingt angenehmen Geruchs wegen, der allenthalben aus Erdspalten dringt und vom Wind durch die Stadt getragen wird, trägt Rotorua den Spitznamen "Schwefelstadt" (dafür hat praktisch jedes Hotel- oder Motelzimmer sein eigenes Thermal-Sprudelbad). Doch nennt man den Ort bisweilen auch "Roto-Vegas", des überbordenden Angebots an Vergnügunsmöglichkeiten wegen. Nach gut neuseeländischer Art handelt es sich dabei weitgehend um Adrenalin treibende, manchmal aber auch beschaulichere Vergnügungen an der frischen Luft, von Jeep- und Quad-Bike-Safaris oder Mountainbike-Touren durch die umliegenden Wälder über Wildwasser-Trips auf den Flüssen der Umgebung bis zu Wandern, Bootsfahren auf dem See oder geruhsamem Forellenfischen. Für die vielfältige Klientel ist Rotorua mit Unterkünften aller Art gerüstet, vom Fünfsternhotel bis zum Caravan-Park und zur Herberge für Rucksacktouristen.
Der Tourismus hat eine lange Tradition in der Gegend. Zwei Attraktionen, die vor mehr als hundert Jahren schon Gäste von weit her anzogen, sind inzwischen allerdings verschwunden. Im Waimangu Volcanic Valley war ein Geysir aktiv, der sein schwarzes Wasser einen halben Kilometer in die Luft gespuckt und damit Anspruch auf Weltrekord erhoben haben soll. Und unweit davon befanden sich die einst grössten Publikumsmagnete der Gegend, die rosa und weissen Sinterterrassen des Lake Rotomahana. Am 10. Juni 1886 allerdings kündigten Erdbeben Unheil an. Es folgte eine gewaltige Eruption des Vulkans Mount Tarawera, der zuvor den Maori 500 Jahre lang wenig Anzeichen von Tätigkeit gegeben hatte.
Der fünfstündige Vulkanausbruch verwüstete ein Gebiet von 1.500 Quadratkilometern. Drei Maori-Dörfer wurden unter Asche begraben, und 153 Menschen kamen ums Leben. Bei den nachfolgenden Rettungsarbeiten wurden zahlreiche Überlebende gefunden, unter denen der über hundertjährige Maori-Priester aus dem Dorf Te Wairoa. Allerdings weigerten sich die Maori in den Rettungsmannschaften, ihn aus seinem verschütteten Haus zu holen. Denn der Priester hatte Unheil vorausgesagt, weil die Hinwendung der Dorfbewohner auf Tourismus und schnelles Geld der Tradition widerspreche und den Feuergeist im Berg verärgere. Deshalb wurde er verdächtigt, seine magischen Kräfte eingesetzt und die Eruption herbeigeführt zu haben. Der Priester wurde erst vier Tage später -immer noch lebend- von Europäern befreit, starb kurz darauf aber in einem Sanatorium von Rotorua. Dass den Berggeistern der Tourismus von heuet missfällt, ist nicht anzunehmen, denn sonst stünde Rotorua schon längst nicht mehr. Aber in der Erde rumpelt es immer noch hin und wieder.
Für Reisen ohne fixe Routen- und Etappenplanung empfiehlt sich der Bezug eines Unterkunftsverzeichnisses (AA oder Jason's). Während der Hauptreisezeit (Dezember bis Februar) sind Reservationen unerlässlich. Beste Reisezeit ist die Zwischensaison im Frühling und Herbst, während im neuseeländischen Winter (Juni bis August) Schnee den Verkehr erheblich behindern kann.
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