Michaels Reisetagebuch: Michael beschreibt seine 100-tägige Reise durch nach Hawaii, Neuseeland (Schwerpunktthema) und Kanada. Die Seiten werden durch ein Reiseforum, einen Grusskartenservice, eine Linkhitliste, einen ChatRoom sowie free SMS & free E-Mail-Konto abgerundet



71. Reisetag:
Freitag, 20. März 1987

Von Wärme und Sonne hieß es wieder einmal Abschied zu nehmen. Die Wetteränderung, die heute folgte, war extrem. Am Morgen goss es in Strömen; aber dabei war es wenigstens noch ziemlich mild. Heute wollte ich nun die Jugendherberge Opoutere verlassen.

Vorher ging ich aber noch zum Frühstück in den kleinen Gemeinschaftsraum, wo ich Eier und Brot aß, Kaffee trank und Müsli verspeiste. Der Regen prasselte nieder, als ich im Büro meinen Jugendherbergsausweis abholte. Ich hatte meinen Rucksack zusammen gepackt. Die Neuseeländerin Christine war dann so freundlich, Klaus, Martin und mich im Auto mitzunehmen. Klaus und Martin wollten aber nicht mir nach Te Aroha, sondern sie wollten bereits in Paeroa aussteigen, um dort auf der sehr befahrenen Straße, nach Thames zu kommen.

Ich saß im Auto neben Christine, während Klaus und Martin gemeinsam auf dem Rücksitz saßen, wo es ziemlich eng war, denn sie hatten ihre Rucksäcke mit auf dem Sitz. Das Wetter wurde auf der Fahr immer ungemütlicher. Zwar hörte es manchmal kurzfristig auf zu regnen, doch wurde es windiger und es war dabei Grau in Grau.

Während der Fahrt unterhielt ich mich nett mit Christine, die einen flotten Neuwagen fuhr. Es war ein Dienstwagen, der ihr von ihrem Arbeitgeber, der Centron Corporation zur Verfügung gestellt wurde. Sie versorgte uns mit hervorragender Musik. Gestern Abend hatte sich Christine bereit erklärt, mich bis nach Waihi mitzunehmen. In Paeroa stiegen Klaus und Martin aus. Ich verabschiedete mich von den beiden. Christine fuhr mich dann nicht nur nach Waihi, sondern gleich bis nach Te Aroha, meinem heutigen Etappenziel.



Sie setzte mich in der Nähe der Jugendherberge ab. Es war erst Mittagszeit und im Haus wurde etwas renoviert. Helen, die freundliche Leiterin, begrüßte mich und bot mir gleich einen Kaffee an. Meinen Rucksack konnte ich im Zimmer abstellen. Die Jugendherberge war den ganzen Tag geöffnet. Draußen war es immer noch grau, aber momentan regnete es nicht.

Einer der im Haus arbeitenden Männer fuhr mich dann mit dem Auto in den Ort und zeigte mir, wo ich den Berg, der zur Fernsehstation führte, besteigen konnte, was ich mir für den Nachmittag vornahm. Es war ja noch recht früh.

Nach einem kleinen Imbiss ging ich gleich los. Es war 13:10 Uhr. Der Weg auf den fast 1000 Meter hohen Mount Te Aroha war zunächst gut beschildert und gut zu finden. Schon nach kurzer Zeit wurde es mir warm und ich entledigte mich meines Parkas, den ich zum Schutz vor Regen angezogen hatte.

Der Weg zur Aussichtsplattform war steil, stellte aber ansonsten keine Probleme dar. Danach wurde der Pfad sehr viel schmaler und ich musste über umgestürzte Bäume und deren riesige Wurzeln steigen. Manchmal ging es fast senkrecht aufwärts. Überall waren jetzt rote Markierungen an den Bäumen zu finden. Der Fernsehturm wollte und wollte aber nicht vor meinen Augen erscheinen. Ich machte mir schon Gedanken über den Abstieg, der ja auch ziemlich steil sein würde.

Der Himmel wurde wieder dunkler; die Bewölkung nahm zu. Wahrscheinlich nur wenige Meter vor meinem Ziel, gab ich auf und trat gegen 15:00 Uhr den Rückweg an. Wie erwartet, war es beim Abwärtsgehen manchmal extrem rutschig und ich setzte mich so manches Mal auf den Hosenboden; aber insgesamt war der Rückweg erträglich.

Ich kam vor Durst bald um! Es hatte längst angefangen zu regnen. Trotzdem schwitzte ich wie verrückt. Nach etwas mehr als einer Stunde war ich wieder am Ausgangspunkt angelangt. Der Regen wurde immer stärker. Schnell war ich völlig durchnässt. Ich ging dann in denselben Imbiss wie am Mittag und löschte meinen barbarischen Durst mit Milch und Cola.

Wieder in der Jugendherberge zog ich meine nassen Klamotten aus. Ich ruhte mich dann einen Moment aus und ging dann erneut los. Mein Ziel waren nun die heißen Thermalquellen in der Nähe des Berg-Wanderweges. Ich bezahlte für eine halbe Stunde. Es war ein sogenanntes Privatbad, ein Private Spa. Insgesamt fünf Räume, worin sich jeweils ein Bad befand, konnte man mieten. In diese Räume konnte man sich dann sogar einschließen.

Ich zog mich um und ging in mein Bassin. Es war unglaublich heiß in dem Pool. Ehe ich den Kaltwasserknopf entdeckte und das Wasser etwas abgekühlt war, verging viel zu viel Zeit. Aber in der verbleibenden Zeit war es dann ein absoluter Hochgenuss.

Als ich wieder draußen war, regnete es wolkenbruchartig ohne jede Unterbrechung. Ich ging noch in einen nahen Supermarkt und kaufte etwas Milch ein. In der Jugendherberge bereitete ich mir aus Anlass dieser schrecklichen Witterung eine warme Milch mit Honig zu.

Außer einer Frau, die erst spät nachts kam und schon früh am Morgen wieder das Haus verließ, war niemand in der Jugendherberge. Auch Donnie und Helen, die Leiter des Hauses, waren nicht hier. Sie wohnten in der Nachbarstraße. Ich war erstmals allein in einer neuseeländischen Jugendherberge.



Ich entdeckte Fotos an der Wand, die eine schwere Überflutung Te Arohas im Jahre 1985 zeigten. Auf den umliegenden Bergen hatte sich wohl das Regenwasser gestaut, so dass es schließlich in einem riesigen Schwall gen Te Aroha strömte und ein Bild der Zerstörung hinterließ. Auch Tote soll es gegeben haben. Schlimmer als jetzt kann der Regen damals auch nicht gewesen sein...

Ich ging meine nassen Klamotten in einen beheizten Schrank und hoffte inständig, morgen früh keine klamme Kleidung anziehen zu müssen. Ich hatte noch geduscht und etwas Müsli gegessen. Ferner schrieb ich in mein Tagebuch und las in herumliegenden Magazinen.

Später kam dann noch Donnie vorbei; bei ihm bezahlte ich die Übernachtung. Wir unterhielten uns dann noch etwas, denn Donnie war auch einmal ein emsiger Globetrotter gewesen. Er berichtete mir auch, dass der neuseeländische Jugendherbergsverband auch in Zukunft beabsichtigt, Jugendherbergen zu schließen. Auch diesem Haus droht das Aus.

Vielleicht gibt es dann in ein paar Jahren nur noch kommerziell einträgliche Jugendherbergen in Großstädten und nicht mehr in der freien Natur. Ich mochte es mir gar nicht vorstellen. Nachdem Donnie wieder nach Hause gefahren ist, ging ich ins Bett. Draußen peitschte der Regen!

72. Reisetag:
Sonnabend, 21. März 1987

Nichts anderes passierte in der Nacht. Wolkenbruchartig, und ohne jede Unterbrechung, schüttete es draußen weiter – bis in den Morgen hinein! Auch als ich aufstand, entdeckte ich keinen weiteren Reisegast in der Jugendherberge Te Aroha. In der Küche bereitete ich mir wieder, wie im Winter, eine warme Milch mit Honig zu. Nur etwas Müsli aß ich dazu. Mir graute dann davor, meine klammen Hosen, die natürlich nicht getrocknet waren, anzuziehen. Es gibt kaum etwas widerlicheres. Als ich die feuchte Hose angezogen hatte, folgten die ebenso feuchten Schuhe und der Parka. Bei so einer Witterung bekommt man automatisch Angst um seine Gesundheit. Eine fiebrige Erkältung könnte man sich nicht einfach so leisten.

Widerwillig verließ ich dann die Jugendherberge; draußen regnete es nach wie vor. Es war grau wie im tiefsten norddeutschen November. Kaum zu glauben, dass ich noch vor zwei Tagen paradiesisches Wetter hatte. Jede Art von Trampversuchen wollte ich natürlich heute unterlassen.

Glücklicherweise fuhr ein kostengünstiger Privatbus von Te Aroha nach Hamilton, wohin mich mein Weg heute führen sollte. Der Bus fuhr auch am Sonnabend, was ja nicht immer so selbstverständlich war. Der Bus wartete schon an der Haltestelle; fuhr aber zuerst nach Paeroa. Der Fahrpreis betrug nur $NZ 2,48. Ich konnte meinen Rucksack bereits im Bus abstellen. Ich hatte bis zur Abfahrt noch etwas Zeit und begab mich auf die Suche nach einem Cafe´, wo ich dem entsetzlichen Regen entfliehen konnte, doch nirgendwo hatte eines geöffnet.

An den Straßenrändern strömte das Regenwasser abwärts Richtung Fluss! Ich ging in den Dairy und kaufte mir dort zwei Sandwichses und eine Zeitung. In einem Health Shop setzte ich mich an einen Tisch und bekam hier wenigstens einen heißen Kaffee serviert zu einem enorm günstigen Preis.

Um 11:45 Uhr fuhr dann der Bus endlich nach Hamilton ab. In Morrinsville war kurze Pause und so kaufte ich mir ein paar Lebensmittel für den Jugendherbergsaufenthalt in Hamilton. Gott sei Dank regnete es dann bei der Ankunft in Hamilton, um kurz vor 13:00 Uhr, nicht mehr. Meinen nassen Parka konnte ich über dem Arm zur Jugendherberge tragen.

Ich hatte natürlich überhaupt keine Probleme, das Haus zu finden, schließlich war ich ja im Januar schon einmal hier gewesen. Trotz der frühen Stunde, waren auch schon einige andere Reisende hier. Die Stimmung war aber allgemein nicht berauschend – auch bei mir nicht, denn ich ärgerte mich über das haarsträubende Wetter.

Ich begann sofort mit dem Waschen meiner Klamotten in der Waschmaschine. Danach tat ich sie in den Trockner, aber das brachte überhaupt nichts! So steckte ich eine $NZ 0,50-Münze nach der anderen in das Gerät, aber es dauerte eine ewig lange Zeit, bis die Klamotten halbwegs trocken wurden. Bis dahin saß ich im Gemeinschaftsraum der Jugendherberge in Shorts und T-Shirt herum und mir wurde des öfteren ziemlich kühl.

Zwischendurch hatte ich mir noch einen Happen zu essen gemacht. Viele andere Reisende, die sich hier befanden, waren auch verschnupft und erkältet. Es herrschte allgemein reges Niesen und Schnäuzen.

Am Nachmittag blieb es dann trocken, aber die Sonne schien nur selten durch die Wolken. Jetzt kam es doch zu einzelnen Unterhaltungen unter den Gästen, die sich am Abend noch ausweiteten. Nach der Anmeldung (der nette Warden Brian von vor zwei Monaten, war nicht da).

Ich sorgte mich um ein Hundebaby, das urplötzlich in die Jugendherberge gelaufen kam. Alle mochten dieses knuddelige Etwas gern, doch woher kam es? Ein Halshand hatte es jedenfalls nicht um. Es war ein so liebes Tier und ich machte mir Sorgen, dass das Hündchen draußen vielleicht überfahren werden könnte. Schließlich befand sich unmittelbar vor dem Haus die Hauptstraße.

Der junge Hund war noch nicht ganz stubenrein und so pinkelte es, nach einem kleinen Nickerchen im Gemeinschaftsraum, erst einmal auf den Fußboden. Die Leiterin der Jugendherberge wollte es in ein Tierheim geben. Das arme Vieh! Als der Hund abgeholt wurde, hörte ich wenig später jemanden auf dem Nachbargrundstück nach dem Tier rufen. Gott sei Dank klärte sich der Fall dann auf und morgen würden die Leute ihren Hund wohl –gegen eine Gebühr- wiederbekommen.

Ich fuhr am Abend noch kurz mit den beiden Engländern Dick und Paul in einen Pub. Später unterhielt ich mich in der Jugendherberge noch mit einem Deutschen , der gerade erst in Neuseeland eingetroffen war. Jetzt war ich in der Position, ihn über all die vielen Sehenswürdigkeiten auf der Nord- und Südinsel zu informieren.

Danach war es dann bald wieder Zeit fürs Bett; ich habe schon ziemlich früh eingeschlafen.

73. Reisetag:
Sonntag, 22. März 1987

Zur Abwechslung wachte ich heute mal wieder recht früh auf, die ich hatte heute vor, wieder eine längere Wegstrecke zu absolvieren. Es war 7:45 Uhr, als ich mein Bett in der Jugendherberge Hamilton verließ. Vom Wetter her gesehen, war es heute besser, aber Grund zur Euphorie gab es noch nicht, denn es war recht wolkig, allerdings gab es auch Abschnitte mit Sonnenschein. Die Temperaturen waren durchaus angenehm.

In der Küche machte ich mir wieder das gewohnte Frühstück. Ich putzte meine Zähne und packte meinen Rucksack wieder zusammen. Dann verließ ich die Jugendherberge und wanderte zum Highway 1. Mein Plan war, etwa eine Stunde zu versuchen , eine Mitfahrgelegenheit in Richtung Auckland zu bekommen. Sollte dieses Unterfangen nicht funktionieren, wollte ich um 11:00 Uhr den Bus in die Großstadt nehmen. Ich wollte Auckland dann aber gleich wieder verlassen und versuchen, noch bis Whangarei, nördlich von Auckland, zu kommen. Den Abschnitt von Auckland bis Whangarei wollte ich aber auf jeden Fall im Bus zurücklegen. In Auckland wollte ich nicht übernachten; ansonsten gab es aber zwischen Hamilton und Whangarei keine weitere Jugendherberge.

In Hamilton postierte ich mich direkt am Anfang des verkehrsreichen Highway 1. Trotzdem musste ich eine Weile warten, ehe ein junger Maori-Mann anhielt und mich eine etwa 20 km lange Strecke mitnahm. Das ging sehr zügig. Danach brauchte ich nicht lange zu warten, ehe mir das Pärchen Jeanette und Marty Williams einen Lift bis nach Bombay gaben. Es war eine interessante Fahrt mit den beiden, denn sie waren schon recht viel in der Weltgeschichte herumgekommen. So haben sie auch ein Jahr in Europa verbracht und immer wieder lebten sie aber auch in Brisbane/Australien, wo sie in etwa vier Monaten auch wieder hin wollten. Wir tauschten die Adressen aus und verabschiedeten uns an der mir wohl bekannten Kreuzung in Bombay.

Von hier waren es noch knappe 50 km bis nach Auckland und ich erwartete keine großen Probleme mehr – doch genau die begannen nun. Bei dem extremen Straßenverkehr, der hier herrschte, traute sich niemand, anzuhalten. Ich wurde leicht nervös, wollte ich doch um 14:15 Uhr nach Whangarei weiterfahren.

Und als ich in der Tankstelle hörte, dass der NZR-Bus nur halten würde, wenn ich auch ein Ticket habe, war es mit meiner Ruhe vorbei. Ich fragte dann sogar an einem Obst- und Gemüsegeschäft zwei Fahrer, ob sie mich bis Auckland mitnehmen könnten, doch dieser Wunsch wurde abgelehnt!

Immer wieder versuchte ich an verschiedenen Positionen mein Trampglück, aber erst nach 13:00 Uhr, nach etwa zwei Stunden Wartezeit, hielt ein Wagen an und ich war happy. Es war der nette Vic aus Otahuhu, einem Stadtteil von Auckland. Er wollte bis dorthin mitnehmen und von dort sollte ich den City-Bus nehmen. Alles ging jetzt sehr hastig zu.

Nachdem mich Vic direkt an der Haltestelle abgesetzt hatte, kam auch schnell der richtige Bus und brachte mich an die Haltestelle nahe des Bahnhofes. Ich ging schnell hinüber und kaufte mir für erhebliche $NZ 21,50 ein Ticket. Alles hatte letztendlich noch geklappt.

Es wäre sicher nicht zu tragisch gewesen, wenn ich diesen Bus nicht bekommen hätte, weil um 16:45 Uhr ein weiterer fuhr, aber ob man dann noch ein Bett in der Jugendherberge bekommen hätte war ungewiss. Der Bus fuhr ab. Als erstes überquerten wir die spektakuläre Hafenbrücke von Auckland, die achtspurig war. Die Japaner im Bus fotografierten bei der Überquerung, als ob es morgen keine Motive mehr geben würde.

Nach einer Weile machte der Busfahrer in Wellsford eine Teepause. Hier sprach ich dann auch mit dem netten Nordfriesen Haye aus Klixbüll, der genau wie ich in die Jugendherberge Whangarei wollte. Auf der Weiterfahrt wollte ich dann ein Nickerchen halten, doch ein älterer Herr, der mir saß, hielt mich davon ab. Er hatte mir einige Zettel mit Bibelsprüchen in die Hand gedrückt und wollte diese nun mit mir diskutieren.

Auf der Fahrt wurde es dann zunehmend wolkiger und es wurde offensichtlich nichts mit dem ersehnten Sonnenschein im Northland. Die größte Stadt im Northland war Whangarei, die wir um 17:40 Uhr erreichten. Haye und ich begaben uns dann auf den etwa zwei Kilometer langen Weg zur Jugendherberge.

Die Stadt war nicht besonders attraktiv und vom Meer gab es, außer einem gewöhnlichen Jachthafen, auch nicht viel zu sehen. Es schien eine Stadt zu sein, wie jede andere auch. Die Jugendherberge war nicht einfach zu finden. Offensichtlich ist bei Straßenbauarbeiten der Wegweiser abmontiert worden. Das nette, kleine Haus lag auf einem Hügel und man hatte einen wunderbaren Blick auf die Skyline der Stadt.



Die Anmeldung war vorübergehend geschlossen und so gingen Haye und ich noch einmal los, um in einem Imbiss eine Mahlzeit zu uns zu nehmen. Es war ein angenehm milder Abend. Wieder in der Jugendherberge, duschte ich noch. Ich hatte mich für zwei Nächte angemeldet. Es waren nicht viele andere Reisende hier, allerdings fehlte es an der gewohnten Prozentzahl Deutscher nicht.

Nachdem ich noch einen Teil meiner Wäsche gewaschen hatte, setzte ich mich mit Haye in den Gemeinschaftsraum und versuchte die neuseeländische Sonntagszeitung zu lesen. Der entsetzliche Regen hatte auch in Waihi und Umgebung seine Spuren hinterlassen. Die Zeitung berichtete, dass es zu Überflutungen gekommen sei und es habe sogar Dammbruchgefahr bestanden.

Apropos Regen: Während wir die Zeitung lasen, ging wieder ein heftiger Regenschauer nieder. Man konnte allmählich verzweifeln. Kurz nach 22:30 Uhr ging ich in mein Bett, um zu schlafen.

74. Reisetag:
Montag, 23. März 1987

Haye reiste bereits am frühen Morgen ab, um in den Ort Kerikerei zu fahren, wohin ich ja morgen wollte. Wir werden uns dort wiedertreffen und eventuell übermorgen gemeinsam eine Bootsfahrt in der Bay of Islands unternehmen, vorausgesetzt, das Wetter spielt einigermaßen mit.

Ich begleitete Haye noch in die Stadt. Ich wollte den Aufenthalt in Whangarei nutzen, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Als erstes ging ich zu einigen Geldinstituten, um mich nach den günstigsten Umtauschkursen für einen weiteren Traveller Cheque zu erkundigen. Am Ende war dann wieder die National Bank am günstigsten. Ich brauchte auch nicht die hohe Gebühr von $NZ 2, wie noch in Waihi, zu bezahlen, sondern die gewohnten $NZ 0,05.

Im Tourist Office erkundigte ich mich anschließend nach einigen Sehenswürdigkeiten in der Stadt, die es aber nicht gab. Dann suchte ich erneut einen Juwelier auf, der meine Halskette erneut reparieren musste. Die Reparatur von Rotorua hielt ganze zwei Tage.

Trotz des schönen Wetters am Vormittag setzte ich mich in ein Cafe´ und schrieb dabei mein Reisetagebuch weiter, was ich gestern versäumt hatte. Im Cafe´ machte ich dann die flüchtige Bekanntschaft mit der reisenden Australierin Julie aus Newcastle, die hier eine kurze Pause eingelegt hatte. Mit ihr unterhielt ich mich über die Möglichkeiten, einen Job in Australien zu finden. Ich erklärte ihr, dass mich ein Job in einem Krankenhaus sehr interessieren würde.
Sie gab mir daraufhin die Adresse des Krankenhauses ihrer Heimatstadt, aber zu viel, glaubte sie, solle man sich davon nicht versprechen. Julie ging dann wieder, denn sie wollte heute noch bis Auckland trampen.

Gegen Mittag ging ich dann für $NZ 2 in ein Uhrenmuseum, das sich in einem kleinen Park befand. Es waren zwar etwa 800 Uhren anzuschauen; die waren aber alle in einen relativ kleinen Raum gedrängt, und so verbrachte man nicht unbedingt viel Zeit in diesem Museum. Ein Angestellter kam dann und setzte die Uhren in Bewegung. Er präsentierte den Besuchern, was die Uhren zur jeweils vollen Stunden machen: Manche Uhren zeigten einen Tanz oder spielten ein bestimmtes Musikstück. Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald waren natürlich auch ausgestellt. Diese Vorführung war recht interessant.

Draußen bezog es sich dann und es gab einen wolkenbruchartigen Regenschauer, der allerdings nicht lange anhielt. Während des Regens saß ich in einem kleinen Restaurant und aß eine Kleinigkeit. Ich schrieb dann noch einen Brief an Alex nach Genf, wo der Schweizer jetzt wahrscheinlich schon wieder arbeitete.

In einer öffentlichen Bibliothek habe ich mir dann noch ein Buch ausgeliehen. Die Auswahl deutschsprachiger Bücher war deutlich größer als in Christchurch. Ich entschied mich für einen Roman von Max von der Grün. Nachdem ich auf dem Postamt war und Briefmarken gekauft hatte, ging ich zur Jugendherberge zurück, wo allerdings bis 17:00 Uhr nur der Gemeinschaftsraum geöffnet war.

Ich machte dann schon bald die Bekanntschaft mit dem Schweizer Richard aus Zug, der sich Richi nannte. Ein lustiger und aufgeschlossener Typ, mit dem ich mich ausführlich über seine bisherige Reise unterhielt. Dabei rauchten wir zusammen eine Zigarette. Wenig später stieß dann auch der Schweizer Jürg aus Winterthur zu uns, den ich schon flüchtig bei meinem zweiten Aufenthalt in der Jugendherberge Wanganui kennen gelernt hatte.

Zusammen gingen wir dann am Abend in die Stadt und aßen zunächst in einem chinesischen Takeaway. Wir fanden dann noch einen netten Pub, wo wir ein Bier tranken. Jürg und Richi spielten Billard, während ich mich interessiert mit den beiden einheimischen Jungs Bill und Tania unterhielt. Immer wieder steckte ich auch ein paar Münzen in die Music Box, wo ich die Gelegenheit nutzte, eine Reihe klassischer Oldies wiederzuhören.

Der Abend ging schnell vorüber und so gingen die beiden Schweizer und ich wieder zurück in die Jugendherberge, wo ich dann auch bald das Bett aufsuchte.

75. Reisetag:
Dienstag, 24. März 1987

Grossartiges Ausschlafen war heute morgen auch nicht drin, denn wegen der argen Konkurrenz beim Trampen in Richtung Norden stand ich früh auf. Es gab mir auch den nötigen zeitlichen Spielraum, falls ich doch einen Bus nehmen müsste. Ich nahm nur ein schnelles Frühstück zu mir und ging mit meinem Rucksack zunächst in Richtung Stadt, wo ich meine reparierte Halskette abholen wollte.

Um 9:30 Uhr fuhr ich dann mit dem Bus in den Stadtteil Kamo, von wo ich meine Trampversuche starten wollte. Ich postierte mich hinter einer Brücke. Kurz darauf kam ein weiterer Anhalter die Straße entlang, der sich prompt vor mir aufstellte. Es war ein Einheimischer und störrisch wie ein Esel ging ich nun demonstrativ an ihm vorbei und postierte mich nun direkt vor ihn. Ich bin ja nun bestimmt kein Engel und hatte mich ja schon mal vor andere Anhalter gestellte; aber ich habe es bestimmt nicht so offensichtlich gemacht!

Ich musste dann an der Straße warten. Viele Lastwagen donnerten an mir vorbei. Aber schließlich hatte ich doch noch das Glück und der Lieferwagenfahrer Keith nahm mich auf dem Highway 1 bis zur Straßengabelung nach Pakaraka mit. Ich wusste nicht, ob es richtig war, hierher zu fahren, denn mögliche Busse fuhren nur über die Provinzstraße. Jetzt stand ich an der Hauptstraße 10 und es waren noch achtzehn Kilometer bis nach Kerikeri, meinem heutigen Etappenziel.

Bekanntlich hatte es schon einmal beim Trampen –zwischen Christchurch und Kaikoura- massive Probleme gegeben. Damals hatte ich ja eine lange Strecke an der Straße entlang laufen müssen.

Viele Autos waren hier nicht mehr unterwegs. Ich wanderte an der Straße entland. Das Wetter gehörte schon lange nicht mehr zu meinen Freunden – auch jetzt zogen dunkle Wolken auf! Sollte ich etwa jetzt wieder in einen Schauer geraten? "Lange" nicht nass geworden?!

Keine Aufregung – Sekunden später stoppte eines der wenigen Fahrzeuge und der Fahrer Bruce fuhr mich direkt bis vor die Tür der Jugendherberge Kerikeri. Alles in allem war es ein erfolgreicher Tramptag gewesen, obwohl ich nach all den Wochen die Lust am Trampen etwas verloren hatte und das Fahren mit dem Bus zuletzt etwas bevorzugt hatte, zumal die Distanzen ja nicht besonders groß sind und sich deshalb auch die Fahrpreise im Rahmen hielten.

Die Jugendherberge war natürlich noch geschlossen. Meinem Eindruck zufolge, war es recht voll hier. Den erwarteten Regenschauer hatte es nicht gegeben – es blieb warm und relativ sonnig. Ich tat am Nachmittag nicht sonderlich viel. Einen Strand gab es in Kerikeri nicht. So marschierte ich in den kleinen Ort, um etwas zu essen. Ich setzte mich in ein Cafe´, wo ich wieder in mein Tagebuch schrieb.

Ich nutzte die Gelegenheit und erkundigte mich nach Bootsfahrten in der Bay of Islands, die aber durchweg alle kostspielig waren. Schon bald ging ich zurück zur Jugendherberge, wo ich mich auf die Veranda setzte und erstmals in meinem frisch ausgeliehenen Buch lesen wollte. Schon der Anfang war sehr vielversprechend!

Im Laufe der nächsten Stunden trafen mehr und mehr Reisende ein; darunter wieder ein hoher Prozentsatz Deutscher. Die beiden Schweizer Jürg und Richi trafen aber nicht ein. Dafür sah ich aber bald den netten Nordfriesen Haye wieder. Morgen wollte er mit anderen Deutschen ein Auto mieten und zum Cape Reinga fahren. Übermorgen wollten wir dann an einer Bootsfahrt teilnehmen.

Ich duschte und aß etwas Müsli mit Milch. Im Gemeinschaftsraum der freundlichen Jugendherberge ergab sich dann wieder die Möglichkeit, das Brettspiel Scrabble mit zwei netten Kanadierinnen und zwei US-Amerikanerinnen zu spielen. Das machte viel Spaß!

Den obligatorischen Regenschauer hatte es dann doch noch gegeben. Jetzt hatte es etwas abgekühlt. Trotzdem war die Wettertendenz eher freundlich. Gegen 22:30 Uhr setzte ich mich dann noch mit anderen Reisenden auf die Veranda. Drei Deutsche, die ich schon flüchtig aus der Jugendherberge Whangarei kannte, machten mir den Vorschlag, mich an einer Automiete zu beteiligen. Ich sagte zu, ärgerte mich aber wenig später über diese Zusage, weil mich diese Aktion womöglich das Doppelte kosten würde, als das, was ich später in Kaitaia hätte bezahlen müssen. Ich zerbrach mir aber nicht weiter den Kopf darüber. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, wenn es mit der Miete eines Wagens nicht klappen würde.

Ich legte mich dann bald darauf ins Bett. Langsam näherte sich der 75. Tag meiner Reise dem Ende. Mit einem unangenehmen Gefühl in der Magengrube dachte ich nun schon häufiger an die nicht mehr allzu ferne Rückkehr nach Deutschland. Obwohl ich manchmal, wie viele andere auch, vom Reisen genervt bin und ab und zu mal gesprächsunlustig bin, so zieht mich doch absolut nichts nach Deutschland zurück.

Natürlich denke ich im Hinterkopf oft an eine weitere große Reise. Australien steht, was weitere Reiseziele betrifft, ganz weit oben. Dafür müsste ich aber nach meiner Rückkehr nach Deutschland schnellstmöglich einen Job finden, um mir das nötige Kleingeld zu verdienen. Auf der anderen Seite mochte ich im Augenblick –hier in Kerikeri- gar nicht an Arbeit denken. Ich hoffe allerdings nicht, dass dieses auf viele Jahre meine letzte große Reise sein wird. Das wäre gewiss ein Albtraum.

Reportage: Windspiele an rauer See - Neuseeländische Luxus-Lodges


76. Reisetag:
Mittwoch, 25. März 1987

Schon deutlich vor 8:00 Uhr erwachte ich heute in der Jugendherberge Kerikeri, denn ich hatte einiges vor. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob es eine Autofahrt mit einem Mietwagen zum Cape Reinga geben würde oder ob ich alternativ nach Paihia oder Russell fahren würde.

Zusammen mit Achim aus Berlin ging ich kurz vor 9:00 Uhr in die Ortschaft. Insgeheim erhoffte ich, dass die Automiete nicht zustande kommen würde, da es finanziell doch einige deutliche Aufwendung gewesen wäre. Eine Busfahrt nach Kaitaia würde mich günstiger kommen. Auch mit Achim und den beiden anderen Mädchen hatte ich nicht die allergrößte Lust, den Tag verbringen zu wollen.

Zunächst hatten beide Autovermieter geschlossen und Achim wurde schon sichtlich unruhig, weil er noch nicht gefrühstückt hatte und wohl ziemlich hungrig war. Als dann später ein Mietwagen inklusive aller Nebenkosten auch noch an die $NZ 200 kosten sollte, war es mit Achims Geduld eh vorbei. Er wurde jetzt unfreundlich und hektisch und ziemlich angesäuert über die nicht zustande gekommene Automiete ging er zur Jugendherberge zurück. Jetzt war ich erst recht froh, dass diese Tour ausfallen würde.

Ich fuhr dann um 8:45 Uhr die kurze Strecke mit dem Bus nach Paihia, dem Touristen-Mekka der Bay of Islands. Es war an sich nur ein kleiner Ort, der aber von Touristen aus aller Herren Länder gut ausgelastet war.

Der Morgen war ziemlich kühl und ich ärgerte mich etwas, nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet zu sein. Um 9:30 Uhr ging es mit der Fähre nach Russell. Auf dem Boot war es durch den Fahrtwind besonders kühl. Zudem gefiel es mir in Russell nicht besonders. Ich sah nur einen relativ kleinen Ort; nicht einmal einen schönen Strand konnte ich entdecken.

So ging ich in ein Cafe´ und frühstückte erst einmal. Etwas gelangweilt fuhr ich um 11:00 Uhr mit der Fähre nach Paihia zurück. Die dumme Bootsfahrerei, die nichts brachte, kostete mich $NZ 6,60. Von Paihia war ich dann ebenfalls enttäuscht und ich fragte mich immer wieder: Was war so besonders hier, dass hier so viele Touristen waren?

Der Strand war nämlich nur knapp ausreichend, die Stadt bot keinerlei Attraktionen außer leicht überhöhten Preisen. Es waren offensichtlich nur die Inseln der Bay of Islands und das Wasser, was die Touristen bewog, hierher zu kommen.

Ich tat nicht viel in Paihia. Ich spazierte am Strand entlang, ging in ein Cafe´, aß ein Eis, saß auf einem Hügel und betrachtete die Umgebung und unterhielt mich flüchtig mit einer Schweizerin, die ich schon in der Jugendherberge Hamilton gesehen hatte.

Die Zeit bis zur Abfahrt meines Busses zurück nach Kerikeri verging nur langsam. Um 15:30 Uhr war es dann soweit. Bald darauf war ich wieder in Kerikeri. Ich setzte mich etwas in den Gemeinschaftsraum der Jugendherberge und verschlang mein spannendes Buch Stellenweise Glatteis von Max von der Grün, das ich mir in Whangarei ausgeliehen hatte.

Mit dem Deutschen Sebastian, den beiden gleichnamigen US-Amerikanern John und John und mit dem Kanadier Keith spielten wir dann draußen etwas Fußball, was viel Spaß machte. Obwohl ich nur das Tor hütete, kam ich ganz schön ins Schwitzen.

Die anschließende Dusche war natürlich herrlich erfrischend. Ich aß dann eine Kleinigkeit in der Jugendherbergsküche und später ging es dann mit einigen Leuten, die auch in der Herberge nächtigten, in den örtlichen Pub.

Zufrieden war ich mit dem heutigen Tagesablauf dennoch nicht. Auch im Pub steigerte sich meine allgemeine Stimmung nicht sonderlich. Wir waren dann auch bald wieder zurück, denn wir mussten die Schließung der Herberge im Auge behalten. Ich rauchte noch eine letzte Zigarette und las noch ein wenig in meinem spannenden Roman. Dann ging ich in die Koje.

Für morgen war nun eine Segelbootfahrt in der Bay of Islands geplant. Bin mal gespannt, was daraus wird. Das Wetter musste für diese Unternehmung einfach passen.

77. Reisetag:
Donnerstag, 26. März 1987

Mein erster Blick aus dem Fenster deutete wieder auf einen recht freundlichen Tag hin. Schon zeitig verließ ich mein Bett in der Jugendherberge Kerikeri und nahm ein schnelles Frühstück ein. Ich bezahlte bei Barbara, der Leiterin der Jugendherberge, die für heute geplante Bootsfahrt und zugleich eine weitere Übernachtung im Hause.

Der Skipper der Segeljacht Response holte uns dann um 9:00 Uhr mit dem Transporter ab. Wir waren insgesamt elf Leute, die sich an dem Segeltörn beteiligen wollten. Ich empfand die Anzahl ziemlich groß. Dabei waren unter anderem die Holländerin Karen, die schon vorgestern in Kerikeri eingetroffen war. Außerdem war der sympathische Nordfriese Haye dabei und der Deutsche Sebastian, der ältere Australier Charles und der Kanadier Keith. Zu den Teilnehmern gehörte ferner ein obercooler Deutscher, der nicht nur von strahlender Schönheit geprägt war, sondern auch schon alles konnte und alles wusste!
Zwei weitere Deutsche, die nicht in der Jugendherberge übernachtet hatten und praktisch kein Wort herausbrachten, waren ebenfalls dabei. Das zweite Mädchen an Bord war eine weitere Holländerin.

Mit dem Skipper Jim fuhren wir zunächst im Transporter die gut zehn Kilometer lange Strecke bis zum Ankerplatz seines Bootes. Hier befand sich auch zugleich sein luxuriöses Haus, das er mit seiner Frau Jenny bewohnte. Jeweils zu dritt transportierte uns Jim dann in einem kleinen Boot mit Behelfsmotor zur Segeljacht, die weiter draußen vor Anker lag.

Über eine Außenleiter betraten wir die Jacht. Etwa gegen 9:45 Uhr hisste Jim dann die Segel und ließ den Hilfsmotor an. Wenig später verließen wir den Ankerplatz. Das kleine Boot hatte Jim im Schlepp der Response. Ich hatte genug Kleidung dabei und somit war mir nicht kalt, denn es windete manchmal ziemlich heftig.

Auch einen kurzen Regenschauer gab es, der aber nicht so bedeutend war. Ganz ohne Regen ging es ja offensichtlich nicht mehr! Hin und wieder verschwand die Sonne mal hinter einigen Wolken und dann kühlte es spürbar ab. Insgesamt war es jedoch ein freundlicher Märztag im beginnenden neuseeländischen Herbst.

Die Response fuhr mit Hilfe des Motors aus der Bucht heraus. Zunächst ging es nach Waitangi, wo ein weiterer Kanadier das Boot betrat. Bald darauf stellte Jim den Motor ab und es ging nun nur noch mit der Kraft des Windes weiter voran. Auch hier wurden die Pausen streng eingehalten und so gab es bald Kaffee und Bananenkuchen, der wohlschmeckend war. Ich genoss die Landschaft oder sonnte mich an Deck. Ich unterhielt mich mit den anderen, vorwiegend mit Haye.

Es dann um die Mittagszeit herum,. als Jim das Boot vor Anker legte und die Segel einholte. Wir hatten eine schöne idyllische Insel erreicht. Hier fuhr uns der Skipper wieder mit seinem Beiboot hinüber. Auf der Insel wurde jetzt eine längere Pause eingelegt. Einige nahmen Schnorchel und Flossen zur Hand und unternahmen einen kleinen Tauchgang in der berühmten Bay of Islands. Die anderen wanderten auf die Spitze eines Hügels, wo es eine besonders atemberaubende Aussicht zu genießen gab.

Haye und ich spazierten gemütlich auf den Hügel hinauf und unterhielten uns über die Erfahrungen, die wir während unserer Reise bisher gemacht hatten. Viele Erfahrungen, die wir gemacht haben, ähnelten einander sehr. Aber auch wir kamen zu dem Ergebnis, dass das Reisen auf Rucksackweise eben auch sehr stressig sein konnte und dass es unter den Reisenden eben auch mal zu Missstimmungen und Meinungsverschiedenheiten kommen kann.

Nach der Hügelbesteigung ruhten wir uns noch auf Steinen am Strand aus und dösten etwas in der Sonne. Skipper Jim hatte in der Zeit, wo wir uns auf der Insel aufhielten, auf der Response einiges für das Mittagessen vorbereitet. Jetzt holte er uns in Etappen wieder von der Insel zurück aufs Boot.

Auf der Response stillte ich meinen Hunger mit von Jim vorbereiteten Broten mit Käse und Aufschnitt. Dazu gab es noch Salat und Orangensaft. Kurz nach 14:00 Uhr zog Jim wieder den Anker ein und mit Wind in den vollen Segeln fuhren wir dann auf einer anderen Strecke zurück

Ich lag vorwiegend an Deck in der Sonne und genoss den angenehmen Fahrtwind, der jetzt gar nicht mehr kühl war. Später wurde die Seitenlage der Response teilweise so extrem, dass ich davon ausging, dass es bis zu einer Kenterung nicht mehr weit war. Einmal stießen meine Füße sogar in das Meerwasser. Wir mussten uns jetzt alle krampfartig festhalten, um nicht abzurutschen und durch die Seile der Reling ins Wasser zu schießen!

Die Rückfahrt brachte sehr viel Spaß! Es war sehr aufregend! Die Segel strafften sich jetzt im Fahrtwind. Einige Male nahm ich das Fernglas von Jim zur Hand und schaute mir die tolle Landschaft der Bay of Islands an. Haye hatte noch zwei Fotos von mir gemacht, die er mir sobald als möglich zusenden will.

Nach 16:00 Uhr erreichten wir dann wieder die Anlegestelle vor Jim´s Haus. An Bord hatte es zum Abschluss noch einmal Kaffee und Kekse gegeben. Mit dem Beiboot ging es jetzt wieder in Etappen hinüber ans Ufer, von wo uns Jim dann wieder zusammen zur Jugendherberge fuhr, wo wir gegen 17:00 Uhr eintrafen.

Trotz der $NZ 35 und trotz anfänglicher Bedenken, was diese Bootstour betraf, war es doch ein schönes und abenteuerliches Erlebnis geworden, das auch vom Wetter her ein voller Erfolg gewesen ist.

In der Jugendherberge nahm ich meine Wäsche von der Leine, las wieder in meinem Buch und machte mir eine Kleinigkeit zum Abendessen. Am Abend traf ich nette alte Bekannte wieder; unter anderem die Deutsche Barbara, die ich zuletzt in Timaru an der Ostküste der Südküste gesehen hatte. Besonders freute ich mich über ein Wiedersehen mit dem Studenten Lothar aus Paderborn, mit dem ich in Dunedin einige Billard-Spiele absolviert hatte. Ich hatte vermutet, dass Lothar schon lange nicht mehr in Neuseeland sei.

Mit Haye spielte ich am Abend noch etwas Fußball vor der Jugendherberge. Mit Lothar ging ich noch in einen Pub. Vorher hatten wir uns noch ein Australian Football-Match angeschaut, das unter Flutlicht ausgetragen wurde. Kerikeri hatte ein Heimspiel gegen Whangarei. Es ging knallhart zu. Diese Sportart soll ja noch härter als Rugby sein; der Beliebtheitsgrad ist sehr hoch.

Im Pub trafen wir dann auch noch Haye und Sebastian. Ich lauschte wieder der guten Musik und trank ein Bier. Hin und wieder roch es nach Joints, die vorzugsweise von den Maoris geraucht wurden. Heute Abend war es im Pub brechend voll, was wahrscheinlich auch an dem Football-Match lag. Die Stimmung war einmalig!

Gegen 22:00 Uhr gingen wir dann zurück zur Jugendherberge . Dort habe ich noch ein wenig gelesen und stellte eine Finanzkontrolle auf, was einmal in der Woche notwendig war, um nicht den Überblick über den Reiseetat zu verlieren.

Gegen 23:00 Uhr schickte uns dann die freundliche Leiterin der Jugendherberge, Barbara, ins Bett, wo ich –nach einem aufregenden Tag- schon bald den verdienten Schlaf fand.

78. Reisetag:
Freitag, 27. März 1987

Auch wenn die Reiserei manchmal etwas an die Nerven geht, so verspüre ich doch jetzt, wo sich meine Tour ganz langsam dem Ende zuneigt, einen gewissen Druck in der Magengrube. Nach so einer spannenden Reise mit all den unterschiedlichen Erlebnissen mag man sich einen Alltag in Deutschland überhaupt nicht vorstellen. Aber der Termin der Rückreise rückt unwillkürlich näher. Sehr häufig wurde ich nachts von Albträumen heimgesucht: Ich träumte, vorzeitig in Deutschland einzutreffen und nichts als Schwierigkeiten und Komplikationen würden auf mich warten. Schweißgebadet wachte ich dann auf und ich war froh, dass ich mich in einem neuseeländischen Jugendherbergsbett befand.

Man müsste den inneren Schweinehund überwinden. Klar, zwar würde man für einen dauerhaften Aufenthalt in Neuseeland eine Arbeitserlaubnis und ein Visum benötigen, aber klar war auch, dass sich viele andere illegal in Neuseeland aufhielten und dass diese mühelos einen Job gefunden haben. Wie gesagt: Der innere Schweinehund ist mir halt im Wege. Sehnsucht verspürte ich nur nach meinem Hund Wurzel, den ich schon sehr vermisse. Auch ein Leben ohne Fußball-Bundesliga, Europapokal und internationalen Meisterschaften würde mir schon schwer fallen. Fehlen tat mir natürlich auch das etwas abwechslungsreiche Essen – aber das war es dann auch schon!

Wie man sieht: Viele Gedanken tobten durch meinen Kopf; eine schlüssige und zufriedenstellende Lösung war im Augenblick noch nicht dabei.

Doch nun zum heutigen Tag. Normalerweise hatte ich für heute geplant, zum Wasserfall zu wandern. Am Nachmittag hätte ich dann den Bus nach Whangaroa genommen. Doch es kam anders, denn ich war nicht abgeneigt, den heutigen Tag mit Lothar zu verbringen, den ich sehr sympathisch und umgänglich fand. Er war ein netter Kerl und es würde gewiss keine Mühe bedeuten, mit ihm den heutigen Tag zu verbringen.

Erst wollte ich ihn dazu überreden, mit mir zum Wasserfall zu wandern, doch dann überredete er mich, die Fahrt im Postauto mitzumachen. Es war ein Angebot, das am Schwarzen Brett der Jugendherberge aushing. Man bekam die Möglichkeit, mit dem Postzusteller in entlegene Winkel der Halbinsel zu fahren. Der Zusteller lieferte Zeitungen, Briefe und sogar Lebensmittel aus.

Ob ich an der Tour noch teilnehmen konnte, war zunächst unklar, denn die Fahrt galt als ausgebucht. Mehr als drei Fahrgäste konnte der Zusteller nämlich nicht mitnehmen. Doch da irrtümlich ein falscher Name in die Liste eingetragen war, konnte ich doch noch an der Fahrt teilnehmen.

Zunächst verlängerte ich jedoch meinen Aufenthalt in der Jugendherberge Kerikeri um eine weitere Nacht. Es war die vierte; so viele, wie ich bisher in keiner anderen Jugendherberge in Neuseeland verbracht hatte.

Für die Fahrt mit dem Postauto hatte ich $NZ 4 an den Fahrer zu zahlen. Neben Lothar nahm auch noch der Israeli Rouven an der Fahrt teil. Der Fahrer hieß John, ein wirklich netter Kerl, der durch die Fahrten mit anderen Touristen auch Erfahrung hatte, was uns so interessieren könnte. Er ging sehr häufig auf bestimmte Eigenarten und Traditionen des Landes ein – Dinge, die wir zum großen Teil gar nicht wussten. So ergaben sich immer wieder lustige Episoden. Die Anekdoten, die John zum Besten gab, waren köstlich.

John sprach ein gut zu verstehendes Englisch. Schon kurz nach der Abfahrt hielt er an einem Dairy. Uns wurde der Rat gegeben, etwas zu essen und zu trinken mitzunehmen, da wir eine ziemlich lange Zeit unterwegs sein würden. Zunächst belieferte John einige Häuser an der Hauptstraße mit Post. Dann fuhren wir auf staubigen, ungeteerten Landstraßen, wo es nur einzelne, abseits gelegene Farmen gab, die vorwiegend von Maoris bewohnt waren.

Oft war der Postzusteller der einzige Kontakt zur Außenwelt. Er wurde sehr sehnsüchtig erwartet. Manchmal standen die Leute schon an der Straße und warteten schon ungeduldig auf das Postauto. An der rechten Seite warf John die Post in die Boxen; zur linken erledigte Rouven den Job. Ich suchte hinten auf der Ablagebank nach Milchflaschen und anderen Lebensmitteln. Einmal trugen wir einer älteren Maori-Farmerin die reichhaltig bestellten Nahrungsmittel ins Haus. Mit leckeren Äpfeln wurden wir entlohnt.

Wir erreichten das winzige Dorf Te Tii. Hier gab es eine kleine Schule, wo wir den Proviant für die Schüler anlieferten. Anschließend fuhren wir nach Purerua. Wir hatten mit John viel Spaß; er war allerbester Laune. Gegen Mittag rasteten wir an einem schattigen Plätzchen am Rande einer Kiwifruchtplantage.

Später nahm John noch einen behinderten, jungen Mann mit, der extrem dünn war. Er fuhr bis Kerikeri mit. Gegen 15:00 Uhr war der Ausflug mit John, der allen sehr viel Spaß gemacht hatte, beendet. John setzte mich freundlicherweise im Ort ab, denn ich musste vor dem Wochenende noch dringend Geld von der Bank holen. Der Umtauschkurs war abermals sehr ungünstig.

Etwas Geld setzte ich dann gleich im benachbarten Imbiss um. Das Wetter spielte auch heute prima mit; allerdings gab es recht viele Wolken, die sich vor die Sonne mogelten. Guter Dinge spazierte ich jetzt durch die Ortschaft und danach zur Jugendherberge zurück.

Ich duschte und trank einen Kaffee. Natürlich las ich am Abend wieder in meinem spannenden Buch. Ich schrieb noch eine Ansichtskarte an einen Freund in Buchholz, der sich für mich mal wegen eines Jobs umhören sollte, den ich gleich nach meiner Rückkehr annehmen wollte, damit ich möglichst mal meine Australien-Reise durchführen konnte.



Außer dem Lesen in meinem Buch und einigen sporadischen Gesprächen mit anderen Reisenden, passierte am Abend nicht mehr viel. Ich genoss den zu Ende gehenden Tag und die unglaublich freundliche Atmosphäre in der Jugendherberge.

Traurig war ich aber auch wieder, denn der Abschied von Lothar, mit dem ich mich so gut verstanden habe, stand bevor. Trotz gegenseitiger Sticheleien hatten wir viel Spaß miteinander.

79. Reisetag:
Sonnabend, 28. März 1987

Nach vier schönen Tagen in Kerikeri, die darüber hinaus auch noch sehr ereignisreich waren, stand heute ein neues Reiseziel auf dem Programm. Ich musste erneut früh aufstehen, wollte ich doch den Bus um 8:30 Uhr erreichen.

Ohne Frühstück verließ ich die Jugendherberge Kerikeri; vorher hatte ich mich noch von Lothar verabschiedet. Der Bus hatte dann etwas Verspätung, aber ich war ja ohnehin nicht in Eile.

Ich fuhr für einen Fahrpreis von $NZ 5,50 die kurze Strecke bis nach Kaeo. Am bereits geöffneten Dairy sah ich den Schweizer Jürg stehen, der länger in Whangarei hatte bleiben müssen, da er Schwierigkeiten mit dem gerade neu erworbenen Motorrad hatte. Jetzt schien aber wieder alles in Ordnung zu sein und er war auf dem Weg in Richtung Norden.

Nach einem schnellen Frühstück ging ich dann zu Fuß zur etwa drei Kilometer entfernten Abzweigung nach Whangaroa. Bis zu diesem Ort, wo sich eine weitere Jugendherberge befand, waren es weitere sechs Kilometer. Da das Wetter auch heute wieder gut war, machte es mir nichts aus, zu Fuß zu gehen.

Trotzdem hielt ich immer dann, wenn ein Auto kam, meinen Daumen in die Höhe. Ich hatte Erfolg: Nach nur kurzer Zeit hielt bereits ein Ehepaar aus Auckland an, das ein verlängertes Wochenende in dieser Umgebung verbringen wollte. Nach wenigen Minuten erreichte ich das kleine und verschlafene Fischerdorf Whangaroa. Hier traf ich auch Rouven wieder, der uns gestern im Postauto begleitet hatte. Rouven machte einen Spaziergang, aber er wollte die heutige Nacht nicht in der Jugendherberge verbringen.

Ich musste noch einen kleinen Hügel hinauf laufen, um zur Jugendherberge zu gelangen. Das Haus war den ganzen Tag über geöffnet. Die Anmeldung ging sofort über die Bühne. Ein Motel war im selben Gebäude untergebracht. Erwartungsgemäß herrschte ziemlich wenig Betrieb in der Jugendherberge.

Ein radelnder Japaner war hier, der aber praktisch kein Wort Englisch sprach und Thomas, ein 36-jähriger Typ aus Neustadt/Holstein, der als aller erstes die Frage an mich richtete, ob ich Marihuana dabei hätte.

Thomas sah aus wie ein Relikt aus den späten 60er Jahren. Er hatte extrem lange Haare, die er als Zopf zusammengebunden hatte. Ich unterhielt mich zunächst nicht weiter mit ihm. In Whangaroa gab es einen Pub, aber kein Geschäft, wo ich Lebensmittel hätte einkaufen können. Auch die Auswahl an Nahrungsmitteln, die in der Jugendherberge angeboten wurden, hielten sich in Grenzen.

Die Jugendherberge lag wunderschön über dem kleinen Hafen – ich genoss den wunderschönen Ausblick. Ich ging wenig später zum Pub. Gegen Mittag habe ich dort etwas gegessen. Bei herrlichem Wetter unternahm ich dann eine Wanderung zu dem Berg St Paul´s Rock, der stolz über dem Hafen thronte. Wenn man seiner Phantasie freien Lauf ließ, erinnerte der Berg durchaus an den Zuckerhut von Rio de Janeiro oder wenigstens wie der Ayers Rock in Zentral-Australien. Es war ein völlig alleinstehender Felsen auf einem Hügel. Der Weg dorthin war einfach zu finden. Mich nervten nur ein wenig die vielen Wespen, die vorwiegend am Boden herumflogen.

Nachdem ich den St Paul´s Rock erreicht hatte, war sogar eine Besteigung möglich. Am Felsen waren Ketten befestigt, wo man sich festhalten konnte. Ich schwitzte sehr und genoss den unbeschreiblich schönen Ausblick von hier oben. Es ging eine angenehm erfrischende Brise.

Ich kletterte den Felsen wieder hinab, was gar nicht so einfach war, weil der Abstieg praktisch senkrecht erfolgte. Krampfhaft hielt ich mich an den Ketten fest. Als ich es geschafft hatte, stellte der Rückweg nach Whangaroa erst recht kein Problem mehr dar.

Zurück in der Jugendherberge, nutzte ich die seltene Gelegenheit, tagsüber ein Nickerchen halten zu können. Ich schlief auch sofort ein und am Ende waren es zwei Stunden, die ich im Bett verbracht hatte. Das tat mir aber gut.

Anschließend haute ich mir ein paar Eier in die Bratpfanne, die ich mit etwas Brot verschmauste. In der Zwischenzeit war noch ein kalifornisches Pärchen in der Jugendherberge eingetroffen . Ich unterhielt mich jetzt noch ausgedehnt mit Thomas, der ein interessantes Leben führte. Er war verheiratet und hatte zwei Kinder.

Er arbeitete als Toningenieur und manchmal auch als Roadie für Musikgruppen, die auf Tournee waren. Immer wieder hatte er zwischen den Tourneen Zeit und das nötige Kleingeld, um Reisen durchführen zu können. Er schien schon überall gewesen zu sein – mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, wohin er aber auch noch wollte.

Das Gespräch mit Thomas war ein Vergnügen. Im Laufe des Abends gingen wir noch in den Pub von Whangaroa, wo jetzt emsiger Betrieb herrschte. Bis etwa 21:45 Uhr blieben wir dort und setzten unsere Unterhaltung fort. Wir leerten zwei Jags.

Zum Abschluss des Tages habe ich noch an meiner Reisechronik geschrieben und in meinem Roman gelesen. Ich hatte noch mit meiner Mutter telefoniert, die heute Geburtstag hat. Sie berichtete, dass es vom Arbeitsamt hinsichtlich meines Arbeitslosengeldantrages immer noch keine Nachricht gibt. Ein Fußball-Länderspiel gegen Israel hat Deutschland vor wenigen Tagen gewonnen. Viel mehr Zeit war nicht, um weitere Dinge zu besprechen.

80. Reisetag:
Sonntag, 29. März 1987

Normalerweise war ja nun heute das Ende meiner Reise, denn der Rückflugtermin war ursprünglich für den heutigen Tag festgelegt worden. Aber zur Erinnerung: Ich hatte ja vor einigen Wochen meine Flugdaten bei meiner Fluggesellschaft Canadian Pacific Airlines geändert. So werde ich jetzt erst in drei Wochen nach Amsterdam zurückfliegen.

Am heutigen Sonntagmorgen schlief ich dann fast bis 10:00 Uhr. Trotz einiger Bewegungen im Raum war es sehr ruhig gewesen und ich bin immer sofort wieder eingeschlafen, falls ich mal wach geworden bin. Leider war es dann nicht mehr gestattet, noch ein Frühstück zu richten, denn die Jugendherberge musste bis 10:00 Uhr geräumt sein. Ich aß nur einen schnellen Toast mit Butter und trank eine Tasse Kaffee dazu.

Thomas war noch nicht aufgestanden. Er schlief auch noch, als ich letztmals das Zimmer betrat, um meinen Rucksack zu holen. So konnte ich mich leider nicht von ihm verabschieden.

Das Wetter zeigte sich auch heute von seiner besten Seite. Es war mittlerweile Herbst in Neuseeland. Die Sonne schien viel; ab und zu zeigten sich mal ein paar Wolken.

Ich spazierte mit meinem Gepäck durch die Ortschaft von Whangaroa. Schon von weitem sah ich einen Mann, der mich zu sich winkte. Er fragte, ob ich mitgenommen werden möchte; er wolle nach Auckland fahren. Dorthin wollte ich heute nun ganz bestimmt nicht. Trotzdem freute ich mich, dass er mich bis zur Straßengabelung mitnahm.

Der Mann war schon etwas älter. Er war in Irland geboren und vor vielen Jahren nach Neuseeland ausgewandert. An der Hauptstraße nach Norden herrschte dann ausgesprochen wenig Verkehr. Ich wollte nicht auf Autos warten, sondern langsam weiter gehen. Aber auch jetzt hielt kein Fahrzeug an! Wenn mal ein Fahrzeug an mir vorbeifuhr, saßen Wochenendurlauber darin und die hielten nicht an, weil im Auto zu wenig Platz war. Für die Bewohner Aucklands war das Northland ein beliebtes Ausflugsziel.

Erstmals wurde ich an einem Sonntag nicht mitgenommen. Später entschied ich mich dann, in das Private Hostel von Totara North zu gehen, was nur wenige Kilometer Luftlinie von Whangaroa entfernt lag. Die Straße führte außen herum und so war ich zwar etwa zehn Kilometer gewandert, bin aber nicht spürbar voran gekommen. Na gut!

Das Private Hostel war ein altes, historisches Gebäude und nannte sich stolz Historic Gumstore Hostel. Es war etwa einhundert Jahre alt und innen offensichtlich nicht belegt. Im Büro war niemand; von anderen Reisenden war absolut nichts zu sehen. Ich ging durch den Hintereingang in das Haus und wählte eine der beiden Telefonnummern, die in meinem Private Hostel Guide angegeben waren.

Wenig später konnte ich mich bei Pauline anmelden. Für die Übernachtung bezahlte ich $NZ 10. Ich würde das ganze Haus für mich allein haben; es kam nämlich niemand mehr. Selbst Pauline wohnte außerhalb. Das Gumstore Hostel war sehr sauber und lag direkt an der kleinen Bucht des Whangaroa Hafens. Es war auf Holzsäulen gebaut, denn bei Hochwasser reichte das Wasser bis unter das Haus. Zur Zeit herrschte Niedrigwasser. Ich entdeckte Bäume, die im Watt gepflanzt waren. Bei Flut standen sie unter Wasser.

Zum Glück gab es hier in Totara North noch einen geöffneten Laden. Um dieses Geschäft zu erreichen, musste ich eine ziemliche lange Strecke gehen. Viel zu unternehmen oder zu sehen gab es hier aber nicht. Zurück im Hostel machte ich mir erst einmal etwas zu essen und las die Zeitung vom Vortag. Ich schrieb in mein Tagebuch und las in meinem Buch.

Im großen Gemeinschaftsraum gab es einen Fernseher. Nachdem ich unter der Dusche gewesen bin, schaute ich fast den ganzen Abend in die Röhre. Besonders interessierten mich natürlich die Nachrichten. Danach gab es den Science Fiction-Film Dune - Desert Planet, der in Deutschland unter dem Titel Der Wüstenplanet bekannt war. Vor gut zwei Jahren hatte ich diesen Film in Hamburg im Kino gesehen. Es ist aber nicht unbedingt ein einfach zu verstehender Film.

Trotzdem schaute ich den Film bis zum Ende an. Ich schaute dann noch einmal nach draußen. Jetzt war Hochwasser und unter dem Steg gurgelte und schmatzte das Wasser. Es war dann Mitternacht, als ich mich ins Bett begab. Zum Sendeschluss zeigt das neuseeländische Fernsehen einen zauberhaften Gute-Nacht-Lied mit einem Kiwi.