
61. Reisetag: Dienstag, 10. März 1987
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Auch heute morgen fühlte ich mich irgendwie schlapp; ich hatte immer noch den leichten Kopfschmerz. Vielleicht hatte ich ja in den letzten Tagen zu lange in der Sonne verbracht. Insgesamt ist es nervig und hinderlich, wenn man sich nicht topfit fühlt.
Nach 9:00 Uhr stand ich in der Jugendherberge Napier auf; ich packte meinen Rucksack zusammen und ging hinüber in die Gemeinschaftsküche, wo ich mir wieder ein kleines Frühstück richtete. Lorraine hatte gestern im Pub angedeutet, dass sie heute mit nach Taupo kommen wolle. Eigentlich hatte sie vorgehabt, eine Freundin im tiefen Süden der Südinsel zu besuchen, was ihr gestern noch zu weit erschien; heute wollte sie es aber offenbar nun doch wagen. Sie hatte wohl einige Bedenken wegen der Tramperei und schon ein paar angsteinflößende Erlebnisse gehabt.
Trotz des Regens in der vergangenen Nacht war es heute nun doch wieder sonnig und sehr warm. Ich verließ die Jugendherberge samt meinem Gepäck und ging quer durch die Stadt in Richtung Highway, der ziemlich weit entfernt lag. Ich musste eine gute Stunde gehen. Am Highway angekommen, verließ mich jegliche Lust, großartige Trampversuche zu starten. Ich hatte den Eindruck, alle Autofahrer fuhren in Richtung Gisborne und nicht nach Taupo, wohin ich heute wollte. Außerdem nervten mich die Kopfschmerzen und ein allgemeines Unwohlsein.
Kurzerhand ging ich in den nahen Dairy und besorgte mir die Telefonnummer vom NZR-Bus-Service. Ich hatte einige Probleme beim Telefonieren in der Telefonzelle, weil mich die Geräuschkulisse von der Strasse kaum etwas verstehen ließ. Schließlich wurde mir am anderen Ende der Leitung bestätigt, dass der Bus bald komme und hier am Dairy für mich halten würde. Der Bus der Mount Cook-Linie kam dann recht pünktlich. Für das Ticket nach Taupo bezahlte ich dann $NZ 18,50. Im Bus war es ziemlich leer.
Während der Fahrt änderte sich das Wetter immer mehr und es fing bald darauf an zu regnen. Die Busfahrt führte durch zauberhafte Landschaft. Gegen 14:30 Uhr war ich dann schon in Taupo, am gleichnamigen See gelegen. Ich wollte in der privaten Herberge Rainbow Lodge nach einem Bett fragen. Ansonsten gab es hier nur Motorcamps. Eine Jugendherberge gab es hier zwar auch; die hatte aber nur während der Schulferien -bis Mitte Januar- geöffnet.
Vom Busdepot war die Lodge nicht weit entfernt. Trotz großer Geschäftigkeit im Haus bekam ich noch ein Bett. Ich bezahlte gleich für zwei Nächte, denn ich lag ja mehr als günstig im Zeitrahmen. Die schöne Landschaft konnte man bei dem wieder schlechten Wetter nicht genießen. Immer wieder gab es Regenschauer.
Ich ging dann zuerst in die Ortschaft, besorgte mir eine Straßenkarte, kaufte ein paar Lebensmittel im Dairy ein und trank eine Tasse Kaffee. Zurück in der Rainbow Lodge setzte ich mich dann in den Gemeinschaftsraum und schrieb in mein Tagebuch. Immer wieder gab es nette Gespräche mit anderen Reisenden. Besonders interessant war die Unterhaltung mit einem Deutschen aus Bremen, der zwei Monate in einem Network-Hostel gearbeitet und sich so die Weiterreise finanziert hatte.
Später spielte ich dann mit drei netten Kanadierinnen das Gesellschaftsspiel Scrabble auf englisch, was sehr viel Spaß machte. Zwischendurch duschte ich und aß Cornflakes mit Milch. Dann spielte ich auch noch mit der freundlichen Österreicherin Gabriele eine Partie Scrabble, diesmal mit deutschen Begriffen. Der Abend war noch sehr gesellig und es gab viel zu lachen. Meine Kopfschmerzen ließen nach der Einnahme einer weiteren Aspirin-Tablette deutlich nach.
Draußen, an der frischen Luft, spielte sich leider nichts mehr ab. So ging ich gegen 23:30 Uhr ins Bett. Im Prinzip war die Rainbow Lodge wie eine Jugendherberge aufgebaut. Unterschiede gab es aber schon: So können weibliche und männliche Gäste in ein und demselben Zimmer schlafen; es gibt keine Duties und man muss nicht bis um 17:00 Uhr mit der Anmeldung warten und braucht natürlich auch keinen Jugendherbergsausweis.
Der Übernachtungspreis war identisch mit den Preisen von Jugendherbergen. Nachteil? Das Haus ist ununterbrochen geöffnet; es tritt praktisch keine Ruhe ein - es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Zudem ist der Genuss von Alkohol erlaubt, was ich als völlig überflüssig empfinde.
62. Reisetag: Mittwoch, 11. März 1987
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Vom Wetter her gesehen, war der heutige Tag leider noch schlechter als der gestrige. Längere Phasen mit schönem Wetter sind rar hier in Neuseeland. Und was irgendwelche Unternehmungen in Taupo und Umgebung bei diesem Wetter betraf, musste man leider auch schwarz sehen. Die meisten Aktivitäten, die in Taupo angeboten wurden, hatten in irgendeiner Weise etwas mit dem See zu tun; der Ort selber bot weniger Attraktionen.
Aber es gab den Huka-Wasserfall, der allerdings etwas entfernt lag. Bei schönem Wetter wäre eine Wanderung dorthin natürlich überhaupt kein Problem. Doch es war kühl und immer wieder gab es heftige Regenschauer. Man könnte es mit launischem Aprilwetter umschreiben.
Im Zimmer war es recht unruhig. Schon zu früher Stunde wurden Geräusche verursacht. Es wurde sich auch unterhalten; die Rücksicht auf die Schlafenden hielt sich spürbar in Grenzen. Um 9:00 Uhr stand ich auf; zum Frühstück ging ich in den Gemeinschaftsraum. Es gab wieder Müsli mit Milch. Der Appetit auf Eier war mir ja in der Zwischenzeit etwas vergangen.
Ich ging dann in den Ort und setzte mich in ein Cafe´, wo ich bei einem Kaffee Ansichtskarten geschrieben habe. Die Karten waren etwas unrealistisch, denn so traumhaft schön wie auf der Vorderseite sah das Wetter heute absolut nicht aus.
Anschließend wollte ich mir dann den Wasserfall anschauen, doch gerade als ich losgehen wollte, gab es wieder einen heftigen Regenguss. Alternativ ging ich in ein anderes Cafe´. Schlechtes Wetter kann einem ziemlich viele Striche durch die Rechnung machen.
Ich unternahm dann einen letzten Versuch, zum Wasserfall zu gelangen. Ich wählte einen Weg, der direkt am Fluss entlang führte. Das Unterfangen scheiterte, als ich vor den Toren eines Privatgrundstücks stand und den Weg nicht weiter gehen konnte. Einen anderen Weg wollte ich mir jetzt nicht mehr heraus suchen. Schon zur Mittagszeit ging ich zurück in die Rainbow Lodge.
Der Nachmittag war dann gar nicht so übel. Ich war nicht der einzige, der dem Wetter Tribut zollen musste. Der Gemeinschaftsraum war gut gefüllt. Mit den netten US-Amerikanern Andy und Jerry, mit dem Engländer Barnaby und den Mädchen Lee, Beth und Dawn spielte ich dann wieder eine Partie Scrabble, was viel Spaß machte. Amerikaner, so ist mir immer wieder aufgefallen, verbreiten stets eine freundliche und relaxte Stimmung.
Barnaby hatte einen ziemlich üppigen Körperumfang. Er war in England geboren und lebte jetzt im meist sonnigen Kalifornien. Das Scrabble-Spiel machte mir als einzigem Teilnehmer, deren Muttersprache nicht Englisch war, sehr viel Spaß. Besonders stolz war ich am Ende, wenn ich merkte, dass ich nicht Letzter geworden bin.
Der Nachmittag ging zügig vorüber. Am Abend hatte ich dann wieder Appetit und so spazierte ich nochmals in die Innenstadt von Taupo. Ich gönnte mir ein chinesisches Essen vom Takeaway. Es gab eine Riesenportion für wenig Geld!
In der Rainbow Lodge wurde es dann ziemlich laut und etwas ungemütlich. Es waren sehr viele Deutsche hier, die recht auffällig waren und eine Art von Feier abhielten. Ich wünschte mir so sehr, liebgewonnene alte Bekannte wiederzusehen, wie z.B. den Dänen Allan, die Deutschen Norbert und Edwin oder Marian, die zauberhafte Holländerin. Doch nichts dergleichen geschah. Dafür trifft man aber immer wieder das arrogante Schweizer Pärchen, die mich irgendwie schon seit Otorohanga verfolgte und auf die ich gut und gerne hätte verzichten können.
Es gab in der Nähe ein heißes Thermalbad, das bei dem kühlen und feuchten Wetter genau das richtige gewesen wäre. Allein hinzugehen, hatte ich keine richtige Lust. Andere wollten nicht mit. Viele andere waren deutlich sparsamer als ich. Es gab einige in der Herberge, die heute nicht einen einzigen Schritt vor die Haustür gesetzt hatten.
Andy und Barnaby waren da wenigstens etwas aktiver. Sie war zum See gegangen und legten eine Angelpartie ein. Mit einem großen Fisch kamen sie zurück in die Rainbow Lodge. Sie bereiteten den Fisch in der Küche zu - der Duft war unbeschreiblich gut! Sie ließen mich auch mal kosten.
Viel mehr passierte dann am Abend nicht mehr. Ich spielte mit Andy eine Partie Pool-Billard; die Lodge besaß einen entsprechenden Tisch. Danach ging ich zum Schlafen in den Overflow-Raum. Es war aber ziemlich unruhig. Immer wieder kamen Leute herein, zogen sich um, gingen ins Bad oder kramten in ihrem Gepäck. Ich lag noch ziemlich lange wach.
63. Reisetag: Donnerstag, 12. März 1987
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Der heutige Tag hatte symbolischen Wert, denn bei meiner letzten längeren Reise im Jahre 1985 per Interrail durch Europa war ich genau 63 Tage unterwegs gewesen. Alles was jetzt noch kommt, bedeutet also neuen persönlichen Rekord.
Grund für besonders gute Stimmung war das allerdings noch nicht. Nachdem ich die Murphy´s in Waverley verlassen hatte, waren die Tage von Schwächen gekennzeichnet.
Trotz alledem stand ich heute morgen in der Rainbow Lodge zu Taupo um 9:00 Uhr auf. Wieder einmal packte ich meinen Rucksack zusammen. Bald darauf verließ ich das Haus. Im Ort frühstückte ich heute in einem der vielen Cafe´s, wo aber eines dem anderen gleicht.
Das Wetter schien sich heute auch mal wieder zu bessern und das bedeutete Hoffnungen für ein paar mehr Aktivitäten. Ich verließ das Cafe´ und ging zum Highway, der nicht weit entfernt lag. Ich hatte mir ein neues Schild gemalt mit der Aufschrift meines heutigen Etappenziels, Rotorua. Dazwischen hatte ich meine auffällige Flagge geklemmt und dieses schien Wirkung zu zeigen. In rekordverdächtig kurzer Zeit bekam ich einen Lift vom älteren Ehepaar Margaret und Allan, die mich direkt in meinen gewünschten Zielort fuhren.
Das freundliche Ehepaar wollte die Mutter von Allan besuchen, die 98-jährig in einem Altenheim lebt. Noch kurz vor 12:00 Uhr erreichten wir Rotorua, den touristisch berühmten Ort im Nordosten der Nordinsel. Schon beim Aussteigen bemerkte ich den üblen Schwefelgeruch, der über der Stadt lag. Es roch nach faulen Eiern und es erinnerte auch an die Stinkbomben, mit denen wir früher in der Schule die Lehrer geärgert hatten.
Ich befand mich in vulkanisch hochaktivem Gebiet. Nicht weit von hier gab es vor einer Woche das Erdbeben in der Bay of Plenty, auch der stets etwas unruhige Vulkan Mount Ruapehu war von hier nicht weit entfernt. Zudem rauchte im Meer ebenfalls ein Berg auf einem kleinen Eiland.
Das nette Ehepaar hatte mich direkt vor der Jugendherberge abgesetzt. In Taupo hatte ich aber auch sehr viel gute Kritik über die Thermal Lodge gehört, einer privaten Herberge, gehört. Die Lodge befand sich nur wenig außerhalb des Stadtkerns. Vorab vergewisserte ich mich allerdings telefonisch, ob es dort noch ein freies Bett für mich gab. Das war allerdings sehr wohl möglich. Für nur $NZ 11 bekam ich ein Bett in Zimmer 28, wo schon der junge Schwede Martin aus Göteborg wohnte. Es war angenehm ruhig hier und die Zimmer hatten entweder nur zwei oder vier Betten. Aber auch die Vier-Bett-Zimmer wurden meistens nur mit zwei Personen belegt. Das brandneue Haus erinnerte mich sehr stark an ein Motel. Es war nicht schlecht hier!
Vor einer Woche war auch Alex hier abgestiegen. Das entnahm ich einer Notiz am Message Board. Tja, der Abflug von Alex zurück nach Honolulu stand nun unmittelbar bevor. Sonntag war sein Flug geplant.
Es war noch früh am Tage und das Wetter war wunderschön. So entschloss ich mich das große Thermal-Reservat in Whakarewarewa, zwei Kilometer südlich von Rotorua, aufzusuchen. Hier sollte es einige vulkanische Attraktionen aus nächster Nähe zu betrachten geben.
Vorher holte ich mir noch einen Imbiss bei Mc Donalds. Danach ging es dann in das Reservat. Der Eintrittsperson betrug $NZ 5,50 und für das, was es hier zu sehen gab, war der Preis mehr als gerechtfertigt. Nie zuvor habe ich -als Mitteleuropäer- solch ein -nur von der Natur inszeniertes Spektakel- gesehen. Höchstens mal im Fernsehen, aber gewiss nicht live.
Überall dampfte und blubberte es. Hier in Whakarewarewa lag besonders viel Schwefelgeruch in der Luft. Mich faszinierten die vielen heißen Schlammlöcher, die drohend blubberten und die, nicht nur mich beflügelten, darin mit einem Zweig herumzustochern.
An einer anderen Stelle sprudelte dann glasklares Wasser so stark, dass man Eier darin hätte kochen können. Manchmal stieg Dampf aus Felsbrocken und hin und wieder zischte es aus einem Erdloch.
Zu den absoluten Höhepunkten gehörten aber die Geysire. Der größte Geysir Neuseelands, der Pohutu, befand sich auch hier. Bis zu dreißig Meter hoch schoss die Fontäne dieses Wunderwerkes der Natur. Gleich daneben kamen Wasserspritzer aus einem benachbarten, kleineren Geysir, herausgeschossen.
Später bestaunte ich dann noch einen kleinen Teich, der ungeheuer tief war. Das Wasser war so klar und man konnte sehr weit in die Tiefe blicken. Natürlich war auch das Wasser dieses Teiches kochend heiß. Ein Besuch dieses Reservates lohnte sich wirklich. Die eindrucksvolle Landschaft der Umgebung und der Puarengu River komplettierten das schöne Bild.
Hier im Park machte ich dann die Bekanntschaft mit dem US-Amerikaner Frank Brodarick aus dem kalifornischen Santa Barbara. Ein netter Kerl, mit dem ich mich spontan anfreundete. Frank war in der Jugendherberge abgestiegen und schon bald beschlossen wir, gemeinsame Unternehmungen zu tätigen.
Nach dem Aufenthalt im Reservat fuhren wir mit dem Bus in die Innenstadt von Rotorua zurück. Frank und ich gingen kurz in die Jugendherberge und daran anschließend zu den herrlichen polynesischen Pools am See von Rotorua. Für $NZ 4,90 genossen wir die heißen Thermalbäder. Acht Becken standen zur Auswahl bereit. Die Temperatur in den Becken schwankte zwischen 38° C und 40° C. Das 40° C-Becken war allerdings etwas zu heiß! Hin und wieder blubberte es leicht im Wasser. Es war traumhaft und total erholsam!
Im Anschluss daran, gingen wir noch durch einen kleinen Park, wo sich auch das imposante Tudor House befand. Auch hier gab es reichlich brodelnde Erde. Völlig unvermittelt stand man plötzlich vor so einem kochenden Loch, die nur mit einem kleinen Zaun umgeben waren. Der Zaun musste auch sein, denn es war bestimmt nicht angenehm, bei Nacht dort hinein zu treten.
Frank und ich aßen dann eine Kleinigkeit in einem italienischen Restaurant. Für morgen hatten wir eine Fahrradtour eingeplant, wenn das Wetter so schön sein sollte, wie heute. Wir trennten uns dann bis morgen früh. Frank ging in die Jugendherberge zurück. Es war bisher ein schöner und interessanter Tag gewesen. Die Eindrücke von Rotorua und Whakarewarewa waren beeindruckend gewesen.
In Frank hatte ich einen unheimlich sympathischen Menschen kennen gelernt, doch schon morgen würden sich auch unsere Wege wieder trennen, denn er wollte noch bis Taupo reisen.
Ich verlängerte meinen Aufenthalt in der Thermal Lodge um eine weitere Nacht. Der Manager des Hauses war sehr freundlich und hilfsbereit - ich fühlte mich sehr wohl hier. Im Zimmer trank ich noch ein Bier mit dem Schweden Martin, der mir aus dem Pub eine Dose mitgebracht hatte. Ich schrieb zum Abschluss des Tages noch ein paar Ansichtskarten und genoss die Ruhe im Zimmer!
64. Reisetag: Freitag, 13. März 1987
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In den letzten Tagen hörte man in Radio und Fernsehen immer wieder von kleinen Nachbeben. Kleine Erdstösse wurden zuletzt aus Kaikoura, Wellington und heute -ganz aktuell- von der Westküste der Südinsel gemeldet. Auch das Wetter spielt weiter verrückt. Aus Invercargill, tief im Süden der Südinsel, werden erhebliche Überschwemmungen nach schweren Regenfällen gemeldet. Die internationalen Nachrichten meldeten ein verheerendes Erdbeben mit über eintausend Toten aus Ecuador.
Doch zurück zum heutigen Tag. Schon um 7:15 Uhr erwachte ich in der Thermal Lodge von Rotorua. In Anbetracht der Fahrradtour mit dem Amerikaner Frank war ein langes Schläfchen heute nicht angebracht. Nur mit den nötigsten Sachen in meiner Umhängetasche verließ ich die Lodge und ging durch die Stadt zur Jugendherberge, wo ich mich mit Frank traf. Die Jugendherberge vermietete Fahrräder und ich suchte mir gleich eines aus, welches $NZ 7,50 Miete pro Tag kostete. Das Drei-Gang-Fahrrad hatte eine deutlich bessere Qualität als der Drahtesel, den ich damals in Queenstown ausgeliehen bekommen habe.
Bevor Frank soweit war, ging ich noch schnell in ein Cafe´, wo ich einen Kaffee trank und ein Sandwich aß. Das Wetter zeigte sich heute von seiner prachtvollsten Seite. Man konnte sich also auf eine schöne Fahrradtour freuen. Auch Frank hatte sein Fahrrad in der Zwischenzeit bekommen und wir konnten starten.
Vorher fuhren wir allerdings noch einmal zu meiner Unterkunft, wo Frank sein Gepäck in einem geschlossenen Raum unterstellen konnte. Er wollte ja am Nachmittag noch nach Taupo und die Jugendherberge war ja bis um 17:00 Uhr geschlossen.
Wir fuhren dann über die Fenton Street und die Te Ngae Road, wo es zunächst durch ein schönes waldiges Gebiet ging. Es handelte sich um den Whakarewarewa State Forrest Park. Schon nach kurzer Zeit mussten wir das Fahrrad erstmals schieben, denn es ging steil bergan. Die anschließende Abfahrt war dann aber überaus rasant und ein Vergnügen bei dem warmen Wetter. Die verlorene Zeit beim Schiebens, gewann man so schnell zurück.
Schon bald erreichten wir den traumhaften Lake Okataina, der bilderbuchmäßig vor den Hügeln mit seinem kristallklaren Wasser gelegen ist. Wir machten hier eine erste Rast und erfrischten uns mit einer eiskalten Milch. Ich schwitzte sehr - die Sonne tat ihr bestes. Frank und ich überquerten dann einen anderen Hügel; dahinter lag der Blue Lake. Und gleich daneben lag der Green Lake. Wir mussten jetzt ziemlich viel schieben, denn immer wieder ging es aufwärts.
Wir erreichten schließlich das Buried Village, das am 10. Juni 1886 nach einer verheerenden Eruption des Vulkans Mount Tarawera in Schutt und Asche gelegt wurde. Jetzt konnte man dieses Gelände für $NZ 4,40 besichtigen. Besonders aufregend war es hier aber nicht. Zu den Knüllern gehörten einige alte, mit Vulkanasche bedeckte Flaschen.
Viel mehr begeisterten mich die Rehe und Hirsche im benachbarten Gehege, in das man gehen und die Tiere streicheln konnte. Sie waren an Menschen gewöhnt und deshalb sehr zutraulich. Atemberaubend schön war danach der Wasserfall Te Wairoa, vor dem ich mich mit Frank fotografieren ließ. Zwei andere Besucher des Museumsdorfes waren so freundlich und drückten auf den Auslöser.
Als wir dann zum Ausgangspunkt des Buried Village zurückkehrten, legten wir im Tea Room eine Pause ein und erfrischten uns mit einem kalten Getränk vor der bevorstehenden Rückfahrt, die dann aber sehr flott über die Bühne ging.
Schon gegen 14:00 Uhr waren wir zurück in Rotorua und wieder mal war es Zeit für einen Abschied. Frank nahm seinen zwischengelagerten Rucksack in Empfang und nach der Rückgabe seines Fahrrads ging er zum Highway, um nach Taupo zu trampen.
Ich ruhte mich jetzt etwas in meinem Zimmer in der Thermal Lodge auf. Die Ruhe musste man einfach ausnutzen. Martin, der Schwede aus Göteborg, war am Morgen abgereist; kein neuer Gast ist seither eingetroffen.
Ich schrieb dann wieder einige Postkarten und brachte sie zur Post. Gegen 17:00 Uhr gab ich mein Fahrrad in der Jugendherberge ab. Ich ging dann zu einem chinesischen Takeaway, wo ich meinen Hunger stillte. In der Zwischenzeit hatte ich mich dazu entschlossen, mal zu Hause anzurufen. Das war heute ideal, denn die Post war heute länger geöffnet und so konnte ich von dort telefonieren und direkt bezahlen und brauchte mich um die Herstellung der Verbindung nicht zu kümmern.
Für $NZ 9,50 telefonierte ich eine ziemlich lange Zeit mit meiner Mutter. Es war 18:00 Uhr, als ich auf dem Postamt von Rotorua mit Mutti telefonierte; in Buchholz war es jetzt mal gerade 7:00 Uhr! Zuerst erkundigte ich mich natürlich nach meinem Hund, Wurzel, den ich sehr vermisse, aber dem es scheinbar gut ging. Ich erfuhr auch, dass das Arbeitsamt meinen vor der Abreise gestellten Antrag auf Arbeitslosengeld für die Zeit bis zum 8. Januar abgelehnt hatte und das nun der Widerspruch läuft. Die Verlängerung der Auslandskrankenversicherung hat offensichtlich geklappt.
Das Wetter in Norddeutschland ist wohl unverändert schlecht - Schnee und Kälte! Leider verplemperte ich viel Zeit mit Belanglosigkeiten, da mir die wichtigeren Themen plötzlich nicht mehr einfielen. Auch in Buchholz hat man übrigens von dem Erdbeben in der Bay of Plenty gehört.
Am Abend tat ich dann nicht mehr viel. Ich zog mich in mein Zimmer in der Thermal Lodge zurück und schrieb noch in mein Tagebuch. Erstmals seit Christchurch hatte ich mal wieder die Gelegenheit, in meinem Roman zu lesen. Gegen 22:00 Uhr knipste ich das Licht aus.
65. Reisetag: Sonnabend, 14. März 1987
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Ein neuer Tag brach an. Fünfundsechzig Tage war ich jetzt schon unterwegs. Und wie schnell ist die Zeit vergangen! Andere fahren für zwei Wochen im Jahr weg!
Gegen 8:30 Uhr bin ich heute morgen aufgestanden. Ich bereitete mich auf die Abreise aus Rotorua vor. Ich packte meinen Rucksack zusammen und gab den Zimmerschlüssel an der Rezeption ab. Der Manager der Thermal Lodge gab mir die $NZ 10 Pfand zurück, die ich ihm für den Schlüssel gegeben habe. Ich verabschiedete mich und ging in die Stadt, wo ich noch im Juweliergeschäft vorbeischaute, wo ich gestern meine Halskette zur Reparatur gegeben hatte Mir fehlte eine Öse zum Schließen. Für $NZ 2 war das Problem behoben.
Heute wollte ich mir mal ein besonderes Frühstück gönnen. Dazu ging ich in ein ziemlich vornehmes Restaurant, wo ich entsprechend mehr bezahlen musste. Ich hatte Appetit auf ein englisches Frühstück. Es gab Würstchen mit Spiegeleier, Toast, Honig und Marmelade sowie reichlich Kaffee und Saft. Es war total lecker!
Danach war es dann wieder Zeit zum Aufbruch. Die Straße rief! Ich begab mich zur Provinzstraße 30, die später zur No 33 wurde. Auch wenn es kein Highway war, so war doch ziemlich reger Verkehr. Aber wann viel Verkehr herrscht, so meine Erfahrung, hält auch niemand an. Ich bekam vom Hochhalten meines selbst gemalten Pappschildes mit der Aufschrift Tauranga bald einen lahmen Arm. Ich ging wieder eine ziemlich lange Strecke an der Straße entlang. Schließlich stellte ich meinen Rucksack an einen Begrenzungsposten und brachte meinen Stoffhasen, der mittlerweile Bunny hieß, in Position.
Es war ruhiges Spätsommerwetter. Anfangs war es wolkig, später wurde es dann immer sonniger und herrlich warm. Erst nach geraumer Zeit hielt ein Wagen an. Es war ein Mann in einem kleinen Lieferwagen, der bereits an mir vorbeigefahren ist und nun zurückgekehrt war. Er wollte mich direkt bis Tauranga, meinem heutigen Etappenziel, mitnehmen.
Auf den ersten Blick wirkte der Mann etwas grantig. Aber schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass der Mann vor über dreißig Jahren aus Deutschland ausgewandert ist - hierher nach Neuseeland. Nach all den Jahren sprach er nur noch gebrochen deutsch. Der Mann hieß Anton Fichtl und obwohl er sehr nett war, hielt er an einer (Un-)Sitte fest, die man wohl aus den Deutschsprachigen nicht mehr raus bekam. Er begann mich sofort zu siezen. Wenn man so lange im englischsprachigen Raum unterwegs ist, lernt man das Anredewort you, das sowohl Du als auch Sie bedeutet, schätzen. Der Umgang unter den Menschen ist ganz anders, zumal man sich ja auch noch mit dem Vornamen anredet und nur ganz selten jemanden mit Mr oder Mrs anredet!
Wir unterhielten uns während der Fahrt prächtig. Nichts war mehr von seiner Grantelei zu spüren. Ich nutzte die Gelegenheit, ihn ausführlich nach seiner damaligen Auswanderung zu befragen und mich interessierte, ob er diesen Schritt wohl mal bereut hätte, was er aber entschieden verneinte.
Wir kamen dann auch auf das Erdbeben in der Bay of Plenty zu sprechen. Anton war zu diesem Zeitpunkt gerade mit seinem Auto unterwegs gewesen und merkte nicht viel davon. Das Erdbeben war, Antons Worten zufolge, fast nur auf den Wort Whakatane beschränkt gewesen. Dort hatte es wohl die meisten Zerstörungen gegeben.
Wir erreichten dann Tauranga bereits zur Mittagszeit. Anton lud mich dann doch tatsächlich zu sich und seiner Familie nach Hause zum Lunch ein. Das freute mich natürlich sehr und ich nahm die Einladung gern an, zumal ich ja auch nicht unter Zeitdruck stand.
Anton hatte ein Haus, etwa acht Kilometer von Tauranga entfernt, auf dem Weg Richtung Waihi. Sein Grundstück lag wunderschön in der zauberhaften Landschaft; verkehrsgünstig am Highway 2 gelegen. Nach unserer Ankunft begrüßte mich sofort seine Frau. Auch sie sprach nur noch gebrochen deutsch und vermischte oft deutsch und englisch.
Familie Fichtl bestand noch aus vier Kindern, wobei nur die beiden älteren Töchter noch mit im Hause lebten. Eine andere Tochter lebte mittlerweile in England. Frau Fichtl richtete dann das Mittagessen. Es gab Brot, Aufschnitt, eine Suppe und Tee. Ein typischer neuseeländischer Lunch also. Danach zeigte mir Anton stolz seine Treibhäuser, wo er Tomaten und Gurken angepflanzt hatte, die er zum Zeitpunkt der Reife, direkt an der Straße verkaufte. Es gab auch eine Anzahl von Tieren hier: Hühner, Papageien, eine Taube und eine Katze.
Zwischendurch bekamen die Fichtls auch noch Besuch von einer anderen Deutschen, die ebenfalls nach Neuseeland ausgewandert war. Sie hatte im Auto ihre betagte Mutter sitzen, die sie erst vor drei Monaten nach Neuseeland geholt hatte. Die Mutter war offensichtlich verwirrt und spielte mit einer Kinderpuppe.
Wir tranken dann noch einen Kaffee und Frau Fichtl erzählte mir dann ,wie sie das Erdbeben vor zwei Wochen erlebt hatte. Zunächst hätten sich die Hühner merkwürdig benommen. Sekunden später klirrten dann auch schon die ersten Gläser und Tassen in der Vitrine. Das sei wohl alles gewesen. Größere Zerstörungen gab es in Tauranga offensichtlich nicht.
Später verabschiedete ich mich dann von Frau Fichtl und Anton fuhr mich in die Stadt zurück. Vorher schauten wir noch am Hafen vorbei, wo ich mich für Sonntage nach möglichen Fähren zum Mount Maunganui erkundigte, doch es ging keine einzige. Ich hätte mir diesen Berg gern angeschaut, um für morgen einen Tagesplan zu haben.
Anton fuhr mich dann direkt zur Jugendherberge. Ich verabschiedete mich von ihm und bedankte mich für den schönen Tag. Es ist immer besonders schön beim Reisen, wenn die Tage einen anderen Verlauf nehmen, als man noch am Morgen gedacht hatte.
Die Jugendherberge öffnete wenig später. Das Haus lag wunderbar am Wasser. Es war so eine Art von See oder Bucht, die hinter einer Brücke in die Bay of Plenty mündete. Ich meldete mich für zwei Nächte an und stellte meinen Rucksack in Zimmer 4 ab. Kurz darauf duschte ich dann und wusch meine verschwitzten Klamotten.
Ich kam dann noch mit dem 19-jährigen Engländer Edward ins Gespräch. Gegen 19:30 Uhr gingen wir noch einmal los, um in einem Pub ein Bier zu trinken. In einem Imbiss aß ich vorher aber noch einen Bissen. Edward und ich fanden dann schnell einen Pub. Hier saßen viele Maoris und die Stimmung war hervorragend. Ein Maori spielte, obwohl er ziemlich betrunken war, auf seiner Gitarre und der halbe Pub sang dazu. Es war noch recht lustig und ich habe mich mit Edward noch gut unterhalten.
Als wir dann wieder in der Jugendherberge waren, begab ich mich bald wieder zur Ruhe. Das Haus war doch voller, als ich anfangs vermutet habe. Im Zimmer standen ziemlich viele Betten und warm war es außerdem noch. Irgend jemand schnarchte erschreckend laut; richtig störend!
Wie ich morgen übrigens zum Mount Maunganui kommen sollte, war mir immer noch nicht ganz klar. In der Jugendherberge hätte die Möglichkeit bestanden, ein Fahrrad zu mieten, doch die waren wohl alle kaputt. Ob es möglich war, dorthin zu trampen, bezweifelte ich etwas; zu Fuß wäre es aber eindeutig zu weit. Die Luftlinie zum Berg war nur kurz, aber auf der Straße waren es etwa fünfzehn Kilometer.
66. Reisetag: Sonntag, 15. März 1987
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Meine Gedanken gingen heute auch wieder nach Deutschland, wo Verwandte in Hamburg-Harburg einen Doppelgeburtstag feierten. Auch über mich würde dort im kalten Norddeutschland sicher gesprochen werde und wo ich mich wohl gerade befinden würde.
Die Antwort war einfach: Ich erwachte heute morgen in der Jugendherberge Tauranga an der Bay of Plenty.
Vom Wetter wurde ich auch heute wieder weitgehend verwöhnt, denn die Sonne schien erneut und es warm. An der Rezeption hatte ich mir ein paar Kleinigkeiten besorgt, die ich mir in der Küche zubereitete.
In der Zwischenzeit hatte ich doch beschlossen, zu versuchen, per Anhalter zum Mount Maunganui zu kommen. Schon bald brach ich auf, denn bis zur Hauptstraße war es schon eine ziemliche Strecke zu gehen.
In der 15th Avenue traf ich dann noch auf zwei andere Mädchen, die von hier nach Rotorua trampen wollten. Sofort wurden die Mädchen mitgenommen und das nächste Auto, das die Straße befuhr, hielt dann auch gleich für mich. Im Wagen saß der US-Amerikaner Paul, der schon einige Zeit in der Jugendherberge wohnte, denn auf dem hiesigen Flugplatz nahm er immer wieder Unterrichtsstunden, um das Segelfliegen zu erlernen.
Paul nahm mich bis zum Flugplatz mit; von hier aus waren es nur noch sechs Kilometer bis zum Berg, die ich nun zu Fuß zurückgelegte, was bei dem Wetter aber ein angenehmes Vergnügen war.
Um die Mittagszeit herum, erreichte ich den Mount Maunganui. In einem Cafe´ legte ich eine kurze Pause ein. Der Mount Maunganui ist ein einsamer Berg, denn rundherum gab es weder Hügel noch Berge. Früher war er ein aktiver Vulkan, der in der Zwischenzeit aber erloschen ist.
Hinter dem Motorcamp fand ich den breiten Weg, der auch mit dem Auto befahrbar ist. Der Berg ist ja nur etwa 250 Meter hoch, aber von seiner Lage von weither zu erkennen. Viele andere Spaziergänger waren auf dem Wanderweg unterwegs. Von hier oben hatte man einen phantastischen Blick auf lange, weiße Strände, auf den Hafen von Tauranga, auf einzelne Inseln im Meer und auf andere Ortschaften.
Nach dreißig Minuten erreichte ich den Gipfel, wo ich die Aussicht genoss. Danach ging es wieder abwärts. Ich ging dann an den schönen Sandstrand am Meer. Zunächst legte ich mich etwas hin und blickte auf das Meer hinaus. Danach wanderte ich barfuss am Wasserrand entlang. Ich nahm auch noch ein kurzes Bad!
Am Horizont entdeckte ich jetzt dunkle Wolken und so wollte ich zügig zurück zur Straße gelangen, um möglichst trocken nach Tauranga zurückzukehren. Die Sonne war schon verschwunden und es fing bereits an zu tröpfeln.
Ich hielt meinen Daumen in die Höhe und schon nach kurzer Zeit hatte ich Glück. Es stoppte zwar kein Auto, allerdings hörte ich plötzlich jemanden von einem Grundstück rufen. Zwei Jungen winkten in meine Richtung. Ich ging auf das Grundstück und die zwei Jungen boten mir an, dass, wenn ich etwas warten würde, mit ihnen fahren könne. Beide mussten noch heute zur Kaserne nach Palmerston North und würden dabei auch Tauranga durchqueren müssen.
Es waren fünf Personen auf dem Grundstück. Es war eine Maori-Familie mit Mutter Lin Humphreys und ihren vier Kindern. Der Vater, Francy, war abwesend. Von der freundlichen Familie wurde ich spontan ins Haus eingeladen, wo es einen guten Kaffee gab. Wir unterhielten uns prima und ich genoss die herzliche Gastfreundschaft von Lin und ihrer Familie. Zur Familie gehörten auch ein hässlich-giftiger mopsartiger Hund, ein Kaninchen und einige Vögel.
Es war heute das erste Mal, dass ich Neuseeländer sah, die der Armee angehörten. Später fuhren mich dann die Söhne, die übrigens Damian und Nga hießen, nach Tauranga -direkt vor die Tür der Jugendherberge. Zuvor hatte ich mit Lin noch die Adressen ausgetauscht. Sie bot mir an, mich nächste Woche von Hamilton nach Whangarei fahren zu wollen, wenn ich mich kurz vorher bei ihr melde.
Ich war sehr glücklich über diese erneut unerwartete Änderung des Nachmittaggeschehens. Um 17:00 Uhr war ich zurück in der Jugendherberge. Zunächst duschte ich und spülte einen Teil meiner Klamotten unter dem Wasserhahn durch.
Jetzt machte ich mir eine Kleinigkeit zu essen. Mit nur $NZ 10 Geldausgabe pro Tag war es heute ein außerordentlich günstiger Tag. Abends blieb ich zu Hause. Es gab jetzt recht kräftige Regenschauer. Ich unterhielt mich noch mit dem Berliner Klaus und dem Franzosen Oliver. Natürlich schrieb ich auch wieder die Reiseeindrücke des heutigen Tages nieder.
Gegen 22:00 Uhr begab ich mich zu Bett. Gestern Abend störte mich erstmals ein Schnarcher beim Schlafen; heute war stattdessen eine hartnäckige und blutrünstige Mücke im Zimmer, die nie müde wurde ...
67. Reisetag: Montag, 16. März 1987
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Dadurch, dass mich in der vergangenen Nacht diese lästige Mücke nervte, holte ich am Morgen etwas Schlaf nach. Trotzdem war ich ziemlich gerädert, als ich mich schließlich aus dem Bett quälte. Ich ging dann in die Gemeinschaftsküche, wo ich frühstückte. Wenig später meldete ich mich ab, bekam meinen Mitgliedsausweis zurück und verließ die Jugendherberge Tauranga.
Das Wetter spielte heute wieder mit und so ging ich bei bester Stimmung in Richtung Highway. Demnächst hatten Freunde und Familienmitglieder wieder Geburtstag, so dass ich ein paar Glückwunschkarten kaufte. Auf dem Highway 2 wollte ich dann versuchen, nach Waihi zu trampen, wo ich die folgende Nacht in einem Motorcamp verbringen wollte.
Die Strecke nach Waihi war nicht sonderlich lang - unter 100 Kilometer. Der Weg zu einer recht guten Anhalter-Warte-Position am Highway war allerdings wieder recht weit. Es herrschte reger Verkehr. Viele Autos passierten mich, hielten aber leider nicht an. Wenn so viele Autos unterwegs sind, erwartet man immer, dass jemand frühzeitig stoppt. Dem war aber nicht so.
Nach ziemlich langer Wartezeit hielt Jim in seinem Transporter, der mich allerdings nur eine kürzere Strecke bis zu einer Tankstelle bei Omokoroa mitnahm. Hier trank ich einen Schluck und aß ein Sandwich, bis ich dann meine Trampversuche fortsetzte. Ich wartete erneut eine Weile. Schließlich hielt ein Truck an, in dem der Straßenbauarbeiter Paul saß. Trucks hielten eher selten an, um Tramper mitzunehmen. Wahrscheinlich war ihnen das vom Arbeitgeber aus versicherungstechnischen Gründen verboten.
Eine längere Unterhaltung mit Paul kam nicht zustande, denn er nahm mich nur bis Katikesti mit. Ich wanderte zum Ende der kleinen Stadt und hob meinen Daumen erneut in die Lüfte. Wieder musste ich über eine halbe Stunde warten, ehe mich David mitnahm; ein Versicherungsvertreter, der mich aber schließlich direkt zu mein heutiges Etappenziel, Waihi, fuhr. Er setzte mich gegen 13:00 Uhr am Motorcamp ab.
Dummerweise war das Büro des Motorcamps geschlossen und da ich keine anderen Leuten sah, wusste ich überhaupt nicht, ob es heute überhaupt wieder öffnen würde. Nirgendwo war eine Notiz mit einem Hinweis angeschlagen. Zwischenzeitlich war es auch etwas wolkiger geworden und ich war wegen des Wetters etwas besorgt.
Alles klärte sich schnell: Die Leiterin des Camps war nur ganz schnell in der Stadt gewesen. Jetzt konnte ich mich anmelden. Die Frau hatte zwar keine Kabine für mich, dafür aber einen Wohnwagen, den ich für $NZ 11 benutzen durfte. Das ist das schöne in Neuseeland, aber auch in Australien: Auf Motorcamp-Plätzen gab es fertig eingerichtete Kabine und Wohnwagen, die nie bewegt wurden, sondern als Übernachtungsmöglichkeit, besonders wenn man nicht zelten will, zur Verfügung stehen. Eine ganz großartige Sache und gewiss eine Marktlücke für deutsche Campingplätze.
Der Wohnwagen war schön eingerichtet. Es gab Pumpwasser, ein Bett, Tisch und Schränke, die mit Besteck und Geschirr sortiert waren. Im Vorzelt befand sich ein Herd und ein Kühlschrank. Feine Sache.
Nach einer Weile ging ich dann in die Stadt. Ich erkundigte mich nach einer Busverbindung nach Opoutere für morgen. Ferner kaufte ich mir auf dem Postamt wieder einige Briefmarken. Danach habe dann in einer Snack-Bar eine Kleinigkeit gegessen. Der Inhaber war ein Holländer, wie sich schon bald herausstellte. Vor vier Jahren war er nach Waihi ausgewandert und hatte sich mit diesem Imbiss selbständig gemacht, der auch gut lief, wie er mir bestätigte. Ich war total hungrig und aß eine Hähnchenkeule, einen Hawaii Burger und ein Hot Dog - am Stiel!
Danach kehrte ich wieder in meinen Wohnwagen auf dem Motorcamp zurück. Heute passierte nicht mehr viel. Waihi war nicht unbedingt der Ort, der viel zu bieten hatte. So schrieb ich die Geburtskarten und verfolgte noch die Nachrichten im Fernsehen - neben der Küche befand sich nämlich ein TV-Raum.
Ich legte mich dann schon früh ins Bett; es war mehr eine Bank, worauf eine Matratze platziert war. Ich freute mich auf meinen Konsalik-Roman, den ich fast zu Ende las. Mögen solche Romane auch trivial sein; der Autor verstand es aber ohne Zweifel, fesselnd zu schreiben.
Schließlich fielen mir die Augen zu. Irgendwann in der Nacht wachte ich auf und schaltete das Licht aus.
68. Reisetag: Dienstag, 17. März 1987
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Das Wetter entschädigte mich im Augenblick sehr für die regenreichen und kalten Tage, die ich vor allen Dingen an der Westküste der Südinsel zu erdulden hatte. Auch heute war es wieder sonnig und warm.
Heute morgen nahm ich mir viel Zeit. Ich befand mich in einem Wohnwagen in einem Motorcamp der Kleinstadt Waihi. Ich hatte gut geschlafen und las jetzt noch die letzten Seiten meines Romans. Ich bin nie ein großer Leser von Büchern gewesen; hier in Neuseeland war es aber zur entspannenden Freizeitbeschäftigung geworden.
Schließlich packte ich wieder meinen Rucksack zusammen und verließ diese attraktive Unterkunft. Im Büro gab ich den Schlüssel ab und spazierte in den Ort. Im NZR-Busdepot stellte ich meinen Rucksack vorübergehend ab und besorgte mir in einem Papierwarenladen einen Briefumschlag, um den Roman wieder nach Christchurch zu schicken, wo ich mir das Buch in einer Bibliothek ausgeliehen hatte.
Danach löste ich einen weiteren Traveller´s Cheque in der National Bank ein. Mit nur $NZ 173 für $US 100 war es abermals weniger als beim letzten Tausch. In Auckland hatte ich bei meiner Ankunft noch $NZ 185 erhalten - das sind $NZ 12 Unterschied!
Bis zur Abfahrt des Busses nach Opoutere, meinem heutigen Etappenziel, war es noch reichlich Zeit und so ging ich wieder in den Imbiss des Holländers, wo ich für $NZ 5,60 ein erstklassiges englisches Frühstück serviert bekam: Spiegeleier, Schinken, Toast, Konfitüre und Kaffee - mehr konnte man nicht verlangen. Ich verbrachte einige Zeit hier und las auch noch in einer neuseeländischen Zeitung.
Mein Rucksack wurde dann in den Bus verladen. Ich zahlte $NZ 4,50 für die Fahrkarte nach Opoutere. Die Fahrt erfolgte in einem Privat-Bus, der in erster Linie Kinder zur Schule transportierte. In Whangamata legte der Fahrer eine mehr als einstündige Pause ein. Ich ging in dieser Zeit an den herrlichen Sandstrand, wo ich auf Graham, einen Engländer traf, der auch zur Jugendherberge Opoutere wollte. Graham war zuvor in Asien gereist und erzählte mir von seinen Erlebnissen.
Auch mit dem freundlichen Busfahrer kam ich ins Gespräch. Ihn fragte ich nach Busverbindungen auf der Coromandel-Halbinsel und nach den Möglichkeiten dort zu trampen.
Die Schulkinder im Bus trugen alle die gleiche Uniform - sie gehörten ein und derselben Schule an. Gegen 15:30 Uhr setzte der Busfahrer Graham und mich direkt vor der Jugendherberge ab. Das Haus lag jenseits sämtlicher Geschäfte und städtischem Treiben. Aber es war ein wunderschönes Fleckchen Erde mit viel Wald und einer traumhaften Bucht - direkt vor dem Haus. Hinter der Bucht befand sich der Ozean.
Schon bald war klar, dass fast das ganze Haus von deutschen Reisenden besucht war. Und es war auch voller, als ich dachte. Der Männerschlafraum bestand aus achtzehn (!) Betten auf drei (!) Betten-Etagen. Das erlebt man auch nicht alle Tage. Aber irgendwie passte es zu dieser ländlichen Idylle, in der ich mich hier befand.
Dank des guten Wetters kam die schöne Umgebung besonders zur Geltung. Überall zwitscherten die Vögel und als die Dunkelheit herein brach, liefen überall die putzigen Opossums herum. Hier traf ich auch auf Klaus Kaiser aus Berlin, den ich schon in Tauranga kennen gelernt hatte. Mit ihm spielte ich noch ein Match Federball, was viel Spaß machte, denn es war völlig windstill. Hinter dem Haus befand sich ein Netz!
Danach bereite ich mir ein Abendessen zu. Heute versuchte ich mich mal wieder an Spiegeleier auf Brot. Dazu gab es noch Müsli mit Milch. In der Zwischenzeit hatte ich mich in der Jugendherberge auch angemeldet. Die Leiterin verkaufte zum Glück ein paar Lebensmittel; sonst wäre man hier -ohne Laden weit und breit! - aufgeschmissen.
Nach dem Essen spielten Klaus und ich ein weiteres Match Federball. Danach war ich derart durchgeschwitzt, dass ich mich sofort unter der Dusche erfrischen musste. Ich musste akzeptieren, dass es nun schon beträchtlich früher dunkel wurde. Man konnte sich abends entsprechend weniger draußen beschäftigen. Ich habe mich aber den Abend über hervorragend mit Klaus unterhalten. Zu uns gesellte sich noch der Schweizer Martin. Ich erledigte meine Reisenotizen und kontrollierte mal wieder meinen Reise-Etat, welcher allerdings erfreulich günstig aussah.
Wenn keine übergroßen Ausgaben erfolgen sollte, würde ich noch für sechs Tage mehr Geld haben, als die Reise ursprünglich dauern wird. Trotzdem will ich nicht leichtsinnig werden und mein Geld weiterhin zusammen halten - man wusste ja nie, was noch kommt.
Wieder recht zeitig begab ich mich heute ins Bett - ich war nicht der einzige. In der Nacht zogen Wolken auf und es regnete ein wenig.
69. Reisetag: Mittwoch, 18. März 1987
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Am Morgen war es dann ein bisschen feucht und kühl. Aber schnell entwickelte sich wieder ein Tag mit einwandfreiem Wetter. Ich genoss den Aufenthalt in der Einsamkeit Opouteres sehr und so verbrachte ich heute meinen zweiten Tag hier am Rande der Coromandel-Halbinsel. Ich stand auf und verließ den großen Schlafsaal in Richtung Küche, wo ich mir ein gemischtes Frühstück zubereitete.
Nach all den frühmorgendlichen Dingen, die man so zu erledigen hatte, ging ich später mit dem Berliner Klaus und dem Schweizer Martin hinüber an den wunderbaren weißen und kilometerlangen Sandstrand. Trotz des nahen Herbstanfangs gab die Sonne ihre ganze Kraft her, um es wieder warm werden zu lassen.
Es herrschte Hochwasser in der Bucht. Klaus, Martin und ich gingen durch den Wald zum Strand. Zunächst schlenderten wir am Rande des Ozeans entlang, ehe wir uns an einem schönen Plätzchen niederließen. Die Sonne schien auf uns nieder - in Deutschland arbeiteten die Menschen hart und kämpften sich wahrscheinlich durch den Schneematsch und uns ging es so verdammt gut hier.
Wir hatten uns in der Jugendherberge einen Ball ausgeliehen, mit dem wir jetzt ins Wasser gingen. Die Wellen tobten um uns herum. Das brachte Spaß. Es war fast so herrlich wie auf Oahu/Hawaii. Das Wasser des Pazifik war herrlich warm. Nach dem erfrischenden Bad bräunte uns die Sonne trocken.
Gegen 13:30 Uhr trennte ich mich dann von Klaus und Martin und den ging langen, aber schönen Weg singend und bester Laune zur Bucht zurück. In der Zwischenzeit herrschte Ebbe und so konnte ich die Abkürzung durch die jetzt wasserleere Bucht nehmen. Im angrenzenden Wald sah ich plötzliche eine Spinne auf einem Ast sitzen. Sie war so winzig und ich dachte spontan an die einzig giftige Spinne Neuseelands, Katipo. Ob es eine war? Ich werde es nie erfahren.
In der Jugendherberge, die ganztags geöffnet war, wusch ich mir zunächst das Salz und den Sand von den Füßen und Beinen und ging dann kurz darauf den Summit-Wanderweg neben der Jugendherberge zu einem Aussichtspunkt hinauf. Obwohl sich der Pfad immer wieder gabelte, war es am Ende doch kein Problem, zum Aussichtspunkt zu gelangen. Auch ein anderer Deutscher, der auch in der Jugendherberge nächtigte, war hier oben.
Nach dem Genuss des Blicks auf das Meer und die vorgelagerten Inseln wanderte ich wieder hinunter und setzte mich vor die Jugendherberge, wo ich etwas schrieb. Klaus und Martin kamen dann auch vom Strand zurück. Sie gingen aber gleich wieder und kratzten Muscheln aus dem Sand der immer noch wasserleeren Bucht. Mit reicher Beute kamen sie zurück und in der Gemeinschaftsküche wurde dann das Abendessen gerichtet. Auch ich kostete von den delikaten Muscheln, zog es aber vor, ein Reisgericht mit Supreme-Sauce zu essen.
Ich hatte unheimlichen Hunger, weil ich ja zuletzt am Morgen etwas gegessen hatte. Nach dem Essen wollte ich mit Klaus eigentlich ein bisschen Badminton spielen, doch zwei andere hatten uns die Schläger vor der Nase weggeschnappt. Es waren Uwe, den ich schon am Aussichtspunkt getroffen hatte und die Bayerin Dorle vom Chiemsee. Beide Mädchen hatte ich am Abend noch kennen gelernt. Dorle war 27 Jahre alt und arbeitete als selbständige Wirtin in ihrem Gasthaus, was während ihrer Reise von ihrem Bruder weitergeführt wird.
Sie war unterwegs mit ihrer Freundin Gaby aus Prien, 29 Jahre alt. Trotz ihres Alters sah besonders Gaby noch sehr jung aus. Besonders wenn sie ständig in ihrem arg knappen Bikini herumlief, hätte man sich schon ein Schäferstündchen mit ihr gewünscht. Zusammen mit Klaus und Martin gingen wir hinaus zum Volleyballspielen am Netz. Auch Dorle und Uwe kamen zu uns und beteiligten sich am Spiel. Jetzt kam auch noch der Waliser Geoffrey zu uns, der mittlerweile im US-Bundesstaat Ohio lebte.
Es war ein lustiges Spielchen unmittelbar vor Einbruch der Dunkelheit in einem unglaublich friedlichen Ort. Um uns herum hörte man nur die Geräusche der Natur. Kein Automotorengeräusch weit und breit!
Als es dann dunkel wurde, duschte ich und trank eine Tasse Kaffee. Für einen Moment ging ich dann in den kleinen Gemeinschaftsraum in der Jugendherberge. Draußen hatte es mittlerweile ziemlich abgekühlt. Mit Geoffrey tauschte ich einige Kartentricks aus. Mit im Raum befanden sich die alte Dame Joy, die ein Zigeunerleben führt, weil sie nicht in ein Altersheim will und der ältere Herr Eric, der aus England stammt.
Ich unterhielt mich noch mit Gaby und Dorle. Zu später Stunde entschlossen sich Martin und Klaus noch, auf nächtlichen Fischfang zu gehen. Gaby und ich schlossen uns an. Wie Krieger aus vergangenen Zeiten schnitzten sie einen Speer, um damit nach Flundern im seichten Wasser der Bucht zu stechen.
Bei schwärzester Dunkelheit gingen wir dann durch den Wald zum Strand und von dort gelangten wir dann an die Bucht, die Hochwasser führte. Ohne Probleme konnte man aber im Wasser waten. Es war wolkig, aber manchmal lugte der Mond durch die geheimnisvoll aussehenden Wolken.
Aus der Ferne hörten wir das drohenden Rauschen des Meeres, das sich bei Dunkelheit ganz anders anhörte als tagsüber. Martin und Klaus wateten, mit einer Taschenlampe bewaffnet, durch das Buchtwasser. Gaby und ich warteten am Strand. Zusammen rauchten wir eine Zigarette. Ich wünschte mir mehr von ihr; doch es passierte nichts!
Schon bald gaben Martin und Klaus auf, weil es anscheinend nicht windstill genug war. Wir saßen noch im hohen Gras friedlich beisammen. Hier in der geschützten Bucht war es sehr angenehm und überhaupt nicht kühl. Später nahmen wir dann den kurzen Weg durch das Buchtwasser, um zur Jugendherberge zurückzukehren. Das war eine spannende abendliche Unternehmung gewesen. Nachtwanderungen waren schon immer eine Leidenschaft von mir gewesen, doch zu selten fanden sie statt.
Es war ein wunderschöner Tag gewesen, der wieder neue Erlebnisse brachte. Die Einsamkeit hier draußen war atemberaubend. Gegen Mitternacht verschwand ich dann in meinem Bett und nachdem ich heute so viel frische Luft getankt hatte, schlief ich schnell ein.
70. Reisetag: Donnerstag, 19. März 1987
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Gleich am Morgen verlängerte ich meinen Aufenthalt in der Jugendherberge Opoutere um eine weitere Nacht. Trotz der beschränkten Unternehmungsmöglichkeiten kam bei mir noch keine Langeweile auf. Dadurch, dass ich nun länger in Opoutere bleibe, verzichte ich auf weitere Exkursionen auf der Coromandel-Halbinsel. Nach meiner Abreise werde ich dann nach Te Aroha fahren.
Bei unverändert schönem Wetter begann der Tag wieder mit einem Frühstück. Zwar gab es heute ein paar Wolken -mehr als an den vergangenen Tagen- aber das beeinträchtigte das insgesamt positive Klima überhaupt nicht.
Der Morgen begann ohne Eile und ohne größere Aktionen. Erst um die Mittagszeit herum, gingen Klaus, Martin und ich wieder an den Strand. Wir gingen durch das abfließende Wasser der Bucht und liefen diesmal nicht so weit wie gestern. Ich hätte mir gewünscht, wenn Dorle und Gaby mitgekommen wären, doch sie vertrösteten mich auf später, denn gerade sei ein Bekannter von den beiden Bayerinnen, Andreas, eingetroffen. Andreas hatte ich schon einmal flüchtig in Fox getroffen.
Derweil lagen Klaus und ich am Sandstrand und tankten Sonne und Wärme auf, um dann ins Wasser gehen zu können. Diesmal war ich es, der Klaus und Martin überreden musste, mitzukommen. Klaus und Martin fanden es noch etwas frisch, zumal ab und zu Wolken vor die Sonne zogen.
Schließlich klappte es doch und wir schnappten uns den Ball und gingen in das angenehm warme Wasser des Pazifischen Ozeans. Unentwegt tobten die großen Wellen heran und begruben uns so manches mal unter sich. Ein Riesenspaß! Nahezu eine halbe Stunde blieben wir im Wasser. Danach wärmten wir uns wieder an der Sonne. Meine Haare an den Beinen glänzten mittlerweile -vom Meersalz- hell an den braungebrannten Beinen.
Mir wurde es dann am Strand etwas zu langweilig, zudem trocknete meine Haut total aus, was ich als ziemlich unangenehm empfand. So verließ ich vorübergehend Klaus und Martin und wanderte am Wasserrand entlang, um nach Dorle und Gaby zu sehen. Nach einer Zeitlang fand ich sie auch in einer geschützten Nische einer Düne liegen. Ich unterhielt mich sehr mit Dorle, die mir von ihrer anstrengenden Arbeit als Wirtin in ihrer Gastwirtschaft erzählte. Sie betonte, sie sei eingefleischte SPD-Wählerin, was mich etwas überraschte, in Bayern war man doch eher der CSU zugetan.
Dorle war etwas molliger; sie trug einen Badeanzug. Gaby trug heute ein attraktives Strandkleid; sie hatte sich in der Zwischenzeit etwas näher ans Wasser herangewagt. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als sie sich schließlich von ihrem Strandkleid löste und jetzt völlig nackt auf ihrer Strandmatte lag. Sie fühlte sich wahrscheinlich wie im Englischen Garten.
Ich ging weiter und traf nach wenigen Minuten den Waliser Geoffrey und zwei andere Deutsche, darunter auch Andreas. Ich watete dann durch die fast wasserfreie Bucht zurück zur Jugendherberge. Dort waren auch schon Klaus und Martin, mit denen ich nun etwas Frisbee auf dem herrlichen Rasengrundstück spielte.
Zur täglichen Pflicht-Routine gehörte das Tagebuchschreiben, das jetzt wieder folgte. Die Zeit, die ich habe, entscheidet letztendlich, wie viel Text ich zu schreiben gedenke. Es gibt Tage, da ist so viel los - da könnte man stundenlang schreiben, hat aber die Zeit nicht. An anderen Tagen ist es genau anders herum.
Wieder hatte ich Hunger und so haute ich mir um 17:00 Uhr wieder einige Eier in die Bratpfanne. Dazu trank ich wieder eine Flasche eiskalte Milch, wie immer die mit dem Silver Top, die eine total leckere Cremeschicht hat, die man stets beim ersten Schluck genießt.
In der Zwischenzeit waren ein paar neue Reisende angekommen. Wieder waren viele Deutsche darunter. Da war aber auch Christine Brett, eine Neuseeländerin aus Auckland, die etwa um die dreißig Jahre alt war. Ferner ein älterer Engländer, der viele Gespräche mit Eric führte. Ein deutscher Student erzählte mir, dass sein Onkel in Sprötze bei Buchholz wohnt, was wieder einmal bewies, wie klein die Welt ist.
Der Waliser Geoffrey wurde jetzt von seiner amerikanischen Freundin Jackie abgeholt. Beide wollten die kommende Nacht in einem Zelt am Strand übernachten und vorher noch ein Lagerfeuer entfachen, wo Martin, Klaus und ich auch noch hinwollten. Bis dahin war es aber noch etwas Zeit.
Klaus hatte sich etwas aufs Ohr gelegt. Derweil spielte ich mit Martin eine Runde Badminton. Plötzlich wurde es dann windig und schlechtes Wetter drohte aufzuziehen. Bedrohlich dunkle Wolken nahten, die keine guten Absichten zu haben schienen. Gerade als wir dann zum Lagerfeuer am Strand gehen wollten, fielen die ersten Tropfen und Blitze zuckten über den Himmel. Wir kehrten wieder um; uns blieb nichts anderes übrig!
Es war die richtige Entscheidung, denn was Minuten später an wolkenbruchartigen Regenfällen niederging, sah man auch nicht alle Tage. Dabei hielten sich die Donnerschläge, was die Heftigkeit betraf, in Grenzen. Zusammen mit Dorle und Gaby setzten sich Klaus, Martin und ich unter das schützende Dach der Jugendherberge und unterhielten uns über Gott und die Welt.
Zwischen mir und den Mädchen entwickelte sich nichts mehr, was ich natürlich bedauerte. Nach 22:00 Uhr endete dann ein weiterer schöner Tag in Opoutere; leider bei schlechtem Wetter. Aber vielleicht schien ja morgen früh schon wieder die Sonne?! Ich legte mich in mein Bett und lauschte dem prasselnden Regen und sah die vereinzelten Blitze, die das Zimmer für Bruchteile von Sekunden hell erleuchteten.
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