
41. Reisetag: Mittwoch, 18. Februar 1987
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Ein neuer Tag im Rahmen meiner Reise begann nun in der Jugendherberge Alexandra. Ich befand mich ziemlich im Süden der Südinsel. Das Wetter war wieder nur durchschnittlich. Ich frühstückte und verließ nach dem Packen meines Rucksacks und nach Ausführung einer Duty, die ich heute mal wieder erledigte, das Haus.
Des schlechten Wetters wegen habe ich auch in Alexandra weder von der Stadt noch von der Umgebung etwas gesehen. Mit dem schlechten Wetter ist es echt ein Kreuz! Von der Jugendherberge aus, war der Highway-8-Startpunkt etwa fünfzehn Minuten Fußweg entfernt.
Mein Stoffhase war vor den Rucksack gebunden und soll potentielle Autofahrer zum Anhalten bewegen. Den Rucksack samt Hasen stellte ich deutlich in Fahrtrichtung an einen Begrenzungspfosten. Es kamen weniger Autos als ich dachte.
Doch nach nicht allzu langer Wartezeit hielt bereits ein Wagen an. Unglaublich: Der Fahrer wollte mich die gesamte, etwa 200 km lange Strecke bis nach Dunedin, mitnehmen. Der sympathische Fahrer, der mir diesen Gefallen tat, hieß Bob.
Bob war offensichtlich der Manager oder Inhaber einiger Appartements in Dunedin und musste deshalb diese Strecke häufiger fahren. Die Strecke von Alexandra nach Dunedin ist die bislang längste, die ich in Neuseeland an einem Stück mitgenommen wurde.
Mit Bob unterhielt ich mich während der Fahrt prächtig. Er hatte einen ziemlich breiten Akzent und ich verstand gewiss nicht jedes Wort.
Schon kurz nach 12:00 Uhr erreichte ich dann Dunedin, Universitätsstadt im Südosten der Südinsel Neuseelands. Nach Auckland, Wellington und Christchurch ist Dunedin die viertgrößte Stadt Neuseelands.
Die Jugendherberge lag zentral im Stadtkern und sie schien von der Bettenzahl her, schon ziemlich belegt zu sein. Bob hatte mir seine Telefonnummer und Adresse hinterlassen, für den Fall, dass ich keine Unterkunftsmöglichkeit finden würde - eine nette Geste!
Das Wetter verschlechterte sich wieder. Es gab immer wieder Regenschauer und es war dabei ziemlich kühl. Ich schaute mich in der Innenstadt etwas um und aß eine Kleinigkeit. Im Tourist-Office holte ich einige Informationen ein.
Mit einer Tasse Kaffee setzte ich mich schon bald danach in die Jugendherberge und wartete auf die Anmeldung. Das erneut schlechte Wetter ließ mich, was die Aktivitäten betraf, träge reagieren.
Bei der Anmeldung bekam ich kein Bett mehr. Mir konnte nur noch eine Matratze auf dem Boden von Zimmer 17 angeboten werden. Bekannte Gesichter konnte ich hier nicht ausmachen. Ich ging unter die Dusche und wusch einen Teil meiner Klamotten unter dem Wasserhahn.
Später kam ich dann mit dem Deutschen Lothar ins Gespräch. Er studiert und lebt in Paderborn. Er war ein netter Kerl; am Abend gingen wir zusammen los, um irgendwo ein Bier zu trinken.
Später spielten wir noch in einer Snooker-Halle Pool-Billard. All diese riesigen Snooker-Tische hatte ich zuvor gesehen. Daran spielt man ja gewöhnlich auch kein gewöhnliches Pool-Billard. Da wir aber die Snooker-Regeln nicht beherrschten, spielten wir halt an dem großen Tisch Pool-Billard, was allerdings einige Zeit an Gewöhnung bedurfte.
Ein einigermaßen gutes Spiel kam sowieso nicht zustande, trotzdem brachte es viel Spaß. Nach 0:1-Rückstand, gewann ich gegen Lothar noch mit 2:1-Matches.
Wir spazierten dann gemütlich zur Jugendherberge zurück. Nach einem spätabendlichen Gespräch in der Gemeinschaftsküche mit einer Berlinerin, begab ich mich ins Bett.
42. Reisetag: Donnerstag, 19. Februar 1987
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Eine Reihe von Besichtigungen hatte ich mir für den heutigen Tag in Dunedin vorgenommen. Ich stand um 7:45 Uhr recht frühzeitig in der Jugendherberge auf. Das Wetter war auch heute nicht berauschend, aber längst nicht so schlecht wie gestern. Am Nachmittag war es dann sogar heiter bis wolkig und zur Abwechslung mal trocken.
Nach dem Frühstück begab ich mich zunächst zum Frisör in einer Parallelstraße. Haare schneiden war mal wieder notwendig und da ich mich sowieso in einer Stadt aufhielt, konnte ich es auch gleich erledigen. Für den Haarschnitt bezahlte ich $NZ 10 - das empfand ich recht günstig.
Danach trank ich einen Kaffee und besuchte nun die 1876 gegründete Speight's Brewerey in der Rattray Street. Eine Führung durch die Brauerei begann um 10:30 Uhr und kostete $NZ 2,20. Ich entdeckte viele andere Gesichter aus der Jugendherberge, die jetzt auch hier waren. Zum Glück war eine Vorausbuchung heute nicht notwendig und ich konnte an der Führung teilnehmen.
Aufgrund des Lärms und der Akustik konnte ich nicht allzu viel verstehen. Fasziniert war ich aber von all den Maschinen. In Hamburg hatte ich zuvor schon einmal eine Brauerei besichtigt. Während der Schulzeit waren wir in der Holsten-Brauerei gewesen. Am Ende der Führung hier in Dunedin gab es noch ein Gläschen Bier.
Danach schaute ich mir kurz die St. Joseph's -Kathedrale an. Um 12:30 Uhr wollte ich mir dann die Musik-Fontäne am Oktagon, dem achteckigen Platz im Herzen der Stadt, anschauen, doch leider funktionierte die Anlage nicht. So nahm ich mir die Zeit für ein kleines Mittagessen.
Daran anschließend schaute ich mir die Gebäude der Otago-Universität in der Union Street an. Ein weiterer, längerer Fußmarsch führte mich dann noch in die Kunstgalerie. Dort war es sehr interessant und ich nahm mir Zeit, alles anzuschauen. Bildergalerien hatten mich schon immer interessiert und hier war sogar der Eintritt frei.
Nach dieser Besichtigung waren meine Beine müde. Trotzdem schaute ich mir noch das Early Settler Museum in der Lower High Street an. Hier betrug der Eintritt $NZ 2. Interessant waren einige alte ausgestellte Fortbewegungsmittel, wie eine alte Cable Tram und eine Lokomotive namens Josephine.
Im Supermarkt kaufte ich dann noch einige Lebensmittel ein. Hier begegnete ich auch wieder der Belgierin Lüt, die ebenfalls in der Jugendherberge Dunedin übernachtete. Ich machte mir jetzt etwas zu essen und später ging ich mit Lothar wieder zum Billardspielen in die Snooker-Halle, wo wir bereits gestern Abend gewesen sind. Heute habe ich alle drei Spiele verloren. Daraufhin musste ich Lothar ein Bier ausgeben.
In der Jugendherberge saßen wir noch nett beisammen. Dann ging ich bald ins Bett. Insgeheim hatte ich gehofft, vielleicht doch noch auf Harold oder Marian zu treffen, doch dem war nicht so. Alex war ja immer noch in Queenstown.
43. Reisetag: Freitag, 20. Februar 1987
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Tatsächlich wurde es heute nun ein sonniger und schöner Tag. Die Westküste der Südinsel, die aufgrund des vielen Regens berühmt-berüchtigt ist, liegt nun hinter mir. Zur Zeit befinde ich mich in Dunedin, im Südosten der Südinsel. Und ich hoffe, dass das warme und sonnige Wetter jetzt etwas länger anhält.
In der Jugendherberge Dunedin wachte ich recht spät auf und geriet dann etwas in Eile, rechtzeitig bis 10:00 Uhr alle Dinge zu erledigen. Auf die Erledigung der Duty verzichtete ich, obwohl das ein Teil der Jugendherbergsübernachtung darstellt, zumal ich Shirley, der Leiterin des Hauses, gern diesen Gefallen getan hätte.
Mit Sack und Pack verließ ich dann bald die Jugendherberge. In der Innenstadt tauschte ich vor dem Wochenende noch einen Traveller's Cheque in Bargeld um. Der Wechselkurs wurde zunehmend ungünstiger: Mit nur $NZ 179 erhielt ich heute das bisher wenigste Geld für einen $US 100-Scheck.
Bei herrlichem Wetter wanderte ich dann zum Highway 1. Es war ein ziemlich langer Weg dorthin, aber da ich mich ja in einer größeren Stadt befand, war das alles noch im Rahmen.
Das Glück wollte es dann, dass ich ohne Daumenzeichen von einem Studenten mitgenommen wurde, der mich mit meinem Rucksack (und meinem Stoffhasen!) die Straße entlang laufen sah. Der Student hielt einfach an und ließ mich einsteigen. Er kam gerade aus Invercargill und wollte weiter nach Christchurch.
Natürlich hätte ich diese Möglichkeit ausnutzen können, gleich bis nach Christchurch mitgenommen zu werden, wo ich ja ohnehin noch hin wollte. Aber schon wieder ein Stadtaufenthalt? Nein, das musste nicht sein. Ich lag ohnehin gut im Zeitplan, so dass Christchurch heute noch nicht sein musste. Für mich sollte heute der kleine Ort Waikouati Beach Endstation sein. Hier sollte es einen schönen Strand geben und die Jugendherberge sollte in unmittelbarer Nähe davon liegen. So war es dann auch!
Mittags setzte mich der nette Student direkt vor der Jugendherberge ab. Es war ein sehr kleines Haus mit nur sechzehn Betten. Aber besonders viel los schien hier eh nicht zu sein. Die meisten Reisenden scheinen es sowieso vorzuziehen, von einer Stadt in die nächste zu ziehen. Aber fahre ich nach Neuseeland, um mir Städte anzuschauen? Ist es nicht die Natur, warum ich ans andere Ende der Welt reise?
Ich dachte anders und wollte das herrliche Wetter an diesem idyllischen Ort nutzen. Die sonst üblichen Jugendherbergsregeln wurden hier nicht so strikt angewandt. Großer Vorteil: Das Haus war den ganzen Tag geöffnet, was auch für die Schlafräume galt!
Mit der Deutschen Almut aus Bad Bevensen, die noch vom Vortag hier weilte und heute noch weiter reisen wollte, wechselte ich noch das ein oder andere Wort.
Mary war die Leiterin des Hauses. Sie wohnte im Caravan direkt neben dem Haus. Am frühen Abend wollte sie übers Wochenende zu einer Hochzeit fahren. Dann würde Noel die vorübergehende Leitung übernehmen.
Ich duschte noch und spülte meine Klamotten durch. Draußen hängte ich die Wäsche auf die Leine. Durch den lauen Seewind war alles im Nu trocken. Im nahegelegenen Geschäft kaufte ich ein paar Lebensmittel ein. Dann unternahm ich eine Strandwanderung.
Der Strand war an sich ganz schön; allerdings lag viel Seetang herum. Hier sollte es sogar Haie geben, wie ich später von Einheimischen erfuhr. Im Hafen von Dunedin, so wurde mir berichtete, gäbe es Hai-Netze, die die Raubfische davon abhalten sollen, ins Hafenbecken zu schwimmen.
Außer Haien soll es hier in Waikouati Beach auch Seehunde und Pinguine geben. Nach dem Strandspaziergang machte ich mir in der Küche der kleinen Jugendherberge etwas zu essen. Bisher war ich der einzige Gast, denn Almut war zwischenzeitlich auch abgereist.
Nach dem Essen unternahm ich einen Spaziergang über den Hawksbury Lagoon Walkway. Der Weg führte auf einem kleinen Damm zwischen einem Teich entlang. Dieses Gebiet ist ein Vogelreservat und man konnte von hier aus eine Reihe interessanter Vögel beobachten. Auch schwarze Schwäne mit roten Schnäbeln gab es hier.
Auf dem Rückweg ging ich durch das kleine Zentrum des Ortes Waikouati. Bald danach unternahm ich einen weiteren Spaziergang. Ich ging an der Küste entlang und begab mich auf einen Weg, der etwas bergan führte. Hier gab es die historischen Farmgebäude von Matanaka anzuschauen, die auf einem Hügel wunderbar über dem Meer thronten.
Außer unzähligen friedlich grasenden Schafen und einem grimmig dreinschauenden Stier sah man weit und breit kein weiteres Lebewesen. Auch die Farmgebäude schienen unbewohnt.
Ich ging zurück zur Jugendherberge. In der Zwischenzeit war Noel eingetroffen, ein älterer Mann, der die vorübergehende Leitung der kleinen Jugendherberge übernahm. Außerdem war eine Mutter aus England mit ihrer Tochter anwesend. Mit Noel unterhielt ich mich den ganzen Abend hervorragend. Er wusste sehr viel internes über neuseeländische Jugendherbergen zu berichten, was mich sehr interessierte. Später gesellten sich noch die beiden Engländerinnen zu Noel und mir.
Ich telefonierte noch mit Shirley in der Jugendherberge Dunedin. Ich hatte nämlich vergessen, Shirley zu fragen, ob es möglich wäre, in ihrer Jugendherberge zu jobben. Sie sagte ja, aber nur für sehr wenige Stunden am Tag. Das wollte ich nicht, weil ich mich ja den Rest des Tages in Dunedin zu beschäftigen hätte - und welche Mühe es kostet, in einer größeren Stadt finanziell vernünftig zu haushalten, habe ich immer wieder erlebt. Von Shirley erfuhr ich aber auch noch, dass Harold, der Kanadier, in der Jugendherberge eingetroffen sei. Er war allerdings im Moment nicht da und so konnte ich nicht mit ihm sprechen.
In der Jugendherberge Waikouati Beach saßen wir bei Kaffee und guten Gesprächen gemütlich beieinander. Es wurde wieder recht spät. Aber für morgen früh nahm ich mir vor, erst einmal auszuschlafen. Es war ein recht schöner Tag heute und ich war zufrieden. Nach all dem Regen der letzten Tage, genoss ich es natürlich besonders, mal wieder in Shorts und T-Shirt herumlaufen zu können.
44. Reisetag: Sonnabend, 21. Februar 1987
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In der kleinen Jugendherberge Waikouati Beach war ich nicht gezwungen, früh aufzustehen. Es war sehr ruhig im Haus und niemand kontrollierte, dass man pünktlich um 10:00 Uhr auch wirklich das Haus verlassen hat.
Nach dem Aufstehen richtete ich mir in der Küche wieder ein Frühstück. Die beiden Engländerinnen, Mutter und Tochter, waren schon abreisebereit. Noel schien noch im Tiefschlaf zu sein. Sein lautes Schnarchen drang bis in die Küche vor.
Nach dem Abwasch packte ich meine Sachen im Rucksack zusammen. Mein Glücksbringer, der Stoffhase, wurde wieder am Rucksack befestigt. Von Noel konnte ich mich nicht verabschieden, da er immer noch nicht aufgewacht war.
Um zum Highway 1 zu gelangen, ging ich wieder durch das Vogelreservat. Nach anfänglicher leichter Bewölkung entwickelte sich auch heute wieder ein herrlicher Tag mit viel Sonnenschein und Wärme.
Am Ortsausgang, hinter dem Bahnübergang, musste ich dann einige Zeit warten, bis ich mitgenommen wurde. Eine Maori-Familie mit fünf Kindern nahmen mich bis Palmerston (nicht zu verwechseln mit Palmerston North auf der Nordinsel, mit.
Auch danach musste ich einige Zeit warten, ehe mich Lloyd mitnahm; ein junger Mann, der gerade von seiner Arbeitsstelle kam. Er nahm mich zunächst bis Shag Point mit, wo er etwas zu erledigen hatte und kurz darauf bis Moeraki. Hier war die Wartezeit dann gering, ehe mich der Australier Peter mitnahm - direkt bis in den Stadtkern Oamaru.
Meinen Rucksack stellte ich in der netten kleinen Jugendherberge ab, die sich in unmittelbarer Nähe zu Highway und Strand befand. Der Neuseeländer Glenn wartete hier auch schon auf die Öffnung der Anmeldung.
Ich schaute mich noch ein wenig im Ort um und betrachtete auch den Strand, der jedoch nicht besonders attraktiv war. Reichlich Seetang, viele Steine und dunkler Sand waren vorherrschend.
Später spielte ich dann mit der süßen Hündin Holly, die zur Jugendherberge gehörte, auf dem Rasen. Immer wieder schmiss ich den Ball fort und ohne jegliche Ermüdung, brachte ihn mir Holly zurück. In solchen Momenten bekam ich Sehnsucht nach meinem Hund Wurzel, der zu Hause von der Mutter versorgt wird.
Nach der Anmeldung durch die nette Leiterin Diane machte ich noch die Bekanntschaft mit der Australierin Barbara und dem Kanadier James, der wie Harold aus British Columbia kommt.
Zum Abendessen briet ich mir heute erstmals ein Steak, die hier in Neuseeland riesengroß und dabei noch preisgünstig sind. James gab mir von seinen Maiskörnern ab.
Bei immer noch wunderschönem Sommerwetter gingen James und ich am Abend noch los, um an einer Stelle der Beach, Pinguine zu beobachten. Pinguine suchen gewöhnlich bei Einbruch der Dunkelheit ihre schützenden Nester auf. Leider harrten wir vergebens aus: wir sahen nicht einmal die Feder eines Pinguins!
Nahe der Jugendherberge gab es noch einen Club, der sich nach dem Ort, Oamaru, benannte. James und ich gingen hinein. Es war recht lustig dort. Wir setzten uns zu einem älteren, einheimischen Ehepaar und unterhielten uns nett. Es wurde Live-Musik gespielt und einige der Gäste schwangen das Tanzbein dazu.
Ein schöner und recht erlebnisreicher Tag neigte sich dann in der Jugendherberge dem Ende zu. Ich rauchte noch eine letzte Zigarette. Bis Mitternacht schrieb ich noch -im Bett sitzend- meine Reiseberichte nieder.
45. Reisetag: Sonntag, 22. Februar 1987
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Auch am heutigen Sonntag gönnte ich mir eine zusätzliche Mütze voll Schlaf. Es gab keinen konkreten Grund, früh aufzustehen. Auch in der Jugendherberge Oamaru blieben die Schlafräume nach 10:00 Uhr weiter geöffnet.
So gab es keinerlei Eile und auch mit dem Frühstück konnte ich mir Zeit lassen. Das Wetter war wieder großartig! Die Sonne schien und es wurde wieder sehr warm.
Unheimlich waren aber die urplötzlich auftretenden Nebelbänke, die vom Meer her kamen. Innerhalb kürzester Zeit waren die Sonne und der blaue Himmel verschwunden und eine graue Nebelsuppe verhüllte alles. Auch Vogelgezwitscher hörte man jetzt nicht mehr und die Temperatur sackte spürbar ab. Genauso schnell wie der Nebel gekommen war, verschwand er auch wieder und die Sonne kam zum Vorschein, als ob nichts gewesen sei.
Um die Mittagszeit herum, begab ich mich dann zum kleinen Hafen von Oamaru, wo in Kürze ein Schwimmwettkampf auf Amateurebene stattfinden sollte. Das wollte ich mir anschauen. Start war um 13:00 Uhr und die Siegerzeit des schnellsten Schwimmers stand nach vierzehn Minuten und sechzehn Sekunden fest. Ein athletisch aussehender Schwimmer mit der Startnummer 4 gewann das Wettrennen vor dem Schwimmer mit der Startnummer 22. Den dritten Platz belegte eine Schwimmerin! Insgesamt dreißig Sportler hatten an diesem Schwimmwettkampf teilgenommen.
Danach schaute ich mir die ausgestorbene Innenstadt von Oamaru an. Es war Sonntag und alles war geschlossen. Für einen Neuseeland-Reisenden sind Sonn- und Feiertage nicht unbedingt das wahre! Einzig die Forrester-Galerie hatte geöffnet, wo ich hinein ging und mir die ausgestellte Bilder anschaute.
Im Anschluss daran, schaute ich wieder bei der Jugendherberge vorbei, wo ich mich wieder mit der bezaubernden Hündin Holly beschäftigte. Im nahen Laden kaufte ich etwas ein. Besonders viel passierte heute nicht mehr.
Am Abend füllte sich die Jugendherberge dann spürbar. Zwei deutsche Pärchen trafen ein. Mit Thomas und Sika aus Ludwigsburg habe ich mich noch ausführlich über das Thema Reisen unterhalten.
Aber besonders freute ich mich, als ich den Kanadier Harold durch die Tür kommen sah! Vor kurzem hatte ich noch angenommen, ihn nie mehr wieder zu sehen. Auch er schien mit der Tramperei keinerlei Schwierigkeit gehabt zu haben. Mit Harold und dem anderen Kanadier, James, unternahm ich dann noch einen abendlichen Spaziergang. Einen geöffneten Pub fanden wir aber nicht.
Später holte James in der Jugendherberge seine Gitarre aus dem Zimmer und spielte einige populäre Songs. Es war eine sehr gemütliche und freundliche Atmosphäre im Haus! Jeder unterhielt sich mit jedem.
Es wurde wieder recht spät. Erst nach Mitternacht war ich im Bett. Das Zimmer war recht voll mit sechs Leuten. Zudem war es ziemlich stickig, weil man nicht vernünftig lüften konnte. Die Fenster ließen sich nur einen Spalt breit öffnen. Darauf nahmen James und Harold, der auch mit bei uns lag, keine Rücksicht: Beide ließen ihren Blähungen freien Lauf und gaben ein faszinierendes Duett zum besten.
46. Reisetag: Montag, 23. Februar 1987
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Über das Wiedersehen mit dem Kanadier Harold freute ich mich natürlich. Der Abschied, den ich schon in Queenstown erwartet hatte, ist damit aber nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Bis Christchurch war es jetzt nicht mehr weit und für Harold würde die drittgrößte Stadt Neuseelands zugleich das Sprungbrett nach Australien bedeuten.
Freundliches Wetter herrschte heute den ganzen Tag über. Erneut war es möglich, in der Jugendherberge Oamaru auszuschlafen. Das war auch nötig, denn die Tage waren anstrengend und am Abend wird es oft spät. Viele andere Gäste der Jugendherbergen haben letzte Nacht wohl noch bis 2:00 Uhr zusammen gesessen und schliefen nun ebenfalls aus.
Ich frühstückte mit Glenn und Harold. Beide hatten heute ebenfalls vor, nach Timaru zu trampen. Silka und Thomas, die beiden Deutschen, wollten allerdings in Richtung Westen trampen und sich den Mount Cook näher betrachten. Ich hatte von der Westküste, was die Niederschlagsmenge und Temperatur betraf, noch immer die Nase voll. Dorthin zog mich nichts; gleichwohl es dort einmalig schön sein muss, wenn es mal nicht regnet. Auch James wollte heute westwärts trampen.
Nach einem letzten Ballspiel mit der Hündin Holly verabschiedete ich mich auch und begab mich samt Gepäck zum Highway 1. Bis zum Ortsausgang von Oamaru war es dann aber doch ziemlich weit. Der Ort zog sich ziemlich in die Länge und es waren etwa 5 km zu gehen, ich meinen Rucksack an einen Begrenzungsposten stellen und den Daumen heben konnte.
Als Ausgleich für die lange Wegstrecke musste ich an der Strasse aber nicht lange warten. Ein älterer Mann nahm mich in seinem Wagen mit und setzte mich direkt an der Haustür der Jugendherberge Timaru ab. Im Wagen haben wir uns über die üblichen Themen "Where are you from?" etc. unterhalten.
Seit zeitig erreichte ich dann die Jugendherberge Timaru. Harold und Glenn waren schon da. Ein Wiedersehen gab es mit der Deutschen Barbara. Neu kennen gelernt habe ich dann die Schweizerin Gabi aus der Nähe von Zürich. Mit Harold ging ich dann in die Innenstadt, die größer war als ich dachte. Die größeren Städte der Südinsel liegen fast ausnahmslos im Osten.
Leider ist mir meine praktische Armeehose, die mir während der Reise treue Dienste geleistet hat, auf Kniehöhe eingerissen. In einem Second Hand Shop erkundigte ich mich nach einer neuen alten Hose. Ich hatte aber kein Glück; die wenigen vorrätigen Hosen waren etwa zehn Nummern zu groß oder zehn Nummern zu klein.
Harold hatte hier in Timaru Fotos entwickeln lassen. Die entwickelten Fotos waren recht interessant. Auch ich war auf einem Foto abgebildet; zusammen mit der Holländerin Marian während des Fahrradschiebens bei Arthur's Point in der Nähe von Queenstown. Ich kaufte Harold das Bild kurzerhand ab.
Harold und ich spazierten durch einen kleinen Park und sahen dann auch die Küste mit ihrem kleinen, aber nicht sonderlich schönen Strand.
In der Jugendherberge konnten wir uns dann anmelden. Das kleine Haus war nicht voll. An der Rezeption arbeitete die Schweizerin Anne, die einen Neuseeländer geheiratet hat und hierher ausgewandert ist. Sie gab mir ein Bett in Zimmer 8, wo noch zwei Japaner untergebracht waren.
Nach der obligatorischen Dusche setzte ich mich in den Aufenthaltsraum und später gingen Harold, Glenn, Gabi und ich noch los auf einen abendlichen Abstecher in die Stadt. Ich musste jetzt dringend in einem Imbiss einen Happen essen. danach gingen wir in einen Pub.
Harold und ich telefonierten noch nach Dunedin, wo wir mit Marian sprachen und sie fragten, wann sie denn nach Christchurch komme. Sie will es am Mittwoch versuchen. Im Pub brachten Gabi und ich dem Neuseeländer Glenn noch ein paar gängige Worte der deutschen Sprache bei. Hier, und später auch noch in der Jugendherberge, war es recht lustig und ein weiterer, schöner Tag ging zu Ende.
47. Reisetag: Dienstag, 24. Februar 1987
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Beim Frühstück in der Jugendherberge Timaru stellte sich heraus, dass die Schweizerin Gabi ein Auto dabei hat. Sie wollte heute entweder nach Arthur's Pass oder nach Christchurch. Ich konnte sie dann dazu überreden, ebenfalls nach Christchurch zu fahren. Für $NZ 7 Benzinkostenbeteiligung wollte sie mich im Auto mitnehmen. Auch Harold hatte Interesse und schloss sich uns an.
Mit dem anderen Schweizer, Peter aus St. Moritz, ging ich aber vorher noch in die Spaghetti Fabrik, wo heute eine Führung angeboten wurde, die recht interessant war. Am Ende bekamen die Besucher alle eine Packung Spaghetti mit Soße geschenkt.
Im kirchlichen Second Hand Shop schaute ich mich noch nach einer gebrauchten Hose um, fand aber erneut nichts vernünftiges.
Jetzt fuhren Harold und ich mit Autofahrerin Gabi in die drittgrößte Stadt Neuseelands, nach Christchurch. Bei schönem Wetter legten wir viele Pausen ein und bestaunten die schöne Umgebung. Der Highway 1 führte kerzengerade gen Norden. Gabi war trotz einiger versicherungsrechtlichen Bedenken so freundlich, auch Harold und mich mal fahren zu lassen. Aber die immer geradeaus führende Strasse verlangte uns keinerlei fahrerisches Spezialkönnen ab und so ging alles glatt und Gabi war beruhigt.
In Christchurch waren beide Jugendherbergen voll! Wir mussten uns deshalb nach einem Alternativquartier umschauen. Harold rief im recht günstigen Avon View Private Hostel an und bekam ein Doppelzimmer zugesagt. Preis pro Person und er Nacht: $NZ 10. An der Rezeption erkannten wir, dass auch Alex und das Schweizer Pärchen hier waren. Alex war aber im Augenblick in der Innenstadt. Harold und ich verabschiedeten uns von Gabi, die anderweitig übernachten wollte.
Harold bereitete uns das Nudelgericht, dass ich aus der Spaghetti Fabrik mitgebracht hatte, als Abendessen zu.
Anschließend beschlossen wir, in das 9 km entfernte New Brighton zu fahren, wo sich eine spektakuläre Wasserrutsche befinden sollte. In Nelson hatte ich ja schon einmal das Vergnügen gehabt, eine auszuprobieren.
Auf dem Weg zur Bushaltestelle trafen wir dann Alex, der die letzten Tage mit dem Schweizer Pärchen und deren Mietwagen im Fjordland, in Wanaka, am Mount Cook, am Lake Tekapo und in Methven verbracht hat. Tja, mit einem eigenen Fahrzeug ist man flexibeler und vom Wetter etwas unabhängiger. Wenn man den finanziellen Spielraum hat, sollte man sich unbedingt ein Auto mieten!
Auf die Abfahrt des Busses nach New Brighton mussten Harold und ich dann eine gute halbe Stunde warten. Im Schwimmbad angekommen, bezahlten wir jeder $NZ 5,50 für die 30-minütige Benutzung der riesigen Rutsche und für das Schwimmen im Pool. Es war wieder total lustig. Die Hydro Slide war noch etwas spektakulärer als die Rutsche in Nelson! Das Tempo, das wir auf der Rutsche erreichten, war absolut atemberaubend!
Um 22:15 Uhr fuhren wir dann mit dem Bus zurück nach Christchurch. Im Avon View unterhielt ich mich dann mit Alex, der eilig seine Sachen zusammen packte. Was war passiert?
Schon morgen will Alex Christchurch verlassen und dann in großen Etappen erst die Südinsel verlassen und dann die Nordinsel Richtung Auckland durchqueren. Er hatte plötzlich große Bedenken und murmelte etwas vor sich hin, was ich nicht ganz verstand: Irgendetwas bereitete ihm an seinem Arbeitsplatz in Genf Sorgen, wo er in einer bekannten Bank arbeitet. Aber Bedenken hatte er plötzlich auch wegen dem Schweizer Armeedienst. Was genau los war, erfuhr ich nicht. Vielleicht war es ein Brief, den er erhalten hat oder ein Anruf daheim, welcher ihm nun so urplötzlich in Aufbruchstimmung versetzte.
Alle Überredungskünste halfen nichts. Es war jetzt mit Sicherheit das letzte Mal, wo wir uns in Neuseeland sahen. Dieses Eiltempo Richtung Auckland konnte und wollte ich nicht mitmachen.
Harold lag schon im Bett, als ich ins Zimmer kam. Der Kanadier ist schon ein ziemlich unruhiger Schläfer: In dieser Nacht hüstelte und ächzte er vor sich hin und stieß ab und zu das Wort Jesus! aus, woran er sich am nächsten Morgen natürlich nicht mehr erinnerte...
48. Reisetag: Mittwoch, 25. Februar 1987
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In der Tat sah ich dann Alex am Morgen nicht mehr. Er war, wie gestern angekündigt, schon am frühen Morgen aufgebrochen und sein Zimmer war leer. Schade und bedauerlich! In Kürze wird es noch mehr Abschiede geben.
Am liebsten hätte ich Christchurch schon heute wieder verlassen, aber ich wollte den Großstadtaufenthalt für einige Erledigungen nutzen. Großstadt? Christchurch, das auch The Garden City genannt wird, hat etwa 300.000 Einwohner. Für das einwohnerarme Neuseeland sind das aber sehr wohl Großstadtverhältnisse!
Bei erneut freundlichem Wetter brach ich in Richtung Stadt auf. Zuerst ging ich zur Richmond-Jugendherberge und fragte den dortigen Warden ebenfalls nach möglicher Arbeit. Er meinte nur, dass es genügend Arbeit gebe, allerdings verwies er darauf, dass man eine Arbeitserlaubnis benötige - und die hatte ich natürlich nicht.
Ich schrieb dann noch eine aktuelle Nachricht für Marian und Edwin an die Pinnwand. Wenn sich Edwins Pläne nicht geändert haben, müsste er, wie in Honolulu erwähnt, jetzt auch in Christchurch sein.
Erneut gab es hier ein Wiedersehen mit der Belgierin Lüt, die mir ein paar weitere Tipps für meine Jobsuche gab; allerdings deutlich darum bat, ihren Namen in diesem Zusammenhang nicht zu erwähnen.
Ich spazierte den langen Weg von der Richmond-Jugendherberge zurück in die City. Zuerst setzte ich mich eine Weile in ein Cafe?, wo ich frühstückte und mein Reisetagebuch auf den aktuellen Stand brachte. Im Second Hand Shop bekam ich dann glücklicherweise für nur $NZ 2,20 eine beige Cordhose, die völlig makellos aussah und passte, als sei sie für mich gemacht.
Ich ging dann in die Jugendherberge in der Worcester Street, wo ich mich ebenfalls -ohne großen Erfolg- nach Arbeit erkundigte und einen Zettel am Message Board hinterließ. Hier traf ich auch Harold wieder. Zusammen gingen wir in die Hauptgeschäftsstelle des Neuseeländischen Jugendherbergsverbandes, wo ich mich nach kanadischen Jugendherbergen erkundigte. Ich erkannte, dass die berühmten Niagarafälle gar nicht so weit von Toronto entfernt waren und dass es sowohl an den Fällen als auch in Toronto eine Jugendherberge gab. Mal sehen, vielleicht bekomme ich ja meine Reisepläne noch etwas abgeändert und sehe noch etwas von Kanada und seinen Naturschönheiten.
Harold und ich informierten uns dann über mögliche Busverbindungen zur Pigeon Bay. In einer Bibliothek fand ich dann ein deutschsprachiges Buch von Heinz G. Konsalik, was ich mir für $NZ 0,60 ausleihen konnte. Ich bin ja nie ein großer Leser gewesen; auf meiner Reise habe ich aber Freude am Lesen gewonnen - vor allen Dingen auf den langen Busfahrten.
Auf dem Postamt war ich dann auch noch, um mir Briefmarken zu kaufen. Abermals war ich dann in einem Second Hand Laden, um mir eine gebrauchte (Hand)Umhängetasche zu kaufen. Meine jetzige grün-weiße Tasche zeigte erhebliche Abnutzungserscheinungen.
In einem Kaufhaus kaufte ich mir dann noch ein weiteres Schreibheft, ich welchem ich meine Reisechroniken fortsetzen will; meine anderen Hefte sind bereits voll beschrieben. Es zeigte sich erneut: In einer Stadt hat man immer viel zu erledigen und das Geld rinnt nur so durch die Finger!
Zwischendurch aß und trank ich etwas. Mit Harold setzte ich mich vor die Kathedrale auf dem Square. Für $NZ 1 bestieg ich die engen Stufen der Kathedrale und erreichte so den Turm, der einen imposanten Ausblick über Stadt und Umgebung bot.
Am Nachmittag gingen Harold und ich dann zurück ins Avon View- Hostel. Im nahen Dairy besorgten wir noch etwas fürs Abendessen. An unserer Zimmertür klebte dann eine Nachricht von Marian. Sie hatte Christchurch also erreicht und würde uns am Abend besuchen kommen. Eine gute Nachricht! Marian gefiel mir außerordentlich gut; eine tolle Frau, die etwas auf dem Kasten hat und dazu noch Mut und Abenteuerlust in ihrem Blute hatte.
Ich ging jetzt unter die Dusche und wusch meine Klamotten. Danach gönnte ich mir eine Ruhepause auf dem Bett. Das Herumgelaufe in der Stadt hat ganz schön geschlaucht.
Gegen 19:00 Uhr kam dann die bezaubernde und temperamentvolle Marian. Zu dritt gingen wir dann in die Stadt. In einem recht guten und kostengünstigen Selbstbedienungsrestaurant aßen wir dann eine Kleinigkeit. Ein Wiener Schnitzel mit Beilagen kostete mich $NZ 7,85. Ich weiß, ein Wiener Schnitzel ist wahrlich kein Essen der einheimischen Küche, aber das neuseeländische Essen ist auch nicht der große Knaller. Von Hamburgern und Pommes frites hat man irgendwann mal die Nase voll.
Wir tranken noch ein abschließendes Bierchen; danach passierte nicht mehr viel. Wir gingen in unser Zimmer; Marian ging zurück in ihre Unterkunft. Harold und ich haben uns noch ein wenig unterhalten. Der Kanadier hatte unglaubliche Talente im Erzählen von Witzen, die alles andere als stubenrein waren.
Um Mitternacht trat dann Ruhe ein. Für mich war inzwischen klar geworden, dass ich nicht mit nach Pigeon Bay fahren würde. Harold und Marian wollten auch nicht dorthin. Bis zur Trennung von den beiden ist es ohnehin nicht mehr weit. Da wollte ich die sympathische Gesellschaft noch etwas ausnutzen. Deshalb wollte ich auch morgen noch in Christchurch bleiben. Besonders attraktiv fand ich die Stadt allerdings nicht. Die Natur gefällt mir besser. Auch ist es nervig, immer überfüllte Jugendherbergen vorzufinden.
49. Reisetag: Donnerstag, 26. Februar 1987
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Marian gefiel mir wirklich sehr gut. Ich hätte mir bedeutend mit ihr vorstellen können, als gemeinsam mit ihr nur am Square zu sitzen. Ich war mir allerdings ziemlich sicher, dass Marian manchmal eher die Gesellschaft von Harold suchte als meine; aber nicht, weil ihr Harold attraktiver erschien, sondern weil er harmloser war.
Trotzdem war Marian immer unverbindlich freundlich und sehr charmant. Sie lächelte den ganzen Tag, was sie natürlich nicht gerade unattraktiver machte.
Wie schon erwähnt, fuhr ich heute nicht an die Pigeon Bay. Harold und Marian hatten an diesem Reiseziel auch kein Interesse. Mir war es absolut recht, den heutigen Tag mit den beiden zu verbringen, obwohl ich dafür nicht unbedingt einen weiteren Tag in Christchurch hätte verbringen müssen.
Es war heute der definitiv letzte Tag, wo ich mit Harold etwas unternehmen konnte, der mir im Laufe der letzten Wochen sehr ans Herz gewachsen ist. Der Kanadier hatte seinen Weiterflug nach Sydney/Australien für den 4. März gebucht und blieb bis dahin hier in Christchurch.
Ein Wiedersehen mit Marian war aber nicht ausgeschlossen, wenngleich aber nicht sehr wahrscheinlich, da sie etwa zu dem Zeitpunkt Neuseeland verlassen wie Alex - und bekanntlich ist der Schweizer ja bereits unterwegs in Richtung Auckland.
Marian war am Morgen von der Jugendherberge zu uns in das Avon View-Hostel umgezogen. Postwendend ging sie in eine Baumschule, für die sich aus beruflichen Gründen sehr interessierte.
Rekordmässig lange blieb ich heute im Bett. Ich war nicht gerade in Jubel-Stimmung. Meine Emotionen schwankten zwischen Liebeskummer - eher nicht erwiderter Zuneigung - und Abschiedsschmerz.
Ich blieb im Bett und las stolze 130 Seiten in meinem ausgeliehenen Roman, der ziemlich spannend war. Ich konnte natürlich auch schon deshalb länger im Bett bleiben, weil man in privaten Herbergen nicht bis um 10:00 Uhr das Haus verlassen muss. Zwischendurch hatte ich meinen Aufenthalt um eine weitere Nacht verlängert.
Mittags ging ich mit Harold in die Stadt. Das Wetter war auch heute wieder freundlich. Es waren 22 °C und heiter bis wolkig. In der Bus-Information erkundigte ich mich nach einem City-Bus, der in Richtung Kaikoura fährt, meinem morgigen Ziel.
Harold und ich planten dann Hals über Kopf eine Kanutour auf dem River Avon zu unternehmen. Der Kanuboot-Verleih befand sich in unmittelbarer Nähe des Botanischen Gartens; nahe des Krankenhauses - nicht weit entfernt von der City. Die Stunde im Einer kostete nur $NZ 2,50 und es war kein so großes Problem, gegen die Flussströmung zu paddeln.
Es war notwendig gegen die Strömung zu paddeln, weil wir auf dem selben Weg zurück kommen mussten. Der Avon bot keine großen Abenteuer. Er war recht breit und hatte weder Wasserfälle, Katarakte noch Stufen. Nach etwa 1 1/2 Stunden waren wir, ohne einen Aufpreis zahlen zu müssen, zurück am Anleger. Leider ging es auch heute nicht ohne gegenseitiges Nassspritzen und so waren Harold und ich ziemlich feucht, als wir in die City zurück kehrten.
Wir waren hungrig und gingen in einen chinesischen Takeaway. Danach setzten wir uns an den Square, wo uns schon bald Marian aufsuchte, die ihren Besuch in der Baumschule beendet hatte. Wir beobachteten den berühmten Wizard, der hier auf dem Square in launiger Art und Weise Einheimische und Touristen unterhielt.
Wir gingen dann zurück in die private Herberge. Ich zog mich ins Zimmer zurück und las in meinem Buch weiter.
Ich ging dann unter die Dusche. Wenig später gingen Harold, Marian und ich noch einmal los in die Innenstadt. Wir aßen in dem selben Selbstbedienungsrestaurant wie gestern Abend. Spontan trafen wir den Entschluss, einen Nachtclub in der Nähe aufsuchen. Wir wurden allerdings von den Türstehern abgewiesen. Wahrscheinlich waren wir nicht entsprechend angezogen.
Stattdessen gingen wir in einen Pub und tranken dort etwas. Wir waren bester Stimmung und alberten herum.
Es hatte etwas zu regnen angefangen, als wir zum Avon View zurück spazierten. Hoffentlich folgt jetzt nicht schon wieder eine (dauerhafte) Wetterveränderung ...
50. Reisetag: Freitag, 27. Februar 1987
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Von einer Wetteränderung war dann doch nicht die Rede. Heute morgen schien schon wieder die Sonne. So soll es eigentlich auch sein: Nachts ein bisschen Regen und tagsüber Sonnenschein.
Große Freude herrschte bei mir heute ohnehin nicht, denn der Abschied von Harold und Marian stand bevor. Natürlich könnte ich mich beiden noch für einen oder zwei Tage anschließen. Dazu müsste ich aber weiterhin in Christchurch bleiben und es würde den Abschied auch nur hinaus zögern.
Am Morgen stand ich etwas zeitiger auf. Mit Harold und Marian ging ich noch in die Innenstadt. Kurz darauf verabschiedeten wir uns. Ich bin mit den beiden in die Stadt gegangen, weil ich vor dem Wochenende dringend einen Scheck eintauschen musste. Dummerweise hatten sämtliche Banken heute aber erst später geöffnet und so musste ich auf dem Postamt meinen Scheck einwechseln. Meine $US Traveller Cheques waren von Tag zu Tag weniger wert. Gab es in Auckland noch $NZ 185 für $US 100; waren es jetzt nur noch $NZ 178.
Schließlich begab ich mich an die Bushaltestelle, wo ich auf den City-Bus in Richtung Woodend wartete. Während ich auf der Fahrt nach Woodend keinen einzigen Anhalter am Straßenrand stehen sah, hatten alle anderen wohl dieselbe Idee wie ich; nämlich erst in Woodend den Daumen zu heben.
Vorn stand ein Pärchen; dahinter weitere drei Tramper. Das dürfte schwer werden! Aber trotzdem hatte ich nach relativ kurzer Wartezeit Glück. Ein Transporter hielt neben mir an und neben dem Fahrer, Don, sah ich das englische Pärchen Norma und David wieder, deren Bekanntschaft ich in Havelock gemacht hatte. Sie hatten von Don auch einen Lift bekommen. Don war so nett und setzte uns drei an der Highway-Gabelung bei Waipara ab.
David und Norma standen vor mir. Es kamen deutlich weniger Autos als erwartet. Und doch hielt bald ein Farmer mit seinem kleinen Lastwagen an, der mich aber nur sechs weitere Kilometer mitnahm. Nun stand ich in The Middle of Nowhere und hatte fortan kein Glück mehr.
Ich ging mit meinem schweren Rucksack auf der Landstrasse entlang - und nichts passierte mehr! Kaum Autos und wenn mal ein Fahrzeug kam, hielt es nicht an. Das war bestimmt die Strafe für meine Großmäuligkeit, denn im Wagen von Don prognostizierte ich Norma und David noch, dass es mit dem Weiterkommen bestimmt kein Probleme geben würde. Hier war ja schließlich im Osten der Südinsel und nicht mehr an der Westküste!
Das Gehen auf der langen, kerzengeraden Straße ermüdete sehr. Man glaubte, nicht voran zu kommen. Es war völlig ebenerdig und nirgendwo sah man auch nur den Ansatz einer Kurve. Ich hatte den Eindruck, ewig zu marschieren. Absolut nichts schien sich zu ändern.
Es war Mittagszeit und ich hatte immer noch nichts gegessen. Auch der Durst machte mir jetzt zu schaffen. Das nächste Dorf oder ein Geschäft waren noch kilometerweit entfernt. Kein Auto hielt mehr an.
Dann entdeckte ich ein Farmhaus, das nahe an der Straße lag. Ich wollte dort um etwas Wasser bitten, doch niemand schien zu Hause zu sein. Die Türen waren alle geöffnet, doch keine Menschenseele war zu sehen. Ich nahm mir dann etwas Wasser aus der Leitung neben dem Haus.
Weiter ging die Wanderung auf der unendlichen Geraden. Ich hatte überhaupt keine Vorstellung, wie lange ich wohl schon gewandert bin. Ohne ein zu Fuß erreichbares Ziel vor Augen zu haben, wurde ich jetzt etwas ungeduldig. Aber das nützte natürlich auch nichts. Über den Daumen gepeilt, bin ich vielleicht 12 Kilometer mit meinem tonnenschweren Rucksack gewandert. Ich hatte den Eindruck, der Rucksack würde nach jedem Kilometer ein Kilogramm schwerer.
Doch was war das? Ich drehte mich um und schemenhaft entwickelte sich aus einem kleinen Etwas in der Ferne die Konturen eines Busses. Ich erkannte das Logo der Bus Company. Es war ein Newman's-Bus, der da langsam die Straße hinauf in meine Richtung fuhr. Der oder keiner!
Ich winkte verzweifelt und hoffte, dass der Bus -auch ohne Bushalteschild!- stoppen würde. Falls nicht, wäre ich wohl gezwungen, irgendwo hier draußen ein Nachtlager aufzubauen.
Gott sei dank hielt der freundliche und hilfsbereite Fahrer. So würde ich mein für heute eingeplantes Reiseziel, Kaikoura, doch noch erreichen. Ich war dem Fahrer sehr dankbar. Andere Fahrer waren nicht so freundlich. Ich erinnerte mich in diesem Zusammenhang an Otorohanga, wo der damals verspätete Bus an mir vorbei rauschte.
Und dann entdeckte, dass in gar nicht so großer Entfernung, ein Dörfchen war, das sich Greta Valley nannte und sogar über ein Geschäft verfügte! Der Bus hielt kurz an; meinen Durst löschte ich aber erst in Cheviot während der Bus eine längere Pause einlegte. Hier kaufte ich mir auch eine Fahrkarte, die mich $NZ 12,50 kostete.
Gegen 16:00 Uhr kam der Bus dann in Kaikoura an. Hier am Ozean war es recht kühl und bewölkt. Außer der Belgierin Lüt erkannte ich keine weiteren bekannten Gesichter. An der Rezeption der Jugendherberge begrüßte mich ein verwegen aussehender Warden. Der Mann war nicht besonders freundlich. Ich meldete mich für zwei Nächte an.
Bis Montag wollte ich gern zurück in Wellington sein und keine Zeit mehr in Picton verbringen, wo ich ja vor ein paar Wochen schon mal gewesen bin.
Ich musste dringend duschen und ging dann etwas einkaufen. Zum Abendessen machte ich mir wieder meine obligatorischen Spiegeleier auf Brot. Außer mit einem Schweizer und einer Engländerin wechselte ich am Abend nicht mehr viele Worte mit anderen Gästen in der Jugendherberge.
Irgendwie war dieser 50. Reisetag nicht mein Tag! Ich schrieb noch ein paar Zeilen in mein Reisetagebuch. Ich nahm mir heute Abend mal die Zeit, mein Reise-Budget zu kontrollieren.
In den letzten Tagen war es immer ziemlich spät geworden. Heute lag ich schon um kurz vor 22:00 Uhr im Bett. Das musste aber auch mal sein.
In meinem Kopf hatte ich mir für die nächste Zeit folgenden Plan gemacht. Am Sonntag möchte ich per Bus oder Bahn nach Picton fahren und möglichst um 14:20 Uhr mit der Fähre nach Wellington übersetzen. Nach einer Nacht in Wellington will ich dann am Montag wieder nach Wanganui, wo ich dann wahrscheinlich doch auf die Farm nach Waverley gehen werde, falls dieses Angebot noch Bestand hatte.
In Wellington will ich versuchen, die deutsche Botschaft aufzusuchen, um zu erfahren, ob ich für Kanada ein Visum benötige oder nicht. Ferner habe ich das dringende Bedürfnis, einige Zeitungen zu lesen, was in der Botschaft gewiss auch möglich ist. Auch will ich prüfen, ob ich dort möglicherweise Post erhalten habe. Dann will ich probieren, bei Canadian Pacific Airlines meine Flugdaten zu ändern, obwohl ich darüber eigentlich noch etwas unschlüssig bin. Aber ein paar Tage in Toronto und Umgebung könnte ich mir schon ziemlich interessant vorstellen.
Mal sehen, was aus meinen Plänen wird...
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