Michaels Reisetagebuch: Michael beschreibt seine 100-tägige Reise durch nach Hawaii, Neuseeland (Schwerpunktthema) und Kanada. Die Seiten werden durch ein Reiseforum, einen Grusskartenservice, eine Linkhitliste, einen ChatRoom sowie free SMS & free E-Mail-Konto abgerundet



31. Reisetag:
Sonntag, 8. Februar 1987

Gleich am Morgen wartete Alex mit einer unerwarteten und freudigen Überraschung auf: Laurent würde noch heute versuchen, nach Auckland zurückzukehren. Mit allem hatte ich gerechnet, nur nicht damit, dass Laurent zurück nach Auckland will, wo er doch erst vor ein paar Tagen auf die Südinsel gekommen ist! Vor kurzem hatte er noch verlauten lassen, dass er seinen Neuseeland-Aufenthalt verlängert habe. Über die Gründe brachte ich nichts in Erfahrung.

Wäre Laurent heute aber in Richtung Südinsel-Westküste gereist, wäre ich gewiß in Richtung Ostküste aufgebrochen. Diese Überlegungen waren nun hinfällig. Es ist sehr bedauerlich, dass es soweit gekommen ist. Noch an der Bark Bay hatte ich versucht, mit Laurent ein Gespräch zu führen, um Unklarheiten und Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen...

Alex und ich hatten uns überlegt, noch einen weiteren Tag in Nelson zu verbringen. Der Schweizer hatte ja noch Probleme mit seinem rechten Fuß und so wollte er sich kräftezehrenden Aktionen nicht unterziehen. Ich hatte auch nichts dagegen gehabt, den Aufenthalt zu verlängern, da ja auch Harold und Gina heute noch in Nelson bleiben wollen.

Am Vormittag gingen wir in den Tasman Towers, wo Alex sich von Laurent verabschiedete. Ich ging derweil in das Zimmer von Gina und Harold. Wir wollten an und für sich an den etwa fünf Kilometer entfernten Strand von Nelson. Gina hatte keine so große Lust die lange Strecke zurückzulegen und so blieb sie zunächst in der privaten Herberge. Harold kam aber mit uns. Von Allan und Hänne sahen wir zunächst nichts mehr.

Als erstes gingen wir in ein Cafe´, um einen Kaffee zu trinken und um ein Sandwich zu essen. Später wanderten wir dann den recht langen Weg zur Beach. Überraschenderweise nahm auch Alex den langen Marsch auf sich. Er trug jetzt offene FlipFlop- Schuhe.

Das Wetter war auch heute freundlich, wenn auch nicht ganz so phantastisch wie noch während der Wanderung im Abel Tasman Nationalpark. Harold und ich gingen etwas vor und warteten auf Alex im Kentucky Fried Chicken - Restaurant. Dann erreichten wir den Strand. Dort gingen Harold und ich auch eine sagenhafte Wasserrutsche. Das war ein ganz tolles Vergnügen. Zehnmal Rutschen kostete $NZ 4. Dazu legte man sich mit dem Bauch auf eine Gummimatte.

Beim ersten Mal dachte ich, man würde verrückt werden - so rasant war das Tempo. Unten schnellte man unter den neugierigen Blicken der Zuschauer ins Bassin. Dann begann der Spaß von vorn. Wir trockneten uns am Strand.

Alex, Harold und ich gingen dann den recht langen Weg zur Jugendherberge Nelson zurück. Ich duschte mich noch und setzte mich danach in den Aufenthaltsraum, wo ich noch Ansichtskarten schrieb sowie einige Zeilen in mein Reisetagebuch.

Ich wartete auf Post von zu Hause, die aber noch nicht eingetroffen war. Deshalb übergab ich dem Warden der Jugendherberge einen frankierten und mit der Adresse der Deutschen Botschaft versehenen Briefumschlag und bat ihn, diesen Brief dorthin nachzusenden, wenn er hier eintrifft.

Am Abend regnete es etwas Ich streichelte den süßen Herbergshund Ben und trank mit Alex noch einen Kaffee, ehe ich mich später ins Bett legte.

32. Reisetag:
Montag, 9. Februar 1987

Wie die Zeit vergeht. Jetzt bin ich schon einen Monat unterwegs! Es gab immer Wechselbäder. Spektakuläre Highlights haben sich immer wieder mit Lustlosigkeit gemischt. Auch im Augenblick macht sich bei mir wieder so eine kleine Unlust breit. Es bereitet manchmal Mühe, sich mit den anderen Reisenden über immer dieselben Themen wie "Where are you from?", "Where are you going to?" usw zu unterhalten. Es sind alle kleine Tiefs, die man im normalen Alltagsleben auch durchzustehen hat; auf Reisen ist es nichts anderes. Es gibt auch auf Reisen -genau wie im Alltag- eine Art von Routine, die zu Tiefs führen kann, wenn man etwas ganz tolles unternommen hat und an den Tagen danach, etwas weniger aufwendiges passiert. Da muß man aber durch, denn es kommen zweifelsohne auch wieder bessere Tage.

Trotz kleinerer Tiefs denke ich häufig daran, meine Reise noch in den April hinein zu verlängern. Aber soweit bin ich noch nicht. Es hängt natürlich zu einem Teil davon ab, wie ich finanziell über die Runden komme.

Alex weckte mich heute morgen in der Jugendherberge Nelson. Ich war noch sehr müde und kam nur schleppend aus dem Bett. Gestern abend hatte ich noch ein dumpfes Gefühl in meinem Kiefer oben links. Nur keine Zahnschmerzen! Aber heute morgen war dort scheinbar wieder alles in Ordnung. Ärzte scheinen hier in Neuseeland für Behandlungen nur eine Schutzgebühr von $NZ 10 zu verlangen; zusätzlich kämen noch Gebühren für verschriebene Arzneimittel hinzu. Zahnärzte muß aber voll bezahlen!

Alex und ich wollten heute mit dem Bus nach Murchison fahren. Aufs Trampen wollten wir verzichten. Vielleicht eine dumme Entscheidung, was eine unnötige Geldausgabe zur Folge hat, denn das Trampen machte bisher wirklich kaum Schwierigkeiten. Trotzdem wählten wir den teureren, aber bequemeren Weg.

Bevor es los ging, wechselte ich in der Bank noch einen Reisescheck ein. Ich kaufte mir noch eine Deutschland-Flagge für meinen Rucksack. Bunte Flaggen und Wimpel auf dem Rucksack haben sich beim Trampen als sehr gutes Hilfsmittel herausgestellt. Es ist wohl der Hauch der großen weiten Welt, den die Einheimischen in ihrem abgelegenen Land oft vermissen. Das erklärt auch, warum das Trampen -trotz so weniger Autos- relativ einfach ist.

Ich besorgte mir auch noch Dimp, ein Abwehrmittel gegen die lästigen Sandfliegen. Eine Batterie für meine Taschenlampe bekam ich leider nicht.

Um 9:30 Uhr fuhr der Newmans-Bus in Richtung Murchison ab. Die Fahrt kostete $NZ 17,50. Mittags erreichten wir das kleine und friedliche Dorf, direkt am wenig befahrenen Highway 6 gelegen. Alex konnte immer noch kaum gehen. Er hatte Schmerzen am Zeh. Der Arme hatte jetzt auch noch eine Blase am Fuß, bedingt durch das Wandern in den FlipFlop - Schuhen.

Die nahegelegene Jugendherberge war nur in der Saison geöffnet. Sie befand sich in einer Sporthalle, die in den Sommerferien von Schülern nicht genutzt wurde. Vor der Sporthalle befand sich ein großes Football-Feld. Rund herum gab es schöne Natur mit vielen kleinen Hügeln, wo man Schafe und Rinder erkennen konnte.

Etwas entfernt schlängelte sich ein Fluß, der später in den Buller River mündete. Danach floß er in den Ozean. Natürlich war diese Jugendherberge sehr einfach eingerichtet. Es war eben eine Sporthalle. Aber der Übernachtungspreis war dafür auch etwas günstiger. Und natürlich war es hier auch längst nicht so überfüllt, wie das in manchen Großstadtjugendherbergen der Fall ist.

Mit Alex war ich einig, Erkundigungen über mögliche Jobs in der Umgebung einzuholen. Dazu ging ich wieder in das hiesige Touristbüro. Ich bekam auch tatsächlich vier (!) Telefonnummern von Farmen, ohne allerdings sicher zu sein, ob es dort auch tatsächlich einen Job gibt.

Alex und ich gingen jetzt etwas essen. Später trafen wir dann auch Harold, der beim Trampen überhaupt keine Probleme gehabt hatte. Zurück in der Jugendherberge, legte ich mich zu einem Nickerchen aufs Ohr.

Kurz vor 17:00 Uhr ging dann auch die Anmeldung über die Bühne. Ich bat die nette Leiterin des Hauses, für mich bei den Farmen anzurufen. Aber es führte zu keinem positiven Ergebnis. Mir fiel auf, dass Alex absolut nichts dazu beitrug, Arbeit zu finden. Vorher war er einverstanden gewesen; jetzt herrschte das Schweigen im Walde.

Am Abend erledigte ich noch ein paar Einkäufe. Es war ein sehr kostspieliger Tag gewesen. Die Jugendherberge füllte sich allmählich. Mit Harold unternahm ich am Abend noch eine kleine Wanderung über den Skylane - Track. Es ging zwar steil aufwärts, war aber kilometermäßig kein besonders langer Walk.

Von oben hatte man einen herrlichen Ausblick über das Dorf Murchison, die Hügel und Flüsse. Auch der heutige Tag bot wieder feinstes Wetter. Die Temperaturen waren "medium". Nach der Wanderung erfrischte ich mich noch an Brombeeren, die es am Wegesrand zuhauf gab und danach noch mit einer Flasche kalter Milch, die ich mir in der Jugendherberge besorgte.

Nachdem wir zusammen noch etwas gegessen hatten,. war es wieder Zeit für eine "Mütze voll Schlaf". In der Nacht hörte ich dauernd unheimliche Schritte im Haus. Das war schon deshalb absolut merkwürdig, weil kein Licht eingeschaltet war und es stockdunkel war. Die Schritte aber waren deutlich zu hören!

Reportage: Truthahn und Trubel


33. Reisetag:
Dienstag, 10. Februar 1987

Spontan verließ ich die Jugendherberge Murchison in aller Frühe. Ich hatte Alex von meinem Aufbruch nichts erzählt. Mich störte es gestern schon etwas, dass er nichts zum Thema Jobsuche beigetragen hat, obwohl er auch daran Interesse gezeigt hatte. Er hatte sich auch in keinster Weise über die zukünftige Reiseroute geäußert. Ich bin ja auch gegen jede detaillierte Planung; aber ungefähr sollte man schon wissen, was man noch sehen möchte und wie viel Zeit man dort etwa verbringen will.

Mein Rucksack war am Morgen schnell gepackt und schon nach wenigen Minuten war ich am Highway 6. Der Morgen schien wieder prächtiges Wetter zu versprechen. Die Sonne stand noch tief und blendete mich, als ich meine Trampversuche startete.

Es fuhren nur wenige Autos, doch schon beim vierten Fahrzeug hatte ich Glück. Barry und Paul wollten zur Arbeit auf eine Farm. Ohne viel zu reden, nahmen sie mich mit und setzten mich dann in einer ziemlich einsamen, aber wunderschönen Gegend ab.

Ich befand mich etwa 5 Kilometer vor Inangahua Junction, wo sich der Highway gabelte und wo eine Provinzstrasse direkt nach Greymouth, meinem heutigen Ziel, führte. Aber mit Umweg über den verkehrsreicheren Highway könnte ich auch über Westport fahren.

Aber jetzt stand ich noch etwa 5 km vor der Strassengabelung und mußte fast eine halbe Stunde warten , ehe das erste Fahrzeug in meine Richtung fuhr, dass mich dann allerdings auch sofort mitnahm. Das war Glück! Es war ein Trucker, der Kekse ausfuhr und nun nach Westport fuhr und danach über Reefton nach Christchurch zurück fuhr. Er wollte mich in Inangahua Junction absetzen, doch ich entschied, mit ihm weiter nach Westport zu fahren.

Von dort würde ich dann über den stärker befahrenen Highway weiter nach Greymouth trampen wollen. Der Trucker erläuterte mir die schöne Landschaft und zeigte mir auch die Schäden, die Erdbeben früherer Jahre hier angerichtet hatten.

Dummerweise war dann kurz vor Westport der Highway 6 nach Greymouth gesperrt und er würde erst gegen 15:00 Uhr wieder öffnen. Was nun?

Ich fuhr mit dem Trucker in den Stadtkern des relativ kleinen Ortes Westport. Er bot mir an, mich in etwa 1 1/2 Stunden mit nach Reefton nehmen zu wollen. Doch ich besorgte mir aus Bequemlichkeit und trotz der frühen Tageszeit, ein Busticket für $NZ 13. Der Bus würde erst um 14:00 Uhr abfahren und viel hatte Westport nicht zu bieten.

Ich trank derweil einen Kaffee und aß ein Sandwich dazu. Von der nahen Küste war hier auch nicht viel zu sehen und so war es schon bald recht langweilig hier und so bereute ich den früheren Entschluß, ein Busticket gekauft zu haben.

Der Bus fuhr am Nachmittag mit Verspätung ab. Ich nutzte die Fahrt wieder für ein kurzes Nickerchen. Auf halber Strecke machte der Bus eine Pause in Punakaiki. Die Fahrgäste des Busses bekamen die Gelegenheit, sich die wunderbaren Kalksteinfelsen anzuschauen, die wie gestapelte Pfannkuchen aussehen.

Leider war gerade keine Flut und so konnte man die riesigen Fontänen nicht sehen, die bei Hochwasser im Blow Hole zu sehen sind.

Kurz vor 17:00 Uhr erreichte der Bus dann die Stadt Greymouth. Im Bus hatte ich noch einen Deutschen kennengelernt, der den Weg zur Jugendherberge bereits kannte und mich nun dorthin führte.

Es war überraschend viel Betrieb in der Jugendherberge und tatsächlich war das Haus wenig später überfüllt. Harold und Alex, die später kamen, mußten auf eine Privatherberge -ein paar Strassen entfernt- ausweichen.

Die sehr schöne Jugendherberge Greymouth wurde von einem jungen Pärchen geleitet. Zwischen Haus und Fluß befand sich ein Gehege, wo das Schwein Max hauste. Es gab ein Wiedersehen mit den beiden Amerikanern Gina, die ich in Picton und David, den ich gestern in Murchison kennengelernt hatte.

Ich war total durchgeschwitzt und so ging ich sofort unter die Dusche. Meine T-Shirts mußten dringend gewaschen werden!

Alex hielt sich den Abend über in der Jugendherberge auf - er schonte seinen Zeh. Mit Harold ging ich etwas essen. Auf einem Court in der Nähe der Jugendherberge spielten Harold und ich dann Tennis. Für mich war es das erste Tennisspiel meines Lebens. Schläger und Ball konnte man sich in der Jugendherberge kostenlos ausleihen. Und auch das Betreten des Courts war frei.

Das Tennisspiel klappte besser als ich dachte, wenngleich Harold natürlich schon einige Matches mehr gespielt hatte. Ich unterlag mit 0:6 und 2:6 aber es hat sehr viel Spaß gemacht und das ist das wichtigste. Nach dem Match ging ich abermals unter die Dusche.

Bald danach habe ich dann geschlafen.

Reportage: Ins Revier der frechen Spassvögel - die Keas


34. Reisetag:
Mittwoch, 11. Februar 1987

Ich hatte mir gestern abend noch einen Wecker geliehen, um heute morgen möglichst früh aufzustehen. Schon um 7:15 Uhr stand ich am nahen Highway hinter dem Amerikaner David in zweiter Warteposition.

Das Wetter war zunächst sehr schlecht. Nach einigen Tagen der Trockenheit wurde ich heute mal wieder vom Regen durchnäßt. Aber wenigstens die Stärke des Regens hielt sich in Grenzen; es war mehr ein starkes Nieseln.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich mußte mit etwa zwei Stunden die längste Wartezeit in Kauf nehmen - und kam doch nicht vom Fleck. Für den geringen Autoverkehr ist die Südinsel ja berühmt-berüchtigt. Hier hat sich schon so mancher Tramper die Beine in den Bein gestanden.

Aber eigentlich fuhren überraschend viele Fahrzeuge an mir vorbei. Ob es am Regen lag oder an der nassen Bekleidung? Ich weiß es nicht. Mir wurde aber auch schon gesagt, dass es daran liegt, dass die meisten Autofahrer alle nur in die nähere Umgebung fahren und keine weiten Strecken zurücklegen. Und bis zum Franz Josef - Gletscher war es schon eine ganze Ecke!

Einmal mehr hatte ich Schwierigkeiten, wenn noch jemand vor mir stand. David stand insgesamt vier(!) Stunden hier, wie er mir später zu berichten wußte. Ich hatte irgendwann die Nase voll und gab auf. Ich begab mich zum Bahnhof von Greymouth, wo ich mir ein teures Busticket für die Fahrt nach Franz Josef kaufte. Insgesamt legte ich $NZ 25,50 für die Fahrkarte auf den Tisch.

Bis zur Abfahrt des Busses hatte ich noch etwas Zeit. Ich ging in ein Cafe´ und trank dort einen Kaffee. Dabei traf ich Gina wieder, die hier mit ihrer neuen Freundin Deborah weilte.

Schon heute wechselte ich mir in der Bank Geld ein, da ich nicht sicher war, vor dem Wochenende noch auf ein Geldinstitut zu treffen.

Das Busticket sprengte wieder meinen Etatrahmen. Der Bus fuhr zunächst bis zur bekannten Shantytown, einem kleinen Dorf mit Überresten aus der Goldgräberstadt. Die Shantytown sah aus, wie eine typische Stadt im Wilden Westen.

Die Busfahrt ging weiter nach Hokitika. Hier mußte der Bus über eine Eisenbahnbrücke fahren, die einspurig aus Schiene und Strasse bestand. Wenn kein Zug kam, nutzte der Bus die Schiene, um auf die andere Seite zu kommen.

Das Wetter wurde jetzt deutlich besser. Trotzdem langweilte ich bei meinem Aufenthalt in Hokitika, denn der Ort war klein und bot wenig Attraktionen. Auch der nahe Strand mit dem Meer und den hohen Wellen war wenig aufsehenerregend.

So setzte ich mich bald wieder in einen Coffeeshop und schrieb dabei einen Brief an die Familie in Buchholz. Ich gab den Brief dann auf dem Postamt auf.

Mit Verspätung ging dann die Busfahrt weiter. Unterwegs legte der Fahrer noch eine Pause ein. Gegen 17:00 Uhr erreichten wir dann Franz Josef am gleichnamigen Gletscher. Hier waren die Berge jetzt deutlich höher.

Auch die Jugendherberge Franz Josef war sehr voll; später sogar überfüllt. Ich bekam ohne Probleme ein Bett im Raum No 10. Der Abend spielte sich weitgehend in der Jugendherberge ab. Es waren viele nette Leute hier, die man teilweise schon vorher kennengelernt hatte. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre im Haus.

Der berühmte Gletscher war etwa zwei Stunden Fußmarsch entfernt. Ich besichtigte ihn nicht, was eigentlich schade war. Eine Deutsche, die hier auch übernachtete, hatte eine Ausgabe des Spiegel vom 2. Februar dabei, den ich natürlich interessiert studierte. Nachrichten aus Deutschland und Europa kommen hier doch etwas spärlich an.

Langsam ging auch dieser Reisetag in Neuseeland zu Ende.

Reportage über Keas: Gefiederte Lehrer der 'Clowns der Berge'


35. Reisetag:
Donnerstag, 12. Februar 1987



Nach dem Aufstehen ging ich in die Gemeinschaftsküche der Jugendherberge Franz Josef und kochte mir wieder ein paar Eier. Ich muß gestehen, dass mir dieses Frühstück in den letzten Tagen etwas zum Halse heraus hing.

Bald nach dem Frühstück ging ich zum nahen Highway und begann meine Trampversuche. Ich wollte heute in den nur etwa 25 km entfernten Ort Fox, wo sich ebenfalls ein berühmter Gletscher befand. Das war auch der Grund, warum ich mir heute nicht den Franz Josef-Gletscher anschaute.

Ich rechnete damit, dass ich frühzeitig in Fox eintreffen würde und genügend Zeit haben würde, mir den dortigen Gletscher näher anzuschauen. 25 Kilometer nach Fox konnten ja nun wirklich kein so großes Problem sein.

Das Wetter war nicht besonders gut. Es war recht kühl und es regnete hin und wieder leicht. Doch trotz einiger vorbeifahrender Autos stand ich mir wieder die Beine in den Bauch. Niemand hielt an! Ich kam nicht vom Fleck, obwohl ich hier an erster Warteposition war.

Gegen Mittag gab ich auf und setzte mich in eine Teestube, wo auch Alex und andere gefrustete Tramper saßen, die ebenfalls keinen Lift bekommen haben. Auch in Richtung Greymouth hatten die Tramper große Probleme.

Jetzt begann auch noch ein wolkenbruchartiger Regen, der auch in den nächsten Stunden nicht enden wollte. Nun zeigte sich das berühmt-berüchtige Bild der Westküste, die wegen ihrer Wetterkapriolen gefürchtet ist. In der Teestube tranken wir Milchshakes und Kaffee.

Jetzt kam auch Harold J Travis, der Kanadier, herein, der heute einen Lift bis Franz Josef bekommen hatte. Nur wenige Minuten später hatte er Glück und traf drei junge Leute wieder, die ihm schon einmal einen Lift gegeben hatten. Sie wollten ihn nun bis Fox mitnehmen. So ein Glück! Und wir alle hatten so lange umsonst gewartet. Gegen 17:00 Uhr würde er abfahren.

Alex reservierte uns zwei Betten in einem Private Hostel in Fox. Ich unterhielt mich derweil sehr nett mit der Holländerin Gerda. Gina und Deborah kamen jetzt auch in die Teestube.

Bei immer noch strömendem Regen ging es jetzt per Bus nach Fox. Hier hellte es etwas auf; trotzdem war es immer noch empfindlich kühl. Für jeweils $NZ 11 konnten Alex und ich dann in der privaten Herberge wohnen. Es war ein sehr einfach eingerichtetes Haus. Der Leiter machte einen ziemlich merkwürdigen Eindruck.

Nur wenig Geschirr war vorhanden, es gab viel zu wenig sanitäre Anlagen für die zwölf Gäste. Die Betten hatten keinerlei Decken. Man war auf einen eigenen Schlafsack angewiesen. Der Leiter achtete auf sparsamen Stromverbrauch.

Ich duschte und versuchte meine, vom Regen naß gewordene Kleidung, trocken zu bekommen, was mir aber nicht gelang. Alles war klamm!

Später aß ich wieder mein Standardgericht: Spiegeleier auf Brot!. Mit Harold, der ja auch hier war, spielte ich im nahen Pub-Hotel drei Partien Pool-Billard.

Tja, ursprünglich wollten wir einen Abendspaziergang zum Fox-Gletscher machen, aber das erschien uns allen viel zu weit. Das kühle Wetter war auch nicht gerade anspornend. So würde ich also keines der beiden Naturwunder sehen können.

Hoffentlich würde es nicht wieder so eine lange Regenperiode geben, wie bereits am Anfang des Neuseeland-Trips. Nach den Billard-Spielen saßen wir in der privaten Herberge noch herum und unterhielten uns nett.

Bald danach begab ich mich ins Bett. Vorher rieb ich mich noch gründlich mit Dimp ein, denn es wimmelte hier im Haus nur so von Ungeziefer.

36. Reisetag:
Freitag, 13. Februar 1987

Auf das Risiko, zu trampen, konnte man sich heute nicht einlassen. Der einzige Bus in Richtung Süden fuhr bereits in den sehr frühen Morgenstunden, und wenn man den nicht nimmt und beim Trampen auch keinen Erfolg haben sollte, würde man noch eine Nacht in Fox verbringen müssen.

Alex und ich standen heute früh im Private Hostel von Fox zeitig auf. Nach einem schnellen Frühstück gingen wir zum Busstop vor dem Hotel, in welchem wir auch die sehr teure Fahrkarte für stolze $NZ 44,60 kauften.

Es war ein kühler Morgen in Fox; zunächst aber ohne Regen. Im Bus setzte ich mich dann neben den netten Schweizer Andreas aus Zürich. Er war ein witziger Typ und wir unterhielten uns während der Fahrt gut.

Der Bus hielt dauernd an und die Fahrgäste erhielten die Möglichkeit, Fotos von der schönen Umgebung zu machen. Frühstückspause war dann auch.

Ein netter Amerikaner namens Jack war dann auch im Bus, den ich vorher schon im Bus auf der Fahrt nach Franz Josef gesehen hatte. Er riß Witze am laufenden Band und war anscheinend permanent auf Reisen. Auch ohne Arbeit schien er das nötige Kleingeld zu besitzen.

In Haast hielt der Bus dann zur Mittagspause. Hier nahm ich einen kleinen Imbiß zu mir. Später wechselten dann die Busfahrer. Wir trafen uns mit dem Bus aus der Gegenrichtung; die beiden Fahrer tauschten die Busse und bekamen so die Möglichkeit, wieder nach Hause fahren zu können.

Das Wetter, das am Morgen einigermaßen freundlich begann, verschlechterte sich jetzt wieder spürbar. Bei unserer Ankunft in Wanaka regnete es wieder.

Wir brachten unsere Rucksäcke in die Jugendherberge, die in unmittelbarer Nähe des Lake Wanaka lag. Alex und ich erledigten dann im kleinen Stadtkern ein paar Einkäufe. Der Schweizer wollte uns heute abend ein leckeres Essen kochen!

Ich habe derweil meine Klamotten gewaschen. Durch den ständigen Regen und die Feuchtigkeit muffelte wirklich alles. Die Wäsche war dringend notwendig.

Wir meldeten uns dann in der Jugendherberge für zwei Nächte an. Alex hatte in der Gemeinschaftsküche bereits Kartoffeln geschält, die jetzt auf dem Gasherd vor sich hin köchelten. Es gab Spiegeleier, Erbsen und Karotten und Kartoffeln - das war mal wieder richtig gute Hausmannskost. So manches Essen hing mir nämlich mittlerweile zum Halse heraus.

Am Abend passierte dann nicht mehr viel. Wir unterhielten uns im Gemeinschaftsraum, wo wir gemütlich beieinander saßen. Gina, die US-Amerikanerin aus Maine, die ich in Picton kennengelernt hatte, war auch in der Jugendherberge. Unglaublich: Sie hatte es geschafft, von Franz Josef nach Wanaka zu trampen.

Ein Wiedersehen gab es auch mit der Deutschen Barbara, die mir ihren Spiegel in Franz Josef zu lesen gegeben hatte. Ich lernte noch Bernd aus Flensburg kennen. Er war schon seit Jahren mit seinem Boot unterwegs.

Draußen war es am Abend kalt und ungemütlich. Im Schlafsaal mußte ich dann wieder meinen dicken Schlafsack aus dem Gepäck holen, um es wenigstens einigermaßen warm zu haben.

37. Reisetag:
Sonnabend, 14. Februar 1987

Beim Aufwachen in der Jugendherberge Wanaka bot sich das erwartet schlechte Wetter. Es regnete, war windig und sehr kalt. Somit würde es weder mit einer Wanderung noch mit einer Fahrradtour etwas werden, was Alex und ich für heute angedacht hatten.

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass aufgrund des teilweise sehr schlechten Wetters schon die Wanderung im Tongariro Nationalpark ausgefallen war. Auch die beiden Gletscher, Franz Josef und Fox, fielen dem widrigen Klima zum Opfer. Grinsen müssen Alex und ich immer, wenn einige andere Backpacker, denen man so begegnet, in leicht hochnäsiger Art kund tun, dass sie nur das allerschönste Wetter gehabt hätte und keinen einzigen Regentag zu verzeichnen hatten.

Ich nutzte das schlechte Wetter wenigstens zum späten Aufstehen und danach zu einem ausgeprägten Frühstück mit Kaffee, rot und drei gekochten Eiern. Danach passierte nur noch wenig bedeutungsvolles.

Ich unterhielt mich entweder mit anderen Reisenden in der Jugendherberge, die wegen des schlechten Wetters auch nicht aufbrechen konnten oder schrieb Ansichtskarten an Freunde und Bekannte nach Hause.

Gegen Mittag ging ich in den Ortskern von Wanaka und kaufte einige Lebensmittel ein. Ich informierte mich über mögliche weitere Reiserouten in Büchern und auf Landkarten. Ich studierte die Lage möglicher Motorcamps, die auch Kabinen zum Übernachten anboten.

Gegen Abend wurde die Jugendherberge recht voll. Alex hatte Harold im Bus nach Queenstown gesehen. Die Belgierin Lüt stieg heute auch in der Jugendherberge Wanaka ab.

Alex und ich spielten am Abend ein paar Gesellschaftsspiele. Danach ging ich ins Bett. Ein fauler und recht langweiliger Tag endete hiermit. Aber nach über dreißig, teilweise recht anstrengenden Reisetagen mit wenig Schlaf, musste das auch mal sein. Beklagen darf ich mich ohnehin nicht, denn große Langeweile hatte es bisher schließlich noch nicht gegeben.

38. Reisetag:
Sonntag, 15. Februar 1987

Wie umgewandelt war das Wetter nun heute. Die Sonne schien und es war durchweg wolkenlos, wenn auch nicht ganz so warm.

Im meinem Zimmer in der Jugendherberge Wanaka waren eine Reihe australischer Bergsteiger, die schon am frühen Morgen in Aufbruchstimmung waren.

Auch heute morgen kochte ich mir wieder ein paar Eier zum obligatorischen Frühstück. Um ehrlich zu sein: Den morgendlichen Job in der Jugendherberge, meine Duty erledigte ich schon lange nicht mehr. Dazu war ich wohl zu faul. Viele Reisende meiden ja gerade deswegen die Jugendherbergen; sie wollen in ihren Ferien nicht auch noch putzen. Ich stehe dem eher gelassen gegenüber und bin von der Idee Jugendherbergen felsenfest überzeugt.

Unmittelbar nach dem Frühstück brach ich auf, denn ich war mutig und wollte einen weiteren Trampversuch unternehmen. Ich wollte bis Queenstown; vielleicht sogar bis Alexandra, kommen. Ich wollte flexibel bleiben und mich nach der Fahrtrichtung derer richten, die mich im Auto mitnehmen. Falls überhaupt jemand anhält! Die Westküste hat bisher, was das schlechte Wetter betrifft und was die Schwierigkeiten beim Trampen betrifft, recht behalten.

Alex brach noch nicht mit mir auf. Zunächst musste ich die etwa 3 km bis zum Highway 6 gehen. An der Straße stand schon ein Pärchen in Fahrtrichtung Cromwell. Ich hätte ja auch die Provinzstraße 89 zum trampen benutzen können, doch riet man mir hiervon entschieden ab: zu wenig Verkehr und wenn man ein Auto kam, waren meist Touristen darin unterwegs, die selbst viel Gepäck zu transportieren hatten und Anhalter eher nicht mitnahmen.

Am Highway 6 ließ ich das Pärchen hinter mir und wanderte mit erhobenem Daumen die Straße entlang. Es fuhren doch eine ganze Reihe von Autos! Mehr als ich dachte. Doch es hielt zunächst wieder niemand an. Dann bemerkte ich hinter mir einen anderen Rucksacktouristen, der ebenfalls am Highway entlang lief. Das war natürlich ziemlich hinderlich, da ihn ja zuerst die Autos sahen. Konkurrenzdenken gibt es beim Trampen schon; besonders dann, wenn eh schon kein Fahrzeug anhält.

Unter diesem schlechten Gesichtspunkt ließ ich den Anhalter -unter dem Vorwand einer Pause- passieren. Es war der Australier Steve, der heute nacht im selben Jugendherbergszimmer schlief, wie ich.

Nach einer Zeit des stehenden Trampens wanderte ich am Highway weiter entlang. Ich spekulierte schon damit, im nur wenige Kilometer entfernten Dorf Luggate Station machen zu müssen. Dummerweise hatte ich auch nichts zu trinken dabei. Doch plötzlich hielt eine Frau mit ihrem Sohn an, die mir und kurz darauf auch dem Australier Steve einen Lift gab. Allerdings nur in den nicht weit entfernten Ort Luggate.

Aber kurz vorher mündete der Highway 8 A auf diesen Highway 6 und es herrschte plötzlich mehr Verkehr. In einer Bäckerei holte ich mir zunächst Milch und Cola; Proviant für den weiteren Weg.

Plötzlich überraschte mich Steve mit der Nachricht, dass ein Pärchen im Caravan uns bis Queenstown mitnehmen wolle. Was für eine gute Nachricht! Es war ein nettes Paar aus Australien. Der Mann hielt immer wieder an und fotografierte die wunderschöne Landschaft mit wie gemalt wirkenden Bergen und reißenden Flüssen.

Im hinteren Teil des schaukelnden Caravan wurde mir allerdings etwas schlecht und so war ich abgelenkt, als Steve von seiner schönen australischen Heimat berichtete. Es schaukelte arg zumal ich noch nicht einmal in Richtung Fahrtrichtung saß. Das Ehepaar brachte Steve zunächst zum schön gelegenen Flugplatz Frankton, 6 km vor Queenstown. Steve wollte von hier über Christchurch nach Sydney zurückfliegen.

Mich brachte das freundliche Ehepaar noch bis vor die Haustür der Jugendherberge, die aber über kaum freie Betten verfügte. Bei herrlichem Wetter ging ich deshalb gleich weiter in das Private Hostel in der Hamilton Road. Auch hier war es recht voll. Das Haus trug den Namen Pinewood und sah so ähnlich wie ein Motel aus. Für $NZ 12 bekam ich zügig ein Bett. Es war ein recht gemütliches Zweibettzimmer mit Schränken, Ehebett und Teppich. Davor war ein geräumiges Wohnzimmer mit Fernsehgerät. Rechts davon befand sich die Küche. Insgesamt schlafen noch vier weitere Personen hier in zwei weiteren Zimmern. Alle anderen Räume befanden sich in separaten Gebäuden.

Bei schönem Wetter ging ich kurz darauf in die Innenstadt von Queenstown. Ich hatte meinen Rucksack im Zimmer abgestellt und konnte mich jetzt freier bewegen. Die Stadt war in hohem Maße von japanischen Touristen geprägt, für die auch fast alles in japanischen Schriftzeichen übersetzt war.

Schon nach kurzer Zeit traf ich Harold wieder, der sich in Begleitung der bezaubernden Holländerin Marian befand. Ich freue mich immer sehr, wenn ich den sympathischen Kanadier wiedersehe. Immer wieder haben wir uns seit Otorohanga verloren, getrennt und wiedergetroffen. Er ist ein lieber Mensch mit ständig guter Laune und viel Unternehmungslust. Zudem habe ich mich an sein Englisch zwischenzeitlich gut gewöhnt.

Wie Harold mir berichtete, übernachtete er auch im Pinewood Motel. Nun befand er sich also in Begleitung der Holländerin Marian aus Nieuw-Milligen, die sogar seine Zimmergenossin im Motel war. Wie hat er das denn geschafft? Marian sah eher aus wie eine Schwedin mit herrlich blondem Haar und einem unheimlich freundlichen Gesicht. Von ihrem holländischen Akzent war ich ohnehin sofort bezaubert.

Wir beschlossen, etwas essen zu gehen - aber nur eine Kleinigkeit, da wir abends in der Jugendherberge essen wollten, die ein günstiges Menü anbot. In der Stadt traf ich dann überraschend den Schweizer Urs wieder, den ich in Hamilton kennen gelernt hat. Die Welt ist in Neuseeland wirklich klein!

Wir gingen jetzt an den wunderschön gelegenen Lake Wakatipu. Herrliche Berge befanden sich in seinem Hintergrund, die zum Teil mit Schnee bedeckt waren. Was für ein herrliches Bild! Langsam wanderten wir am See entlang und erreichten bald darauf die Jugendherberge, wo ich auch Alex wieder sah, der offensichtlich problemlos einen Lift nach Queenstown bekommen hatte. Auch mit Gina gab es hier ein Wiedersehen.

Gegen 17:45 Uhr bekamen wir für nur $NZ 6 ein wunderschönes Essen dargeboten. Ich hatte mir Lasagne bestellt und war von der großen Portion (ich war nämlich mal wieder hungrig!) und dem tollen Geschmack begeistert. Nach dem Essen wollten wir noch einen Spaziergang am See unternehmen. Ein schöner Weg, der zunächst ein Trimm-Dich-Pfad war, führte durch waldiges Gebiet am See.

Aus Spaß bewarfen Alex und ich uns mit Tannenzapfen, die überall herumlagen. Es artete dann wieder etwas aus und Alex zeigte sich etwas angesäuert. Als ich mich um des lieben Friedens wegen und speziell wegen der netten Atmosphäre entschuldigte, wich er meiner Entschuldigung und Handreichung genauso aus, wie seinerzeit Laurent in Otorohanga. Da haben wir also wieder den Salat! Wegen einer Kleinigkeit nun wieder so ein Theater. Gott bewahre, dass es wegen so etwas vielleicht noch zum Bruch kommt!

Harold, Marian, Alex und ich gingen noch in einen Pub und erfrischten uns. Alex blieb unversöhnlich! Später gingen wir noch in einen anderen Pub und trafen dabei erneut alte Bekannte. So auch den Schweizer Andreas! Es war ein langer und recht ereignisreicher Tag, der leider nur von der abendlichen Missstimmung von Alex getrübt war. Das musste absolut nicht sein!

Während Alex in der Jugendherberge übernachtete, gingen Harold, Marian und ich in das Pinewood Motel zurück. Über uns thronte auf einem Berg die Endstation einer Seilbahn . Droben befand sich ein Restaurant und während der Dunkelheit sah die Station wie ein Raumschiff aus.

Ich gesellte mich noch einen Augenblick zu Marian und Harold in deren Zimmer, wo auch der Braunschweiger Gerold übernachtete (allerdings nicht zu verwechseln mit Gerold, den ich in der Jugendherberge Havelock kennen gelernt hatte).

Mein Zimmer teilte ich mit dem Australier Michael, den ich später kennen lernte. Ich musste dringend duschen und tat dieses bei Kerzenschein , da leider der Strom nicht funktionierte. Anschließend schrieb ich noch in mein Reisetagebuch. Erst nach Mitternacht war der heutige Tag zu Ende.

Reportage: Der 'Herr der Ringe' als Reiseziel


39. Reisetag:
Montag, 16. Februar 1987

Ein ähnlich langer und erfreulich ausgefüllter Tag wie gestern, folgte nun auch heute. Zunächst genoß ich einmal die Ruhe im Zimmer des Pinewood-Motel in Queenstown. Hier gab es nicht den Druck, die Zimmer bis um 10:00 Uhr räumen zu müssen.

Ein erster Blick aus dem Fenster verheiß dann allerdings ein nicht ganz so freundliches Wetter wie gestern. Wir hatten uns abgesprochen, heute ein Fahrrad zu mieten, wenn das Wetter entsprechend gut ist. Ich hatte aber meine Zweifel. Natürlich hoffte ich auch, dass sich das Verhältnis zu Alex wieder bessern würde. Nach dem gestrigen Tannenzapfenwerfen hat er ja etwas pikiert reagiert.

Zunächst ging es hinüber in das Zimmer von Harold, Marian und Gerold. Hier dachten wir auch über das Mieten eines Autos nach. Hiervon ließen wir jedoch bald wieder ab, weil es entweder zu teuer erschien, oder aber, wenn es günstig war, erst zum Ende der Woche auf Reservierung erhältlich war. Irgendein Haken ist beim Automieten leider immer dabei.

Erst gegen 11:00 Uhr gingen Harold, Marian und ich in die Innenstadt von Queenstown, um ein Fahrrad zu mieten. Gerold und Alex kamen nicht mit. Für immerhin $NZ 11 bekamen Harold und ich nur ein eher mittelprächtiges Ein-Gang-Fahrrad. Marian bekam für $NZ 15 immerhin ein Fünf-Gang-Fahrrad.

Aus einem Fotogeschäft holte Harold frisch entwickelte Bilder ab. Ein besonders lustiges Bild von Gina und mir in Picton kaufte ich ihm sofort ab. Mit dem Fahrrad wollten wir eigentlich nach Arrowtown fahren und über den Highway zurück kehren. Auf dieser Tour würden wir durch eine prachtvolle Landschaft fahren.

Doch schon nach relativ kurzer Strecke wurde es uns allen zu anstrengend. Es gab zu viele Hügel, die man nur schwer mit einem eingängigen Fahrrad befahren konnte. Wiederholt mussten wir Pausen einlegen. Die Räder waren leider auch viel zu klein; man konnte die Beine nicht durchstrecken.



Mit Mühe und Not erreichten wir den nur 5 km (!) entfernten Arthur´s Point. Hier donnerte ein Fluß durch eine enge Schlucht, einem Canyon. Mit den Bergen im Hintergrund bot sich uns ein imposantes Bild. Hier entschieden wir uns dann auch, nicht nach Arrowtown zu fahren. Das erschien uns zu strapaziös.

Aus einem Pub holten wir uns etwas zu trinken, ehe wir dann recht flott nach Queenstown zurückfuhren. Hier erkundigten wir uns bei Autovermietungen und wechselten Geld in der Bank. Der US-Dollar-Kurs schien im neuen Jahr noch einmal kräftig gesackt zu sein, so dass es eigentlich noch billiger hätte sein können, wenn der Kurs nur annährend so geblieben wäre, wie an dem Tage, wo ich die Traveller Cheques gekauft habe.

Mit den Fahrrädern fuhren wir dann auf den Rasen am See und relaxten etwas. Auch Alex kam vorbei. Albern: Wir wechselten weder Worte noch Blicke!

Wir wollten dann auch heute Abend wieder eine warme Mehlzeit in der Jugendherberge zu uns nehmen. Mit den Fahrrädern fuhren wir hin und mussten noch etwas warten, bis es Essen gab. Ich hatte mir wieder Lasagne bestellt und aß ein warmes Knoblauchbrot dazu. Beides schmeckte absolut lecker!

Nach dem Abendessen brachten Harold, Marian und ich die Fahrräder zurück zum Verleiher. Auch jetzt gab es ein Wiedersehen mit altbekannten Gesichtern.

Nachdem wir uns im Pinewood- Motel umgezogen hatten, gingen Harold, Marian und ich noch los und unternahmen einen abendlichen Spaziergang. Bei jetzt wunderbarem Wetter wollten wir über den Ben-Lomond-Weg zur oberen Seilbahnstation wandern. Unterwegs bot uns noch ein freundlicher Neuseeländer Brombeeren an, die hier reichlich wuchsen.

Der Wanderweg war einfach zu begehen, aber durchaus steil. Eine gute Stunde waren wir unterwegs. Oben bot sich uns ein grandioses Landschaftsbild. Ein spektakulärer Blick auf den See, die umliegenden Berge und natürlich auf Queenstown.

Auch ein Restaurant befand sich hier oberhalb der Seilbahn. Natürlich waren wir durstig vom Wandern und tranken jeder ein Bier. Ins Restaurant kam man nur hinein, wenn man auch ein Dinner einnehmen wollte. Wir hörten aber einem tollen Sänger zu, der im Restaurant live sang. Durch die Türen sahen wir, dass im Restaurant fast nur japanische Gäste anwesend waren. Queenstown war ja überhaupt der Ort, der die meisten Japaner anzog. Die japanischen Touristen bewegen sich ausschließlich unter ihresgleichen, was sicherlich auch an den mangelnden Englischkenntnissen liegt.

Gegen 21:30 Uhr verließen Harold, Marian und ich den schönen Aussichtspunkt und fuhren für $NZ 2 mit der Seilbahn hinunter nach Queenstown. Es war ein buntes Bild, wenn man von hier oben das Lichtermeer dieser Stadt anschaute.

Unten im Tal machten wir noch einen Umweg in einen Pub. Anschließend gingen wir in das Pinewood-Motel zurück. Ich war jetzt in etwas wehmütiger Abschiedsstimmung. Harold und Marian wollten morgen nämlich weiter nach Te Anau, während meine Reise in Richtung Alexandra ging. Mein Hauptgrund, nach Alexandra zu gehen war, dort möglicherweise zu arbeiten, um mir etwas Geld dazu zu verdienen. Es steht zu befürchten, dass wir uns dann nicht mehr wiedersehen würden.

Ein schöner Tag endete mit einer erfrischenden Dusche und einem Resümee im Reisetagebuch. Der Australier Michael teilte auch in dieser Nacht das Zimmer mit mir. Wieder erst nach Mitternacht war ich im Bett. Die Nachtruhe wurde nur durch die anhaltenden Blähungen des Australiers gestört.

Reportage: Sprungbrett für Abenteuertouristen


40. Reisetag:
Dienstag, 17. Februar 1987

Als ich heute morgen im Pinewood-Motel zu Queenstown erwachte, befiel mich ein besonderes Gefühl von Traurigkeit, weil jetzt wieder so etwas wie ein Schnitt folgte. Liebgewonne Freunde werde ich möglicherweise nicht wieder sehen. Damit meine ich den Kanadier Harold und die Holländerin Marian, die heute nach Te Anau wollten, und damit meine ich natürlich auch Alex, der beim albernen Tannenzapfenwerfen aus einer Mücke einen Elefanten machte. Es sieht so aus, als ob Alex mit anderen Schweizern ein Auto mieten wollte. Damit meine ich natürlich auch die Amerikanerin Gina, die heute bis nach Christchurch trampen will.

Mein Weg führte mich heute nach Alexandra. Wenn ich dort einen Job finden sollte, hätten all die anderen einen Vorsprung - man würde sich deshalb nicht wiedersehen. Ehrlich gesagt: Das ist auch der Grund, warum ich für Arbeit im Moment kein Interesse und keine Motivation habe.

Der Warden in der Jugendherberge Queenstown hatte mir einen Zwei-Tage-Job angeboten: pro Tag 1 ˝ Stunden Arbeit gegen freie Übernachtung. Davon hätte ich meine Reisekasse gewiss nicht aufbessern können.

Am heutigen Tag passierte wahrlich nicht viel. Meine etwas sentimentale Stimmung hatte mich voll im Griff.

Im Pinewood-Motel habe ich heute morgen erst mal ausgeschlafen. Die Blähungen meines australischen Zimmergenossen hatten mich schlecht schlafen lassen. Am Morgen packte ich meinen Rucksack zusammen und verließ das Motel bei freundlichem Wetter.

Ich ging zur Busstation, wo ich mir eine Fahrkarte für $NZ 14,50 nach Alexandra kaufte. Abfahrtszeit war erst am Nachmittag um 16:00 Uhr! Mein Gepäck konnte ich bis dahin an der Busstation abstellen. Zunächst ging ich frühstücken. In der kleinen Fußgängerzone von Queenstown ging ich in ein Cafe´ und aß ein getoastetes Sandwich.

Danach setzte ich mich nach draußen und lauschte der Musik eines Straßenmusikanten. Es war der bisher einzige Musikant in Neuseeland, den ich in einer Fußgängerzone habe spielen hören. Die schöne, sentimentale Musik betonte meine Stimmung nachdrücklich.

Am Vormittag hatte ich Alex an einer anderen Stelle der Stadt gesehen. Wir würdigten uns keines Blickes. Mist! Wegen einiger Tannenzapfen! Später sah ich ihn dann nochmals am See. Er war in Begleitung des Schweizer Pärchens. Die drei wollen wohl ein Auto mieten. Plötzlich kam Alex dann doch auf mich zu und fragte kurz nach meinen weiteren Plänen. Ich entgegnete: "Ach, auf einmal redest du wieder mit mir?" Er ging dann wieder zu den beiden anderen zurück.

Mittags traf ich dann noch den Amerikaner Bob, den ich zuvor in Murchison kennen gelernt hatte. In Greymouth hatte ich ihn dann noch einmal wieder getroffen.

In einem Second-Hand-Shop kaufte ich mir dann einen Stoffhasen für $NZ 2, den ich mir beim Trampen zukünftig an meinen Rucksack binden wollte. Es ist wohl so, dass ein Stofftier vertrauenserweckend ist und skeptische Autofahrer eher zum Anhalten bewegt.

Am Nachmittag ging ich dann zurück an den See, wo ich Alex zuletzt gesehen hatte. Ich war Willens, diese dumme Kinderei aus dem Weg zu räumen. Alex saß jetzt auf einer Bank, als ich ihn fragte: "Wollen wir uns wieder vertragen?" Er nickte und ich setzte mich zu ihm. Solche dummen und völlig unnötigen Kindereien zwischen Sturköpfen kann zu dauerhaften und irreparablen Schädigungen führen. Man mag gar nicht darüber nachdenken. So ein Zirkus wegen ein paar geworfener Tannenzapfen!

Er wusste noch nicht genau zu sagen, für wie viele Tage er sich mit dem Schweizer Pärchen ein Auto mieten wolle. Auf alle Fälle will er wohl noch bis Freitag in Queenstown verweilen. Danach will er für vier bis fünf Tage mit den beiden eine Automiettour unternehmen. Das ist auch der Grund, warum er noch bis Freitag in Queenstown bleibt: Erst dann wäre ein Mietwagen erhältlich.

Alex erkundigte sich im Moment sogar nach Jobs, um die Zeit bis Freitag besser zu überbrücken. Ich war jedenfalls erleichtert, dass wir beide wieder zusammen redeten.

Ich schrieb dann noch zwei Postkarten nach Buchholz und setzte mich bald in den Bus, der mich nach Alexandra bringen sollte.

In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter geändert und es regnete kräftig. Sturm und Kälte kamen hinzu. Es war total ungemütlich. Gegen 18:30 Uhr erreichte ich dann mein heutiges Ziel, die Stadt Alexandra. An der Rezeption der Jugendherberge erfuhr ich dann überraschend, dass momentan keine Jobs zu haben seien. Das hatte ich nicht erwartet!

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde drei Leuten ein Drei-Tages-Job angeboten. Ich hielt mich bedeckt. So einen Job wollte ich nicht unbedingt.

An diesem regnerischen Abend unternahm ich nichts mehr. Die Gäste in der Jugendherberge schienen sich untereinander alle zu kennen. Ich sah kein einziges bekanntes Gesicht.

Ich machte mir in der Küche etwas zu essen und danach ging ich unter die Dusche. Ich brachte meinen Stoffhasen am Rucksack an. Wenn es morgen nicht regnete, wollte ich ihn gleich beim Trampen testen.

Nachdem ich mit dem Engländer Colin noch ein paar Worte wechselte, begab ich mich in mein Bett.