Michaels Reisetagebuch: Michael beschreibt seine 100-tägige Reise durch nach Hawaii, Neuseeland (Schwerpunktthema) und Kanada. Die Seiten werden durch ein Reiseforum, einen Grusskartenservice, eine Linkhitliste, einen ChatRoom sowie free SMS & free E-Mail-Konto abgerundet



21. Reisetag:
Donnerstag, 29. Januar 1987

Gestern abend war es dann doch wieder recht spät geworden und so kam ich heute morgen wieder nur schwer aus dem Bett. Draußen war es bewölkt und es nieselte etwas; dabei war es aber recht mild. In der Gemeinschaftsküche der Jugendherberge Wanganui kochte ich mir wieder drei Eier und trank Milch dazu.

Sara, die Engländerin aus Winchester, wollte heute ein Auto mieten. Pam, eine weitere Engländerin aus Bournemouth/Dorset, Heike, eine Deutsche aus Leverkusen, und ich wollten uns an den Benzinkosten beteiligen. Wir planten eine Autotour flußaufwärts auf dem Highway entlang, wo sich einige Sehenswürdigkeiten befanden. Aber es war wohl kein geeignetes Auto ohne Voranmeldung zu bekommen. Damit war das Thema leider ad acta gelegt.

Statt dessen wollten wir nun in das berühmte Maori-Museum gehen. Vorher verlängerte ich beim Warden noch meinen Aufenthalt in der Jugendherberge. Pam, Sara, Heike und ich gingen dann erstmal in das Tourist Office von Wanganui, wo ich mich nach einem möglichen Farmaufenthalt erkundigte und tatsächlich bekam ich zunächst erfreuliche Auskunft. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich wollte nämlich keine Ferien auf dem Bauernhof buchen, sondern gegen Essen und Bett auf einer Farm mit anpacken - ohne selbst etwas zahlen zu müssen natürlich! In diesem Tourist Office schien ich jedenfalls mit meinem Anliegen auf offene Ohren zu stoßen.

Laureen, die mich hier freundlicherweise beriet, hatte eine Adresse von Freunden, die eine Farm in der Nähe von Waverley haben. Möglicherweise ist es machbar, dort für Nahrung und Bett einige Zeit zu bleiben. Leider war der Farmer am Vormittag nicht da und so sollte ich am Nachmittag noch einmal im Tourist Office vorbeischauen.

Bei jetzt regnerischem Wetter ging ich mit Pam noch in die Geschäftsstelle der Automobile Association, wo ich endlich die gewünschten Karten erhielt. Das war möglich, weil Pam Mitglied beim AA war. Ich profitierte also von ihrer Mitgliedschaft. Für nur $NZ 4,40 bekam ich jetzt detaillierte Straßenkarten und Motorcamp-Adressen der Nord- und Südinsel.

Jetzt gingen wir in das Maori-Museum, das ich aber relativ langweilig empfand. Besonders Sara brauchte eine lange Zeit, um sich die Ausstellung anzuschauen. Man sah ein echtes Kriegerboot der Maoris, indem 70 Mann Besatzung Platz fanden. Ferner betrachteten wir historische Waffen und Fallen der Maoris.

Im oberen Stockwerk des Museums waren ausgestopfte Tiere ausgestellt, unter anderem auch eine tote Katipo-Spinne! Die Katipo-Spinne ist das einzig giftige Tier Neuseelands, die aber sehr selten ist. Während es im Nachbarland Australien von gefährlichen und hochgiftigen Tieren nur so wimmelte, blieb Neuseeland davon verschont.

Auch das Schweizer Pärchen, welches ich vor ein paar Tagen in der Jugendherberge Otorohanga kennenlernte, sah ich hier im Museum wieder. Vorzeitig verließ ich das Museum. Immer noch von Muskelkater geplagt -die knochenharte Arbeit auf der Rosenkohlfarm wirkte noch nach!- konnte ich langsam nicht mehr laufen. In einem chinesischen Take Away aß ich zu Mittag. Danach trank ich in einem Cafe´ noch einen Kaffee, wo ich auch Heike traf. Zusammen gingen wir anschließend noch einmal auf den War Memorial Tower.

Das Wetter war inzwischen besser geworden. Die Sonne schien und es wurde durchaus warm. Ich wechselte noch Geld in der Bank ein und kaufte mir zwei Rucksack-Aufnäher.

Gegen 16:00 Uhr suchte ich noch einmal das Tourist Office auf, wo ich dann tatsächlich die erfreuliche Mitteilung erhielt, die Farm in der Nähe von Waverley besuchen zu dürfen. Ich könnte mich dort in etwa drei Wochen melden, dann mit dem Bus nach Waverley fahren, wo ich dann vom Farmer abgeholt werden würde, der mich dann auf die etwas entlegene Farm mitnehmen würde. Im Tourist Office sah ich dann ein Bild von der Farm und war beeindruckt. Die Farm wurde von Kevin und Jenny Murphy geleitet. Immer wieder wurde mir von Laureen bestätigt, was für ein Glück ich doch hätte, dort eine gewisse Zeit verbringen zu dürfen. Na, mal abwarten! Stundenlange Arbeit ohne Abwechslung, wie vor ein paar Tagen auf der Rosenkohlplantage in Ohakune erlebt, würde ich nicht mehr machen wollen. Wie erwartet, würde es auf der Murphy-Farm kein Geld zu verdienen geben; es ist Arbeit für Essen und Bett.

Ich ging zur Jugendherberge zurück, wo ich mich zunächst etwas ausruhte. Wenig später machte ich die Bekanntschaft mit dem Schweden Anders Ljung aus Johanneshov und dem Japaner Teruhisa Aono, der sich aber Terry nannte. Unglaublich: Terry war mit seinem Fahrrad schon seit 1985 unterwegs und sein Trip war beileibe noch nicht zu Ende. Terry war ein witziger Typ, der am Abend im Gemeinschaftsraum ein Repertoire seiner Gitarrenkunst gab. Es war beeindruckend, wie hervorragend er spielte. Kein Wunder: In den Fußgängerzonen mancher Städte verdiente sich Terry ein Zubrot, von dem er seine lange Reise finanzierte.

Ich lernte auch noch die US-Amerkanerin Shauna aus Colorado kennen. Es war wieder ein sehr gemütlicher Abend in der Jugendherberge Wanganui. Ich trank Kaffee, rauchte ein paar Zigaretten und schrieb in mein Reisetagebuch. Wieder erst nach 23:00 Uhr kam ich dazu, ins Bett zu gehen.

22. Reisetag:
Freitag, 30. Januar 1987

Auch heute morgen schien die Sonne und es sah wieder nach einem freundlichen Tag aus. In der Küche der Jugendherberge Wanganui bereitete ich mir auch heute wieder mein Standardgericht zu: Gekochte Eier mit Brot und dazu eine Flasche Milch!

Ich beeilte mich dann etwas, denn wenn ich beim Trampen Glück hatte, wollte ich es möglicherweise bis Wellington schaffen. Von allen Anwesenden nahm ich Abschied und verließ die Jugendherberge Wanganui vorerst. Vielleicht würde ich ja in etwa drei Wochen zurückkehren und hier erneut nächtigen.

Bei Sonnenschein machte ich mich nun auf den Weg zum Highway 3; etwa dreißig Minuten Fußweg von der Jugendherberge entfernt. Ich mußte den Wanganui River überqueren. und hielt mich dann rechts, wo ich den Highway auch schon bald fand. Ich postierte meinen Rucksack mit den Wimpeln in Fahrtrichtung und brauchte auch nicht lange zu warten, ehe ein erneut älterer Mann anhielt und mich bis Turakina mitnahm. Auch hier stand ich nur eine kurze Weile.

Plötzlich sah ich die US-Amerikanerin Shauna in einem Auto sitzen, was dann drehte und mich ebenfalls mitnahm. Shauna hatte eine recht üppige Figur. Sie saß im Wagen nur mit knappem Hemd und Shorts bekleidet. Ich denke, dass man als Frau genau so nicht per Anhalter fahren sollte.

Der Fahrer des Wagens hieß Mark. Er hatte in der neu eröffneten Jugendherberge Wanganui Fotoaufnahmen für eine regionale Zeitung gemacht und hatte so Shauna gleich mitnehmen können. Mark nahm uns bis an die Highway-Gabelung in Sanson mit. Shauna und ich gingen hier einen Kaffee trinken und ein Sandwich essen.

Nun trampte ich mit Shauna auf dem Highway 1 und etwas später nahm uns ein Farmer bis Foxton mit. Hier trennten sich die Wege von Shauna und mir. Die US-Amerikanerin wartete vor mir an der Straße ; ich ging zum Ortsausgang und mußte nun etwas länger warten, ehe mich eine australische Familie in ihrem Campingbus mitnahm.

Wieder nur nach einer recht kurzen Strecke, setzte mich die Familie in Levin ab. Im Bus konnte ich nicht so gut aus dem Fenster schauen und dummerweise ist mit deshalb entgangen, das mich die Familie am Ortseingang von Levin aussteigen ließ. Und da der Ort größer war, als ich vermutete, mußte ich die Stadt erst einmal durchqueren, um mich schließlich am Ortsausgang erneut zu postieren.

Ich aß jetzt erstmal einen ziemlich großen Hamburger und danach sah ich in Richtung Ortsausgang einen Bus stehen, der nach Wellington wollte. Kurz entschlossen stieg ich ein. $NZ 10,50 mußte ich für die Fahrt an Fahrgeld berappen. Etwa neunzig Minuten dauerte die Fahrt nach Wellington; es ging nun auch an der Küste vorbei. Am Bahnhof der Hauptstadt war Endstation und anhand einer Straßenkarte, die ich in Ohakune geschenkt bekommen hatte, fand ich den Weg zur Jugendherberge recht zügig.

Zwischendurch kaufte ich mir in einem Reisebüro noch ein Fährticket für die morgige Fahrt nach Picton auf die Südinsel. In der Jugendherberge konnte ich mich dann sofort anmelden; die Zimmer waren aber erst ab 17:00 Uhr geöffnet. Ich setzte mich derweil zu zwei Deutschen in den Aufenthaltsraum und schrieb meiner Vermieterin in Buchholz eine Glückwunschkarte - sie hatte bald Geburtstag!

Ein Wiedersehen gab es dann mit dem Kanadier Harold J Travis. Ich duschte und ging dann mit Harold in die Stadt. Es war ein angenehmer, milder Abend, aber sehr windig! Nicht umsonst wird Wellington ja auch die "windige Stadt" genannt. Harold und ich passierten das Regierungsgebäude und gingen an der Deutschen Botschaft vorbei.

Die Hauptstraße Wellington hieß Lambdon Quay. Hier herrschte noch reges Treiben, denn die Geschäfte waren länger geöffnet. Harold und ich aßen in einem kleinen, billigen Restaurant zu Abend. Ich verspeiste ein Wiener Schnitzel mit Beilagen - mir war einfach danach! Der einheimischen Kost stand ich skeptisch gegenüber. Das war nicht so mein Fall! Ich ziehe chinesisches und europäisches Essen vor; es ist allerdings oft auch sehr viel preisgünstiger!

Harold und ich wollten uns nach dem Essen noch die berühmte Cable Car anschauen, die die steilen Hügel wie die gleichnamige Bahn in San Francisco/USA empor fährt. Leider war es zu dieser späten Stunde nicht mehr möglich, die Bahn anzuschauen. Statt dessen gingen Harold noch in einen Pub, wo wir ein Bier tranken. Danach spazierten wir zur Jugendherberge zurück.

Ich vesuchte, mein Reisetagebuch auf den aktuellen Stand zu bringen. Aber es kam immer wieder zu sehr netten Gesprächen. Sao quatschte ich noch ausführlich mit Birgit, die mit ihrem Freund in Neuseeland lebt. Auch mit einem anderen Deutschen, der bereits durch Australien reiste, wechselte ich noch das ein oder andere Wort. Es wurde darüber hinaus wieder fast Mitternacht. Ich hatte noch einen Kaffee getrunken und hatte Schwierigkeiten mit dem Einschlafen.

23. Reisetag:
Sonnabend, 31. Januar 1987

Großstadtjugendherbergen waren nie mein Ding und werden es in diesem Leben wohl auch nicht mehr werden. Die Jugendherberge Wellington gefällt mir nicht besonders; man fühlt sich in kleineren Herbergen einfach viel wohler. Die Atmosphäre in großen Herbergen bleibt oft anonym. Wellington ist Sammelpunkt für Reisende, die auf die Südinsel wollen und natürlich auch für die, die von dort kommen.

Ich hatte noch ziemliches Glück mit meinem Zimmer Nr. 3 und den "nur" sechs Betten darin. In ersten Zimmer stand Bett an Bett; dicht an dicht! Die Overflow-Jugendherberge soll total unter aller Sau sein, wie ich wiederholt gehört hatte. Wenn dort jemand im oberen Stockwerk duschte, wurde erzählt, tropfte es unten auf den Frühstückstisch. Dorthin kommen die Reisenden, die im Hauptgebäude keinen Platz mehr bekommen haben.

Mit Harold, dem Kanadier, ging ich um 9:00 Uhr zum Fährterminal, der sich in unmittelbarer Nähe der Jugendherberge befand. Harold mußte noch anstehen, um sich ein Ticket zu kaufen; ich hatte meines ja bereits gestern im Reisebüro besorgt. Wir mußten unser Gepäck aufgeben, was ich nie besonders liebte, da mein Rucksack stets schlecht behandelt wurde: Er wurde geworfen und an ihm wurde brutal gezerrt. Im Laufe der Jahre hat man ein besonderes Gefühl für seinen Rucksack entwickelt, er ist zum treuen Begleiter geworden!

Ich nahm noch einen kleinen Imbiß zu mir, da ich noch nichts gefrühstückt hatte. Etwas wenig Kleingeld hatte ich an diesem Wochenende bei mir. Ich mußte mich wohl etwas einschränken oder erstmals mit meiner Kreditkarte bezahlen.

Wir konnten jetzt an Bord des Fährschiffes gehen. Ich saß zunächst draußen. Um 10:30 Uhr begann die Überfahrt, die über die sogenannte Cook Strait führte. Später wurde es allerdings etwas kühler und wir gingen in das Schiffsinnere, wo wir eine Kleinigkeit zu Mittag aßen. Jetzt lernte ich auch die US-Amerikanerin Gina Kelly aus Maine kennen, die Harold bereits in Wellington kennengelernt hatte. Gina erinnerte mich auf den ersten Blick etwas an meine Bekannte, Kerstin Bleicher. Sie hatte auch so eine etwas alberne Lache und eine gedrungene Figur. Gina sah nicht unbedingt wie eine "typische" Amerikanerin aus, eher wie eine feurige Ungarin.

Schon bald darauf passierten wir das erste Land der Südinsel. Herrliche Fjordlandschaften genossen wir im Queen Charlotte Sound. Gegen 14:00 Uhr legten wir bei herrlich sonnigem Wetter in Picton auf der Südinsel Neuseelands an. Gina, Harold und ich beschlossen kurzfristig, in Picton zu bleiben und nicht noch an einen anderen Ort zu fahren.

Die neu eröffnete Jugendherberge lag wunderschön im Zentrum dieser malerisch schönen Stadt. Alles war von hier aus zu Fuß schnell erreichbar: die Fähre, der Bahnhof, die Bushaltestelle, die wunderbaren Hügel in der Umgebung, der Highway 1, die Geschäfte und das Meer.

Wir stellten unser Gepäck im Aufenthaltstraum der Jugendherberge unter. Die Rezeption würde erst um 17:00 Uhr öffnen. Bei phantastischem Sommerwetter und angenehmer Wärme gingen Gina, Harold und ich an das Wasser. Das Fjordgewässer lag herrlich gelegen; unterhalb der Berge. Viele Segelboote befuhren das Gewässer. Schwimmer konnte ich wegen des sehr kühlen Wassers nicht ausmachen. Trotzdem ging ich hinein und schwamm zu einer ähnlich künstlichen Insel, wie sie es auch schon an der Waikiki Beach gegeben hatte. Nach dem erfrischen Bad trocknete ich mich an der Sonne ab.

Gina hatte dann die gute Idee, dass wir hier in Picton ein Auto mieten könnten; aber nur zum Preis der Benzinkosten. Was Gina meinte, war eine sogenannte "Überführung" nach Christchurch, wo wir aber innerhalb von zwei Tagen hätten sein müssen. Wir informierten uns; erfuhren aber, dass eine solche Aktion doch nicht möglich sei. Es wäre eine ideale Möglichkeit gewesen, günstig und flexibel nach Christchurch zu kommen.

Am Strand von Picton gab es dann noch ein flüchtiges Wiedersehen mit Shauna, der Amerikanerin aus Colorado. Sie arbeitet hier neuerdings auf einem Boot. Wir aßen noch ein Eis und gingen zur Jugendherberge zurück. Jetzt konnten wir uns auch anmelden. Das Haus stellte sich auch von innen als sehr freundliche Übernachtungsmöglichkeit heraus.

Zwei Schweden lagen zunächst noch mit im Sechs-Bett-Zimmer. Ich duschte jetzt und habe etwas Wäsche gewaschen. Harold, Gina und ich unternahmen dann einen schönen Abendspaziergang. Das Wetter war einfach herrlich! Einer der umliegenden Hügel war unser Ziel. Vorher aß ich aber noch einen dieser appetitlich großen Hamburger, die es hier in Neuseeland gab.



Den Weg auf den Berg erfuhren wir erst nach mehreren Rückfragen. Schließlich ging es auf dem Tirohanga - Wanderweg aufwärts; vorbei an aufregender Natur und mit einem unglaublich schönen Blick auf die Fjordlandschaft des Nordzipfels der Südinsel. Manchmal war es wie im Dschungel - so tropisch und exotisch schauten die Pflanzen hier aus.

Immer wieder wurde die Ruhe vom ohrenbetäubenden Zirpen der Zikaden unterbrochen. Wie auf ein geheimes Kommando begann das Gezirpe; wie von Geisterhand hörte es auf! Es war phantastisch. Der Weg war angenehm begehbar. Die untergehende Sonne verlieh der Landschaft eine besonders zauberhafte Atmosphäre. Ich zahl eine Vielzahl von Wespen herumfliegen und in Bäumen und Büschen sitzen. Offensichtlich die Europäische Wespe, die entsprechend ihrem Namen, aus Europa eingeschleppt wurden, was sicher auch erklärt, warum der Desinfektor in den Flugzeugen jetzt in Erscheinung treten muß.

Nach vierzig Minuten erreichten wir den Gipfel, wo wir uns ein wenig ausruhten. Gina und Harold machten reichlich Fotos. In etwa dreißig Minuten gingen wir wieder hinunter ins Tal zur Ausgangsposition hinter dem Krankenhaus.

In der Jugendherberge setzte ich mich dann zum Schreiben in den Gemeinschaftsraum. Von einer netten Kanadierin erfuhr ich dann, dass die Möglichkeit, einen Job in neuseeländischen Jugendherbergen zu finden, durchaus realistisch sei. Sie schlug vor, dass ich mich diesbezüglich mal in der Zentralstelle in Christchurch informieren solle. Ein guter Vorschlag!

Vor der Tür der Jugendherberge Picton sah ich dann erstmals am sternklaren Himmel das berühmte Sternbild des Kreuz des Südens - wie der Name schon andeutet, ist dieses Sternbild nur auf der südlichen Erdhalbkugel zu betrachten. Auf einem Hügel brannte dann doch tatsächlich noch ein Weihnachtsbaum. Es mußte einer sein; die Ähnlichkeit war einfach zu verblüffend.

Nach einem wieder recht langen Tag begab ich mich ins Bett und schlief schon bald den "Schlaf der Gerechten".

Reportage: Lautstarke Insekten - Zikaden


24. Reisetag:
Sonntag, 1. Februar 1987

Mit azurblauem Himmel und nicht einer einzigen Wolke am Himmel begann -vom Wetter her betrachtet- der mit Abstand schönste Tag dieser Reise. Ich schlief wieder recht lange und frühstückte gegenüber im Dairy. Zum Trampen war ich bei diesem wunderbaren Wetter eigentlich gar nicht motiviert.

Ich machte dann kurz darauf einige lustlose Trampversuche am Highway 1, doch schon bald gab ich auf. Ich spielte mit dem Gedanken, einen Bus zu nehmen und dann nicht nach Kaikoura, sondern nach Havelock, westlich von Picton, zu fahren. Doch daraus wurde nichts und das war nicht besonders schlimm.

Ich ging zurück zur Jugendherberge, wo noch fast alle anderen Gäste vor der Tür saßen. Die einen warteten auf die Abfahrt der Fähre in Richtung Wellington und die anderen konnten sich scheinbar nur schwer zum Trampen entschließen.

Als gegen Mittag die Fähre aus Wellington anlegte, probierten Gina und ich noch einmal, per Anhalter davonzukommen. Es waren ja viele Autos auf der Fähre, die zwangsläufig alle an uns vorbeifahren mußten. Doch schon nach zehn Minuten änderten wir wieder unsere Pläne. Wir wollten noch etwas in Picton bleiben! Wir stellten unsere Rucksäcke noch einmal im Aufenthaltsraum ab. Dann nahmen wir einen kleinen Imbiß ein und gingen zum eigentlich nicht vorhandenen Strand am Fjord.

Hier ließen wir uns die nächsten Stunden nieder. Ich ging bald in das kalte Wasser des Fjords. Beim Zurückschwimmen entdeckte ich doch tatsächlich Alex, Laurent und Norbert auf einer Bank sitzen und mich beobachten. Ich verließ das Wasser und begrüßte die drei. Nachdem sie den Tongariro Nationalpark durchwandert und die Jugendherberge Ohakune verlassen haben, hatten sich getrennt, aber in Wellington wieder getroffen. Sie wollten heute eigentlich noch weiter nach Nelson; entweder per Bus oder per Anhalter. Aber auch deren Pläne zerschlugen sich bald.

Ich hatte die Idee, morgen zu Fuß über den Queen Charlotte Drive nach Havelock zu wandern. Das ist eine Distanz von etwa 37 km und sicher ein hartes Stück Arbeit. Aber es soll ein sehr reizvoller Weg sein und wenn das Wetter so mitspielt wie heute, werde ich es wagen und wenn ich es nicht in einem Stück schaffen sollte, übernachte ich womöglich irgendwo auf einer Farm oder zelte auf einem Rastplatz. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, die Wanderung abzubrechen und bis Havelock zu trampen. Alex wird mich nicht begleiten; er will mit Laurent und Norbert nach Nelson.

Die Zeit am Wasser verging recht zügig. Das Wetter war aber auch einmalig schön und an einigen Körperstellen holte ich mir einen Sonnenbrand. Die Sonnenstrahlung in Neuseeland ist ja berühmt-berüchtigt.

Um 16:30 Uhr gingen wir zurück zur Jugendherberge, wo ich meinen Aufenthalt verlängerte. Ich duschte wieder und ging am Abend mit Gina und Harold noch ein wenig spazieren, um die schöne Umgebung zu entdecken. Auf einem Spielplatz unterhielten wir uns glänzend bei einem lustigen Spiel. Jedem wurden einmal die Augen verbunden und er/sie wurde "blind" geführt und das hatte so manche Überraschung zur Folge. Es machte aber auch auf bedrückende Weise deutlich, wie es Blinden ergeht, die sich im wahrsten Sinne des Wortes, blind anderen anvertrauen müssen.

Mit einem letzten Gang zum Imbiß endete der heutige Tag an der frischen Luft. Ich verbrachte den weiteren Abend weitgehend in der Jugendherberge, wo ich genau diese Zeilen in mein Reisetagebuch schrieb. Es ist jetzt 23:30 Uhr und ich denke daran, das Bett aufzusuchen.

Reportage: Die Südinsel Neuseelands


25. Reisetag:
Montag, 2. Februar 1987

Leider entschied sich Alex gegen meinen Vorschlag, mit mir von Picton nach Havelock zu wandern. Er entschied sich, mit dem Franzosen Laurent nach Nelson zu fahren. Entweder wollten beide dorthin trampen oder den Bus nehmen. Soviel ich weiß, ist heute ein regionaler Feiertag im Gebiet Nelson. Trampen dürfte dann also, wie schon an Sonntagen, sehr schwer sein. Aufgrund der wenigen Einwohner, die die größere Südinsel hat, wird das Trampen hier ohnehin nicht empfohlen. Viele haben sich hier schon die Beine in den Bauch gestanden!

Es würde also wieder eine Trennung von Alex bedeuten, was mir diesmal durchaus ungelegen kam, denn Alex hat sich in den letzten Tagen und Wochen mächtig ins Zeug gelegt: Er findet jetzt schnell Kontakt zu anderen und steht auch dem Trampen nicht mehr so skeptisch gegenüber, wie noch am Anfang. Außerdem hat er es fertig gebracht, durch den Tongariro-Nationalpark zu wandern.

Aufgrund des regionalen Feiertags traten bei mir Bargeldprobleme auf. Alex lieh mir freundlicherweise $NZ 55, mit denen ich nun erstmal haushalten konnte. Erstmals wird Alex jetzt vorausreisen. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass er mir Nachrichten am Schwarzen Brett der jeweiligen Jugendherberge hinterlassen wird. Die Schwarzen Bretter sind richtige Nachrichtenbörsen. Hier kann man Mitfahrer suchen, wenn man sich ein Auto zu mieten gedenkt; hier kann man Jobs suchen und finden; hier werden Briefe angepinnt, die man sich auf seiner Reise in eine bestimmte Jugendherberge hat schicken lassen. Und natürlich kann man Weggefährten eine Nachricht hinterlassen, auf welchem Weg man sich inzwischen befindet.

Von der Kanadierin, die hier an der Rezeption der Jugendherberge Picton arbeitet, bekam ich gestern noch einen Wecker, der mich heute früh um kurz nach 7:00 Uhr weckte. Da Banken und Geschäfte geschlossen hatten, konnte ich mich für den frühen Aufbruch entscheiden. Dennoch wurde es 8:00 Uhr, ehe ich mit meinem Rucksack losmarschieren konnte.

Das Wetter war zunächst etwas wolkig; es sah aber nicht nach Regen aus. Es wurde dann langsam immer wärmer und später sorgte die Sonne für brütende Hitze. Ich ging denselben Weg hinter dem Fähren-Terminal hoch zum Queen Charlotte Drive, wie schon gestern abend mit Gina und Harold. Die wunderschöne und sehr wenig befahrene Straße war extrem kurvig und präsentierte immer wieder ein prachtvolles Bild vom Queen Charlotte Sound.

Der Anstieg war recht beschwerlich. Beim Bewegen der Rucksackgurte schmerzte meine Schulter nach dem gestrigen Sonnenbrand. Außer der schönen und friedlichen Landschaft gibt es wenig berichtenswertes über diese Wanderung. Nach etwa zwei Stunden konnte ich endlich eine Pause einlegen.

An der Ngakuta Bay gab es einen kleinen Lebensmittelladen, an dem ich meinen Rucksack absetzen und meinen stechenden Durst löschen konnte. Meine Jacke konnte ich nun auch ausziehen, da ich mehr oder weniger durchgeschwitzt war. Nach der Pause und einem nur noch recht kurzen Marsch in die Momorangi Bay, die ich gegen 11:30 Uhr erreichte, entschied ich mich, das Motorcamp für diese Nacht als Übernachtungsstätte zu wählen. Eine recht riskante Entscheidung, schon zu dieser frühen Stunde mein aktives Wanderprogramm zu beenden. Außer der schönen Bucht mit der umliegenden reizvollen Landschaft und einem Lebensmittelladen, gab es hier nicht viel.

Mit Kontakten zu anderen Reisenden war es dann auch schwierig. Der Neuseeländer Mike aus dem Nachbarzelt half mir zwar beim Aufbau meines Zeltes, bei dem ich mich etwas dumm anstellte, viel mehr passierte aber auch nicht. Das Motorcamp war eher von Familien besucht; Einzelreisende gab es hier nicht.

Ich begab mich dann bald an ein schattiges Plätzchen an der Bucht und verbrachte hier mit Lesen und Trinken den Nachmittag. Ich unterhielt mich mit einer netten Kiwi-Familie. Kiwi ist ja nicht nur der Name für den flugunfähigen Vogel oder für die vitaminreiche Frucht - nein; die Neuseeländer nennen sich durchaus selbst Kiwis.

Erstmals machte ich aber auch Bekanntschaft mit den lästigen Sandfliegen, den Sandflies, die dauernd und spürbar zubissen und Blut saugten.

Abends war es dann bei blauem Himmel recht stürmisch und ich hatte etwas Bedenken, ob mein kleines Zelt dem Wind gewachsen war. Teilweise blähte es sich recht beängstigend auf. Für den Zeltstandplatz brauchte ich nur $NZ 4 zu bezahlen. Morgen möchte ich dann, wenn das Wetter so bleibt, den längeren 2. Teil der Wanderung nach Havelock wagen. Heute bin ich mit Gepäck etwa 15 km gewandert; morgen sollen es etwa 22 km werden.

Obwohl ich schon ziemlich müde war, ging ich noch einmal vom Zelt, das jetzt im Schatten lag, noch einmal zur Bucht und beobachtete die tiefstehende Sonne. Wieder am Zelt, hatte der stürmische Wind genauso schnell aufgehört, wie er begonnen hatte.

Ich las noch in meinem Buch bis ich wegen der einsetzenden Dunkelheit nichts mehr sehen konnte. Mein Schlafsack bot mir bei meiner ersten Zeltübernachtung wohlige Wärme; draußen zirpten noch die Grillen und hin und wieder summte ein Insekt an meinem Zelt vorbei. Auf meiner ISO-Matte war die Nacht aber nur wenig bequem. Immer wieder wachte ich auf und wälzte mich von der einen auf die andere Seite.

26. Reisetag:
Dienstag, 3. Februar 1987

Der heutige Tag begann im selben Zeitryhtmus wie gestern. In meinem kleinen Zelt erwachte ich wieder gegen 7:00 Uhr. Ich stand auf und versuchte den Schlafsack zusammenzurollen. Dann baute ich das Zelt ab. Dabei achtete ich darauf, dass nicht zu viel Getier darin war. Vor dem Waschraum des Motorcamps packte ich meine Sachen in den Rucksack. Trotz des trockenen Wetters war der Zeltboden recht feucht. Theoretisch soll man ja sein Zelt erst komplett trocknen lassen, bevor man es verpackt. Aber in der Praxis hat man dafür nicht die Zeit.

Gegen 8:00 Uhr war ich mit meinen Vorbereitungen fertig. Bei herrlichstem Sommerwetter brach ich zur Etappe meiner Queen Charlotte Drive - Wanderung auf. Ich hatte nichts gefrühstückt; wanderte auf nüchternem Magen los. Bis zur Öffnung des Dairy um 8:30 Uhr wollte ich nicht warten.

Die ersten Kilometer ließ ich mühelos hinter mir. Ich passierte das kleine Dorf The Grove. Danach wurde es recht heiß. Den Queen Charlotte Sound hatte ich längst hinter mir gelassen. Auf recht gerader Strecke ging es durch flache Landschaft an Farmen, Wiesen und Feldern vorbei. Schon zu dieser recht frühen Stunde brannte die Sonne erbarmungslos auf mich herab. Ich erreichte wenig später den einzigen Ort, wo sich ein Lebensmittelgeschäft befand: Linkwater.

Doch das Dorf zog sich ziemlich in die Länge und so waren es noch einige Kilometer, ehe ich meinen Durst löschen konnte und etwas in den Magen bekam. Zuerst ging ich in eine Tankstelle, trank Milch und nahm mir einigen Dosen Cola mit. Wenig später ging ich hinüber in ein kleines Gasthaus, wo mich zwei Männer begrüßten, die mit Sicherheit ein Pärchen waren. Sie bewegten und sprachen schon sehr feministisch, was mich aber nicht störte.

Ich setzte mich in den Garten des Gasthauses und suchte ein schattiges Plätzchen auf. Für nur $NZ 3,75 bekam ich sechs kleine Scheiben Brot, dazu Milch und eine kleine Kanne Kaffee. Im Garten hatte mich längst der freundliche Hund Flensh begrüßt. Wegen seiner ungewöhnlichen Schnauze erinnerte er mich etwas an einen Bluthund.

Gegen 10:15 Uhr, nach der Pause, verließ ich das Gasthaus und setzte meine Wanderung fort. Jetzt begann der Mahau Sound und es ging noch einmal spürbar in die Höhe. Die Straße war heute mehr befahren als gestern. Trotzdem war es ein angenehmes Wandern.

Die Hitze nahm zu und es gab kaum noch ein schattiges Plätzchen. Auf dem Rücken, wo sich mein Rucksack befand, schwitzte ich erbärmlich. Das T-Shirt klebte wie eine zweite Haut an mir. Links von mir ging es in die Höhe; rechts von mir steil abwärts Richtung Fjord. Ich genehmigte mir jetzt eine Dose Cola, doch mein Durst wurde nur kurzzeitig gelöscht. Es ging ein weiteres Mal in die Höhe und von einem Aussichtspunkt erkannte ich in einiger Entfernung die ersten Häuser von Havelock. Hier oben nahm ich die zweite Cola zu mir, die jetzt alles andere als eisgekühlt war.

Jetzt ging es bergab bis in das Dorf hinein. Meine Beine wurden schwerer und schwerer. Nach 13:00 Uhr erreichte ich die Jugendherberge von Havelock, wo ich mich endlich von meinem Rucksack trennen konnte. Schuhe und Socken zog ich aus. Mein T-Shirt war hinten von Rostflecken übersät, die wahrscheinlich vom Gestell des Rucksacks herrühren. Die Flecken bekam ich beim Waschen nicht mehr heraus.

Bis zur Öffnung der Jugendherberge war noch reichlich Zeit. Im Aufenthaltsraum wechselte ich ein paar Worte mit dem Radfahrer Berendt aus Heide/Schleswig-Holstein. Von brennendem Durst geplagt, mußte ich diesen sofort löschen. Zu größeren Aktionen war ich jetzt nicht mehr fähig. So blieb ich bis zur Öffnung der Rezeption im Haus; geschützt von Sonne und Hitze. Ich machte die Bekanntschaft mit der Belgierin Lüt, die noch Freitag in der Jugendherberge Wellington gearbeitet hatte. Sie erzählte, dass sie zweiwöchentlich $NZ 350 erhielt sowie ein Bett gestellt bekam. Über fünf Monate hatte sie in Wellington gearbeitet und sich so die Fortsetzung ihrer Reise gesichert. Auch ich werde mich in Christchurch bei der Zentralstelle des neuseeländischen Jugendherbergswerkes diesbezüglich informieren, ohne mir aber eine große Chance auszurechnen, das ich tatsächlich in einer Jugendherberge arbeiten kann. Aber super wäre es schon.

Später traf noch Gerold aus Bremen ein, der sehr ruhig und sehr sachlich war. Er war per Fahrrad auf der Südinsel unterwegs. Nach der Anmeldung nahm ich die dringend notwendige Dusche vor. Auch einige durchgeschwitzte Klamotten mußte ich waschen. Die Rostflecken aus dem T-Shirt bekam ich nicht heraus. Mein Zelt hing ich draußen auf der Wäscheleine auf. Im Nu war die Wäsche trocken.

Der Radfahrer Berendt aus Heide wollte heute noch in Richtung Nelson weiter radeln. Ich machte noch die Bekanntschaft mit dem Inder Josh, der in England lebt, und dem Holländer Mark aus Leiden. Zusammen gingen wir später alle noch in den nahegelegenen Pub, um ein Bier zu trinken.

Später, als es schon dunkel war, sahen wir eine große Anzahl von Glühwürmchen in den Büschen am Wegesrand hängen. Ein wunderschönes Bild! Es war ein sehr milder Abend; wahrscheinlich der wärmste in Neuseeland bisher, den ich erleben durfte.

Mit dem Radfahrer Gerold aus Bremen saß ich noch draußen vor der Jugendherberge und genoß den herrlichen Abend. Trotz alledem stagniert bei mir im Moment etwas die Unternehmungslust. Immer wieder treffe ich auf nette Reisende, mit denen man sich prompt gut versteht; die aber genau in die andere Richtung weiter reisten; sie sieht man leider nicht wieder.

Es gibt aber auch andere Reisende, mit denen ich mich weniger gut verstehe, die auch sehr vieles besser wissen. Die demonstrieren schon eine gehörige Portion Arroganz. Aber die sieht man immer wieder! Ich zeige mich grundsätzlich sehr interessiert, was andere Reisende zu berichten haben. Daraus kann man nur lernen. Die ersten Informationen über Neuseeland erhielt ich schon 1982; vieles habe ich mir damals aufgeschrieben und vor dieser Reise wieder hervorgeholt und gelesen. Jetzt kann ich diese Erfahrungen an andere weiter geben, die ihren ersten Trip nach Neuseeland noch vor sich haben.

27. Reisetag:
Mittwoch, 4. Februar 1987

Nachts zog überraschend ein Sturm über Havelock hinweg und die Fenster und Türen in der Jugendherberge klapperten des Nachts recht heftig. Auch am Morgen war es windig; dabei aber heiter bis wolkig und durchaus mild. Ich war wieder müde und faul und wieder wurde nichts aus dem frühen Aufstehen.

Schon bald verließ ich die Jugendherberge Havelock. Ich begab mich zum Highway 6 in Richtung Nelson. Etwas frech stellte ich mich vor einen anderen Anhalter. Es fuhren relativ wenig Autos auf dieser Hauptstraße entlang. Ich hatte mir in der Zwischenzeit ein Pappschild angefertigt, auf dem ich immer mein jeweiliges Etappenziel drauf schreibe.

Obwohl wenig Verkehr herrschte, nahm mich schon nach kurzer Zeit Peter mit. Peter war gerade von einer größeren Reise durch die halbe Welt zurückgekehrt und berichtete mir nun von seinen Erlebnissen. Ursprünglich wollte er mich nur bis Rai Valley mitnehmen; nach einem Telefonat fuhr er mich dann aber sogar bis an die Eingangspforte der Jugendherberge Nelson, in der ich heute übernachten wollte.

Ich möchte um 20:00 Uhr die Möglichkeit wahrnehmen, mit dem Bus in das Jugendherbergscamp nach Motueka zu fahren. Die Fahrt dorthin und die Übernachtung wurden für $NZ 10 angeboten. So bin ich morgen früh deutlich näher am Abel Tasman Nationalpark, den ich wahrscheinlich bei gutem Wetter -der Küste entlang- durchwandern möchte.

Ich stellte meinen Rucksack in der Jugendherberge Nelson ab und ging kurz darauf in die Innenstadt, wo ich zunächst einmal frühstückte. Wenig später besorgte ich mir Informationen über den Abel Tasman Nationalpark im Tourist Office. Ich erledigte dann noch Lebensmitteleinkäufe für die morgen geplante Wanderung.

Das Wetter wurde jetzt etwas unbeständiger und immer wieder dachte ich an das Sofa in der Jugendherberge, wo ich mich etwas ausruhen könnte, anstatt mein Geld in der Stadt zu verprassen. Nach einem kleinen Mittagsimbiß tat ich das auch. Ich legte mich auf die Couch und las in meinem Buch. Wenig später schlief ich erschöpft ein und hielt ein Nickerchen. Die letzten Tage und Wochen hatten ziemlich geschlaucht.

Ich wachte auf und sah alte Bekannte wieder. So den Deutschen Volker aus Strenglin in Schleswig-Holstein, mit dem ich am Abend in Wellington noch gesprochen hatte. Ferner sah ich Berendt wieder, den ich gestern in Havelock kennengelernt hatte. Auch Mark und die Belgierin Lüt waren per Anhalter nun hier in Nelson eingetroffen. Später sah ich dann auch noch Norbert wieder, der seine Wanderung durch den Abel Tasman Nationalpark bereits abgeschlossen hatte. Norbert wußte zu berichten, dass der Schweizer Alex wohl soviel Probleme beim Trampen nach Nelson hatte, dass er erst am späten Abend eingetroffen war, in der Jugendherberge keinen Platz mehr bekommen hatte und die erste Nacht deshalb im Park übernachten mußte.

Alex hatte mir an der Pinnwand übrigens eine Nachricht hinterlassen. Offensichtlich hatte er die Jugendherberge nur kurz vor meiner Ankunft verlassen.

Die Jugendherberge Nelson war gar nicht so schlecht, wie ich zunächst befürchtete. Das Haus war am Abend allerdings völlig belegt. Nelson ist der Ausgangspunkt für Wanderungen im Abel Tasman Nationalpark. Später eintreffende Reisende mußten sich ein anderes Obdach suchen.



Ich übernachtete ohnehin nicht hier. Mit dem Charterbus fuhr ich um 20:00 Uhr in den Ort Motueka. Mit im Bus waren noch der Holländer Mark und der Neuseeländer Rob. Etwa eine Stunde später erreichten wir Motueka. Die Jugendherberge befand sich im hinteren Teil eines Motorcamps. Dort gab es nur einige Zelte mit Matratzen, Toiletten und eine relativ schmale Küche. Mark, Rob und ich belegten ein Zelt.

Mit dem Holländer ging ich noch in den nahen Pub, wo wir zwei Bier tranken. Dazu aß ich ein getoastetes Sandwich.

Es hatte am Abend noch etwas geregnet und ich war skeptisch , was die morgige Wanderung durch den Nationalpark betraf. Schon einmal mußte ich ja eine Nationalpark-Wanderung aus Wettergründen absagen. Auch die Wettervorhersage war wenig verheißungsvoll.

Nach dem Besuch im Pub las ich noch mein Buch zu Ende und schlief auf den bequemen Matratzen im Jugendherbergszelt auch bald ein. Es war eine ruhige Nacht und der vorhergesagte Regen blieb aus.

28. Reisetag:
Donnerstag, 5. Februar 1987

Am Morgen schien die Sonne durch das Zelt. Vom in den Nachrichten prognostizierten schlechten Wetters war bisher nichts erkennbar.

Ich befand mich in der Jugendherberge Motueka, die es nur im Sommer gibt; sie befand sich als Zeltkomplex im hinteren Teil eines Motorcamps. Motueka war der Ausgangspunkt für Wanderungen durch den Abel Tasman Nationalpark.

Ich erfrischte mich nach dem Aufstehen etwas und packte meinen Rucksack zusammen. Ich fegte dann noch das Zelt aus und kaufte noch ein paar Kleinigkeiten im nahen Dairy ein. Kleine Lebensmittelgeschäften heißen in Neuseeland Dairy (in Australien heißen sie Deli).

Mark, der Holländer, und ich gingen dann zur Bushaltestelle vor dem Motorcamp, während Rob, der Neuseeländer aus Hamilton, versuchen wollte zum Nationalpark-Eingang zu trampen. Um 9:30 Uhr kam nicht nur ein Bus, sondern gleich zwei! Alle voll besetzt mit Travellern aus den Jugendherbergen, die wahrscheinlich alle den gleichen Weg zu wandern gedenken, wie wir. Das konnte ja heiter werden! Auf der Busfahrt nach Marahau beschlossen Mark und ich, gemeinsam zu wandern. Das erschien auch mir eine gute Idee; zu einer Wanderung auf eigene Faust hatte ich keine besondere Lust. Auch den Schwierigkeitsgrad der Wanderung konnte ich bisher nicht so recht einschätzen. Allgemein wird der Abel Tasman Nationalpark als "einfach" beschrieben.

Das Wetter entwickelte sich dann zu einem unglaublichen Prachttag. Die Sonne schien fast den ganzen Tag; nur manchmal schoben sich ein paar Wölkchen vor sie. Um den vielen anderen Wanderern zu entgehen, ergriffen Mark und ich die Initiative und setzten uns an die Spitze des Trosses. Es war schon eine unglaubliche Menge an Wanderern, die da aus den Bussen "ausgespuckt" wurden. Mark und ich liefen flink los und ließen so die "Verfolger" hinter uns.

Gleich zu Beginn der Wanderung war ich von der Schönheit der Landschaft geblendet. Durch den Sonnenschein wurde alles ins rechte Licht gerückt. Schon nach recht kurzer Zeit sahen wir von den anderen Wanderern nichts mehr; nur hin und wieder kamen uns welche aus der anderen Richtung entgegen.

An absolut weißen Stränden gingen wir vorbei und passierten dabei die kleinen Inseln Fisherman Island und Adele Island. Seit 10:25 Uhr waren wir unterwegs. Mark ging in einem guten Tempo vor mir. Nach einer gewissen Zeit erreichten wir die Abzweigung zur Anchorage Hütte, die wir aber rechts liegen ließen und eine kleine Pause einlegten. Ich war sehr durstig und da flutschte sogar das Wasser die Kehle hinunter. Die Limonaden im Rucksack brauchte ich noch nicht anzubrechen.

Nach dem Mittag erreichten wir den phantastischen Strand nahe der Torrent Bay. Ein weißer Traumstrand mit türkisblauem Wasser! Die Landschaft um uns herum war einfach grandios. Sogleich stürzten wir uns ins Meer und erfrischten uns im kühlen Naß. Was für eine Beach! Mark und ich spielten etwas mit seiner Frisbee-Scheibe.

Kurz darauf tröpfelte es dann etwas vom Himmel, doch es hörte sofort wieder auf und die Sonne schien fortan bis zum Untergang am Abend. Die nebenliegende Torrent Bay war dann nur während der Ebbe zu passieren. Alternativ müßte man einen längeren Umweg gehen. Ebbe hatten wir derzeit nicht; allerdings sah das Wasser nicht besonders tief aus.

Mark und ich entschieden in einem Anfall von Abenteuerlust samt dem Gepäck auf dem Rücken durch das Wasser zu marschieren und so an das andere Ufer zu gelangen. Zunächst ging es auch einfach. Das Buchtwasser war warm und sehr klar. Kleine Fischchen schwammen vor uns umher und am Meeresgrund sah ich auch eine Vielzahl kleiner Krabben. Wenig später wurde es dann schwieriger. Mark ging voraus und plötzlich wurde er immer kleiner - als das Wasser logischerweise immer tiefer wurde! Ich nahm ihm den Rucksack vom Rücken, damit er ihn auf seinem Kopf tragen konnte. So watete er durch das mittlerweile halshohe Wasser. Ich konnte mir ein Grinsen über das komische Bild, das wir abgaben, nicht verkneifen.

Als Mark das andere Ufer erreicht hatte, bat ich ihn, zurückzuschwimmen und mir beim Abnehmen meines Rucksacks zu helfen, was er nach meinem Grinsen nicht mehr tat. Kurzzeitig überlegte ich, ob ich nicht wieder zurückgehen sollte, um den offiziellen Wanderweg zu begehen. Möglicherweise war das Wasser aber dort mittlerweile genauso hoch wie hier. Ich ging weiter und im Nu verschwand der untere Teil meines Rucksacks -dort wo der Schlafsack und die ISO-Matte postiert waren- im Wasser. Gott sei Dank war ich vorher wenigstens so schlau gewesen und hatte den Inhalt meines ledernen Brustbeutels, worin sich Flugticket, Geldscheine, Schecks, Paß usw befanden, in meinen wasserdichten Brustbeutel umgetauscht. Schließlich erreichte auch ich erleichtert das andere Ufer. Die Sandfliegen bissen gnadenlos zu. Mit viel Mühe und dem nassen Rucksack im Kreuz, erklomm ich die Uferböschung, um zum Weg zu gelangen, der mich kurz darauf zur Torrent Bay - Hütte brachte.

Ich kontrollierte mein Gepäck, das überraschend trocken geblieben war. Auf dem Plumpsklo zog ich mir einige trockene Sachen an und wickelte die nassen Klamotten in mein Handtuch ein. Allerhand Wespen flogen um die Hütte herum. Ich habe den Eindruck, das es von Tag zu Tag mehr werden.

Einige nette Leute sah ich an dieser Hütte wieder. Beispielsweise Rob, der ohne Busfahrt nur wenige Minuten später an dieser Hütte eintraf als Mark und ich. Es raschelte im Gebüsch und ein Weka-Huhn kam zum Vorschein. Nie zuvor in meinem Leben habe ich so einen Vogel gesehen. Mit seinem spitzen Schnabel pickte das Huhn im Gras herum.

Kurz vor 16:00 Uhr verließen Mark und ich die Torrent Bay - Hütte. Wir wollten es heute noch bis zur Bark Bay schaffen. Leider mußten wir aus Zeitgründen den Cascade - Wasserfall links liegen lassen, da dieser nur über denselben Hin- und Rückweg erreichbar gewesen wäre. Später hörten wir ihn dann in der Ferne rauschen.

Es war immer noch sehr heiß und man spürte beim Aufstieg jeden Knochen. Wir waren ja nun auch lange unterwegs gewesen. Kurz nach 18:00 Uhr erreichten wir dann die traumhaft schön gelegene Bark Bay - Hütte. Das Haus schien mit den 28 Betten voll belegt zu sein. Aber das war uns egal, denn Mark und ich wollten die Nacht ohnehin unter freiem Himmel verbringen. Ein neues, kleines Abenteuer stand also bevor.

Unmittelbar nachdem ich meinen Rucksack abgestellt hatte, entdeckte ich den Dänen Allan aus Hammel, den ich zuletzt beim Aufbruch zur Tongariro - Wanderung in Ohakune gesehen hatte. Allan erzählte mir sogleich, dass Alex und Laurent auch hier seien. Dabei war auch die hübsche Dänin Hänne, die ich flüchtig bereits in Ohakune kennengelernt hatte.

Trotz meines Hungers ließ ich mir von Allan sofort die Stelle zeigen, wo sich Alex & Co aufhielten. Dazu durchkreuzten wir das Watt der Bark Bay und gelangten an den Strand der Tasmanischen See, wo es nun über einige harte und sehr große Felsbrocken ging. Oftmals mußte ich -wie eine Bergziege- über einen Felsbrocken springen, was barfuß nicht sehr angenehm war. Außerdem schwappte tief unter den Brocken das Wasser der See.

Schließlich erreichten Allan und ich die Stelle, wo Hänne, Alex und Laurent nach Miesmuscheln fischten, die es hier zuhauf gab. Der Franzose tauchte mit Schnorchel und Maske auf dem Grund, um die Muscheln vom Grund zu ernten. In kürzester Zeit hatten sie einen ziemlichen Haufen beisammen.

Laurent konnte es nicht lassen, dumme Kommentare zu machen. In seiner nachtragenden Art erinnerte er mich zum x-ten Mal an das in Otorohanga versprochene Abendessen. Das besserte die Stimmung bei mir bestimmt nicht auf.

Um meinen Hunger in der Bark Bay - Hütte zu stillen, wollte ich nun über den Wasserweg zurück ans Ufer. Ich schnürte mir meinen Umhängebeutel, den ich unwissentlich mitgenommen hatte, eng um den Hals und watete durch das Wasser, das doch relativ hoch war. Ich hatte immerhin das Reisetagebuch und meine Geldbörse dabei! Diese Sachen sollten natürlich nicht naß werden. Zweimal waren meine Wertgegenstände heute von Nässe bedroht!

In der Hütte löschte ich meinen Durst, wie schon den ganzen Tag, mit Wasser. Ich setzte mich an den Tisch und aß erstmal ausgiebig Brot mit Käse. Dazu gab es einen Apfel und eine Karotte. In der Hütte gab es drei Räume: zwei waren mit Betten gefüllt und der andere war eine Kombination aus Küche und Gemeinschaftsraum. Strom und Licht gab es hier genauso wenig wie Leitungswasser, Geschirr, Besteck oder Herd. Man kochte entweder auf dem kleinen Ofen mit Holz und Feuer oder man hatte einen eigenen Camping-Gaskocher dabei. Leitungswasser gab es vor der Tür an zwei Brunnen. Dort konnte man sein mitgebrachtes Geschirr auch abspülen. Abseits der Hütte, in waldiger Umgebung, befand sich das Plumpsklo, das ich aber nicht benutzte.

Den Abend über herrschte in der Hütte eine gemütliche Atmosphäre. Es standen Kerzen herum; vor der Hütte klimperte Laurent auf seiner Gitarre. Dazu zirpten die Zikaden und die Vögel zwitscherten dazu. Bis zu Beginn der Dunkelheit nervten die Wespen. Zwei Weka - Hühner liefen ab und zu vorbei.

Ich unternahm noch den Versuch, in mein Tagebuch zu schreiben, doch schon um kurz nach 22:00 Uhr gingen Mark und ich nach draußen, um uns einen Schlafplatz zu suchen. Rob, der Neuseeländer, kam mit uns. Dazu verließen wir die Bucht, in der jetzt Ebbe herrschte. Wir gingen an den Strand der Tasmanischen See. Hinter uns schien der Halbmond und über uns bot sich ein prächtiges Bild des Sternenhimmels.

Im Gegensatz zu Mark und Rob, legte ich mich auf die Isomatte zum Schlafen. Mit Badehose und langärmligen Hemd bekleidet, rollte ich mich in meinen Schlafsack ein. Phantastisch: Ich lag am 5. Februar an einem paradiesischen Strand und über mir befand sich nur noch das Firmament mit dem atemberaubenden Kreuz des Südens.

Rob zeigte mir am Sternenhimmel auch noch den Warrior, den Krieger mit seinen zwei Armen und weiteren drei Sternen, die seinen Gürtel darstellten. Vor uns hörten wir das Rauschen der Brandung.

Ich fand keinen Schlaf. Es war empfindlich kühl geworden. Ich versuchte, alle Körperteile im Schlafsack zu halten. Die Wespen waren schlafen gegangen; die Moskitos waren erwacht und summten um mich herum. Plötzlich krähte lauthals ein Weka im nahen Busch in die Stille hinein. Spätestens jetzt war es mit meiner Müdigkeit vorbei.

Eigenartig, welche Geräusche das menschliche Ohr hier im nächtlichen Nationalpark wahrnahm. Rob und Mark waren längst eingeschlafen. Über mir schossen ein paar Sternschnuppen über den südlichen Himmel. Ich lag noch lange wach ...

29. Reisetag:
Freitag, 6. Februar 1987

An der Oberfläche wurde mein Schlafsack während der Nacht klatschnaß. Es war extrem kühl in der Nacht. Drinnen im Schlafsack war es nur angenehm, wenn sich auch Kopf und Hände darin befanden.

Gestern bestand mein Rucksack während der Wasserdurchquerung seine Bewährungsprobe; in dieser Nacht nun auch mein Schlafsack. An Schlaf war leider kaum zu denken. Zu viele Dinge lenkten mich ab. Erst am Morgen konnte ich etwas dösen. Rechts von mir lag der Holländer Mark, der leise schnarchte.

Um 6:00 Uhr wachte ich auf, als sich Rob und Mark leise unterhielten. Der Sonnenaufgang erfolgte prachtvoll. Zunächst färbte sich der Himmel wunderbar und einige Zeit später stieg der Sonnenball über die entfernten Berge hinauf. Äußerst eindrucksvoll!

Gegen 7:00 Uhr stand ich auf und begutachtete meinen nassen Schlafsack und die vielen Sandkörner an ihm. Ich ging dann zur Hütte und bereitete meinen Schlafsack zum Trocknen auf der Veranda der Hütte aus. Bereits zu früher Stunde waren auch schon wieder einige Wespen unterwegs; Sandfliegen und Mücken sowieso.

In der Hütte herrschte schon emsiges Treiben. Ich bereitet mir jetzt auch mein Frühstück zu. Ich aß wieder Brot mit Schmelzkäse und hatte dann Glück, dass mir einer der anwesenden Wanderer etwas von seinem heißen Wasser abgab, so dass ich mir sogar einen Kaffe aufbrühen konnte.

Mark und Rob kamen nun auch. Ich entschied mich, heute noch nicht den Durchmarsch nach Totaranui zu machen, sondern das gute Wetter im Nationalpark auszunutzen und so noch in der Hütte an der Awaroa Bay zu übernachten. Ich hatte auch noch einiges an Nahrung dabei, so dass diese zusätzliche Übernachtung kein Problem darstellen dürfte.

Ich verabschiedete mich schon bald von Mark und Rob. Beide wollten noch bei Ebbe die Awaroa Bay passieren und nordwärts weiter wandern. Ich ging nicht mit, weil ich dann schon viel zu früh an der Awaroa Hütte gewesen wäre.

In der Zwischenzeit waren auch Alex & Co aufgestanden. Als ich dann wieder in das übellaunige Gesicht von Laurent sah, entschied ich mich spontan, allein zu wandern. Ich bereute es jetzt doch etwas, nicht mit Rob und Mark gegangen zu sein. Mit denen war das Wandern das pure Vergnügen gewesen.

Kurz nach 10:00 Uhr brach ich dann wieder bei traumhaftem Wetter auf. Die ersten Meter waren recht mühevoll und schon bald passierte ich wieder die schönsten Badestrände, die man sich nur vorstellen konnte: Der Sand war so gleissend hell, dass man die Augen zukneifen mußte.

Später, als ich Tonga Island vor mir sah, nahm ich ein kurzes Bad. Daraufhin setzte ich die Wanderung an einem anderen Sandstrand fort. Der nachfolgende Weg führte nicht an der Küste entlang, sondern ging landeinwärts weiter. Ich passierte eine Farm und durchquerte die Weide einer Schafherde.

Danach erblickte ich schon bald die Awaroa Bay und wenig später erreichte ich die Hütte. Es war Mittagszeit und nur zwei andere Wanderer waren hier. Die Hütte verfügte über 26 Betten, die auf zwei Räume aufgeteilt waren. Fünf Notbetten befanden sich noch im Gemeinschaftsraum. Im Gegensatz zur Hütte an der Bark Bay gab es hier keinen Wasserhahn und so entnahm ich das Wasser einem, neben dem Haus fließenden Süßwasserfluß.

Ich hatte stechenden Durst und sehnte mich nach einer eisgekühlten Cola, die es hier natürlich nirgendwo gab. Ich mußte mit dem Flußwasser Vorlieb nehmen. Meine Klamotten waren total durchgeschwitzt; auch sie spülte ich im Fluß aus. Anschließend hängte ich sie auf einer Leine auf. Danach legte ich mich auf das Bett und ruhte mich ein wenig aus. Viel Schlaf hatte ich in der letzten Nacht ja nicht.

Anschließend waren auch Alex & Co in der Hütte eingetroffen. Allan, der Däne, kochte auf dem Ofen etwas Wasser und bot mir davon etwas an. Ich bereitete mir etwas Kaffee zu und spülte sie anschließend im Fluß aus. Ein abenteuerliches Leben! In solchen Momenten bedauerte ich die Daheimgebliebenen, die jetzt irgendwo gefrustet bei der Arbeit waren und am Abend bei Schneematsch und Dunkelheit die Rückfahrt nach Hause antraten. Und ich war hier in einer urigen Hütten, umgeben von den schönsten Stränden, die man sich nur vorstellen konnte und genoß eine einzigartige Idylle.

Es passierte jetzt nicht mehr viel. Ich schrieb in mein Reisetagebuch, rauchte dabei ein paar Zigaretten und trank ab und zu etwas Wasser aus dem Fluß.

Im Laufe des Nachmittags füllte sich die Hütte mehr und mehr; sie war aber nicht so voll wie die gestrige an der Bark Bay.

Gegen Abend kochte Alex eine leckere Suppe; anschließend wusch er das Geschirr unter der Beobachtung eines lustig dreinschauenden Weka im Fluß ab.

Der Abend war dann recht langweilig. Ich war noch recht unternehmungslustig; die anderen Wanderer schienen aber alle recht k.o. zu sein und pflegten ihre Blessuren. Ich hätte zu einer Nachtwanderung Lust gehabt; war mit diesem Wunsch aber allein. Mit Alex ging ich noch ein paar Schritte.

Am späteren Abend war die Hütte dann doch noch brechend voll, denn bei Ebbe kamen noch einige Wanderer aus Richtung Totaranui. Schon recht früh begab ich mich dann ins Bett. Ich hatte wieder einige Schwierigkeiten beim Einschlafen, denn im Schlafsack war es ziemlich warm. Auch gab es wieder einige blutsaugende Insekten, die mit Vorliebe meine Gesellschaft suchten.

Völlig überraschend regnete es dann bei Nacht etwas. Da kann ich ja froh sein, dass ich nicht wieder am Strand übernachtete. Da hatte ich wohl die richtige Eingebung!

Info: Waitangi Day - Neuseelands Nationalfeiertag


30. Reisetag:
Sonnabend, 7. Februar 1987

Durch die Dunkelheit in der Hütte ließ ich mich dazu hinreissen, zu glauben, dass das Wetter schlecht war. Dem war aber überhaupt nicht so. Trotz des Regens in der vergangenen Nacht herrschte jetzt schon wieder herrlichstes Sommerwetter mit blauem Himmel.

Nach dem Frühstück putzte ich mir im Fluß vor der Hütte die Zähne. Anschließend packte ich meinen Rucksack zusammen. Erneut ohne Alex & Co setzte ich dann meine Wanderung fort. Natürlich war Laurent der Grund dafür, warum ich es vorzog, allein zu wandern.

Zunächst mußte ich die Bucht überqueren. Das war nur bei Ebbe möglich, die aber jetzt herrschte. Trotzdem holte ich mir in den Prielen nasse Füsse. Danach ging es flott weiter. Die letzte Etappe war nur kurz und so legte ich noch eine Pause an einem wunderschönen Strand ein. Ein Bad im Meer scheute ich heute, denn das Wasser erschien mir, als ich es mit den Füßen betrat, besonders kalt. Viele Wespen umkreisten mich. Wenn auf dieser Wanderung etwas unangenehm war, so waren es gewiß die vielen hartnäckigen Wespen.

Aus meiner Flasche trank ich Wasser, um meinen starken Durst wenigstens einigermaßen zu löschen. Ich sehnte mich mittlerweile nach einer kalten Cola oder nach einer herrlichen Milch. In der Zwischenzeit überholten mich Alex & Co.

Nach insgesamt etwa zwei Stunden erreichte ich die Endstation dieser Wanderung: das Motorcamp von Totaranui. Bedauerlicherweise gab es hier auch nichts zu trinken - außer ordinärem Wasser. Nächste Einkaufsstation war der entfernte Ort Takaka.

In Totaranui gab es auch ein kleines Informationsbüro, das allerdings geschlossen hatte. Das Büro besaß aber eine Telefonzelle und eine Toilette. Eigentlich wollte ich um 14:00 Uhr das Schiff zurück nach Kaiteriteri nehmen; ich hätte aber einen Tag verschenkt, weil ich erneut in Motueka hätte nächtigen und dann nach Nelson zurückkehren müssen, um meine aufbewahrten Sachen zurückzubekommen.

So nahm ich zusammen mit Alex, Laurent, Allan und der Dänin Hänne die überraschend gebotene Möglichkeit wahr, um 13:00 Uhr per Minibus direkt nach Nelson zurückzukehren. Die fast dreistündige Fahrt in dem privaten Bus führte uns zunächst nach Takaka, wo der Fahrer hielt und wo ich mich nun endlich an einer eisgekühlten Cola erfrischen konnte. Ich nutzte die lange Fahrt zu einem kleinen Nickerchen.

Auf einem schönen Aussichtspunkt und an einer Obstverkaufsstelle hielt der nette Fahrer erneut. Manchmal fuhr er aber recht waghalsig und mußte dann oft scharf bremsen.

Gegen 16:00 Uhr erreichten wir Nelson. Die Fahrt mit dem Minibus hatte $NZ 25 gekostet. Laurent, Allan und Hänne gingen in die private Herberge Tasman Towers. Ich ging mit Alex in die Jugendherberge. Der Schweizer ging dann aber gleich zum Arzt, weil sich sein Zeh böse entzündet hatte. Ich meldete Alex mit in der Jugendherberge an.

Nach der Dusche stillte ich meinen Heißhunger in einem Imbiß. Hier in Nelson war das Wetter nun nicht mehr so prächtig wie im Abel Tasman Nationalpark. Es war wolkiger und kühler. Alex kam wieder und hatte nun einen kleinen Verband um seinen Zeh. Ich konnte Desinfektionsmittel erkennen. Er durfte nun vorerst keine geschlossenen Schuhe mehr tragen. Auch Wanderungen war jetzt erstmal verboten. Alex mußte für den Arztbesuch und für die verschriebenen Medikamente $NZ 18 bezahlen. Recht günstig!

Wenig später ging Alex in einen Pub, um erneut Laurent, Hänne und Allan zu treffen. Ich lehnte es ab, mitzugehen. Ich hatte absolut keine Lust mehr auf Laurent´s Gesellschaft. Ich bat Alex, Erkundigungen einzuziehen, wohin Laurent als nächstes reisen würde. Es wäre ja nicht auszudenken, wenn er jetzt exakt dieselbe Strecke bereisen würde wie ich.

Viel lieber als der nervige Laurent war mir die US-Amerikanerin Gina, die am Abend plötzlich vor mir stand. Sie weilte immer noch im Tasman Towers. Auch Harold, der Kanadier, war noch hier, wie sie zu berichten wußte. Ich ging mit Gina in den Tasman Towers und weckte Harold, der ein Nickerchen gehalten hatte.

Zusammen gingen wir dann noch in eine noble Kneipe, wo es sogar fetzige Musikeinlagen gab. Ich blieb aber nicht so lange; ich fühlte mich etwas schlapp und abgeschlagen. Bloß nicht krank werden! In der Jugendherberge Nelson legte ich mich -nach einem nicht so berauschenden Tag- bald ins Bett.