Michaels Reisetagebuch: Hawaii-Neuseeland-Kanada - Hello Ontario!

Hello Ontario!

Kanadas Osten ist ein Abenteuerspielplatz mit donnernden Wassern, buntem Winterspaß und einer pulsierenden Weltstadt

Er rümpft die Nase, wenn er auf das Schneeschuhgehen angesprochen wird. Klar, der gebürtige Linzer Kurt Kneidinger -übrigens ein Cousin der Hitparadenstürmerin Christina Stürmer- ist Skilehrer. "Das Schneeschuhgehen ist in diesem Land ein Teil der Geschichte, die Ureinwohner haben sich schon vor Jahrzehnten damit durch den Schnee bewegt, und jetzt wird's halt als Touristen-Attraktion verkauft. Aber ich komme aus den Alpen. Da geht's auf dem Schnee bergab, und zwar möglichst schnell!"


Wir sind in Kanada, genauer gesagt in den Blue Mountains. Einem kleinen, aber feinen Skigebiet, eineinhalb Autostunden nördlich der Weltstadt Toronto. Einige der legendären Crazy Cannucks wie Ken Read oder Steve Podborsky haben hier einst ihre ersten Schwünge in den nordamerikanischen Schnee gezogen. Hoch sind sie nicht, die Mountains, aber ein Skilift reiht sich hier an den anderen. Weiße Bahnen am endlos langen Bergbuckel, wie von einer Riesenhand in das Grau der Wälder gekratzt. Rundum geht es aber bunt zu. Da wird alles, was zahlenden Menschen im Schnee Vergnügen bereitet, angeboten. Wie zum Beispiel das bereits erwähnte Schneeschuhlaufen, das für den 43-jährigen Auswanderer aus Linz ja mehr Qual als Vergnügen ist. "Ich werde zwar immer Österreicher bleiben und Heimweh nach den Alpen, dem Apfelstrudel und der Gemütlichkeit haben, aber Kanada ist trotzdem mein Land. Weil es einem Abenteurer wie mir, alle Chancen zur Entfaltung bietet. Im Winter bin ich Skilehrer, im Sommer verdiene ich ganz gut in meinem angestammten Beruf als Werkzeugmacher, Jobs gibt's zur Genüge, den Rest der Zeit verbringe ich auf meiner kleinen Farm mit meinen Pferden und mache bei Rodeos mit."

Stimmt: Man muss ja nicht unbedingt Schneeschuh laufen. Man kann hier auch eisfischen, langlaufen, Snowboard fahren, reiten, rodeln, sich von Schlittenhunden ziehen lassen, Snowtuben (auf aufgeblasenen Traktorreifen in die Tiefe flitzen) oder seine Nerven im Geländewagen -dem durch Arnold Schwarzenegger berühmt gewordenen Hummer- bei einer atemberaubenden Hochschaubahn-Fahrt durch die umliegenden Wälder ordentlich kitzeln. Wenn man Glück hat, begegnet man dabei (von der sicheren Fahrgast-Kabine aus) vielleicht sogar einem echten Jaguar.

Obwohl die echten Kanadier partout keine Yankees sein wollen - die Vermarktung ihrer Freizeitaktivitäten erinnert frapant an Disneyland.

Toronto hat ein Eigenleben. Nix Yankee, ganz anders. Eine unheimlich pulsierende Stadt, durch Einwanderer aus allen Winkeln der Welt extrem multikulti. Fünf Millionen Menschen gibt es jetzt schon, aber pro Tag ziehen weitere 500 von überall her hierher. Im alten Hafen, dessen ehemalige Lagerhallen zu einem Kulturzentrum geworden sind, beginnt mit der Yong Street die längste Straße der Welt. Sie endet erst nach 1.800 Kilometern im hohen Norden des Landes. Hier gibt es den Sky Dome, in dem sich bei Basketball, Football und Rock-Konzerten 75.000 Zuschauer drängen, und das Eishockey-Stadion der Maple Leaves, das immerhin auch 35.000 Menschen fasst. Sie sind sportverrückt, die Kanadier, vor allem, wenn es um ihr Eishockey geht. Und nach dem Match kann man sich in der Oasis treffen, jener Bar, die vom größten Kufen-Künstler aller Zeiten, Wayne Gretzky, betrieben wird. Das Nachtleben ist hier bunt und ausgelassen und die (kanadischen) Gäste machen es einem leicht, Kontakte zu knüpfen und mehr über ihre Stadt und ihr Land zu erfahren.

Frank Stronach kennt jeder ("er hat unheimlich viel für unsere Wirtschaft getan"), vor allem aber seine Tochter Belinda, die erfolgreich in die Politik übersiedelt ist und von vielen als zukünftigte Premierministerin gehandelt wird. Österreich hat hier einen guten Namen. Nicht nur wegen der Stronachs, sondern auch wegen der vielen anderen tüchtigen Auswanderer, die auf ihre Art zum Wirtschaftswachstum des Landes beitragen.

Ontario, mit 1,1 Millionen Quadratkilometern die zweitgrößte kanadische Provinz (so groß wie Frankreich, Deutschland und Italien zusammen), ist auf jeden Fall eine Entdeckungsreise wert. Zusätzlich zu den gewaltigen Seen (Erie, Ontario, Huron) gibt es 250.000 andere Gewässer, die -eingebettet in gewaltige Wälder- dazu einladen, per Wohnmobil oder Mietwagen erlebt zu werden. First Nation nennt man hier respektvoll die Ureinwohner, die dem Fremdling an vielen Orten gastfreundlichen Einblick in ihre Kultur gewähren.

Und dann hat Ontario natürlich auch die Niagara-Fälle. Muss man gesehen haben, wenn man schon in der Gegend ist. Eine Autostunde von Toronto entfernt und rundherum Touristenfallen aller Art. Hotelkomplexe, Restaurants, Casinos und Vergnügungsparks. Das donnernde Wasser zieht jährlich allein auf der kanadischen Seite (das restliche Drittel liegt auf US-Territorium) gewaltige 16 Millionen Touristen an. Da lässt man halt die Kameras klicken und verewigt sich vor der ewigen Sturzflut.

Zur Entspannung kann man auf dem Rückweg von Niagara nach Toronto etwas besuchen, das ebenso klein, aber fein ist wie das Skivergnügen in den Blue Mountains - die kanadische Weingegend. Man wird natürlich versuchen, Karl Kaiser -auch Weinkaiser Karl genannt- in dessen Weingut zu einer Verkostung zu treffen. Jenen Niederösterreicher aus St. Veit an der Golsen, der 1974 mit seiner Zistersdorfer Gattin ausgewandert war und zu einem der Weinbau-Pioniere in dieser Gegend wurde. "Damals" sagt er, "war mit den kanadischen Tropfen nicht viel Staat zu machen, aber jetzt sind wir international anerkannt und haben viele Preise errungen!". Vor allem für den Eiswein. "Da machen wir den besten der Welt!" Klar, Kanada ist ja doch eher für seinen Frost als für seine Sonnenstunden bekannt.