Ein Jahr im Land der 'Kiwis' lernen
Ein Erfahrungen einer österreichischen AHS-Schülerin auf der anderen Seite der Welt - in Neuseeland
Diana (16) berichtet:
Neuseeland, ein Land, von dem ich schon so lange geträumt habe, dass ich gar nicht mehr weiß, wie alles angefangen hat. Ich habe mich entschlossen, ein Jahr auf Austausch mit AFS (Austauschprogramm für interkulturelles Lernen) nach Neuseeland zu gehen.
Nach mehr als einem Jahr Vorbereitung komme ich nach drei anstrengenden Reisetagen in Dunedin, meiner Heimatstadt für die nächsten zwölf Monate, völlig erschöpft, aber glücklich am Flughafen an, wo ich sogleich von meiner Gastfamilie empfangen wurde.
Dunedin ist eine 120.000-Einwohner-Stadt, geschätzte 18.000 studieren an der Universität von Otago (das 'Bundesland', in welchem Dunedin liegt). Diese University ist eine der größten des Landes und auch international angesehen. Vor meiner Abreise von Wien-Schwechat kannte ich genau drei Personen von den 120.000: meine Gasteltern und meinen Support Coordinator, mit denen ich E-Mail-Kontakt hatte.
Nur einen Tag nach meiner Ankunft und nach ein paar Stunden Schlaf mache ich mich um 8:45 Uhr mit meiner Gastmutter zu meiner Schule auf, die ungefähr fünf Minuten von meinem neuen Zuhause entfernt liegt. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich von meiner Schule nichts, außer das es eine reine Mädchenschule ist, was mich, um ehrlich zu sein, ein bißchen beunruhigt hat.
Ich komme an und gehe zuallererst zu dem dortigen Deputy Principal (so etwas wie eine Administratorin), die einer anderen Austauschschülerin aus Deutschland und mir dabei geholfen hat, unsere Fächer auszuwählen. Da traf mich dann im ersten Moment der Schlag: Wir mußten uns nur sechs Fächer auswählen! Ich wußte zwar, dass das neuseeländische Schulsystem etwas toleranter in Bezug auf akademische Dinge oder einfach die Bandbreite der Ausbildung sein würde, aber dies war dann doch absolut unerwartet.
Außerdem wurde uns sofort ein Plan der Schule in die Hand gedrückt, mit dem ich im ersten Moment nichts anzufangen wußte. Als ich nach der ersten Stunde eigenständig zur zweiten finden mußte, wurde mir dann klar, wie notwendig ein solcher Plan ist.
Das neuseeländische Schulsystem ist ähnlich dem US-amerikanischen beziehungsweise dem britischen. Letzteres nicht nur, weil in Neuseeland fast alle Schülerinnen und Schüler bis zum Anfang der letzten Klasse Schuluniform tragen müssen, sondern auch weil nach jeder Stunde der Klassenraum gewechselt wird. Es gibt zum Beispiel kaum Pflichtgegenstände auf der High School, außer das man bis zum zwölften und vorletzten Jahr Englisch wählen muss. Wenn man zur Universität gehen möchte, muss man Mathematik vorweisen. Ansonsten gibt es bestimmte Fächer, die für bestimmte Berufsgruppen verlangt werden, wie zum Beispiel Biologie, wenn man Medizin studieren möchte.
Man ist jeden Tag von 8:45 Uhr bis 15:00 Uhr in der Schule, und das, obwohl man nur fünf Stunden pro Tag hat. Der Rest der Zeit wird für Form Class, Intervall und Lunch verwendet. Ein Form-Teacher ist so etwas ähnliches wie ein Klassenvorstand und in der Zeit von 8:45 Uhr bis 9:00 Uhr werden all die Dinge besprochen, die ein Klassenvorstand ansonsten in der Stunde machen müßte.
Da aber natürlich nicht jeden Tag so etwas anfällt, wird gelesen oder gequatscht. An meiner Schule gibt es jeden zweiten Mittwoch und jeden Freitag ein Assembly, was so viel ist wie eine Versammlung, wo unser Principal (Direktorin) über etwas wichtiges spricht - wie zum Beispiel die "Weiße-Schuh-Epidemie". Was damit gemeint ist: Viele Schülerinnen haben angefangen, weiße Schuhe anstelle der häßlichen, von der Schule vorgeschriebenen schwarzen zu tragen.
Intervall ist immer nach der ersten Stunde und dauert zwanzig Minuten, in denen man Frühstück essen kann oder noch schnell die spärlichen Hausaufgaben fertig machen zu könnte.
Lunch ist die von 12:20 Uhr bis 12:55 Uhr dauernde Mittagspause, in der man von Zuhause mitgebrachtes oder in der Cafeteria gekauftes Essen isst und sich sozialen Dingen widmet, also wie zum Beispiel dem Diskutieren der Wochenend-Aktivitäten.
Das war nur eine kleine Einführung in den neuseeländischen Schulalltag.
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