I. »Hängende Körbe« als üppiger Blickfang in Pubs
Ein Blickfang auf Balkon und Terrasse sind die klassischen »Hanging Baskets« englischen Ursprungs. Dort zieren sie besonders die traditionellen Pubs. Die grobmaschigen Metallkörbe lassen sich leicht selbst gestalten, so der Zentralverband Gartenbau Bonn. Dazu werden sie dicht mit Moos ausgelegt, mit Erde gefüllt und rundum bepflanzt. Am besten eignen sich dafür junge Pflanzen mit kleinen Ballen, die durch die Maschen des Korbes passen. Sie werden in das etwas zur Seite geschobene Moos gebettet. Alle Sommerschönen vom Fleißigen Lieschen über Geranie und Petunie bis zu Bidens oder Diascia eignen sich dafür. Pfennigkraut, Silberblatt, Silbertaubnessel und Buntnessel lassen sich dazwischen betten.
So entstehen blühende Kugeln oder Blütenpolster, die an kräftigen Ketten aufgehängt werden. An Stelle des Mooses lassen sich auch dünne Matten aus Kokos oder Recyclingmaterial verwenden, die auf die Form des Korbes zurechtgeschnitten werden. Wo herabtropfendes Wasser Schaden anrichten könnte, sollten die Körbe rundum mit kräftiger Kunststofffolie ausgelegt werden. Eine Lage aus grobem Kies am Grunde des Gefäßes sorgt dafür, dass die Wurzeln nicht im Wasser stehen. Vorsichtig gegossen werden muss dennoch, denn das Kies-Reservoir ist rasch gefüllt. Die Idee bes bepflanzten Korbes lässt sich mühelos auch auf andere Gefäße wie Weidenkörbe, Terrakottagefäße und kleine Metalleimer übertragen.
II. Wenn ein Volk wie besessen zur Harke greift
Die Engländer, wusste bereits Schriftsteller Orwell, sind vor allem eine Gärtner-Nation. Der Thronfolger Charles gibt den Top-Designer, und immer im Mai wird der Londoner Stadtteil Chelsea zum Mekka der Blumenfreunde.
Der zauberhafte Garten meiner lieben Freunde Maria und Keith Finch in Folkestone: |

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»My Home is My Castle« - der Spruch ist ein Leitfaden im Leben der Briten. Man will sich frei fühlen, nicht unbedingt abgeschottet gegen die Außenwelt, wohl aber unbehelligt in der Privatsphäre. Nur ist es meist nicht das Heim, das den Leuten am Herzen liegt. Viel höher im Kurs steht der Garten.
Wie das Haus selbst aussieht, ist eher zweitrangig. Kein Mensch stört sich daran, dass Wasserrohre oft kreuz und quer an der Fassade verlaufen, dass es durch einfach verglaste Fenster zieht - ein bisschen Frischluft zur Abhärtung kann ja nicht schaden. Der Garten aber, der ist die Visitenkarte. Die Liebe zu Blumen sei typisch für die Engländer, schrieb schon der 1950 gestorbene Schriftsteller George Orwell, ein nationales Charakteristikum, das sie als Volk definiere.
Der Alltag gibt Orwell eindrucksvoll Recht. Mag die Medienbranche noch so sehr über die Krise jammern, die Garten-Magazine feiern stille Triumphe. 1,3 Millionen Exemplare werden Monat für Monat verkauft, mit steigender Tendenz. Auch ganz normale Tageszeitungen geben am Wochenende seitenlang nützliche Tipps, mit Überschriften wie »Kauf einer Schubkarre - kniffliger als man vielleicht denkt«.
Summa summarum wird die Gilde der Freizeitgärtner auf 15 Millionen geschätzt. Das heißt, jeder vierte Inselbewohner macht den Buckel überm Rosenbeet krumm. Es gibt nicht nur die Royal Horticultural Society, die Königliche Gesellschaft für Gartenkultur, mit 300.000 Mitgliedern eine Macht, sondern auch etliche Ableger - die Britische Klematis-Gesellschaft etwa, den Königlich-Nationalen Rosenverein oder die Osterglocken-Gesellschaft. Ein Thronfolger, der zu den Pflanzen spricht, gilt da keineswegs als meschugge.
Wen wundert's da noch, wenn alljährlich Ende Mai ein Heer von Pflanzenfans den vornehmen Londoner Stadtteil Chelsea in Beschlag nimmt. Eine vielfach gewundene Warteschlange vor den Villen der Royal Hospital Road, und man weiß, es ist wieder Chelsea Flower Show. Dort, an der Themse, schlägt der Puls der Gärtner-Nation. Eine Goldmedaille in Chlesea, das ist mindestens so viel wert wie ein Ritterschlag.
Wer den Sprung nach Chelsea schafft, der nimmt jeden Aufwand in Kauf. Als Kronprinz Charles im Vorjahr mit seinem »Heilenden Garten« ins Rennen ging, einem Idyll voller Heilkräuter, ließ er neun Tonnen Keramikfliesen herankarren - nicht etwa vom nächsten Baumarkt, sondern aus dem spanischen Granada. Scheich Zayed bin Sultan al-Nahayan, der Herrscher des Golfemirats Abu Dhabi, flog in zwei Privatjets 14 Dattelpalmen aus Mittelost ein. Diesmal grübelte der Erfinder James Dyson, der geistige Vater des beutellosen Staubsaugers, solange über seinem Design »Falscher Garten«, bis das Wasser in seinen Kaskaden tatsächlich bergan floss.
Und Alan Titchmarsh schlägt wie immer alle Quotenrekorde. Wenn Titchmarsh abends um acht über die Blumenschau redet, sitzt halb England im Bann der Mattscheibe. Der Chefgärtner der BBC, ein zupackender Typ mit heiserer Stimme und schwieligen Händen, nimmt es in der Beliebtheitsskala locker mit Kickerstar David Beckham auf.
Normalerweise moderiert Titchmarsh eine TV-Serie mit schlichtem Titel (»Wie man ein Gärtner ist«), und auch das ist ein britisches Phänomen. Nirgendwo sonst zeigt das Fernsehen so viele Gartenprogramme, und zwar nicht irgendwo versteckt, sondern zur besten Sendezeit. Bei »Ground Force« etwa rückt frühmorgens ein Trupp pflanzkundiger Heinzelmännchen an, und wenn Familie Ahnungslos abends nach Hause kommt, schwimmen schon die Goldfische im nagelneuen Hausteich.
Einer der Chelsea-Aussteller hat den oben zitierten Home-und-Castle-Spruch denn auch konsequent auf das Wesentliche reduziert. Sein Exponat heißt ebenso simpel und treffend »An Englishman's Home is His Garden«.
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