Michaels Reisetagebuch: Meine fünf Jahre in England - Das Vereinigte Königreich

Info: Das Vereinigte Königreich

Was versteht man unter dem "Vereinigten Königreich", was unter "Großbritannien"?
Wie groß ist die Einwohnerzahl Großbritanniens und seiner größten Städte?
Welche ethnischen Minderheiten sind am stärksten vertreten?
Welche Religionsgemeinschaften gibt es in Großbritannien?
Welches sind die wichtigsten Importe und Exporte Großbritanniens?
Was bedeuten 'Greenwich Mean Time' und 'British Summertime'?
Ab welchem Alter gehen Kinder in Großbritannien zur Schule?
Welche verschiedenen Schultypen gibt es?
Warum heißen private Schulen in Großbritannien eigentlich "öffentliche" Schulen?
Welche ist die älteste Universität in Großbritannien?


Was versteht man unter dem "Vereinigten Königreich", was unter "Großbritannien"?

Das Vereinigte Königreich besteht aus den Landesteilen England, Schottland, Wales und Nordirland. Sein voller offizieller Name lautet Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland.

Großbritannien im engeren Sinne umfasst nur England, Schottland und Wales und ist der Name der größten der Britischen Inseln. Nordirland und die Irische Republik bilden die zweitgrößte.

Die Insel Man und die Kanalinseln gehören nicht zum Vereinigten Königreich. Sie haben ihre eigenen Legislativen und Rechtssysteme. Die britische Regierung ist jedoch für ihre Verteidigung und internationalen Beziehungen zuständig.

Im inoffiziellen englischen Sprachgebrauch wird "Britain" als Synonym für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland benutzt. Im Deutschen verwendet man "Großbritannien" meist zur Bezeichnung des gesamten Staates.


Wie groß ist die Einwohnerzahl Großbritanniens und seiner größten Städte?

Gemessen an der Bevölkerungszahl steht Großbritannien international an achtzehnter Stelle. 1998 betrug die Einwohnerzahl Großbritanniens 59,2 Millionen; seit Beginn des Jahrhunderts ist sie um gut die Hälfte gewachsen.

England hat schätzungsweise 49,5 Millionen Einwohner, Wales 2,9 Millionen, Schottland 5,1 Millionen und Nordirland 1,7 Millionen. England weist die größte Bevölkerungsdichte auf, Schottland die niedrigste. Die Einwohnerzahl der größten Städte war Mitte 1996 wie folgt: London 7 740 300, Birmingham 1 020 600, Glasgow 616 430, Edinburgh 448 850, Manchester 430 800, Cardiff 315 000 und Belfast 297 300.


Welche ethnischen Minderheiten sind am stärksten vertreten?

Die am stärksten vertretenen ethnischen Minderheiten in Großbritannien sind die karibischer oder afrikanischer Abstammung (875 000). Die nächstgrößten ethnischen Gruppen sind die Inder (840 255) und die Pakistaner und Bangladescher (639 390). Insgesamt machen ethnische Minderheiten knapp sechs Prozent der Bevölkerung Großbritanniens aus. Dies ist auf die Einwanderung einer großen Zahl von Bewohnern der ehemaligen britischen Kolonien in der Karibik und auf dem indischen Subkontinent in den 50er und 60er Jahren zurückzuführen. Außerdem nahm Großbritannien in den 70er Jahren rund 28 000 aus Uganda vertriebene Asiaten und rund 22 000 Flüchtlinge aus Südostasien auf. Ferner leben in Großbritannien viele Chinesen, Italiener, griechische und türkische Zyprioten, Polen, Australier, Neuseeländer, Amerikaner und Kanadier.


Welche Religionsgemeinschaften gibt es in Großbritannien?

Jeder hat in Großbritannien das Recht auf freie Religionsausübung.

Großbritannien ist überwiegend christlich. Die Church of England, die "etablierte Kirche", ist seit der Reformation im 16. Jahrhundert offizielle Staatskirche. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Römisch-Katholische Kirche, die nach der Reformation in Großbritannien unterdrückt worden war, wieder in ihre Rechte eingesetzt.

In Schottland zählt die presbyterianische Kirche 1,1 Millionen Mitglieder - sie ist die Staatskirche Schottlands. In Nordirland betrachten sich rund die Hälfte der Einwohner als protestantisch, fast 40 Prozent als römisch-katholisch. In Wales wurde die anglikanische Kirche 1920 "entstaatlicht". Dort gibt es keine Staatskirche mehr, Methodisten und Baptisten bilden die beiden größten Religionsgemeinschaften.

Großbritannien hat eine der größten muslimischen Gemeinden in Westeuropa - die Zahl der Muslime wird auf 1 bis 1,5 Millionen geschätzt, und es gibt mehr als 600 Moscheen und Gebetshäuser. Eine der wichtigsten muslimischen Institutionen in der westlichen Welt ist die zentrale Moschee in London mit dem dazugehörigen Islamischen Kulturzentrum.

Die Gemeinschaft der Sikhs in Großbritannien zählt 400.000 bis 500.000 Mitglieder, die größten Gemeinden konzentrieren sich auf Groß-London, Manchester und Birmingham. Der älteste Sikh-Tempel wurde 1908 in London gegründet.

Der Gemeinschaft der Hindus in Großbritannien gehören weitere 320.000 Menschen an. Der erste Hindu-Tempel wurde 1962 in London eröffnet, und inzwischen gibt es über 150 Hindu-Tempel in ganz Großbritannien.

Zu den sonstigen Religionsgemeinschaften zählen die rund 285.000 Angehörigen jüdischen Glaubens.


Welches sind die wichtigsten Importe und Exporte Großbritanniens?

Großbritannien ist die fünftgrößte Handelsnation der Welt. Die größten Exportgewinne werden von der chemischen Industrie erzielt. Seit den 70er Jahren spielt Erdöl eine wichtige Rolle im Außenhandel, was sich sowohl im gestiegenen Export wie auch im gesunkenen Importbedarf zeigt. British Petroleum (BP) ist Großbritanniens größtes und Europas zweitgrößtes Industrieunternehmen.

Britische Pharmaunternehmen stellen drei der meistverkauften Arzneimittel der Welt her: 'Zantac' (von Glaxo Wellcome) zur Behandlung von Krebs, 'Tenormin' (ICI), ein Betablocker gegen Bluthochdruck, und 'AZT' (Glaxo Wellcome), ein Medikament zur Behandlung von AIDS.

Großbritannien ist auch ein wichtiger Hersteller von Maschinen, Fahrzeugen, Produkten der Luft- und Raumfahrt und elektrischen und elektronischen Geräten. Auf Großbritannien entfallen 10 Prozent des Dienstleistungsexports der Welt - wichtige Bereiche sind hier Bankdienstleistungen, Versicherungswesen, Börse, Consulting und Computerprogramme.

Großbritannien importiert sechsmal so viele Fertigprodukte wie Roherzeugnisse. Sieben der zehn wichtigsten Importländer Großbritanniens gehören der EU an, wobei Deutschland das wichtigste ist. Nahrungsmittel, Getränke und Tabak machen die Hälfte der Roherzeugnisse aus, während Maschinen und Straßenfahrzeuge zwei Drittel der importierten Fertigprodukte ausmachen. Andere wichtige Importe sind Chemikalien, Brennstoffe, Bekleidung und Schuhe.


Was bedeuten 'Greenwich Mean Time' und 'British Summertime'?

Die (mittlere) Greenwich-Zeit (GMT) ist die Ortszeit des Nullmeridians, der durch Greenwich bei London verläuft. Die Greenwich-Zeit ist die Standardzeit für Großbritannien und die Grundlage für die anderen Zeitzonen der Welt.

Die Britische Sommerzeit (BST) dauert von Ende März bis Ende Oktober (jeweils dem letzten Sonntag des Monats). Die Uhren werden dann im Frühjahr um eine Stunde gegenüber der Greenwich-Zeit vorgestellt, um das Tageslicht möglichst gut zu nutzen, und im Herbst wieder zurückgestellt.


Ab welchem Alter gehen Kinder in Großbritannien zur Schule?

Schulpflicht besteht in Großbritannien vom fünften (vierten in Nordirland) bis zum sechzehnten Lebensjahr. Vor dem Beginn der eigentlichen Schulausbildung besuchen viele Kinder Vorschulen, die den Grundschulen angegliedert sind. Einige Eltern schicken ihre Kinder auch in private (schulgeldpflichtige) Vorschulen oder Kindergärten. Viele Grundschulen in England und Wales praktizieren eine Politik der frühen Zulassung zur Schule, d.h. Kinder unter fünf Jahre werden zu sogenannten Aufnahmeklassen (reception classes) zugelassen. Die Kinder besuchen zunächst die erste Stufe (Infants' School oder Infants' Department). Ab dem 7. Lebensjahr wechseln sie in die nächste Stufe, die Junior School. Das übliche Alter für den Wechsel von der Junior School zu einer Schule, die der Sekundarstufe in Deutschland entspricht, ist 11 Jahre, in Schottland 12 Jahre.


Welche verschiedenen Schultypen gibt es?

Mehr als 85% aller Schüler der Sekundarstufe besuchen eine Comprehensive School (Gesamtschule). Diese nehmen Schüler mit den unterschiedlichsten Anlagen gleichermaßen auf und bieten allen Kindern eines Bezirkes im Alter von 11 bis 16 oder 18 Jahren eine breit gefächerte Ausbildung in der Sekundarstufe.

Grammar Schools bieten Kinder der Altersgruppe von 11 bis 18 eine hauptsächlich akademisch ausgerichtete Bildung. Zugang zu einer Grammar School erhalten die Kinder auf Grund ihrer Fähigkeiten, sie müssen zunächst die Aufnahmeprüfung, "11-plus" genannt, bestehen.

Eine kleine Minderheit von Kindern (etwa vier Prozent) besucht eine Secondary Modern School, die der Altersgruppe der 11- bis 16jährigen eine allgemeinere und etwas technisch ausgerichtete Bildung vermittelt.

City Technology Colleges (CTCs) wollen Jungen und Mädchen der Sekundarstufe eine breite Ausbildung mit einer starken Orientierung auf Technik und Wirtschaft vermitteln. Sie sind unabhängige Schulen, die kein Schulgeld erheben, sondern von der Regierung mit Unterstützung von Sponsoren aus der Wirtschaft gebildet wurden. Die Sponsoren finanzieren einen großen Teil des Anfangskapitals und entwickeln Beziehungen zu der Schule, die sie unterstützen. Zur Zeit gibt es etwa 15 solche Schulen in England und Wales.

Specialist Schools - spezialisierte Schulen -, die es nur in England gibt, geben den Schülern der Sekundarstufe eine breite Ausbildung, bei der der Schwerpunkt auf Technik, Sprachen, Kunst oder Sport liegt. Es gibt über 250 solcher Spezialschulen. Sie erheben kein Schulgeld, jede andere Schule der Sekundarstufe kann sich um den Status einer Specialist School bewerben.


Warum heißen private Schulen in Großbritannien eigentlich "öffentliche" Schulen?

Der selbständige Schulsektor ist vom staatlichen Bildungssystem getrennt und erfasst in England etwa sieben Prozent aller Schulkinder, in Schottland etwa vier Prozent. Die Eltern müssen für die Ausbildung ihrer Kinder Schulgeld zahlen, das mehrere Tausend Pfund pro Jahr betragen kann. Wenn ein Schüler auf Grund seiner Leistungen ein Stipendium gewinnt, werden seine Kosten von der Schule getragen.

Etwa 250 der größeren selbständigen Schulen sind aus historischen Gründen als public schools - öffentliche Schulen - bekannt. Die 1440 gegründete Public School von Eton war angeblich die erste Grammar School, die als "öffentliche" Schule bezeichnet wurde, weil sie von Schülern aus allen Teilen Englands, und nicht, wie allgemein der Fall, nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft, besucht werden konnte. Ursprünglich legten viele Public Schools Wert auf klassische Bildung, auf die Formung des Charakters und auf Sport, doch jetzt lehnt sich ihr Stundenplan eng an den staatlicher Bildungseinrichtungen an.

Schulen in Schottland, die aus öffentlichen Geldern unterstützt werden, werden ebenfalls Public - also öffentliche - Schools genannt, sie sind selbständig, verlangen aber kein Schulgeld.


Welche ist die älteste Universität in Großbritannien?

Die University of Oxford war die erste in Großbritannien errichtete Universität. Ihre Ursprünge gehen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Organisiert ist sie als eine Vereinigung von mehreren Colleges, die vom jeweiligen Lehrkörper, den "Fellows", geleitet werden. Das älteste College, das University College, wurde 1249 gegründet. Andere berühmte Colleges der Universität von Oxford sind das All Souls College (gegründet 1438), Christ Church College (gegründet von Kardinal Wolsey im Jahre 1546) und das Lady Margaret Hall College (gegründet 1878), das erste College für Frauen. Heute besteht die Universität von Oxford aus 35 Colleges, von denen zwei ausschließlich Studentinnen vorbehalten sind.

Vor den Unruhen in Oxford flüchtende Scholaren gründeten 1208 in Cambridge die erste akademische Gemeinde. Auch die Cambridge University ist als eine Vereinigung mehrerer Colleges organisiert. Das älteste, das Peterhouse College, stammt aus dem Jahre 1284. Das größte College, das Trinity College, wurde 1546 von Heinrich VIII. gegründet.

Auch Schottland kann sich einer Reihe sehr alter Universitäten rühmen. Bis zum Ende des Mittelalters gab es in Schottland bereits vier Universitäten, und zwar in Edinburgh (gegründet 1583), Glasgow (gegründet 1450), in Aberdeen (gegründet 1494) und in St. Andrews (gegründet 1411), während England zu dieser Zeit nur zwei besaß.

Die Universität von Wales wurde 1893 gegründet. Sie besteht aus sechs Colleges, das älteste ist das St. David's College in Lampeter, das 1822 gegründet wurde.

Die Queen's University von Belfast wurde 1845 als Queen's College, Belfast, und Teil der Queen's University von Irland gegründet, die weitere Colleges in Cork und Galway unterhielt. Ihre Verfassung als selbständige Universität erhielt sie 1908.

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