Cricket
Viele sind an den komplizierten Regeln dieses Spiels gescheitert. Hier werden sie trotzdem erklärt
Obwohl sich Cricket in Deutschland zunehmender Beliebtheit erfreut, kann es hier noch immer als exotische Sportart gelten. Cricket? Ist das nicht dieses gemütliche Spiel, bei dem ältere Damen und Herren größere Kugeln mit langstieligen Holzhämmern durch kleine Törchen schlagen? Nein - das ist Krocket. Cricket ist auch nicht das Spiel auf den Pferden, bei dem sich Prinz Charles so gerne den Arm bricht. Das ist Polo. Beim Baseball wird im Gegensatz zum Cricket mit einem runden Schläger gespielt, aber mit Baseball kommen wir der Sache schon näher.
Cricket ist der älteste englische Sport und wohl auch der englischste Sport überhaupt.
Auch in Deutschland fand Cricket Anhänger. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde Cricket zusammen mit Fußball bekannt, und der erste nationale Ballsportverband, 1891 gegründet, hieß nicht zufällig »Deutscher Fußball- und Cricketbund«. 1914, zu Beginn des ersten Weltkriegs, spielten nicht weniger als 26 Mannschaften in Berlin regelmäßig Cricket. Gegen Ende der 50er Jahre verlor Cricket in Deutschland seine Popularität. Gute Cricketspieler wanderten zum besser bezahlten Fußball ab, Cricketplätze wurden überbaut oder in Fußballplätze umgewandelt.
Ende der 70er Jahre und in den 80er Jahren entstehen in Deutschland vielerorts neue Cricketvereine: in München, in Wiesbaden, Hanau, Haßloch, Darmstadt, Passau, Frankfurt/M, Hamburg, Berlin. 1988 wird der »Deutsche Cricket Bund« gegründet, dem heute fast 50 Vereine angehören. Mit den Nachbarn Frankreich, Italien und Österreich wurden bald Spiele bestritten. 1996 nahm Deutschland zum dritten Mal an der europäischen Hallenmeisterschaft teil. Höhepunkte internationaler Begegnungen waren daneben die Europameisterschaften in Berlin 1993 und Oxford 1995, bei denen Deutschland jeweils Vizemeister wurde.
Das bei weitem bedeutendste Ereignis für den deutschen Cricketsport fand im Jahr 1999 statt, als Deutschland von der dritten in die zweite Mitgliedschaftsstufe des ICC (sog. Associate Member) gewählt wurde. Seitdem besitzt Deutschland Stimmrecht im internationalen Verband und nahm an der Qualifikation für den nächsten World Cup 2003 in Süd Afrika teil. Dabei konnte sich Deutschland von Platz 24 auf Platz 18 in der Weltrangliste verbessern.
Die Spielregeln: Cricket ist ein Fang- und Rückschlagspiel zwischen einer Feld- und einer Schlagmannschaft (ähnlich wie beim Brenn- oder Schlagball). In der Halle wird mit je acht Spielern gespielt, im Freien mit elf. Die eine Mannschaft schlägt den Ball und rennt dann zwischen den Toren (Wicket) hin und her, um Punkte (Runs) zu sammeln.
Die Feldmannschaft versucht nun, den geschlagenen Ball möglichst schnell zu fangen bzw. zu stoppen um so das gegnerische Punktesammeln zu verhindern.
Von der Schlagmannschaft sind jeweils nur zwei Spieler auf dem Feld, die Batsmen, die mit ihrem Schläger (Bat) bewaffnet den Ball wegzuschlagen versuchen. Die Feldmannschaft ist vollständig auf dem Feld versammelt.
Die Grundidee ist ein Duell zwischen dem Schlagmann (Batsman) und dem Werfer (Bowler), der zur Feldmannschaft gehört. Der Bowler schleudert den Ball mit ausgestrecktem Arm auf das entgegengesetzte Tor (Wicket). Dort steht jedoch der Batsman, der versucht, den Ball möglichst geschickt wegzuschlagen.
Gelingt ihm das, so können beide Batsmen ihre Plätze tauschen. Für einen solchen (abgeschlossenen) Positionswechsel erhält die Schlagmannschaft einen Punkt (Run). Trifft der Batsman den Ball jedoch nicht, und zerstört der Ball das Wicket, wird der Batsman vom Feld geschickt. Er ist »out«. Ein neuer Batsman der Schlagpartei kommt auf das Feld und spielt weiter. Sechs gültige Würfe eines Bowlers sind ein Over. Nach jedem Over wechselt der Bowler.
Das Spiel wird solange fortgesetzt, bis die Schlagmannschaft keine Spieler mehr hat, die noch nicht als Batsmen auf dem Platz waren oder bis eine vor dem Spiel festgelegte Anzahl von Overs erreicht ist. Die Mannschaften tauschen nun ihre Rollen: die Feldmannschaft wird zur Schlagmannschaft und umgekehrt.
Neben der genannten Möglichkeit der Feldmannschaft einen Batsman aus dem Spiel zu werfen gibt es weitere.
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