Unheimliche Jäger in den Highlands
Ersatz für Nessie und Schloßgespenster: Angeblich durchstreifen rätselhafte Raubkatzen die Wälder und Moore in Grossbritannien
Nessie ist out; Big Cats sind in. Die Briten haben einen Ersatz gefunden für das spurlos verschwundene Ungeheuer von Loch Ness: Rätselhafte Raubkatzen, die angeblich durch die schottischen Highlands, die Wälder Mittelenglands und die Moorgebiete von Devon im Süden streifen. "Die Suche nach Pumas und anderen Großkatzen", berichtet die BBC, "wird immer populärer".
Und in jüngster Zeit häufen sich die mysteriösen Großkatzensichtungen im Königreich. Sogenannte Big Cat-Clubs haben regen Zulauf; Bücher mit Titeln wie 'Monster Hunter' sind gefragt. Es gibt sogar nationale Konferenzen der britischen Großkatzensucher. Die nächste wird gerade für Ende März in der westenglischen Stadt Kingston-upon-Hull vorbereitet.
Die Fans erwarten sich davon Neuigkeiten über die geheimnisvollen Wesen. An der Spitze der 'Top Ten Cats' steht das 'Biest vom Bodmin-Moor'. Ausgerechnet in der Ferienregion Cornwall soll der "leopardenartige" Räuber seit Jahren immer wieder Kühe und Schafe reißen, um dann jeweils für lange Zeit unterzutauchen.
Populär sind auch die Geschichten um den 'Löwen von Dartmoor', obwohl von ihm eigentlich nichts weiter gesichtet wurde als der Abdruck einer etwa 15 Zentimeter langen Pranke. Mehr ein Phantom als ein greifbarer Großkater ist auch der 'Surrey Puma'. Er soll seit Anfang der 1960er Jahre südwestlich von London hin und wieder Spaziergänger erschrecken.
Angriffe auf Menschen wurden bisher selten gemeldet. Allerdings gab es ein paar aufregende Fälle. Im Sommer 2000 wurde ein Junge im walisischen Dorf Trellech angeblich von einer Großkatze angesprungen. Der Elfjährige sei nur knapp mit dem Leben davon gekommen, hieß es später in Berichten über den 'Terror-Tiger von Trellech'. Etwa 2.500 Augenzeugenhinweisen hat die British Big Cats Society seit 2004 gezählt. Und Mark Fraser, Gründer der Konkurrenz-Gruppe Big Cats in Britain, sagt: "Jeden Tag rufen uns Menschen an, die glauben, Großkatzen gesehen zu haben".
Alles Unsinn, heißt es beim Ministerium für Umwelt und ländliche Angelegenheiten in London. Immer wieder erwiesen sich Pumas oder Luchse als Füchse. "Wir glauben nicht, dass Großkatzen wild in Grossbritannien leben". Das könne die Enthusiasten nicht bremsen, sagt Sophie Stafford vom BBC-Programm Wildlife. "Der Gedanke an frei herumlaufende Großkatzen beflügelt die Phantasie".
"Woher sind sie zu uns gekommen?" lautet eine der wichtigsten Fragen der bevorstehenden Big Cat-Konferenz. Zu den schlichteren Theorien gehört, dass sie einfach ausgesetzt wurden. Derzeit werden in ganz Großbritannien 12 Löwen, 14 Tiger und 50 Leoparden von Privatleuten als Haustiere gehalten - mit staatlicher Erlaubnis. Daneben gibt es eine unbekannte Zahl von 'Schwarzbesitzern'. Sie stehen im Verdacht, ihre Lieblinge ab und zu zum Jagen rauszulassen. Bis 1981 eine Lücke im Gesetz geschlossen wurde, war es formaljuristisch legal, seinen Hauspanther im Wald auszusetzen.
Eine historische Erklärung liefert eine andere Theorie: Die Großkatzen sollen von Raubtieren abstammen, die einst die Römer für ihre Zirkus-Veranstaltungen auf die Insel mitgebracht hatten.
Einige wenige glauben sogar, der 'Terror-Tiger von Trellech' und andere Raubtiere seien Nachfahren von Großkatzen, die irgendwie die Eiszeit überlebten. Einigkeit herrscht immerhin über die Faustregel der British Big Cats Society für den Fall der Begegnung mit einer echten Raubkatze in freier Wildbahn: "Nicht annähern, nicht bedrohen, aber darüber berichten!"
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