Michaels Reisetagebuch: Leben und Arbeiten in Irland - Iren stimmen für Verfassungsänderung

Iren stimmen für Verfassungsänderung


Irland hat in einem Referendum im Juni 2004 entschieden, sein Staatsbürgerrecht zu ändern. 79,05 Prozent der Iren, die an der Abstimmung teilnahmen, votierten für die Verfassungsänderung. Bisher ist auch jedes Kind ausländischer Eltern, das auf irischem Boden geboren wurde, irischer Staatsbürger geworden. Wegen des Nordirlandabkommens gilt das seit kurzem sogar für Nordirland. Mit dem »irischen Pass« können die Kinder und womöglich ihre Eltern dann überall in der Europäischen Union leben. Das hat der Europäische Gerichtshof kürzlich vorläufig bestätigt. Die chinesischen Eltern eines Kindes, das in Belfast geboren war, haben sich damit Bleiberecht in Grossbritannien erwirkt. Die Mutter war zur Geburt aus China nach London gekommen, auf den Rat eines Anwalts nach Nordirland weitergereist. Für Asylbewerberinnen, die in Irland Mutter werden, gibt es sogar den polemischen Begriff »Staatsbürgerschaftstouristinnen«: Frauen reisen zur Entbindung nach Irland und nehmen Kind, irischen Pass und Bleiberecht in der EU bei der Entlassung mit.

Die Reform soll solchen Missbrauch einer irischen Rechtstradition verhindern und ein legales »Schlupfloch« in die Europäische Union schliessen. Nach der Neuregelung muss mindestens ein ausländischer Elternteil mindestens drei Jahre in Irland gelebt haben. Bleiberecht in der Republik ist seit einem Gerichtsurteil 2003 allerdings auch dann nicht gewährt. Doch in der übrigen EU haben die jungen Iren das übliche Niederlassungsrecht. Die Oppositionsparteien »Sinn Fein« und »Grüne« warfen der Regierung, die die Verfassungsänderung eingebracht hatte, vor, mit dem heiklen Thema Zuwanderung ein »politisches Spiel« zu betreiben. Irland hat sich im vergangenen Jahrzehnt vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland entwickelt.