Old Head, Coolmain Point & Courtmacsherry
Ausflugstipp
Rico und ich unternahmen am 1. Juli 2005 einen weiteren, schönen Ausflug. Das Wetter war allerdings weniger schön und eines 1. Julis nicht würdig. Es war meist stark bewölkt, gab ab und zu kurze Regenschauer und war recht windig. Von sommerlicher Hitze konnte natürlich überhaupt keine Rede sein.
Zuerst fuhren wir wieder an den immer wieder reizvollen 'Old Head' bei Kinsale. Heute allerdings nicht um zu picknicken, sondern um einen dicken Fisch zu fangen. Erst einmal zuvor habe ich geangelt und das war 1987 im Norden der Nordinsel Neuseelands, wo ich binnen weniger Minuten einen dicken 'Snapper' nach dem anderen aus dem Pazifik fischte - so, als ob ich nie etwas anderes getan hätte. Am 'Old Head' gab es keinen Pazifik und auch die Wasser- und Lufttemperaturen waren nicht ansatzweise mit Neuseeland vergleichbar.
Zum Glück hatte ich 'Angel-Experte' Rico dabei, der mir immer stolz berichtete, wie viele Fische er stets zu angeln pflegte. Bisher war ich nie dabei - heute sollte ich Zeuge werden, wie man einen Fisch nach dem anderen aus dem Meer holte. Doch - es passierte nichts! Rico schaute kritisch in den grauen Himmel und gleich danach in das unruhig schäumende Meer.
Entweder war die Brandung zu stark oder das Meer war zu flach, weil gerade Ebbe war. Oder es stimmte etwas mit dem Köder nicht. Ausserdem schlug der Blinker immer gegen die nackten Felsen. Manchmal verjagten auch rosarot gekleidete irische Teenager die armen Fische mit ihrem gewöhnungsbedürftigen Outfit. Wenn die dann auch noch schrill kreischten, war das tobende Meer fischlos! Kurzum: Rico fing nichts - und ich auch nicht. Schade! Ein anderes Mal!
Rico und ich fuhren weiter an den 'Coolmain Point'. Dort war das Wetter richtig mies. Es regnete heftig, was den Blick auf die idyllische Landschaft schwer beeinträchtigte. Hier trafen wir auf einen Ur-Iren, der exakt so aussah, wie man sich einen Iren vorstellt. Mit seinen 82 Jahren bewegte er sich wesentlich flinker über die rutschigen Felssteine als wir. Er war in Begleitung seines absolut zauberhaften 'Golden Retriever'-Hundes mit dem ungewöhnlichen Namen 'Uncle Fred'. Mann, war der niedlich! So einen hätte ich auch gern!
Das Wetter besserte sich jetzt. Über Timoleague fuhren Rico und ich weiter nach Butlerstown, wo wir wieder auf bizarre Klippen trafen. Die waren hier recht steil, so dass man beim Liegen stets etwas ins Rutschen kam. Die Blumen-, Pflanzen- und Vogelwelt waren grossartig. Auch hier stürzten die Tölpel ins Meer, und flogen mit einem dicken Fisch davon. Eigenartig: Für die Tölpel war die Brandung nicht zu stark. Auch schien das Meer hier die richtige Tiefe zu haben. Mit leichtem Neid in seinen Augen schaute Rico auf die fangfleissigen Vögel. Er hätte jetzt sicher einiges dafür gegeben, für einen Augenblick mal Tölpel sein zu dürfen.
Alle Tölpelarten sind ausgezeichnete Stoßtaucher, die auch aus Höhen von 30 m senkrecht herabstürzen, wobei sie Kopf und Schnabel ständig auf ihre potentielle Beute fixiert halten und mit ihrem gesamten Körper ausgleichende Drehungen vollführen. Im Moment des Auftreffens auf der Wasseroberfläche stecken Tölpel ihre langen, schmalen Flügel am Körper entlang weit nach hinten, so daß die Vögel mit ihrem langen, kräftigen, kegelförmigen Schnabel nach vorn wie eine Harpune durchs Wasser schießen. Die Halspartie ist kurz und kräftig, so daß auch stärkere Stöße ohne Schaden aufgefangen werden können. Tölpel verfolgen ihre Beute - überwiegend Fische und insbesondere Fliegende Fische, aber auch Kopffüßer - unter Wasser und dringen auch in Tiefen bis zu 30 m vor, wie Totfunde von in Fischernetzen verhakten Vögeln belegen. Als gesellige Vögel nisten Tölpel in oft riesigen Kolonien auf Küstenfelsen und Vorgebirgen Irlands und fliegen auch gemeinsam auf Nahrungssuche.
Rico und ich fuhren weiter nach Courtmacsherry, ein kleines Fischerdorf, zehn Auto-Minuten ausserhalb von Clonakilty, dass die älteste Lifeboat-Station Irlands beheimatet. Die Ruhe des angrenzenden Meeres, das wunderschöne umliegende Waldland und die wunderschöne landschaftliche Lage machen Courtmacsherry und die wilde, zerklüftete Halbinsel 'Seven Heads' zum Urlaubsziel für alle Altersgruppen. Die obere Bucht, ein Paradies für Vogelkundler, überschattet von den historischen Mauern der bekannten 'Timoleague Abbey', beheimatet Reiher, Wildenten und Kormorane.
In Courtmacsherry schauten wir uns die spektakulären Überreste der 1172 erbauten 'Abbeymahon' an. Dass die Gewässer in Courtmacsherry ein 'Dorado' für Angler sind, traute ich mich Rico gegenüber nicht mehr zu erwähnen. Gegenüber der Abtei befand sich eine Bucht, in der offensichtlich gerade Ebbe herrschte. Der Meeresgrund sah wie begehbares Watt aus - aber Vorsicht: Ein Tritt und man sinkt blitzartig ein. Ich habe es versucht und mich ziemlich erschrocken. Meine Hose war jetzt im wahrsten Sinne des Wortes 'versumpft'. Und so wollten wir gleich Essen gehen.
Rico und ich suchten uns den wirklich empfehlenswerten Pub 'The Viaduct Inn' aus, der sich an der 'Bandon Road' -vor den Toren von Cork City- befand. Beim Eintritt in den Pub wurde ich mit meinen verdreckten Hosen argwöhnisch beäugt. Mit einem gemurmelten "... sind mit dem Auto stecken geblieben" konnte ich dann schliesslich doch noch Platz nehmen. Wie mittlerweile überall in Irland, sieht man überall Polen. In diesem Pub bedienten an diesem Abend gleich zwei. Dass es sich um polnische Bedienungen handelte, merkten wir spätestens dann, als wir einen 'Shandy' bestellten und die Damen uns wie ein gestohlenes Auto anschauten, weil sie nicht wussten, was das wohl ist. Ausserdem kam die irische Pub-Wirtin immer wieder zu uns an den Tisch, um sich zu vergewissern, ob die Polinnen auch unsere Essensbestellung richtig begriffen haben. Ein 'Shandy' entspricht übrigens einem Alsterwasser bzw. einem Radler, ein erfrischendes Zitronenlimonade/Bier-Gemisch.
Das Essen war vorzüglich. Die Portionen war riesig! Allein die Vorspeisen waren gross wie Hauptgerichte. Rico gönnte sich Hähnchenflügel, ich genoss vorzüglich frittierte Knoblauch-Pilze mit Salat. Als Hauptgericht bekam Rico ein Meeresfrüchtegericht und ich eine unglaublich leckere Ente mit Gemüse und Kartoffeln.
Dieses tolle Essen in einem sympathischen Pub rundete einen gelungenen Tag ab. Es ist spät geworden und wir waren nicht nur vom üppigen Essen etwas müde. Rico schlief sicher schnell ein: In einem aufregenden Traum stürzte er als wagemutiger, junger Tölpel immer wieder wie eine Rakete ins Meer und holte einen dicken Fisch nach dem anderen aus der tobenden See...