Skibbereen & Baltimore
Zwischen Weiden und buschigen Hügeln am River Ilen gelegen, ist Skibbereen mit seinen 2.200 Einwohnern, seinen Schulen und dem großen Markt das Zentrum von Westcork. "Quod petis hic est?" ("Was du auch suchst, hier findest du es"), lautet das treffende Motto im Stadtwappen.
Skibbereen wurde von Leuten aus Baltimore gegründet, die 1631 nach einem Überfall algerischer Piraten ins sichere Landesinnere zogen. Aus zwei Siedlungen zusammengewachsen und deshalb sehr langgezogen, erscheint der Ort größer, als er in Wahrheit ist. Gleich hinter der Hauptstraße beginnen die Felder. Touristen und die Brüsseler Finanzspritzen für die Bauern der strukturschwachen Region haben einen bescheidenen Wohlstand gebracht, und besonders an den Markttagen (mittwochs und freitags) sind die Straßen voller Lokalkolorit. Mittelpunkt ist der Rathausplatz mit dem Denkmal der Maid of Erin. Die um 1900 von Nationalisten gestiftete Statue stand lange mitten auf der Straße und wurde wiederholt von Autos gerammt, jetzt hat man sie ein Stück versetzt. Es heißt, die Dame schaue nun deutlich entspannter. Tafeln widmen das Denkmal verschiedenen Aufständen gegen die Kolonialherren.
Über die überdimensionierte Eisenbahnbrücke hinter dem West Cork Hotel, die jetzt einzig der Zufahrt zu einem Haus dient, dampfte bis 1961 die Eisenbahn nach Baltimore. Das Haus von Roycroft's Bicycles, schräg gegenüber dem Hotel, ist eine alte Mühle, in der vor gut 150 Jahren die erste Dampfmaschine in Skibbereen installiert wurde. Die Geschichte des Hauses ist geradezu symbolisch. Während des Großen Hungers, der die Gegend besonders hart traf, war hier die Suppenküche für die Armen (der Suppenkessel steht im Heritage Centre); später, als sich bis in die 1950er Jahre der Jugend als einzige Perspektive die Auswanderung bot, beherbergte die Mühle eine Agentur der Cunard-Reederei.
Den Hungerjahren widmet sich das Heimatmuseum Skibbereen Heritage Centre am Platz des früheren Gaswerks. Landarbeiter Jeremy Irons, Peter Matthew und andere Betroffene schildern die dramatischen Ereignisse jener Zeit, als eine 5-köpfige Familie sich mit gerade 10 kg Kartoffeln, 1 kg Mehl und einem Kohlkopf eine ganze Woche lang ernähren musste. Zweites großes Thema des Museums ist die Natur in und um Lough Hyne - ein Film und schöne Fotos wecken Vorfreude auf einen Besuch des Sees; in einem Salzwasseraquarium tummeln sich Fische.
Ausgeschilderte Rundwege führen durch das 16 ha große Liss Ard Experience-Gelände mit Waldlandschaft, Blumenwiesen und einem kleinen Teich. Höhepunkt ist der Irish Sky Garden mit seinem Amphitheater, in dem man nach dem anstrengenden Aufstieg auf einer Monumentaltreppe tatsächlich nichts als den irischen Himmel sieht.
Kern des Naturschutzgebietes, 6 km südlich von Skibbereen (ausgeschildert von der Baltimore Road), ist ein ungewöhnlicher Salzwassersee: Lough Hyne. Eine Schwelle, über die das Meerwasser gerade nur auf dem Höhepunkt der Flut schwappt, trennt ihn vom Ozean. Der Salzgehalt in der windgeschützten, von Felsen umrahmten Bucht ist deshalb geringer. So hat sich in dem kristallklaren Wasser ein für Irland ungewöhnliches Biotop mit Seesternen, Seeigeln, Schnecken und seltenen Fischen entwickelt. Strandläufer huschen über die Steine, Kormorane jagen, manchmal verirrt sich gar eine Robbe in den See. Das Ostufer ist in privater Hand, auf dem Westufer verläuft jedoch ein Weg, auf dem man in einer guten Stunde nach Baltimore wandern kann. Eine schöne Tour (hin- und zurück 2 1/2 Stunden) beginnt etwa dort, wo die Straße nach Baltimore den See verlässt. Ein unscheinbares Schild Hill Top weist den Waldpfad zu einem namenlosen Gipfel mit schöner Aussicht und üppig blühendem Heidekraut.
Das Fischerdorf Baltimore (400 Einwohner) um die romantische Ruine des Dun na Sead Castle ist der Hafen für die Inseln in der Roaringwater Bay. Immer im Juni kommt hier der Clan der O'Driscolls zusammen, deren Vorfahren als Seeräuber ein Vermögen machten, indem sie die Küsten und spanische Amerikasegler plagten. Auch später schöpfte der Ort seinen Reichtum aus dem Meer. Bis zum 1. Weltkrieg gingen täglich mehrere Güterzüge voll mit Fischen und Meeresfrüchten nach Cork, bis in unsere Tage haben sich drei Bootswerften gehalten. Mit der Zucht von Muscheln und besonders Austern haben die Fischer, denen immer weniger in die Netze geht, ein neues Zubrot gefunden. Doch noch immer hat Baltimore den größten Fischumsatz in West Cork. Im Sommer beleben den Hafen Freizeitsegler, für die durch einen millionenschweren Umbau zusätzliche Liegeplätze entstanden. Viele sind auf der Durchreise zu den Inseln, andere bleiben ein paar Tage und genießen die beschauliche Stimmung vom "Weltende" hier am Übergang zwischen Land und Wasser.
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