Michaels Reisetagebuch: Leben und Arbeiten in Irland - Irland: Wo sich ganz Europa trifft

Irland: Wo sich ganz Europa trifft

Jobsuche in Irland? Kein Problem für einige Österreicher. Über das Internet fanden sie innerhalb weniger Wochen Arbeit und Wohnung.

Winter ohne Schnee? Daran mussten sich Katharina Reitbauer und Bettina Kinnreich in Irland erst gewöhnen. Die beiden Österreicherinnen arbeiten seit einigen Monaten in Callcentres, wobei Katharina für den Tourismus und Bettina Ansprechpartnerin für Firmen ist, die Probleme mit Netzleitungen haben.

Wie kamen die zwei Absolventen der HLW Weiz (bei Graz/Steiermark) nach Irland? Durch Bekannte, die ihnen bei der Arbeitssuche behilflich waren. Einer der beiden ist der Birkfelder Adrian Kachelmaier. Er arbeitete zunächst in Irland, ist jetzt aber in Gibraltar Kundenbetreuer einer Online-Firma.

Zurück nach Irland. Kartoffel und Pommes sind eine der begehrtesten Speisen der Iren - Katharina ist nicht mehr so begeistert davon. Die Iren hätten auch einen "total anderen Lebensstil als wir. Viele von ihnen gehen nur arbeiten, um danach ihr Geld in Pubs wieder auszugeben". Aus jungen Mädchen werden schnell Mütter. Katharina, selbst 22: "Fast jede über 18-Jährige ist schwanger oder hat ein Kind". Katharinas Familie hat sich daran gewöhnt, dass sie im Ausland jobbt. Vor ihrem Irland-Aufenthalt hat sie in Mailand gearbeitet.

Katharinas Freundin, die 23-jährige Bettina Kinnreich, war vor ihrem Irland-Aufenthalt bei einer Steuerberatungskanzlei in Graz beschäftigt. Bettina wollte ihre Englischkenntnisse verbessern und einmal weg von zu Hause. Leicht war es nicht. Am Anfang hatte sie Schwierigkeiten, den irischen Dialekt zu verstehen - in der Schule hatte sie doch ein etwas anderes Englisch gelernt.

Bald aber lebte sie sich ein und jetzt fühle sie sich schon richtig wohl, sagt sie. Bettina ist nicht die einzige Ausländerin im Betrieb. Ihre Kollegen kommen aus Italien, Holland, Deutschland, Frankreich und Osteuropa. Irland ist für österreichische Verhältnisse nicht billig. Aber Bettina verdient rund 1.500 Euro netto und kann so sehr gut leben.

Bettina fand schnell eine Arbeit in Irland. Unter anderem mit Hilfe von Adrian, der gerade am Absprung nach Gibraltar war. Der 21-Jährige HTL-Absolvent fand innerhalb von zwei Wochen einen Job in Gibraltar. Das Arbeiten im Ausland ist für ihn ein Vorteil: Man lernt andere Sprachen, verdient Geld und sammelt Lebenserfahrung. Ein Nachteil, so Adrian: "Das Sozial- und Gesundheitssystem ist weder in Irland noch in Gibraltar mit dem österreichischen vergleichbar".

Auch für Bettina wird die Zeit in Irland bald abgelaufen sein. Im Internet sucht sie ihren nächsten Job in Spanien oder Gibraltar. Zurück nach Österreich jedenfalls will sie nicht so schnell.

Haben Jugendliche wirklich schon alle Trümpfe in der Hand, wenn sie einmal im Ausland gearbeitet haben? Gibt es auch Probleme, wenn man später in den österreichischen Arbeitsmarkt einsteigen will? Wir befragten Fachleute im Personalberatungsbereich.

Sylvia Müller-Trenk von der Firma Catro etwa sieht überwiegend Pluspunkte. Leute, die bereits im Ausland gearbeitet haben, würden einfach mehr Sprachen beherrschen: "Englisch ist ohnehin Grundbedingung".

Auch andere Kulturen kennen zu lernen sei sehr nützlich, weil es sogar in Österreich interkulturelle Arbeitsplätze gebe. Das heißt: Selbst hierzulande sei es möglich, einen Chef aus dem Ausland zu haben. "Auch das Selbstbewusstsein der Jugend wird gestärkt", weiß Müller-Trenk. Junge Menschen würden lernen, sich zu organisieren und am Arbeitsplatz mobil zu sein.

Ähnlich argumentiert Cornelia Steiner vom Personalberater Hill in Graz: "Englisch, keine Frage, das ist Voraussetzung." Sie empfiehlt jungen Leuten, sich um asiatische und slawische Sprachen zu bemühen. Oder zumindest Grundkenntnisse in diesen Sprachen mitzubringen, wenn sie am Arbeitsmarkt besser sein wollen als ihre Konkurrenz. Beim Job-Schnuppern in anderen Ländern lerne man andere Kulturen und andere Menschen kennen. Ebenso reife die Selbstständigkeit "und man lernt, wie man in anderen Ländern zurecht kommt".

Wo aber beim Jobben im Ausland liegt - da sind sich Müller-Trenk und Steiner ebenso einig: "Wenn man zehn Jahre in London gearbeitet hat, ist es schwer, sich wieder im Heimatland zu integrieren", so Müller-Trenk, "weil man sich zu sehr an ein anderes Arbeitsumfeld gewöhnt hat". Dennoch: Andere Länder und andere Sitten kennen zu lernen, habe noch niemandem geschadet.

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