Michaels Reisetagebuch: Leben und Arbeiten in Irland - Whiskey ohne Wasser und Eis

Whiskey ohne Wasser und Eis

Irland für Anfänger: Es ist eine Liebe auf den zweiten Blick und lässt sogar Mädchenträume wahr werden.

"Come on, Jessy". Der Kutscher schnalzt mit der Zunge. Jessy, eine wuchtige, zottelige Stute, schnauft, ist klitschnass. Kleine Tropfen landen auf unseren Gesichtern. "Das ist nur ein Nieselregen", beruhigen wir uns. Und gönnen Jessy trotzdem eine Pause bei den Bergauf-Strecken im Killary Nationalpark. Wir steigen ab.

Irland also. Ein Nicht-Kenner stellt sich das Land folgermaßen vor: Viel Grün, sehr viele Schafe, noch mehr Bier und Regen, Regen, Regen. Doch der karg besiedelte Süden und Westen des Landes kann mehr.

Es sind schroffe Stein-Formationen, die den Killarney Nationalpark, übrigens der älteste Irlands, prägen, 233 Meter ist die höchste Stelle - für irische Verhältnisse fast ein Berg. Während der Eiszeit hat sich die Schlucht Gap of Dunloe geformt, die heute Wanderer, Rad- und Kutschenfahrer durchqueren. An den Seiten schwarze Moor-Seen, Moos und Farne, dazwischen ein paar gelbe Farbtupfer - der Stechginster blüht. In der felsigen Landschaft liegen vereinzelte Schafe, die den Besuchern das Hinterteil zuwenden, sobald diese die Kameras zücken. Bier? Nein, danke. Nach der Kutschenfahrt muss heißer Tee her. Nur auf den Regen ist Verlass. Einen stetigen Nieselregen, den man zwar nicht sieht, aber auf dem Gesicht spürt. "Gut für die Haut", erklärt uns eine Irin.

Der Hautpflege-Regen hält an, als wir mit dem Boot durch die "drei Seen" bis zum Ross Castle schippern. "Die Lachse beißen jetzt gut", sagt der Bootsmann. Leicht durchfroren erreichen wir die "Geburtsstätte" des Irish Coffee. In den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts machten Flugboote, die den Atlantik überquerten, in Foynes einen Zwischenstopp. Das Foynes Flying Boat Museum erinnert noch heute daran. Und eben hier soll Joe Sheridan den wartenden Passagieren den Irish Coffee erstmals serviert haben.

Wer den Whiskey in purer Form bevorzugt wird in Irland ohnehin fündig. In Midleton nahe Cork lässt sich die Geschichte des Nationalgetränks hautnah in The Jameson Experience erleben. Auf die Wünsche der internationalen Gäste wird Rücksicht genommen. Wer will, kann seinen Whiskey nach Abschluss der Führung sogar mit Cola oder Preiselbeersaft bestellen. Die Iren rümpfen darüber nur die Nase. Sie trinken ihr "Lebenswasser" ohne Wasser und Eis.

Wer in den Westen Irlands reist, kommt an einem Naturschauspiel nicht vorbei: Den Cliffs of Moher. Die Wellen des Atlantik donnern hier an die Küste, die bis zu 200 Meter tief abfällt. Ein Schauspiel, das Beobachter innehalten lässt. Und staunen - auch wenn der Zutritt an den Rand der Klippen seit kurzem abgesperrt ist. Nur wenige Meter entfernt wurde das neue Besucherzentrum eröffnet, das mit 3-D-Animationen Einblicke in die Landschaft gewährt.

Mit der Geschichte Irlands untrennbar verbunden sind die zahlreichen Burgen und Schlösser. Einige bieten neben normalen Führungen auch mittelalterliche Banketts. Und dort werden Mädchenträume wahr: Wenn etwa die Menge der frisch gekrönten Lady of Bunratty Castle zujubelt. Doch auch das hat seinen Haken: Der "Sir" an der Seite bekommt den Herrschersessel, während die Lady auf der Holzbank Platz nehmen darf. Musikanten stimmen alte, irische Lieder an, tanzen. Die hauptsächlich irischen Bankett-Gäste stimmen mit ein, singen mit. Und das tröstet darüber hinweg, dass der Küchenchef eigentlich im Kerker landen sollte. Aber dafür ist unsere Regentschaft zu kurz.