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Eliane Zimmermann (Jahrgang 1959) aus München, aufgewachsen in Südamerika und Afrika, kam im Jahr 2000 nach Irland. Welches sind ihre Erfahrungen auf der »grünen Insel«?
Frage: Eliane, wann bist du in Irland angekommen? In welcher Stadt lebst du?
Eliane: Meine Familie und ich (mein Mann und ich und unsere zwei kleinen Söhne, jetzt 7 und 13 Jahre alt) sind im Mai 2000 in Glengarriff bei Bantry, 80 km westlich von Cork, in unser winziges Holzhäuschen am Meer gezogen.
Frage: Was hat euch der Umzug nach Irland ungefähr gekostet?
Eliane: Genau 10.000 DM (ca. 5.112 Euro), ein riesiger Haushalt und ein nicht gerade kleines Büro. Wir haben tausende von Büchern und auch Pflanzen mitgenommen.
Frage: Wann hattest du deinen ersten Arbeitstag in Irland? In welchem Unternehmen hast du einen Job gefunden?
Eliane: Wir sind beide selbständig: Mein Mann als Journalist und ich als Buchautorin/Dozentin für Naturheilkunde (ich lehre alle zwei Monate in Deutschland und Österreich). Schaut euch gern mal meine Homepage an.
Frage: Wie bist du auf den Job aufmerksam geworden?
Eliane: Wie schon erwähnt: Wir sind beide selbständig. Als Freiberufler haben wir wenig Freizeit, wir versuchen uns umweltmäßig etwas zu engagieren (es treibt einem die Tränen in die Augen wie hier diesbezüglich gesündigt wird, von Müll und Abwasser im Meer über fehlendes Pfandsystem für Flaschen, Spritzmitteleinsatz in Privatgärten und Schulhof und dem unnötigen Fällen uralter Bäume), wird alles etwas belächelt oder gar hinter unserem Rücken bösartig kommentiert, aber so ist das auf dem Dorf, das war in Deutschland nicht anders. Mein Mann wandert oft, ich beackere wann immer es geht kleine Teile unseres gigantisches Grundstücks (um die 15.000 qm, ist für hiesige Verhältnisse klein!) oder bewundere einfach die Natur um uns herum, einfach so nur aufs Meer glotzen ist ein unvorstellbarer Luxus, wenn
man oft in die Großstädte fliegen muss. Wir lesen viel, gehen ab und zu mit den Jungs an irgendeinen Sandstrand in
der Nähe (oder 5 Min. vom Haus Kiesstrand) und schauen auch manchmal einfach nur deutsches Fernsehen (über Satellit). Auch fahren wir etwa einmal im Monat bis zu 80 km zu einem Großeinkauf (Aldi, Lidl, engl. Großmärkte), denn der lokale
Supermarkt ist in vielen Dingen einfach zu teuer, beispielsweise für das Hunde- und Katzenfutter. Wir beziehen allerdings viel Essen von einem Biogroßhändler und etliche Frischwaren (Gemüse, Ziegenquark, Ziegenkäse) von unserem bio-gärtnerndem deutschen Nachbarn.
Frage: Wie sehen deine Arbeitszeiten aus? Bist du mit deinem Gehalt zufrieden?
Eliane: Hier im Südwesten wäre keine Arbeit für uns zu finden, für 9 bis 10 Euro pro Stunde könnte man putzen, auf dem Bau arbeiten, gärtnern oder an einer der wenigen Hotelrezeptionen arbeiten.
Frage: Wieso seid ihr gerade nach Irland umgezogen?
Eliane: Weil wir aus München raus wollten, weil wir den Kindern eine relativ heile und allergiefreie Umwelt bieten wollten, weil das Schulsystem hier viel humaner ist, weil das Haus damals billiger war als eine Garage in München, weil wir eigenes Wasser aus unserem Brunnen beziehen können, weil es hier einfach etwas ruhiger zugeht (noch).
Frage: Klappt das Zusammenleben? Wo gibt es Schwierigkeiten? Was könnte besser sein?
Eliane: Wir haben wenig Kontakte zu Iren, kennen sehr viele Deutsche (allein drei Familien in Fußnähe), Engländer und Holländer und mussten in den sechs Jahren lernen, dass manchmal die viel gelobte Freundlichkeit trügt: für Touristen reisst man sich die Beine aus, über Blow-Ins (die Zugereisten) tuschelt man manchmal gar nicht so nett hinter dem Rücken.
Autoversicherung ist viel teurer als in Deutschland, Benzin ist mittlerweile fast genau so teuer wie in Deutschland, war bis vor einem halben Jahr etwas preiswerter. Dafür zahlt man in der privaten Krankenkasse nur gut 600 Euro pro Jahr und
muss sie jedes Jahr neu abschließen. Auch Abonnements verfallen nach einem Jahr, wenn man nicht aktiv verlängert, also keine Zwangsheirat weil man vergessen hat, etwas zu kündigen. Wir zahlen in keine Krankenkasse, nur eine in Serious Illness-Kasse, die im Falle von etlichen definierten Krankheiten wie Krebs, Aids, Herzinfarkt, Amputation etc zahlt. Für den seltenen Kleinkram (nicht endendes Ohrenweh, große Schnittwunde, Dauerkopfweh) gehen wir zum Arzt, denn nähen oder
Antibiotika verschreiben kann ich als Fast-Heilpraktikerin (Aromatherapist mit britischem Diploma) nicht, ansonsten wird alles selbst behandelt. Die private Krankenkasse würde sich hier auf dem Land ohne jede Ärzteauswahl nicht lohnen, die paar Ärzte haben leider nicht viel Ahnung. Man geht hier aber auch nicht wegen jedem Hüsterchen und quer sitzender Luft zum Arzt, das ist ganz anders als in Deutschland. Darunter leidet aber sicherlich die Vorsorge, wenn man keine Ahnung von Medizin und gesundem Leben hat. In dieser Hinsicht habe ich mich auf Irland intensiver vorbereitet als es meine normale Tätigkeit erfordert hätte. Es gibt hier interessanterweise kein weit bekanntes Wort für Neurodermitis, die ist (noch) kaum vorhanden. Auch erscheinen mir die schmuddeligen Kinder insgesamt sehr robust, obwohl die Ernährung von Groß und Klein – zumindest aus Sicht der Naturheilkundlerin – katastrophal ist. Ein Preisbeispiel: Unser Aupair-Junge hat oft gerne im Garten mit geholfen und sich leider mal mit der Kettensäge ins Knie gesägt. Die Kosten des Krankenhauses, in das ich ihn fuhr (Abholung ist hier schwer zu organisieren) für Erstversorgung (bis Arzt Zeit hatte), Untersuchung, Röntgen, Lokalnarkose, Nähen, Verbinden betrug 60 Euro. Das kann man sich schon mal ab und zu leisten, wenn man all das Geld einspart, die das Gesundheitswesen in Deutschland kosten würde. Wir leisten uns auch mal ein paar Massagen oder Osteopathie-Sitzungen, wenn der Rücken schmerzt (50 - 70 Euro pro Stunde). Aber wehe man hat eine seltene, aufwändige oder gar undefinierbare
Krankheit: Dann würde ich hier nicht wohnen wollen.
Frage: Hattet ihr schon eine Wohnung ein Haus in Aussicht, als ihr in Irland eingetroffen seid?
Eliane: Ja, wir hatten das Haus ein Jahr vorher gekauft und schon zwischenzeitlich etwas wasserdicht machen lassen, das Dach hatte nämlich etliche Löcher. Zur Miete wohnen ist hier auf dem Land kaum üblich; wenn dann mußt du über 500 Euro für ein kleines Häuschen ohne viel Komfort oder kaum Grün drumherum zahlen.
Zum Haus: Da hab' ich mich völlig ausgeklinkt, das macht alles mein Mann, der gerade krank ist (Arztversorgung ist hier auf dem Land furchtbar, wenn man Naturheilkunde oder sorgsamen Umgang mit Kortison und Antibiotika erwartet). Hauskosten sind hier auf dem Land jedenfalls sehr viel niedriger als in Deutschland, eigenes Wasser haben fast alle, auch eigene Klärgrube, Müll hat vor fünf Jahren nichts gekostet, jetzt je nach Müllfirma um die 150 Euro pro Jahr Grundgebühr und dann ein paar Cent pro Kilo. Hund kostet ein paar Euro pro Jahr, TV/Radio über 100 Euro pro Jahr (furchtbare Mini-Auswahl), DSL-Leitungen gibt es nur an wenigen Orten, kommt gerade, Telefon ist viel teurer als in Deutschland und kaum Auswahl an Anbietern, Strom ist wohl vergleichbar mit Deutschland, Gas (nur aus Flaschen) hat sehr angezogen (über 30 Euro für die
normale Gasflasche die man z.B. für Beistellheizöfen nehmen kann), Heizöl schwankt genau wie in Deutschland und kostet eigentlich exakt gleich (wir heizen aber viel weniger als in Deutschland, im Winter fast nie über Nacht, tagsüber auch nur
stundenweise im Haus und mit Holz im Bürohäuschen, das sich getrennt im Garten befindet). Es ist hier bei kaum jemandem üblich, dass es so gleichmäßig überwärmt ist in den Zimmern wie in Deutschland, man ist immer noch abgehärtet und findet es ganz normal, dass einige Bereiche des Hauses schlichtweg kalt sind. Mit zunehmendem Wohlstand und immer mehr Zentralheizungen scheint sich das jedoch zu ändern. Hausversicherungen sind viel teurer als in Deutschland, für unser Holzhaus fast unmöglich, kommt erst so langsam mit der neuen Mode vom Holzhausbau. Kredite für Haus und Auto (es gibt seit 2000 sowas wie den TÜV) sind preiswerter; Häuser werden oft ganz ohne Eigenkapital gebaut (noch).
Frage: Was für Behördengänge hattet ihr denn hier nach eurer Ankunft abzuwickeln?
Eliane: PPS-Nummer beantragen und rauskriegen, ob man sich anmelden muss. Nach langem Herumfragen und unterschiedlichsten Auskünften von allerlei Leuten antwortete der lokale Polizist auf unsere Frage, ob man sich denn bei der Gemeinde anmelden müsse: »Klar müsst ihr das«. Auf unsere Frage, wo man sich denn anmelden müsse, antwortete er schließlich: »Keine Ahnung«. Mittlerweile wissen wir es: Nein, es besteht keine Meldepflicht in Irland. Es war alles viel unkomplizierter als innerhalb Deutschlands umzuziehen, womit wir reichlich Erfahrungen hatten. Dann natürlich Auto ummelden und eine gehörige Importgebühr bezahlen (nach dem Herausnehmen der hinteren Scheiben bei unserem Opel Combo hat sich das erledigt, da er damit zum Commercial Car wurde.
Frage: Wer hat euch dabei geholfen, sich in den ersten Tagen zurecht zu finden?
Eliane: Liebe (deutsche) Nachbarn mit langjähriger Irland-Erfahrung und vor allem die Eltern der anderen Kinder in der Schule.
Frage: Was sind deine positiven Eindrücke von Irland bzw. der Stadt in der du lebst?
Eliane: Es ist einfach wunderschön hier (noch, denn es wird leider viel verschandelt).
Frage: Was sind deine negativen Eindrücke von Irland bzw. der Stadt in der du lebst?
Eliane: Die Iren sind gierig ohne Ende geworden, leider gilt das mittlerweile auch für "den kleinen Mann" und "die kleine Frau", schlimm sind die Bauunternehmen, die null Rücksicht auf die wundervolle Natur nehmen. Cash regiert, mit Cash läuft alles.
Frage: Hast du Heimweh? Vermisst du Freunde und Familie?
Eliane: Nein, ich vermisse allenfalls meinen Vater, aber der lebt in Brasilien. Wir kriegen viel Besuch und durch meine Vortragsreisen kann ich meine wichtigsten Leute ein bis zweimal jährlich sehen. Ich besuche sie viel öfter und bewusster als früher, denn in Deutschland dachte ich immer: Ach, da fahre ich erst nächstes Mal wieder vorbei.
Frage: Was kannst du denjenigen empfehlen, die einen ähnlichen Schritt vorhaben?
Eliane: Offen sein und locker werden, nicht alles so eng sehen und keine Probleme mit Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit haben, das macht das Leben so herrlich flowing; keine rechten Winkel beim Bau und keine Schnäppchen erwarten.
Frage: Wo gefällt es euch besser? In Deutschland oder in Irland?
Eliane: Uns gefällt es eindeutig viel besser in Irland. Nur ein Satz wie gestern auf einer kleinen Wohltätigkeitsveranstaltung, zu der wir viel zu spät kamen, zeigt die Lockerheit, mit der hier das Leben genommen wirdt: "Wie schön, dass ihr gekommen seid, ihr seid gerade pünktlich, die Kutsche fährt gleich ab" (es wurde auf einer altmodischen Kutsche Geld für Brunnen in Afrika gesammelt). Wenn man versessen auf Pünktlichkeit und Perfektion ist, hat man es hier allerdings wirklich schwer und wird schnell durchdrehen. Denn eigentlich klappt hier nichts auf Anhieb – aber dann immer doch irgendwie.
Schlußwort: Eliane, vielen herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche dir und deiner Familie noch eine gute und erfolgreiche Zeit in Irland! Lest bitte auch Elianes Reportage: Mit zwei Kindern nach Irland
Interview: Michael Schubert (Stand: 2006)
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